Segen

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Segensgestus auf einer Christusikone

Segen (hebr. ברך barach; ahd. segan, lat. signare ‚mit dem Zeichen [des Kreuzes] versehen‘) bezeichnet in Religionen ein Gebet oder einen Ritus, wodurch Personen oder Sachen Anteil an göttlicher Kraft oder Gnade bekommen sollen. Von der Bedeutung her entstammt der christliche Begriff "Segen" dem lateinischen Wort benedictio (Benediktion). Das bedeutet wörtlich: jemandem Gutes (bene) von Gott her zusagen (dicere). Ziel des Segens ist die Förderung von Glück und Gedeihen oder die Zusicherung von Schutz und Bewahrung. Der Segen erfolgt mit Worten und Gebärden (z. B. Handauflegung, Segensgestus, Ausbreiten der Hände, Kreuzzeichen, Salbung), die die wohltätige Zuwendung eines Gottes zu der gesegneten Person oder der gesegneten Sache symbolisieren (siehe Segenszeichen).

Im weiteren Sinne und davon abgeleitet wird das Wort Segen auch verwendet, um Freude über ein Geschenk oder eine Situation zu beschreiben („Dieses Kind ist ein Segen für uns“) oder um Fülle auszudrücken („Erntesegen“, „Torsegen“). Der Fluch kann als Gegenteil des Segens verstanden werden. Auch kann „Segen“ ironisch für eine unwillkommene oder allzu reichliche Gabe verwendet werden.

Altes Testament

Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken, die Gott geschaffen und gemacht hat. (Gen 2,3 EU)
Der Herr segne dich und behüte dich;
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
  • Im Judentum spielen die Geschichte des Segens Bracha (hebr. ברכה, jiddisch: Broche), sein individueller oder kollektiver Verlust bzw. seine Bewahrung eine existenzielle Rolle. Die priesterliche Segenspendung fand in das Christentum Eingang.

Neues Testament

  • Der Segen, den Gott Abraham zugesprochen hatte, ist nicht auf Israel beschränkt, sondern gilt nun auch für alle anderen Völker:
Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde für uns – denn es steht geschrieben (Dtn 21,23 EU): „Verflucht ist jeder, der am Holz hängt“ –, damit der Segen Abrahams unter die Heiden komme in Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben. (Gal 3,13-14 ELB)
  • Jesus segnete die Kinder (Mt 19,13-15 EU; Mk 10,13-16 EU; Lk 18,15-17 EU):

Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Laßt die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie. (Mk 10,13-16 EU)

Christentum

Im Christentum wird ein Segen meist mit der Geste des Kreuzes vollzogen, manchmal ist er auch mit der Handauflegung verbunden. In der katholischen und orthodoxen Kirche wird der Segen oft durch die Besprengung mit Weihwasser begleitet (vgl. auch Asperges).

In der römisch-katholischen, den orthoxen, der anglikanischen, der Evangelisch-lutherischen Kirchen und ähnlichen Traditionen werden die meisten Segnungen durch die Bischöfe, Priester und manchmal Diakone vollzogen. Aber auch Laien können segnen, etwa segnen Eltern ihre Kinder. Grundsätzlich gilt: Je näher eine Segens- oder Weihehandlung der Feier der Eucharistie steht, desto höher sind die Weihen, die dafür nötig sind.[1]

Die meisten christlichen Gottesdienste enden mit der Spendung des Segens durch den Liturgen. In der katholischen Heiligen Messe und im evangelischen Gottesdienst ist dies immer der Fall.

Segen und technische Machbarkeit

Ein Segen als symbolische Reinigung stand im Mittelalter höher als die physische Reinigung. Wenn Mäuse ins Weinfass gefallen waren, könne, so glaubte man, der Segen des Priesters den Wein „reinigen“. Dahinter stand die Auffassung, dass Reinheit sich nicht herstellen lässt, sondern stets als Gnade empfangen wird. Gegen die Vorstellung unangreifbarer symbolischer Reinheit setzte sich erst im 19. Jahrhundert die Machbarkeit und Messbarkeit der Reinheit durch (siehe Geschichte der Hygiene).

Der weitgehende Ersatz des Segens durch technische Machbarkeit bedeutete einen fundamentalen Wandel der westlich-zivilisierten Gesellschaft. Ein analoges Beispiel für Unreinheit aus religiöser Sicht ist die eheähnliche Gemeinschaft außerhalb des göttlichen Willens, also ohne tatsächlich verheiratet zu sein – siehe Ehe – und ohne kirchlichen Segen.

Verschiedene Segensformen

In der Liturgie der lateinischen Kirche sind verschiedene Formen der Segensspendung entstanden.

Siehe auch

Literatur

  • Dorothea Greiner: Segen und Segnen. Eine systematisch-theologische Grundlegung. Kohlhammer Verlag, 1999. 3. Aufl. 2003. ISBN 978-3170181649
  • Ulrich Heckel, Der Segen im Neuen Testament. Begriff – Formeln – Gesten, mit einem praktisch-theologischen Ausblick. WUNT 150, Mohr Siebeck, Tübingen 2002. ISBN 3-16-147855-X.
  • Klaus Seybold: Der Segen und andere liturgische Worte aus der hebräischen Bibel. Theologischer Verlag Zürich, 2004. ISBN 3-290-17320-8.
  • Claus Westermann: Der Segen in der Bibel und im Handeln der Kirche. Chr. Kaiser, München 1992. ISBN 3-459-01945-X.
  • Florian Kluger, Benediktionen. Studien zu kirchlichen Segensfeiern. Studien zur Pastoralliturgie 31, Pustet-Verlag, Regensburg 2011. ISBN 978-3-7917-2384-6

Weblinks

 Wiktionary: Segen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Segen – Zitate

Einzelnachweise

  1. Benediktionale, Nr. 18
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