Seelentod

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Der Seelentod, das Absterben bzw. die völlige Auflösung der Seele, droht jenen Menschen, die ihre Seele während des Erdenlebens nur mit irdisch vergänglichem Wissen erfüllen. Sie wird zur Zeit des Jüngsten Gerichts der zweite Tod, wenn nicht nur der physische Leib, sondern auch der Ätherleib in seiner der Erdentwicklung entsprechenden Form endgültig abgelegt wird, besonders hart treffen, da sie nicht über die notwendige Seelensubstanz verfügen, durch die sie ihre weitere Entwicklung auf dem Neuen Juptiter - dem Neuen Jerusalem aus der Apokalypse des Johannes - fortführen können. Nur an denjenigen, die ihren Astralleib erfüllt haben mit der Christus-Wesenheit, wird der zweite Tod unbemerkt vorüber gehen.

„Diejenigen, deren Ätherleib ganz im Einklang ist mit dem astralischen Leib, die werfen ohne Schmerzen diesen Ätherleib ab, denn sie bleiben in ihrem astralischen Leibe, der erfüllt ist von der Christus-Wesenheit, und sie empfinden es als Entwickelungsnotwendigkeit, daß der Ätherleib abgestreift wird. Denn sie fühlen in sich die Fähigkeit, ihn wiederum selbst aufzubauen, weil sie Christus in sich aufgenommen haben. Diejenigen aber, die in diesem Ätherleib die Begierde nach dem haben, was vergangen ist, die können diesen Ätherleib auch nicht behalten, wenn alles astralisch wird. Er wird ihnen genommen werden, wird aus ihnen gerissen werden, und jetzt empfinden sie das als ein zweites Sterben, als den «zweiten Tod». Dieser zweite Tod geht an den anderen, die ihren Ätherleib mit dem astralischen Leib durch Aufnahme des Christus-Prinzips harmonisch gemacht haben, unvermerkt vorüber. Über sie hat der zweite Tod keine Macht. Die anderen empfinden aber den zweiten Tod beim weiteren Hinüberleben in jene folgende astralische Gestalt. Dann ist die Menschheit in jenem Zustand, wo diejenigen, die das Ziel der Entwickelung erreicht haben, ihren astralischen Leib ganz durchdrungen haben mit Christus. Sie sind reif, hinüberzuleben nach dem Jupiter, sie entwerfen auf unserer Erde den Plan zur Jupiterentwickelung. Das ist der Plan, der genannt wird das neue Jerusalem. Sie leben in einem «neuen Himmel» und einer «neuen Erde»: das ist Jupiter. Dieser neue Jupiter wird begleitet sein wie von einem Trabanten von denjenigen, die ausgeschlossen sind von dem Leben im Geistigen, die den zweiten Tod erlebt haben, die daher keine Möglichkeit haben, das Jupiterbewußtsein zu erlangen.“ (Lit.:GA 104, S. 246f)

Durch das gegenwärtig weit verbreitete rein materialistische Denken wird die Seele immer mehr vom Seelentod bedroht.

„In unserem Denken tragen wir eigentlich mit uns herum den Leichnam, den wir mitgenommen haben aus der übersinnlichen Welt. Deshalb ist dieses Denken so sehr bloß geeignet, die tote Welt zu begreifen, weil es eigentlich der Leichnam unserer übersinnlichen Wesenheit ist. Daran müssen wir festhalten, daß wir allerdings in diesem Denken haben das einzige bewußte Überbleibsel der übersinnlichen Welt, daß es aber ein totes Geschöpf ist, so wie es in uns als Denken lebt. Wir tragen in der Tat die tote übersinnliche Welt mit dem Denken in uns herum.

Nun würde in jedem physischen Menschenleben hier auf der Erde dieses tote Denken nicht nur zum physischen Tod führen, sondern auch zum Seelentod, wenn nicht während des Lebens dieses tote Geschöpf wiederum belebt würde. Ja, es wird wieder belebt! Und es wird dadurch belebt, daß in unserem seelischen Leben sich neben dem Denken, gewissermaßen dem Denken entgegengesetzt, der Wille regt. Der Wille ist dasjenige, was auftaucht aus unserer ganzen Organisation, aus unserer Erdenorganisation, um zu beleben unser totes Denken. Und unser Erdenleben ist im Grunde genommen die durch unseren Lebenslauf dauernde Verbindung zwischen dem toten Denken und dem in jedem Erdenleben während der Inkarnation in uns neu geborenen Willen. Dieser Wille wird immer neu geboren. Er läßt dann seine Reste zurück, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Und wenn er erschöpft ist von der übersinnlichen Welt, dann wird wiederum das Denken tot, dann muß es wiederum heruntergehen in die physischsinnliche Welt. Sie sehen, wie wir Menschen in der Tat ein zweiteiliges Geschöpf in dieser Beziehung sind, wie wir in uns tragen die Überreste des vorgeburtlichen Lebens und wie wir, durch unsere Organisation bedingt, das junge Willensleben haben, das sich verbinden muß mit dem altgewordenen Denkleben, und das wir dann hindurchtragen durch die Pforte des Todes.“ (Lit.:GA 198, S. 41f)

