Ruach

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Ruach (hebr. רוח, Luft, Wind; sprachlich verwandt mit „Rauch“, aber auch mit „Ruch, ruchbar, Geruch“) wird in der Genesis die Feuerluft genannt; zugleich ist Ruach auch eine Bezeichnung für die Verstandes- oder Gemütsseele.

Ruach als Verstandes- und Gemütsseele

"Denn diese alten hebräischen Ausdrücke nephesch, ruach, n'schamah, die sind nichts anderes als das, was wir parallel unseren geisteswissenschaftlichen Ausdrücken auch charakterisiert haben. Nephesch dürfen wir parallelisieren in bezug auf den Menschen mit der Empfindungsseele, ruach dürfen wir anwenden für die Verstandesseele, n'schamah für die Bewußtseinsseele." (Lit.: GA 122, S. 181)

Nach hebräischer Ansicht entspringt Ruach aus Neschama, der dem Geist zugewendeten Bewusstseinsseele, und wird von dieser beherrscht. Wenn Neschama nach dem Tod zu den göttlichen Quellen, also in das obere Devachan, aufsteigen darf, kann Ruach in den Garten Eden einziehen. In den Sabbatnächten, in den Nächten des Neumondes und der Feste steigt Ruach in noch höhere Regionen auf und wird von dem oberen Licht durchleuchtet, um dann wieder in den Garten Eden zurückzukehren. Dann beginnt auch Nephesch, die Empfindungsseele, zu leuchten und nimmt die Gestalt an, die der Körper vor dem Tod hatte und stimmt den Lobgesang Gottes an.

Nach Isaak Luria zieht Nephesch mit der Geburt in den Menschen ein, Ruach aber erst mit der Geschlechtsreife um das 14. Lebensjahr und Neschama mit der Geburt des Ich etwa im 21. Lebensjahr.

Ruach ist vornehmlich aus jenen seelischen Substanzen der Seelenwelt gewoben, die aus der Region des Seelenlichtes und aus der Region der tätigen Seelenkraft stammen und wirkte in alten Zeiten bis in das von Wärme und Wasserdünsten erfüllte Luftelement hinein. Ruach vermittelt dabei geistigen Kräfte, die aus dem unteren Devachan kommen.

Ruach und Feuerluft

Auf dem alten Mond entsprach Ruach der Feuerluft bzw. dem Feuernebel:

"Diese Feuerluft, in der hebräischen Tradition «Ruach» genannt, kann tatsächlich in einer gewissen Weise dargestellt werden. Diese Ruach ist den heutigen Menschen verlorengegangen, die alten Alchimisten aber konnten die Bedingung dafür herstellen; sie konnten dadurch Elementarwesen zu ihren Dienern machen. Dieser Feuernebel war also in den alchimistischen Zeiten etwas durchaus Bekanntes, und je weiter wir zurückgehen, desto mehr hatten die Menschen die Möglichkeit, ihn herzustellen. Diesen Feuernebel atmeten unsere Vorfahren auf dem Monde. Er hat sich weiterentwickelt und hat sich differenziert in die heutige Luft und in das, was sonst auf der Erde unter der Einwirkung des Feuers entstanden ist." (Lit.: GA 099, S. 109)

Ruach und Wasserluft

An anderer Stelle bezeichnet Rudolf Steiner Ruach auch als „Wasserluft“ und stellt sie der „Feuererde“ gegenüber. In die Bereiche von Wasserluft und Feuererde, die früheren Entwicklungszuständen unserer Erde - namentlich schon dem Zustand der alten Sonne - entsprechen, tauchen wir auch in unseren Träumen ein:

