Rhythmisches System

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Das Rhythmische System ist das mittlere System des dreigliedrigen menschlichen Organismus. Es ist im Brustbereich des menschlichen Organismus zentriert und regelt den Rhythmus der Atmung und des Kreislaufsystem und hat seine physiologische Grundlage im Herz-Lungensystem. Das rhythmische System ist das wesentlichste physische Werkzeug des Gefühlslebens und der im lebendig strömenden Atem tönenden menschlichen Sprache. Jede Stimmungsschwankung, jede Freude, jedes Leid spiegeln sich in einer leise veränderten Atmung und einem sich beschleunigenden oder verzögernden Pulsschlag wider, wie auch jede körperlich bedingte Veränderung in Atmung und Herzrhythmus sogleich auf unser Gefühlsleben zurückschlägt. Allerdings erleben wir diese Gefühle nicht so klar und wach wie das, was wir durch unser Nerven-Sinnessystem erfahren, denn in unserem Gefühlsleben träumen wir eigentlich beständig.

Das Rhythmische System arbeitet beständig am Ausgleich zwischen dem Stoffwechsel-Gliedmaßensystem und dem Nerven-Sinnessystem.

„Das rhythmische System steht in der Mitte und will eben immer den Ausgleich schaffen zwischen den einander entgegengesetzten polarischen Tätigkeiten des Nerven-Sinnessystems und des StoffwechselGliedmaßensystems.“ (Lit.:GA 319, S. 16)

Herz-Lungen-System und Ätherleib

Durch das Herz-Lungensystem und den Sauerstoff werden die aufgenommenen Nahrungsstoffe, die durch die Verdauung zunächst zerlegt und abgetötet werden, wieder verlebendigt und damit in die ätherische Organisation aufgenommen:

„Nun, hier ist es, wo zum ersten Male sozusagen die hier geübte Betrachtungsweise zur Ketzerei werden muß gegenüber der offiziellen Naturwissenschaft. Denn wenn Sie jetzt den ganzen Herz-Lungentrakt nehmen — also das Gefäßsystem —, wenn Sie diesen ganzen Trakt nehmen, so ist er eigentlich dasjenige, was nun überführt die, wenn ich mich so ausdrücken darf, ganz unorganisch gewordene Nahrung in Lebendiges. Die menschliche Organisation kann nicht bestehen, ohne daß sie ihr Lebendiges sich selber gibt. Es findet da nur in umfänglicherem Sinne — wir brauchen uns wieder nicht auf die innere Wesenheit einzulassen, sondern nur auf dasjenige, wovon wir in der Physiologie fortwährend reden — etwas Ähnliches statt wie in dem Momente, wo wir die unorganischen Partien, sagen wir des Eiweißes, in organisches, in lebendiges Eiweiß umgewandelt finden, totes Eiweiß in lebendiges Eiweiß. Wir können uns bei dem heutigen theoretischen Stande der Wissenschaft in der Kürze der Zeit nicht darauf einlassen, zu betrachten, wie die Pflanze lebendiges Eiweiß hervorbringt, aber tatsächlich findet dasjenige, was da geschieht, um das Eiweiß in lebendiges umzuwandeln, im Menschen statt, nachdem der Speisebrei möglichst unorganisch gemacht worden ist, durch das Herz-Lungensystem, natürlich mit all seinen Anhängseln. So daß man sagen kann: Das Herz-Lungensystem ist da, um dasjenige, was physisches System ist, aufzufangen in die ätherische Organisation. Also wir haben ein Herz-Lungensystem als Menschen — beim Tiere ist es nicht in diesem Grade der Fall, da ist das viel verwischter —, beim Menschen ist es tatsächlich so, daß ein Vitalisieren stattfindet, ein Einfangen des Unorganischen in das Organische, ein Einfangen in das Vitale durch den Prozeß, der sich im Herz-Lungensystem abspielt. Dieser Prozeß hätte durchaus keine Möglichkeit, in unserer physischen Welt sich abzuspielen, wenn nicht gewisse Bedingungen erfüllt wären in der menschlichen Organisation. Sehen Sie, dasjenige, was ich Ihnen jetzt erzähle als Umwandlung des Speisebreies in eine ätherische Organisation, als ein Einfangen in eine ätherische Organisation, das kann sich eigentlich innerhalb der Gesetzmäßigkeit der Erde nicht ohne weiteres abspielen. Engel können das ausführen, aber wenn es ausgeführt würde, so müßten die Wesen, die das vollführen, es so vollführen, daß sie herumfliegen, daß sie bloß einen Mund hätten, eine Speiseröhre, und dann schließlich Magen- und Darmsystem, dann würde das aufhören und ins Ätherische verschwinden. Also es würden so Verdauungstrakte herumpendeln, und die würden getragen werden von unsichtbaren ätherischen Engelwesen. Dasjenige, was ich Ihnen schildere, könnte zunächst überhaupt in der physischen Welt gar nicht sich vollziehen, das wäre unmöglich. Es wird nur möglich gemacht dadurch, daß das ganze ätherische System nun heruntergerissen wird gewissermaßen in das Physische, eingegliedert wird in das Physische, und das geschieht durch die Aufnahme des Sauerstoffs in der Atmung. So daß der Mensch nicht jetzt ein Engel ist, sondern hier auf der Erde physisch wandeln kann, darauf herumgehen kann dadurch, daß sein Engelhaftes verphysiziert wird durch die Aufnahme des Sauerstoffs. Der projiziert das Ganze — aber real projiziert er es — in die physische Welt herein, und das Ganze vollzieht sich als physisches System; nämlich als Herz-Lungensystem vollzieht sich das, was sonst nur rein übersinnlicher Natur sein könnte.

So kommen wir dazu, einzusehen, daß so, wie der tierischen, pflanzlichen, menschlichen Organisation zugrunde liegt — auch der menschlichen Organisation, nur nicht so fest wie bei der Pflanze — der Kohlenstoff, indem er die eigentliche physische Organisation fixiert, ebenso zusammenhängt mit der ätherischen Organisation, insofern sie sich im Physischen ausdrückt, der Sauerstoff. Jetzt haben wir die zwei Stoffe, welche im wesentlichen zunächst das geformte, das vitalistisch geformte Eiweiß konstituieren. Aber wir haben eine solche Betrachtung angestellt, welche man ebensogut anstellen könnte mit der Eiweißzelle, mit der Zelle selber. Wir dehnen nur jene Betrachtung, die an der Zelle angestellt werden könnte, die eigentlich erst beginnen müßte, dadurch aus, daß wir statt der mikroskopischen Betrachtung im Menschen eine makroskopische Betrachtung anstellen dadurch, daß wir so die Vorgänge betrachten, die den Zusammenhang bilden zwischen Verdauungstrakt und Herz-Lungentrakt, daß wir sie innerlich durchschauen, wie sie zusammenhängen, wie eine ätherische Organisation eingreift, und diese physisch fixiert wird durch die Aufnahme von Sauerstoff.“ (Lit.:GA 314, S. 107ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene, GA 314 (1989), ISBN 3-7274-3141-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Anthroposophische Menschenerkenntnis und Medizin, GA 319 (1994), ISBN 3-7274-3190-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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