Rosenkreuz-Meditation

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Rosenkreuz mit 7 roten Rosen

Die Rosenkreuz-Mediation dient der Ausbildung seelischer Wahrnehmungsorgane, die den bewussten imaginativen Blick in die geistige Welt erlauben. Der Mensch muss dazu seine Seelenkräfte ertüchtigen, indem er eine bestimmte Bildvorstellung möglichst konkret und anschaulich in die Mitte seines Bewusstseins rückt und dort möglichst lange so festhält, dass sie nicht durch andere Gedanken gestört, dafür aber von ganz bestimmten Empfindungen begleitet wird. Im Falle der Rosenkreuz-Meditation handelt es sich dabei um das Bild des Rosenkreuzes, eines Kreuzes aus schwarzem, toten Holz, aus dem sieben rote Rosen hervorblühen.

Der Aufbau der Rosenkreuzmeditation

"Man stelle sich eine Pflanze vor, wie sie im Boden wurzelt, wie sie Blatt nach Blatt treibt, wie sie sich zur Blüte entfaltet. Und nun denke man sich neben diese Pflanze einen Menschen hingestellt. Man mache den Gedanken in seiner Seele lebendig, wie der Mensch Eigenschaften und Fähigkeiten hat, welche denen der Pflanze gegenüber vollkommener genannt werden können. Man bedenke, wie er sich seinen Gefühlen und seinem Willen gemäß da und dorthin begeben kann, während die Pflanze an den Boden gefesselt ist. Nun aber sage man sich auch: ja, gewiß ist der Mensch vollkommener als die Pflanze; aber mir treten dafür auch an ihm Eigenschaften entgegen, welche ich an der Pflanze nicht wahrnehme, und durch deren Nichtvorhandensein sie mir in gewisser Hinsicht vollkommener als der Mensch erscheinen kann. Der Mensch ist erfüllt von Begierden und Leidenschaften; diesen folgt er bei seinem Verhalten. Ich kann bei ihm von Verirrungen durch seine Triebe und Leidenschaften sprechen. Bei der Pflanze sehe ich, wie sie den reinen Gesetzen des Wachstums folgt von Blatt zu Blatt, wie sie die Blüte leidenschaftslos dem keuschen Sonnenstrahl öffnet. Ich kann mir sagen: der Mensch hat eine gewisse Vollkommenheit vor der Pflanze voraus; aber er hat diese Vollkommenheit dadurch erkauft, daß er zu den mir rein erscheinenden Kräften der Pflanze in seinem Wesen hat hinzutreten lassen Triebe, Begierden und Leidenschaften. Ich stelle mir nun vor, daß der grüne Farbensaft durch die Pflanze fließt und daß dieser der Ausdruck ist für die reinen leidenschaftslosen Wachstumsgesetze. Und dann stelle ich mir vor, wie das rote Blut durch die Adern des Menschen fließt und wie dieses der Ausdruck ist für die Triebe, Begierden und Leidenschaften. Das alles lasse ich als einen lebhaften Gedanken in meiner Seele erstehen. Dann stelle ich mir weiter vor, wie der Mensch entwicklungsfähig ist; wie er seine Triebe und Leidenschaften durch seine höheren Seelenfähigkeiten läutern und reinigen kann. Ich denke mir, wie dadurch ein Niederes in diesen Trieben und Leidenschaften vernichtet wird, und diese auf einer höheren Stufe wiedergeboren werden. Dann wird das Blut vorgestellt werden dürfen als der Ausdruck der gereinigten und geläuterten Triebe und Leidenschaften. Ich blicke nun zum Beispiel im Geiste auf die Rose und sage mir: in dem roten Rosenblatt sehe ich die Farbe des grünen Pflanzensaftes umgewandelt in das Rot; und die rote Rose folgt wie das grüne Blatt den reinen, leidenschaftslosen Gesetzen des Wachstums. Das Rot der Rose möge mir nun werden das Sinnbild eines solchen Blutes, das der Ausdruck ist von geläuterten Trieben und Leidenschaften, welche