Schulmedizin

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Als Schulmedizin wird umgangssprachlich und meist eher kritisch abwertend jene Form der Medizin bezeichnet, die an den medizinischen Fakultäten der Universitäten und Hochschulen nach weitgehend naturwissenschaftlichen Grundsätzen entwickelt und gelehrt wird. Die Schulmedizin konzentriert sich vornehmlich auf die Behebung von Störung in der Tätigkeit des physischen Leibes, lässt aber die höheren Wesensglieder des Menschen unberücksichtig. Von der Schulmedizin abzugrenzen ist das weite und sehr heterogene Feld der Alternativmedizin, die auf anderen Grundlagen unter Einbeziehung der höheren Wesensglieder aufbaut.

Die anthroposophisch erweiterte Medizin baut auf den berechtigten Grundlagen der akademischen Schulmedizin auf, erweiterte sie aber um wesentliche Teile, und ist damit in den Bereich der Komplementärmedizin einzuordnen. Alle Wesensglieder des Menschen werden dazu in ihrem gegenseitigen Verhältnis zueinander und zur ihrer physischen, seelischen und geistigen Umgebung studiert. In diesem Sinn stellt sie eine umfassende Form der ganzheitlichen Medizin dar.

Die Wurzeln der modernen Schulmedizin liegen nach Rudolf Steiner vor allem im Arabismus und in der medizinischen Fakultät der Akademie von Gondhishapur:

"... weil das Lukas-Evangelium überhaupt noch nicht in Wirklichkeit als eine innere Anweisung für den Heilerwillen genommen worden ist - es ist die Sache nicht verstanden worden -, deshalb ist es gekommen, daß eigentlich innerhalb unserer heutigen Denkweise gar nicht ein christlicher Heilerwille lebt, sondern jener Heilerwille, der sich hineinversenkt hat in die Geisteskultur durch den Arabismus, der ja das Christentum wie mit einer Zange umfaßt hat. Es ist sehr interessant, nicht wahr! Das Christentum, das in Asien entstanden ist, nimmt seinen Weg herüber nach Europa, breitet sich in Europa aus. Aber nun sehen Sie sich einmal an den Hof des Harun al Raschid, wo alte Medizin lebte, da lebte in der menschenkundlichen Auffassung eigentlich das alte Mysterienwesen; dies war in der Tradition noch vorhanden. Da lebten nun zwei Menschen; Harun al Raschid selber, der die ganze Sache organisierte, diese riesige Geistesakademie, die unter seinem Einflüsse wächst; da lebte ein anderer, der in früheren Zeiten ein Eingeweihter war; in der Zeit kam die Einweihung nicht heraus. Harun al Raschid kam wieder als Lord Bacon, Baco von Verulam. Mit einer durchaus im Arabismus drinnenstehenden Denkweise erneuerte er das naturwissenschaftliche Denken vom Westen herüber. Während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt nahm die Seele diesen Weg (es wird gezeichnet - Tafel 14). Wenn Sie Baco von Verulam studieren würden, würden Sie sehen, wieviel gerade dadurch in die Medizin hereingekommen ist, Sie würden staunend dastehen. Auf der andern Seite hat sich der andere, der Eingeweihte, verkörpert in der Seele des Arnos Comenius. Wir sehen, ein nach dem Geiste hinstrebendes Leben war da in Comenius, aber er hat das alles nach intellektuellen Anschauungen getrieben. So sehen wir auch, wie der Arabismus in einer andern Persönlichkeit, die nicht gerade zur selben Zeit wie Harun al Raschid gelebt hat, aber in der Schlacht von Jeres de la Frontera eine Rolle gespielt hat, als Darwin wiederkommt. Und so sind alle in der Naturwissenschaft Wirkenden, und namentlich in der Medizin Wirkenden, Wiederverkörperungen dessen, was in alten Anschauungen, aber mit Ausschluß des Christentums — nicht in der Fortentwickelung des Christentums, sondern mit Ausschluß des Christentums -, nach Europa in dieser Umklammerung gekommen ist, die der Arabismus mit dem Christentum vorgenommen hat. Und so lebt gerade die Medizin als etwas, was am meisten in dieser Weise hereingekommen ist; während jener Impuls, der im Lukas-Evangelium für die Medizin enthalten ist, noch so da ist, daß man sagen muß, er muß noch aufgenommen werden. Dazu müssen Sie solche Dinge wie diejenigen, die ich gestern besprochen habe vom kosmischen Verstehen des Menschen, vom Verstehen des Menschen aus dem Kosmos herein, mit dem allergrößten Ernst nehmen können, und dann werden Sie sich hineingestellt fühlen in der richtigen Weise in die Aufgabe, die Ihnen heute durch Ihr Karma gestellt ist. Denn sehen Sie, die Sache liegt so: Betrachten wir ungefähr dasjenige Medizinische, was da lebte am Hofe Harun al Raschids. Dadrinnen lebte auf der einen Seite durchaus das Gute der hippokratischen Denkweise. Diejenigen, die vielleicht den ersten Ärztekursus, den ich hier gehalten habe, gelesen haben, werden gesehen haben, daß ich dort gleich im Prinzip mich auseinandergesetzt habe damit, daß Hippokrates der Letzte ist, der auf Grundlage der alten Mysterienmedizin heilte. Nun ist beim Herüberverpflanzen in Asien drüben dasjenige, was hippokratische Medizin war, hineingekommen in eine starke Strömung der mongolischen Heilweise, die vom Nordosten Asiens herüber kam. Da ist vieles von dem hineingeflossen, wogegen sich in Europa nicht nur die Denkweise auflehnen mußte, sondern sich auch auflehnen muß die innere Organisation des Menschen selber, denn die innere Organisation des Menschen paßte nicht zu dem, was dort als mongolisch-tatarischer Einfluß hineingekommen ist in das medizinische Denken. Das kann herauskommen, wenn man zu einer ursprünglichen kosmischen Denkweise über den Menschen kommen kann." (Lit.: GA 316, S 192f)

Literatur


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