„Die Seele wird heute geboren, herüberkommend aus früheren Erdenleben, lechzend darnach, befruchtet zu werden von irgend etwas, um wiederum weiterzukommen durch die folgenden Erdenleben. Aber die Aufnahme des Wissens von bloß Vergänglichem gibt ihr nur den Seelentod, mordet die Seele. Das ist dasjenige, was heute im Ernste durchschaut werden muß, daß, wenn es fortan bleibt, daß nur Nichtverstehen sein kann gegenüber den altgewordenen Dogmen, dann nur Lähmung, Tötung eintreten könnte durch ein nicht geistdurchdrungenes Naturwissen, und die Seele den zweiten Tod, den Seelentod erleiden müßte. Es hängt durchaus an den Menschen und an der Menschheit, die Seelen lebendig zu erhalten. Es darf sich der Mensch heute nicht jener bequemen Passivität hingeben, indem er sagt: Ich bin ein ewiges Wesen, und mein ewiger Wesenskern wird mir unter allen Umständen erhalten bleiben. - Das entspricht nicht einem Wirklichkeitsergebnis. Dieser ewige Wesenskern ist allerdings im Menschen vorhanden, aber er muß gerade in diesem Zeitalter der Entscheidung befruchtet werden, wenn er nicht absterben soll. Und es gibt kein anderes Mittel, um die Seele lebendig zu erhalten, als zu brechen mit den bloß physisch-sinnlichen Naturbeobachtungen und zu begründen eine wirkliche Geist-Wissenschaft, auch gegenüber den Naturtatsachen zu zeigen, wie in allem sinnlich zu Beobachtenden der Geist lebt. Es kommt darauf an, nichts gelten zu lassen, was bloß Registrierung sinnlich-physischen Materials ist, sondern zu fordern, daß alles physisch-sinnliche Material durchdrungen werde von Vorstellungen des Geistigen, das ja darin lebt, das nur nicht herausgetrieben werden darf. Denn wenn dann die Seelen, die aus früheren Erdenleben kommen, dieses geisterfüllte Naturwissen aufnehmen, dann werden sie befruchtet und dadurch in die Lage versetzt, ihre Lebendigkeit hinüberzutragen in die folgenden Erdenleben. Der Fortbestand der Seele, ihre Gesundheit, ja der Fortbestand des Seelenlebens selbst, die Abwendung des Seelentodes der Menschheit hängen an der Durchgeistigung unseres Naturwissens! Aus diesen Tatsachen heraus und nicht aus irgendeinem beliebigen Vorurteil wird heute von uns angestrebt diese Durchgeistigung der Naturwissenschaft.“ (Lit.:GA 203, S. 73f)

„In uns waltet das tote Denken. Das Denken stellt den Seelentod dar. Wir tragen in unserem Denken die seelische Mumie in uns. Sie bildet gerade das, was man in der gegenwärtigen Kultur am meisten schätzt. Man kann, wenn man will, in den Museen, wo eine Mumie nach der andern ausgestellt ist, wenn man mit einem etwas universelleren Blick ausgestattet ist, mit dem Goetheschen Blick zum Beispiel, Metamorphosen sehen. Man kann da durch die Säle gehen und dann auf die Straße treten mit dem Gefühl: Da ist in der heutigen Zeit des Intellektualismus gar kein Unterschied, denn daß die Mumien nicht gehen und daß draußen auf der Straße die Menschen gehen, das ist ja nur ein Zufall, ist nur eine Äußerlichkeit. Die Menschen, die heute, im intellektuellen Zeitalter, draußen auf der Straße gehen, sind seelisch Mumien, Seelenmumien, weil sie ganz von toten, intellektualistischen Gedanken ausgefüllt sind, von Gedanken, die nicht leben können. Wie ein ursprüngliches Leben in den ägyptischen Mumien erstarrt ist, so ist das Seelenleben erstarrt, und es muß für die Zukunft der Menschheit wiederum lebendig gemacht werden. Wir dürfen es nicht so weitertreiben, wie wir es mit der Anatomie und Physiologie getrieben haben. Das war den Ägyptern gestattet mit den physischen Menschenleichnamen. Aber den abstrakten Seelenleichnam, den wir im intellektualistischen Denken in uns tragen, dürfen wir nicht weiter mumifizieren. Es ist heute überhaupt die Lust vorhanden, das Denken einzubalsamieren, damit es nur recht pedantisch logisch wird und nicht irgendwie ein Fünkchen von enthusiastischem Leben in dieses Denken hineinkommt.“ (Lit.:GA 216, S. 119)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Apokalypse des Johannes, GA 104 (1985), ISBN 3-7274-1040-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Heilfaktoren für den sozialen Organismus, GA 198 (1984), ISBN 3-7274-1980-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung durch seinen geistigen Zusammenhang mit dem Erdplaneten und der Sternenwelt, GA 203 (1989), ISBN 3-7274-2030-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Die Grundimpulse des weltgeschichtlichen Werdens der Menschheit, GA 216 (1988), ISBN 3-7274-2160-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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