das Niedere abgestreift haben und in ihrer Reinheit gleichen den Kräften, welche in der roten Rose wirken. Ich versuche nun, solche Gedanken nicht nur in meinem Verstande zu verarbeiten, sondern in meiner Empfindung lebendig werden zu lassen. Ich kann eine beseligende Empfindung haben, wenn ich die Reinheit und Leidenschaftslosigkeit der wachsenden Pflanze mir vorstelle; ich kann das Gefühl in mir erzeugen, wie gewisse höhere Vollkommenheiten erkauft werden müssen durch die Erwerbung der Triebe und Begierden. Das kann die Beseligung, die ich vorher empfunden habe, in ein ernstes Gefühl verwandeln; und dann kann ein Gefühl eines befreienden Glückes in mir sich regen, wenn ich mich hingebe dem Gedanken an das rote Blut, das Träger werden kann von innerlich reinen Erlebnissen, wie der rote Saft der Rose. Es kommt darauf an, daß man nicht gefühllos sich den Gedanken gegenüberstelle, welche zum Aufbau einer sinnbildlichen Vorstellung dienen. Nachdem man sich in solchen Gedanken und Gefühlen ergangen hat, verwandle man sich dieselben in folgende sinnbildliche Vorstellung. Man stelle sich ein schwarzes Kreuz vor. Dieses sei Sinnbild für das vernichtete Niedere der Triebe und Leidenschaften; und da, wo sich die Balken des Kreuzes schneiden, denke man sich sieben rote, strahlende Rosen im Kreise angeordnet. Diese Rosen seien das Sinnbild für ein Blut, das Ausdruck ist für geläuterte, gereinigte Leidenschaften und Triebe[1]. Eine solche sinnbildliche Vorstellung soll es nun sein, die man sich in der Art vor die Seele ruft, wie es oben an einer Erinnerungsvorstellung veranschaulicht ist. Eine solche Vorstellung hat eine seelenweckende Kraft, wenn man sich in innerlicher Versenkung ihr hingibt. Jede andere Vorstellung muß man versuchen während der Versenkung auszuschließen. Lediglich das charakterisierte Sinnbild soll im Geiste vor der Seele schweben, so lebhaft als dies möglich ist. — Es ist nicht bedeutungslos, daß dieses Sinnbild nicht einfach als eine weckende Vorstellung hier angeführt worden ist, sondern daß es erst durch gewisse Vorstellungen über Pflanze und Mensch aufgebaut worden ist. Denn es hängt die Wirkung eines solchen Sinnbildes davon ab, daß man es sich in der geschilderten Art zusammengestellt hat, bevor man es zur inneren Versenkung verwendet. Stellt man es sich vor, ohne einen solchen Aufbau erst in der eigenen Seele durchgemacht zu haben, so bleibt es kalt und viel unwirksamer, als wenn es durch die Vorbereitung seine seelenbeleuchtende Kraft erhalten hat. Während der Versenkung soll man jedoch sich alle die vorbereitenden Gedanken nicht in die Seele rufen, sondern lediglich das Bild lebhaft vor sich im Geiste schweben haben und dabei jene Empfindung mitschwingen lassen, die sich als Ergebnis durch die vorbereitenden Gedanken eingestellt hat. So wird das Sinnbild zum Zeichen neben dem Empfindungserlebnis. Und in dem Verweilen der Seele in diesem Erlebnis liegt das Wirksame. Je länger man verweilen kann, ohne daß eine störende andere Vorstellung sich einmischt, desto wirksamer ist der ganze Vorgang. Jedoch ist es gut, wenn man sich außer der Zeit, welche man der eigentlichen Versenkung widmet, öfters durch Gedanken und Gefühle der oben geschilderten Art den Aufbau des Bildes wiederholt, damit die Empfindung nicht verblasse. Je mehr Geduld man zu einer solchen Erneuerung hat, desto bedeutsamer ist das Bild für die Seele." (Lit.: GA 013, S. 229ff)