"Wir können dasjenige, was fest ist, festen Aggregatzustand hat, das Erdartige nennen; dasjenige, was den flüssigen Aggregatzustand hat, das Wasser nennen; dasjenige, was den Aggregatzustand so hat, daß, wenn es nicht eingeschlossen ist, es sich stark ausdehnt, Luft nennen, und dasjenige, was diese drei Substanzen durchdringt, Wärme oder Feuer. Ja, das können wir, wenn wir hier vom Gesichtspunkte des tagwachen Bewußtseins aus über unsere Umgebung sprechen, weil die Dinge da sind, wenn ich mich so ausdrücken darf, die mit diesen Worten: Erde, Wasser, Luft, Feuer bezeichnet werden. Aber tauchen wir unter in diejenige Welt, aus der die Traume heraufwirken, dann gibt es da nicht Erde, Wasser, Luft, Feuer. Das gibt es da nicht; da hat es keinen Sinn mehr, diese Worte in derselben Weise anzuwenden, wie hier für die Welt, in der wir mit unserem tagwachen Bewußtsein sind. Daraus sehen Sie schon die Relativität dieser Dinge, sobald man in ein anderes Gebiet des Daseins eintritt, das durch ein anderes Bewußtsein aufgefaßt werden muß. Da sind diese Dinge gar nicht mehr vorhanden, die das gewöhnliche materialistische Bewußtsein für absolute Dinge halt. Erde ist da nicht Erde. Überhaupt hat es keinen Sinn, davon zu reden, wenn man in die Welt untertaucht, die nun auch eine Wirklichkeit ist, aber die mit einem andern Bewußtsein aufgefaßt werden muß. Wohl aber ist da unten etwas, wovon man sagen kann, es ist ein Mittelding zwischen Luft und Wasser. Man erlebt es in diesem andern Bewußtsein durch ganz andere Gedankenformen, als man sonst erlebt. Luft ist nicht Luft, und Wasser ist nicht Wasser, aber ein gewisses Mittelding von Luft und Wasser, man möchte sagen eine Art wässeriger Rauch, wie es noch die alte hebräische Sprache «Ruach» nannte. Aber es ist damit nicht der jetzige physische Rauch, es ist schon dieses Mittelding zwischen Wasser und Luft gemeint.

Und ein anderes Mittelding ist da zwischen Erde und Feuer, das, mochte ich sagen, was Sie sich so vorstellen müßten, daß unsere Metalle allmählich glühend und so feurig würden, daß sie eigentlich schon nichts mehr sind als Feuer, daß sie durch und durch Feuer sind. Und dieses Mittelding zwischen Erde und Feuer und zwischen Luft und Wasser, das ist da unten, das ist unten in einer Welt, aus der die Träume heraufwirbeln. Wir könnten, wie Sie es leicht begreiflich finden werden, in dieser Welt mit unserem physischen Leib nicht sein. Wir müssen mit unserer Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen hineingehen, denn mit unserem physischen Leib konnten wir in dieser Welt nicht atmen, denn darinnen gibt es keine Luft. Ich habe ein Wesen geschildert, das in dieser Welt atmen kann, aber das ist ein Wesen - Sie kennen es aus meinen Mysterien -, das nicht Luft zum Einatmen braucht, sondern das Licht atmet. Also solche Wesen kann man, wenn man sie kennt, wohl schildern. Aber der Mensch darf seinen physischen Leib nicht in diese Welt hineintragen, denn er könnte nicht atmen und würde verbrennen darinnen. Dennoch ist der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit dieser Welt verbunden, und die Träume sprudeln aus dieser Welt herauf. Diese Welt, die da der Mensch antrifft, von der man sagen kann, sie liegt unter der Schwelle seines Bewußtseins, ist zwar recht unähnlich derjenigen Welt, die wir heute sehen vom Aufwachen bis zum Einschlafen, aber sie ist nicht so unähnlich den früheren Welten, aus denen sich die jetzige herausentwickelt hat. Frühere Welten, schon die Sonnenwelt - Sie können das entnehmen aus meiner Darstellung in der «Geheimwissenschaft» - ist auch als physische Welt so gestaltet, daß in ihr, wenn ich sagen darf, Feuererde, Erdfeuer und Wasserluft miteinander brodeln, nicht dasjenige, was heute so hübsch getrennt ist. So daß wir also, wenn wir historisch, kosmisch-historisch die Weltenentwickelung auffassen, das schon so tun müssen, daß wir uns vorstellen; Gehen wir zu früheren Entwickelungszuständen unseres Daseins zurück, dann müssen wir uns diese früheren Entwickelungszustände ähnlich dem vorstellen, was wir erreichen heute, wenn wir in die Welt untertauchen, zu der wir gehören zwischen dem Einschlafen und Aufwachen." (Lit.: GA 273, S. 133ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Theosophie des Rosenkreuzers, GA 99, Zehnter Vortrag, München, 3. Juni 1907 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte, GA 122 (1984), ISBN 3-7274-1220-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust», Band II: Das Faust-Problem, GA 273 (1981), ISBN 3-7274-2730-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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