Schenkende Tugend

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Als schenkende Tugend hat Rudolf Steiner in seinen Vorträgen über "Die Evolution vom Gesichtspunkte des Wahrhaftigen" jene schöpferische Tätigkeit der Geister der Weisheit bezeichnet, die auf der alten Sonne begonnen hat. Damals gab es den Raum noch nicht, wohl aber die wesenhafte Zeit in Gestalt der Urengel, die bereits auf der vorangegangenen planetarischen Entwicklungsstufe, dem alten Saturn, gemeinsam mit der Wärme durch die Opfertat der Throne entstanden war, mit der diese einen Teil ihres Wesens selbstlos für die Weltentwicklung an die Cherubim hingaben. Durch die überwältigende Schönheit und Größe dieser Tat fühlten sich die Geister der Weisheit dazu angeregt, ihr eigenes Wesen an die Welt zu verschenken.

"Denken wir uns einmal, es würde hinzutreten zu dem, was da geschieht, wenn die Throne den Cherubim opfern, ein Wesen, welches durch diesen Anblick veranlaßt würde zu einem Schenkenden, zu einem seine Gaben in Gnade um sich Ergießenden zu werden. Stellen wir uns das ganz genau vor. Denken wir uns, wir würden eine Rose anschauen und entzückt werden davon, also das Gefühl eines Beseligenden empfinden über das, was wir «schön» nennen. Denken wir, ein anderes Wesen würde durch den Anblick dessen, was beschrieben ist als das Opfer der Throne an die Cherubim, veranlaßt werden, alles, was es hat, um sich herum zu schenken, schenkend in die Welt zu ergießen: dann würden wir damit diejenigen Wesenheiten beschrieben haben, von denen in der «Geheimwissenschaft» die Rede ist als den «Geistern der Weisheit», die auf der Sonne hinzutreten zu denjenigen Wesenheiten, die wir schon auf dem Saturn kennengelernt haben. Würden wir also die Frage aufwerfen: Welches ist der Charakter der Geister der Weisheit, die auf der Sonne auftraten und zu den Saturngeistern hinzutraten? - so müßten wir antworten: Diese Geister haben als ihren Hauptcharakterzug die schenkende, gnadenwirkende, gebende Tugend. - Und wollten wir ein Beiwort haben, so müßten wir sagen: Sie sind die Geister der Weisheit, die großen Schenkenden, die großen Gebenden des Weltalls!" (Lit.: GA 132, S. 30)

Aus der schenkenden Tugend der Geister der Weisheit entstand zunächst das Luftelement durch Verdichtung eines Teils dieser Wärme. Die Luft trat so als ein Äußeres zu der fortwirkenden Saturnwärme hinzu. Nun ist Schenken immer ein Zweifaches, ein Geben und ein Nehmen.

"Denn denken Sie einmal, was es wäre mit einem Schenken, wenn es keine Zeit gäbe: da könnte man nicht schenken; denn Schenken besteht im Geben und im Entgegennehmen. Ohne das zweite ist das Schenken gar nicht zu denken. Also es muß das Schenken aus zwei Akten bestehen: aus Geben und Nehmen, sonst hat das Schenken keinen Zweck." (Lit.: GA 132, S. 32)

So traten die Erzengel hinzu als die Nehmenden - aber sie sind es auf ganz besondere Weise. Sie behalten das Angenommene nicht einfach für sich, sondern sie strahlen es den Geistern der Weisheit als Bild zurück, aber nicht sofort, sondern zeitversetzt zu einem späteren Zeitpunkt. Sie sind Boten dessen, was früher war, Boten des Anfangs sind sie - Archangeloi. Und darum schauen wir, indem wir die Wirkungen des Lichts erblicken, stets in die Vergangenheit.

"Dadurch wird etwas ganz Besonderes hervorgerufen, was Sie sich nur richtig vorstellen können, wenn Sie sich denken das Bild einer innerlich geschlossenen Kugel, wo vom Mittelpunkte etwas ausgestrahlt wird, was geschenkt wird; das strahlt bis zur Peripherie hin und strahlt von dort zurück zum Mittelpunkte. An der Oberfläche, innen an der Kugel lagern die Erzengel, die strahlen es zurück. Außen brauchen Sie sich nichts vorzustellen. - Wir haben uns also von einem Zentrum ausgehend zu denken das, was von den Geistern der Weisheit kommt: das wird ausgestrahlt nach allen Seiten, wird aufgefangen von den Erzengeln und zurückgestrahlt. Was ist das, was da zurückstrahlt in den Raum hinein, dieses zurückgestrahlte Geschenk der Geister der Weisheit? Was ist die ausgestrahlte Weisheit in sich selbst zurückgeleitet? - Das ist das Licht. Und damit sind die Erzengel zugleich die Schöpfer des Lichtes." (Lit.: GA 132, S. 34)

In dem so den Geistern der Weisheit ihr inneres Wesen im Licht zeitversetzt als ein Äußeres zurückgestrahlt wird, entsteht der Raum, allerdings zunächst noch nicht in den uns gewohnten drei Dimensionen, sondern zweidimensional als «Inneres» und «Äußeres». So wird aus der Zeit der Raum geboren; Raum und Zeit sind nicht unabhängig voneinander.

"Inneres und Äußeres sind die zwei Gegensätze, die uns jetzt entgegentreten. Das Frühere und Spätere verwandelt sich und wird so, daß es sich verwandelt in Inneres und Äußeres. Der «Raum» ist geboren! Durch die schenkende Tugend der Geister der Weisheit entsteht der Raum auf der alten Sonne. Vorher kann «Raum» nur eine bildliche Bedeutung haben. Jetzt haben wir den Raum, aber zunächst nur in zwei Dimensionen: noch nicht oben und unten, noch nicht rechts und links, sondern nur Äußeres und Inneres. - In Wirklichkeit treten diese beiden Gegensätze schon gegen Ende des alten Saturn auf, aber sie wiederholen sich in ihrer eigentlichen Bedeutung, als raumschaffend auf der alten Sonne." (Lit.: GA 132, S. 35)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Evolution vom Gesichtspunkte des Wahrhaftigen, GA 132 (1999), ISBN 3-7274-1320-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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