Bei fortgesetzter Meditation über das Symbol des Rosenkreuzes verwandeln sich die Farben in die Gegenfarben. Das schwarze Holz erhellt sich zum Weißen, das von innerlicher Liebe strahlende Rot der Rosen wandelt sich zum Grün des nach außen wirkenden Lebens:

"Aber die Seele ist nicht ganz allein auf sich angewiesen auf diesem schweren Weg des Esoterikers; es gibt etwas, woran sie sich halten kann. Etwas derartiges ist das Rosenkreuz. Wir sollen es auf uns wirken lassen; wir sollen uns klar sein, daß das Schwarz des Holzes darstellt unsere Leiblichkeit, die verhärtet und verdorrt ist, daß wir unser niederes Ich, das sich identifiziert mit der Leiblichkeit, ebenso dunkel und tot werden lassen müssen, wie das Holz des Kreuzes tot ist. Dann wird das höhere, geistige Ich so in uns wirken, wie sich das Schwarz des Kreuzes zu hellen, strahlenden Lichtlinien umwandelt. In der gleichen Weise wird das Rot der Rosen sich aus der Farbe der innerlich wirkenden Liebe zum Grün umwandeln, der Farbe des nach außen wirkenden Lebens." (Lit.: GA 266b, S. 97)

Rosenkreuz und Rosenkreuzerspruch

Das Rosenkreuz steht im engen Zusammenhang mit dem bekannten Rosenkreuzerspruch «Ex deo nascimur - In Christo morimur - Per spiritum sanctum reviviscimus»:

"Es stellt sich die Entwicklung des Menschen in demjenigen Symbolum dar, welches gehört zu dem tief bedeutsamen Rosenkreuzerspruch (Gemeint sind die Worte: «Ex deo nascimur - In Christo morimur - Per spiritum sanctum reviviscimus) in dem schwarzen Kreuz mit den roten Rosen. Es empfindet der Mensch dieses Symbolum als etwas Lebendiges, in welchem leben und weben die geistigen Kräfte, die ihn aufgebaut haben so, wie er aus der Gottheit her ausgeboren ist. Dann aber weiß er, daß weitere Entwickelung seiner Seele möglich ist durch Anstrengung seiner eigenen Kräfte. Er weiß, daß nicht nur sein Blut rein werden soll wie der rote Pflanzensaft der Rosen, daß auch das schwarze Kreuz sich umwandeln muß, indem er seine Hüllennatur läutert und über das bloß Persönliche hinauswächst, wenn er sich hingibt an etwas unendlich Gr ö ß e r e s. Dann stirbt er in dem Christus, und vor seiner Seele verwandelt sich das dunkle, schwarze Kreuz in ein leuchtendes, strahlendes Kreuz. Die roten Rosen erweitern sich zu einem unendlichen Kreise, wenn die Seele sich immer mehr in den Makrokosmos einlebt, bis sie sich selber als dieser als dieser Kreis empfindet. Im allumfassenden Makrokosmos erlebt sich dann der Mensch in einem neuen Dasein.

Dann, auf geheimnisvolle Weise, verwandeln sich die Farben des Symbolums, die Rosen zeigen sich grün, das Kreuz weiß. Ahnen kann die Seele nur die volle Bedeutung, indem sie empfindet die Kraft, welche ihr entgegenströmt. Wie aus höheren Geistessphären ihr entgegenstrahlend schaut und erkennt die Seele dieses heilige Symbol. Streng und kraftvoll zeigt es sich als eine Aufforderung zur stetigen Arbeit, damit einmal erreicht werde das große Ideal, welches ein jeder einzelne Mensch verwirklichen kann, wenn er wiedergeboren wird in dem heiligen Geist." (Lit.: GA 267, S. 480, GA 265, S. 268f)

