Satire

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Satire ist eine Kunstform, mit der Personen, Ereignisse oder Zustände kritisiert, verspottet oder angeprangert werden. Typisches Stilmittel der Satire ist die Übertreibung. In der älteren Bedeutung des Begriffs war Satire lediglich eine Spottdichtung, die Zustände in sprachlich überspitzter und verspottender Form thematisiert. Historische Bezeichnungen sind auch Spottschrift, Stachelschrift und Pasquill (gegen Personen gerichtete satirische Schmähschrift).

Das Wort Satire entstammt dem lateinischen satira, das wiederum aus satura lanx hervorgeht und ‚mit Früchten gefüllte Schale‘ bedeutet. Im übertragenen Sinn lässt es sich mit ‚bunt gemischtes Allerlei‘ übersetzen. In früherer Zeit wurde Satire fälschlicherweise auf Satyr zurückgeführt, daher die ältere Schreibweise Satyra.[1]

Satirische Zeichnung von 1806 zeigt Napoleon als Bäcker seiner Verbündeten und Talleyrand, der bereits neuen Teig knetet.
Andere Rollenverteilung 1814, Napoleon wird von Blücher und Woronzeff in den „Backofen der Verbündeten“ geschoben.

Varianten

Unter Satire kann man Folgendes verstehen:

  1. Menippeische Satire (Menippos)
  2. Verssatire (fragmentarisch bereits bei Ennius, Lucilius eigentlicher Schöpfer)
  3. Ständesatire (Mittelalter)
  4. Narrenliteratur (Renaissance)
  5. Pikaresker Roman (Barock)
  6. Literatursatire (Romantik)
  7. Philistersatire oder Spießbürgersatire (Romantik)
  8. Gelehrtensatire
  9. gesellschaftskritische und politische Satire (19. und 20. Jahrhundert)
  • ein einzelnes künstlerisches Werk, das von der satirischen Schreibweise Gebrauch macht oder der Gattung angehört.

Als Realsatire bezeichnet man einen Vorgang, der bereits bei neutraler, objektiver Beobachtung oder Beschreibung satirisch wirkt.

Siehe auch

Literatur

Allgemein:

  • Burkhard Meyer-Sickendiek: Art. „Satire“, in: Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Band 8: Rhet-St, hg. v. Gert Ueding, Tübingen 2007, Sp. 447–469.

Satirische Schreibweise:

  • Michail Bachtin: Rabelais und seine Welt: Volkskultur als Gegenkultur. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-04708-6.

Antike:

  • Dietmar Korzeniewski (Hrsg.): Die römische Satire. Wege der Forschung. Bd 238. Wiss. Buchges., Darmstadt 1970.
  • Ulrich Knoche: Die römische Satire. Wissenschaftl. Ed.-Ges., Berlin 1949, Vandenhoeck Ruprecht, Goettingen 1982 (4. Aufl.), ISBN 3-525-25319-2.

Mittelalter:

  • Udo Kindermann: Satiren des Mittelalters. Lateinisch und deutsch. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-534-26275-5.
  • Udo Kindermann: Satyra. Die Theorie der Satire im Mittellateinischen. Vorstudie zu einer Gattungsgeschichte. Carl-Verlag, Nürnberg 1978, ISBN 3-418-00058-4.
  • Hellmut Rosenfeld: Die Entwicklung der Ständesatire im Mittelalter. In: Zeitschrift für deutsche Philologie. Schmidt, Berlin 71.1951/52
  • Ulrich Gaier: Satire, Studien zu Neidhart, Wittenwiler, Brant und zur satirischen Schreibart. Niemeyer, Tübingen 1967, (ohne ISBN)
  • Peter Richter (Hrsg.): Parodie und Satire in der Literatur des Mittelalters. Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald 1989, ISBN 3-86006-008-2.