Die Rosenkreuzer und der Heilige Gral

"Die, welche sich Johannes-Christen nannten und das Rosenkreuz zu ihrem Symbolum hatten, die sagten: Gerade das, was für die Menschheit wiedergeboren ist als das Geheimnis von dieser Menschheit höherem Ich, das ist bewahrt worden. Das ist bewahrt worden von jener engeren Gemeinschaft, die von dem Rosenkreuzertum ihren Ausgang genommen hat. Sinnbildlich ist diese Kontinuität angedeutet: Jene heilige Schale, aus welcher der Christus Jesus gegessen und getrunken hat mit seinen Jüngern, die man den «Heiligen Gral» nennt und in der das Blut, das aus der Wunde floß, aufgefangen wurde durch Joseph von Arimathia, sie ist, wie erzählt wird, durch Engel nach Europa gebracht worden. Ihr wurde ein Tempel gebaut, und die Rosenkreuzer wurden die Bewahrer dessen, was da war in dem Gefäße, das heißt dessen, was das Wesen des wiedergeborenen Gottes ausmachte. Das Mysterium von dem wiedergeborenen Gotte waltete in der Menschheit: das ist das Grals-Mysterium.

Das ist das Mysterium, das wie ein neues Evangelium hingestellt wird und von dem gesagt wird: Wir sehen hinauf zu einem solchen Weisen, wie dem Schreiber des Johannes-Evangeliums, der da sagen konnte: Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort. Das, was im Urbeginne bei Gott war, das ist wiedergeboren worden bei dem, den wir haben leiden und sterben sehen auf Golgatha, und der auferstanden ist. - Diese Kontinuität des göttlichen Prinzips durch alle Zeiten hindurch, und die Wiedergeburt dieses göttlichen Prinzips, das wollte der Schreiber des Johannes-Evangeliums darstellen. Aber alle, die solches darstellen wollten, die wußten: Das, was von Anfang an war, ist erhalten geblieben. Im Anfange war das Mysterium vom höheren Menschen-Ich; im Gral war es aufbewahrt; mit dem Gral blieb es verbunden, und im Gral lebt das Ich, das verbunden ist mit dem Ewigen und Unsterblichen wie das niedere Ich mit dem Vergänglichen und Sterblichen. Und wer das Geheimnis des Heiligen Gral kennt, der weiß, daß aus dem Holz des Kreuzes hervorgeht das lebendig sprießende Leben, das unsterbliche Ich, das symbolisiert ist durch die Rosen am schwarzen Kreuzesholz. So ist das Geheimnis des Rosenkreuzes etwas, was wie eine Fortsetzung des Johannes- Evangeliums sich ausnehmen kann. Und wir können geradezu in bezug auf das Johannes-Evangelium und das, was es fortsetzt, die folgenden Worte sagen:

«Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort. Dieses war im Urbeginne bei Gott. Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden. In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.» Nur einige der Menschen, die etwas hatten von dem, was nicht aus dem Fleisch geboren ist, die begriffen das Licht, das in die Finsternis schien. Da aber ist das Licht Fleisch geworden und wohnte unter den Menschen in der Gestalt des Jesus von Nazareth. Nun könnte man ganz im Sinne des Geistes des Johannes-Evangeliums sagen: Und das, was als Christus in dem Jesus von Nazareth lebte, war das höhere göttliche Ich der ganzen Menschheit, des wiedergeborenen, in Adam als in seinem Ebenbilde irdisch gewordenen Gottes. Dieses wiedergeborene Menschen-Ich setzte sich fort als ein heiliges Geheimnis, wurde aufbewahrt unter dem Symbolum des Rosenkreuzes und wird heute verkündet als das Geheimnis des Heiligen Gral, als das Rosenkreuz.

Dasjenige, was in jeder Menschenseele als das höhere Ich geboren werden kann, das weist uns hin auf die Wiedergeburt des göttlichen Ich in der Entwickelung der ganzen Menschheit durch das Ereignis von Palästina. Wie in jedem einzelnen Menschen das höhere Ich geboren wird, so wird in Palästina das höhere Ich der ganzen Menschheit, das göttliche Ich geboren, und es wird erhalten und weiter entwickelt in dem, was sich hinter dem Zeichen des Rosenkreuzes verbirgt." (Lit.: GA 112, S. 18ff)

Das Rosenkreuz als kosmisches Symbol

Die sieben Planetensphären (Zeichnung aus GA 266c, S 123)

"Von den geistigen Sonnenkräften aber bekommt der Mensch die Ich-Kraft, die Selbstbewußtheit, die sich mit den Mondenkräften und so weiter verbindet, um das ganze Wesen des Menschen zustande zu bringen. Wir haben aber zunächst zwei Sonnen, die geistige, die das Ich gibt, und die physische, die durch ihre Licht- und Wärmestrahlen die physische Erde belebt. Dann aber müssen wir eine dritte Sonne erfassen, nämlich die Vermittlerin der höchsten geistigen Kräfte, die die außersonnlichen Kräfte mit den innersonnlichen verbindet, die seit dem Mysterium von Golgatha auf die Erde ihre Gnadenkräfte sendet. Diese geistige Sonne ist das Christus-Prinzip, das, was der Mensch in sich erleben kann, wenn er den paulinischen Satz erfaßt: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.»

Diese dritte Sonne wurde den Einzuweihenden immer in den christlichen Einweihungsstätten offenbart. Eine große Tragik lag darin, daß ein Mann von dieser dritten Sonne wußte und sie doch nicht innerlich ganz erleben konnte, das war Julian Apostata. So haben wir also die Sphäre dieser dreifachen Sonne, außerhalb derselben die drei Kreise, welche die hohen indirekt wirkenden Kräfte darstellen und innerhalb des Sonnenkreises die drei, welche unmittelbar auf die Erde wirken. In jedem dieser sieben Kreise steht einer der sieben Himmelskörper, und so können wir das Rosenkreuz mit den sieben Rosen auch als Symbol für diese siebenfache Himmelsrose ansehen. Aus den drei innern Sphären strömt das herein auf die Erde, woraus des Menschen Wesen geboren wird: Ex Deo nascimur.

Die drei äußern Kreise bezeichnen die hohen, geistigen Kräfte, durch welche seine höhere Natur gegründet wird: Per Spiritum Sanctum reviviscimus.

Die Verbindung zwischen beiden bildet der mittlere Halbkreis, die Sonnenbahn der physischen, geistigen und der Christus- Sonne: In — morimur." (Lit.: GA 266c, S. 123f)

Tao und Rosenkreuz

Von der alles durchwebenden Kraft des göttlichen Tau oder Tao hatte man noch auf der alten Atlantis umfassende Kenntnis. Das Symbol des Tao, das Taozeichen, das dem ägyptischen Anch, dem Henkelkreuz, gleicht, bzw. das eng verwandte Tauzeichen, das die Form des Buchstabens T hat, dessen Lautwert den Einschlag des schöpferischen Geistes in die (im weitesten Sinn) materielle, d.h. geschaffene Welt ausdrückt, steht in engem Zusammenhang mit dem Symbol des Rosenkreuzes.

"Gehen wir in eine ferne Vergangenheit dieser Erde zurück, da waren die Zustände noch ganz andere. Da lebte der Mensch in der Atlantis, einem Nebellande. Die Luft war damals durchsetzt von Wassermassen und Nebelwolken. Eine Erinnerung daran bestand bei unseren Vorfahren in den Erzählungen von Niflheim, Nebelheim. In dieser wassergetränkten Luft lebten unsere Menschenvorfahren. Sie wurden noch nicht in der Weise über die Welt belehrt wie wir jetzt. Aber in den Wassern, die die Luft erfüllten, wohnte die Weisheit selbst Sie tonte ihnen aus den Wassern entgegen. Alles, was sie in der Natur um sich hatten, hatte damals für die Menschen eine vernehmbare Sprache. Im Säuseln der Blätter, im Rauschen der Bäume, im Rieseln des Baches, im Wehen des Windes, in dem Rollen des Donners, im Plätschern der Wellen vernahmen sie einen Laut, der ihnen die Gottesweisheit verkündete. Aus der ganzen Natur um sie her tönte ihnen ein Laut entgegen. Dieser Laut war die Weisheit, in den Wassern enthalten, bezeichnet durch das Tao - T (das Kreuz).