Humanismus und Renaissance:

  • Barbara Könneker: Satire im 16. Jahrhundert. Epoche – Werke – Wirkung. Beck, München 1991, ISBN 3-406-34760-6.
  • Georg Piltz (Hrsg.): Ein Sack voll Ablaß. Bildsatiren der Reformationszeit. Eulenspiegel, Berlin 1983, (ohne ISBN)

Barock:

  • Herbert Jaumann: Satire zwischen Moral, Recht und Kritik: zur Auseinandersetzung um die Legitimität der Satire im 17. Jahrhundert In: Simpliciana. Berlin/Bern/Wien 13.1991, 15, 27
  • Stefan Trappen: Grimmelshausen und die menippeische Satire: eine Studie zu den historischen Voraussetzungen der Prosasatire im Barock. Niemeyer, Tübingen 1994, ISBN 3-484-18132-X.

Aufklärung und Romantik:

1820–1945:

  • G. W. F. Hegel: Vorlesungen über die Ästhetik. Band 2: Die Satire. Duncker & Humblot, Berlin 1835–1838. (Reclam, Stuttgart 1980, ISBN 3-15-007976-4)
  • Kurt Tucholsky: Was darf die Satire? In: Berliner Tageblatt. Mosse, Berlin 27. Januar 1919.
  • Hermann Haarmann: „Pleite glotzt euch an – restlos“. Satire in der Publizistik der Weimarer Republik, ein Handbuch. Westdt. Verlag, Wiesbaden 1999, ISBN 3-531-13295-4.
  • Ursula E. Koch: Der Teufel in Berlin. Von der Märzrevolution bis zu Bismarcks Entlassung; illustrierte politische Witzblätter einer Metropole 1848–1890. Leske, Köln 1991, ISBN 3-921490-38-3.
  • Burkhard Meyer-Sickendiek: Was ist literarischer Sarkasmus? Ein Beitrag zur deutsch-jüdischen Moderne. Fink Verlag, Paderborn/München 2009, ISBN 978-3-7705-4411-0.
  • Patrick Merziger: Nationalsozialistische Satire und 'Deutscher Humor'. Politische Bedeutung und Öffentlichkeit populärer Unterhaltung 1931–1945. Steiner, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-515-09355-2.

Nach 1945:

  • Helmut Arntzen (Hrsg.): Gegen-Zeitung. Deutsche Satire des 20. Jahrhunderts. Rothe, Heidelberg 1964.
  • Oliver Maria Schmitt: Die schärfsten Kritiker der Elche. Die Neue Frankfurter Schule in Wort und Strich und Bild. Fest, Berlin 2001, ISBN 3-8286-0109-X.
  • Frank Wilhelm: Literarische Satire in der SBZ, DDR 1945–1961. Autoren, institutionelle Rahmenbedingungen und kulturpolitische Leitlinien. Kovac, Hamburg 1998, ISBN 3-86064-709-1.
  • Sylvia Klötzer: Satire und Macht. Film, Zeitung, Kabarett in der DDR. Böhlau, Köln 2005, ISBN 3-412-15005-3.

Gegenwart:

  • Hans Peter Muster: Who’s who in satire and humour. Wiese, Basel 1989, ISBN 3-909158-50-1 (Verzeichnis von Cartoonisten, Karikaturisten, Presse-, Satire-, am Rande auch Comiczeichnern aus 32 Ländern)

Satire und Recht:

  • Mischa Senn, Satire und Persönlichkeitsschutz, Bern 1998
  • Elmar Erhardt: Kunstfreiheit und Strafrecht. Zur Problematik satirischer Ehrverletzungen. Decker, Heidelberg 1998, ISBN 3-7685-1389-0.
  • Sebastian Gärtner: Was die Satire darf. Eine Gesamtbetrachtung zu den rechtlichen Grenzen einer Kunstform. Duncker & Humblot, Berlin 2009, ISBN 978-3-428-12669-9.
  • Sabine Stuhlert: Die Behandlung der Parodie im Urheberrecht. Eine vergleichende Untersuchung von Parodien im Urheberrecht der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten Staaten von Amerika. Verlag C.H Beck, München 2002, ISBN 3-406-49786-1.

Weblinks

 Wiktionary: Satire – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Satire – Zitate

Einzelnachweise

  1. Siehe im Anhang unter Mittelalter Udo Kindermann 1978.
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