In unserer deutschen Sprache gibt es auch ein Wort dafür. Betrachten wir den Tautropfen des Morgens, wie er auf den Blüten sich ansammelt - es ist der Name Tau dieselbe Bezeichnung wie das Wort Tao für das, was die Wasser der Weisheit dem Menschen offenbarten. Das deutsche Wort Tau bedeutet dieses. Tau heißt auf lateinisch ros, und das Kreuz heißt crux. Und roscrux bezeichnet beides dasselbe: das Tao-Zeichen, das Kreuz, und den Tau auf den Pflanzen. Dies ist die esoterische Bedeutung des exoterischen Zeichens, für das Kreuz mit Rosen umwunden." (Lit.: GA 266a, S. 224)

Das Rosenkreuz und Luzifer und Ahriman

Das Rosenkreuz mit dem schwarzen toten Holz und den lebendig blühenden roten Rosen ist ein Symbol für das rechte Gleichgewicht zwischen den verhärtenden ahrimanischen Mächten und dem egoistischen luziferischen Streben nach dem abstrakt Geistigen.

"Klar muß uns sein, daß auf der einen Seite die Welt strebt nach ahrimanischer Verhärtung, danach strebt, im Feuer des rein Materiellen zu erstarren; daß sie nach der andern Seite strebt, in egoistischer Weise zu einem abstrakt Geistigen aufzusteigen. Nach der einen oder andern Seite hin zu folgen, würde dem mitteleuropäischen Menschen von Verderben sein. Bloß der an die äußeren Sinne gebundenen Wissenschaft folgen, würde uns dazu bringen, daß wir die Rosen vom Kreuze reißen und bloß hinschauen nach dem, was erstarrt. Wir würden allmählich eine Weltanschauung gewinnen, die den Menschen ganz abbringen würde von allem Hinblicken nach dem Geistigen; die ihn nur hinschauen lassen würde nach dem, was ahrimanisch erstarrt ist. Versuchen Sie, sich die Ideale der ahrimanischen Wissenschaft vorzustellen: Es ist eine Welt durcheinanderwirbelnder Atome, ein rein materielles Weltengebilde. Herauswerfen aus diesem Weltbild möchte man alles, was geistig ist. Vorstellen möchte man sich, und man lehrt es schon die Kinder in der Schule, daß einmal ein Umeinanderwirbeln der gasförmigen Weltenmassen da war, daß sich daraus die Sonne gebildet hat, die dann wiederum die Planeten abgestoßen hat. Man macht es den Kindern in der Schule klar, indem man einen Öltropfen in Wasser tut, hindurchschiebt an der Stelle des Äquators ein kleines rundes Papierblatt, es mit einer Stecknadel in der Mitte durchsticht und nun an der Nadel dreht. Dadurch spalten sich kleine Tropfen ab, ein kleines Planetensystem entsteht. Selbstverständlich ist es bewiesen, was man so zeigt, aber man vergißt das Wichtigste: daß der Lehrer drehen muß. So hat man sich, wenn man sich ehrlich in das hineinversetzen will, in Wahrheit einen großen Herrn Lehrer vorzustellen, der im Weltenraum die ganze Sache dreht. Aber die Gedanken, die Empfindungen und Gefühle, welche nach Ahriman hinstreben, sind solche, die sich das Entstehen der Sonne und der Planeten auf die eben beschriebene Weise vorstellen. Und in dem lag wieder das, was zur Geschichtsauffassung geführt hat. Herman Grimm sagt einmal: Ein Stück Aasknochen, um das ein hungriger Hund seine Kreise zieht, ist ein appetitlicherer Anblick als diese Weltanschauung, die bloß einzig auf dieser Kopernikanischen Weltanschauung fußt.

Das ist eine Gefahr, die Rosen vom Kreuze zu reißen und bloß das schwarze, verkohlte Kreuz zu haben. Die andere Gefahr ist die, das Kreuz von den Rosen zu reißen und bloß nach dem Geiste streben wollen, verachten das, was die Gottheit selbst in die Weltenentwickelung hineingestellt hat, nicht liebevoll untertauchen wollen in den Gedanken, daß das, was hier in der Sinnenwelt ist, ein Ausdruck des Göttlichen ist. Das ist die einseitig religiöse Weltanschauung, welche die Wissenschaft verachtet, die bloß die Rosen will und die unbewußt nach dem luziferischen Element des Ostens hinstrebt - wie die Wissenschaft, die die Rosen vom Kreuze reißen will und bloß das verkohlte Kreuz behalten will, nach dem Westen hinstrebt. Wir aber in Mitteleuropa, wir sind dazu berufen, die Rosen am Kreuze zu haben, das zu haben, was nur durch den Zusammenhang der Rosen mit dem Kreuze ausgedrückt wird, der Rosen am Kreuze. Und wir empfinden, indem wir zum starren Kreuze hinschauen, daß dasjenige, was als starres Materielles in die Welt gekommen ist, aus dem Göttlichen in die Welt getreten ist. Es ist, wie wenn die Geistigkeit selbst sich einen Kreis geschaffen hat im Materiellen: Ex deo nascimur.

Wir fühlen auch, daß, wenn wir es richtig verstehen, wir nicht nur mit Luzifer in die geistige Welt hineingehen dürfen, sondern daß wir sterben, indem wir uns verbinden mit dem, was vom göttlichen höheren Selbst in die Welt hinuntergestiegen ist: In Christo morimur.

Und in der Zusammenfassung des Kreuzes mit den Rosen, der materiellen Weltanschauung mit der spirituellen Weltanschauung, fühlen wir, wie die Menschenseele im Geiste erwachen kann: Per spiritum sanctum reviviscimus.

Deshalb ist das Kreuz von Rosen umwunden das Symbolum gewesen desjenigen, der sich in tiefer Weise hineingestellt hat in der mitteleuropäischen Kultur in die Spiritualität hinein: Goethe. Deshalb muß es unser Symbolum sein. Und deshalb wollen wir, uns in diesem Räume versammelnd, soweit wir anwesend sein können in der Zukunft, eingedenk sein dessen, was aus den großen Aufgaben der Erdenentwickelung heraus unser Ideal sein muß: das Kreuz mit Rosen zu umwinden, weder die Rosen vom Kreuze zu reißen und nur das Kreuz in der Hand zu halten, noch auch die Rosen allein zu schätzen und durch die Rosen allein in das geistige blühende, sprossende Leben in der Abstraktion hinaufzueilen. Das ist es, was uns in unserem Symbolum, im Rosenkreuz, ausgedrückt ist, was wir immer mehr und mehr in unser Gemüt, in unsere Empfindungen aufnehmen wollen, wenn wir uns in einem unseren Bestrebungen also geweihten Räume versammeln. Dann können wir sicher sein, daß die Geister, welche in gutem Sinne die Erdenentwickelung leiten, unsichtbar unter uns walten werden; daß unsere Worte, daß all das, was wir denken und empfinden, indem wir uns den geisteswissenschaftlichen Bestrebungen hingeben, daß all das wirklich in einem solchen Räume die Unterstützung der unsere Bestrebung führenden geistigen Gewalten und Mächte findet." (Lit.: GA 159, S. 243ff)

Das Rosenkreuz als Symbol für den zweiten Tod des Christus im 19. Jahrhundert

In den Notizen zu einer esoterischen Stunde, die Rudolf Steiner in Berlin am 8. Februar 1913 gehalten hat, heißt es:

"Das Rosenkreuz ist das Symbol für den zweiten Tod des Christus im 19. Jahrhundert, für den Tod des Ätherleibes durch das Heer der Materialisten. Die Folge davon ist, daß der Christus im 20. Jahrhundert so gesehen werden kann, wie ich es Euch oft geschildert habe, nämlich im Ätherleibe." (Lit.: GA 265, S. 335)

Die zweite Kreuzigung des Christus im Ätherischen war also die Voraussetzung dafür, dass die Wiederkehr des Christus im Ätherischen ab dem 20. Jahrhundert von immer mehr Menschen geschaut werden kann. Eine etwas ausführlichere Darstellung dazu findet sich in den Notizen von anderer Hand zu der genannten Stunde:

"Das Neue, was jetzt allmählich den Menschen (mitgeteilt) geoffenbart werden wird, ist eine Erinnerung oder Wiederholung desjenigen, was Paulus bei Damaskus erlebt hat. Er schaute die Äthergestalt des Christus. Daß diese aber jetzt für uns sichtbar werden soll, rührt von der Tatsache her, daß in der Ätherwelt gleichsam ein neues Mysterium von Golgatha sich abgespielt hat. Das, was hier in der physischen Welt bei der Kreuzigung stattgefunden hat infolge des Hasses der nicht verstehenden Menschen, das hat sich jetzt auf dem Ätherplan wiederholt durch den Haß der Menschen, die als Materialisten nach dem Tode in die Ätherwelt eingetreten sind.

Man halte sich noch einmal vor die Seele, wie bei dem Mysterium von Golgatha ein Kreuz aufgerichtet wurde aus totem Holz, an dem der Leib des Christus hing. Und dann schauen wir jenes Kreuzesholz in der Ätherwelt als sprießendes, sprossendes Holz, grünes, lebendiges Holz, das durch die Flammen des Hasses verkohlt ist und an dem nur noch die sieben blühenden Rosen erscheinen, die siebenfache Natur des Christus darstellend, dann haben wir da das Bild von dem zweiten Mysterium von Golgatha, das sich jetzt in der Ätherwelt abgespielt hat. Und durch dieses Absterben, dieses zweite Sterben des Christus, ist es möglich geworden, daß wir jenen Ätherleib schauen werden. Die Verdichtung, den toten Teil des Ätherleibes des Christus Jesus werden die Menschen schauen." (Lit.: GA 265, S. 334f)

Anmerkungen

  1. Es kommt nicht darauf an, inwiefern diese oder jene naturwissenschaftliche Vorstellung die obigen Gedanken berechtigt findet oder nicht. Denn es handelt sich um die Entwickelung solcher Gedanken an Pflanze und Mensch, welche, ohne alle Theorie, durch eine einfache, unmittelbare Anschauung gewonnen werden können. Solche Gedanken haben ja doch auch ihre Bedeutung neben den in anderer Beziehung nicht minder bedeutsamen theoretischen Vorstellungen über die Dinge der Außenwelt. Und hier sind die Gedanken nicht dazu da, um einen Tatbestand wissenschaftlich darzustellen, sondern um ein Sinnbild aufzubauen, das sich als seelisch wirksam erweist, gleichgültig, welche Einwände dieser oder jener Persönlichkeit einfallen bei dem Aufbau dieses Sinnbildes.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Geheimwissenschaft im Umriß, GA 13 (1989)
  2. Rudolf Steiner: Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien, GA 112 (1984), ISBN 3-7274-1120-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister, GA 159 [GA 159/160] (1980), ISBN 3-7274-1590-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914, GA 265 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band I: 1904 – 1909, GA 266a (1995), ISBN 3-7274-2661-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band II: 1910 – 1912, GA 266b (1996) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band III: 1913 und 1914; 1920 – 1923, GA 266c (1998), ISBN 3-7274-2663-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  8. Rudolf Steiner: Seelenübungen, Band I, GA 267 (2001)
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