Sexualität

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Die Sexualität ist eine Folge des Sündenfalls und der damit verbundenen Geschlechtertrennung, bildet damit aber auch die notwendige leibliche Grundlage zur Entwicklung der Liebe, die das eigentliche Ziel der Erdenmission ist.

Der Paradiesesmensch war noch ein doppelgeschlechtliches Wesen. Durch die luziferische Versuchung stieg der Mensch auf die feste Erde herab und begann sich erstmals in dichten physischen Leibern zu verkörpern, die aber nur mehr einseitig männlich oder weiblich ausgeprägt waren. Das Seelenleben des Menschen begann sich dadurch stärker zu differenzieren. Im männlichen Leib drückte sich nach der Geschlechtertrennung zunächst mehr der Wille aus, im weiblichen Leib das Vorstellungsmäßige. Die leibliche Vereinigung der Geschlechter im Geschlechtsakt umfasst alle leiblichen Wesensglieder, also den physischen Leib, den Ätherleib (Reproduktionskraft) und den Astralleib (sexuelle Begierde), und kann allmählich im Zuge der Menschheitsentwicklung zur seelischen Verbindung (Eros) gesteigert und weiter zur freien, rein geistigen Gemeinschaft, zur göttlichen Liebe (Agape), erhöht werden.

Sexualität und Widersachermächte

Allmählich öffneten sich die Sinne nach außen auf die sinnliche Welt und der Mensch begann sich langsam als eigenständiges Wesen von der Welt zu unterscheiden. Durch den luziferischen Einfluss erwachte damit auch die sinnliche Begierde. Die sinnliche Begierde ist Ausdruck des dahinter stehenden Egoismus, in dem die astralen Antipathiekräfte die Sympathiekräfte beiweitem überwiegen. Die Sexualität blieb lange davor bewahrt, mit den egoistischen Triebkräften verunreinigt zu werden. Bis weit in die atlantische Zeit hinein, lief der Befruchtungsvorgang aber weitgehend unbewusst und damit auch begierdefrei ab.

"Sehen Sie, auch bei Luzifer handelt es sich nicht um das Zusammenstimmen irgendeiner Vorstellung mit der Objektivität, radikal niemals, sondern darum, daß diejenigen Vorstellungen entwickelt werden, die möglichst viel Bewußtsein im Menschen hervorbringen. Also verstehen Sie mich wohl darinnen: die möglichst viel, möglichst intensives Bewußtsein, ein möglichst ausgebreitetes Bewußtsein im Menschen hervorbringen. Dieses ausgebreitete Bewußtsein, an dem Luzifer sein Interesse hat, ist ja zugleich verknüpft, wenn es hervorgebracht wird, mit einer gewissen inneren Wollust des Menschen. Und dieses Wollüstige ist wiederum Luzifers Gebiet. Sie erinnern sich vielleicht, daß ich für die atlantischen Zeiten darauf aufmerksam gemacht habe, daß bis zu einem gewissen Zeitpunkte alles Sexuelle unbewußt vor sich gegangen ist. Schöne Mythen der verschiedenen Völker weisen hin auf diesen unbewußten Charakter des sexuellen Vorgangs in der älteren Zeit. Er ist erst im Laufe der Zeit ins Bewußtsein hereingeholt worden. Luzifer hat wesentlich Anteil daran, daß das Unbewußte hier in das Bewußte und immer Bewußtere hereingeholt wird. Dieses: außer der dazu bestimmten Zeit, außer dem rechten Zeitenzyklus Bewußtsein im Menschen hervorzurufen, also über etwas Bewußtsein hervorzurufen, wo dieser Grad des Bewußtseins eigentlich in einem anderen Zeitpunkte richtig entwickelt würde, das ist Luzifers Bestreben." (Lit.: GA 170, S. 233)

Erst als die irdischen Inkarnationen des Menschen begannen, konnte sich sein individuelles Ich ausbilden und damit wurden auch die Voraussetzungen geschaffen, dass die Liebe in der Menschheit erwachen konnte. Die Geschlechtsliebe ist die Vorstufe zu einer viel umfassenderen Form der Liebe, die im höchsten Sinn nur mehr von den reinen Kräften der Sympathie getragen wird.

Beim Kind spielt die Sexualität noch keine Rolle. Alle dahin gehenden Aussagen sind aus geisteswissenschaftlicher Sicht falsch und beruhen auf einer Fehlinterpretation bloß äußerlich konstatierter Erscheinungen. Erst wenn der im ersten Lebensjahrsiebent dominierende nach außen gerichtete Mineralisierungsprozess mit dem Zahnwechsel seinen Abschluss findet, beginnt im zweiten Jahrsiebt allmählich und zuerst noch ganz zart der nach innen gerichtete Sexualisierungsprozess, der dann mit der Pubertät zu einer gewissen Reife kommt. Erst mit der Geschlechtsreife löst sich die mütterliche Astralhülle auf, in die der Astralleib des Kindes bis dahin eingebettet war, und wird nun zu einem eigenständigen Wesensglied des heranwachsenden Jugendlichen. Diesen frei geworden Astralleib beherrschen zu lernen, ist dann die wesentliche Aufgabe im dritten Jahrsiebt. Erst danach, mit Beginn des vierten Jahrsiebents, ist das Ich bereit, verantwortungsvoll mit der Sexualität umzugehen.

Kräfteströmungen im menschlichen Organismus bis zum Zahnwechsel.

"Sehen Sie, in den ersten sieben Jahren sind fortwährende Strömungen, Kräftewirkungen vorhanden von dem übrigen Organismus nach dem Haupte hin. Gewiß sind auch Strömungen vom Kopf nach dem übrigen Organismus, die sind aber in dieser Zeit schwach im Verhältnis zu den starken Strömungen, die von dem Leib nach dem Kopfe gehen. Wenn der Kopf wächst in den ersten sieben Jahren, wenn er sich noch weiter ausbildet, so rührt das davon her, daß der Leib eigentlich seine Kräfte in den Kopf hineinschickt; der Leib drückt sich in den Kopf hinein in den ersten sieben Jahren, und der Kopf paßt sich der Leibesorganisation an. Das ist das Wesentliche in der menschlichen Entwickelung, daß sich der Kopf in den ersten sieben Jahren der Leibesorganisation anpaßt. Daher dieses Eigentümliche, was man beobachten kann, wenn man einen feinen Sinn hat für das Verwandeln des menschlichen Antlitzes in den ersten sieben Lebensjahren, dieses Heraufströmen der übrigen Organisation. Beachten Sie das nur einmal, wie das Gesicht des Kindes ist, und wie es nach dem Zahnwechsel ganz anders geworden ist, wo sich der ganze Leib gewissermaßen in den Gesichtsausdruck hineinergossen hat.

Kräfteströmungen im menschlichen Organismus vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife.

Dann kommt die Zeit ungefähr vom siebenten bis zum vierzehnten Lebensjahre, der zweite Lebensabschnitt des Menschen, bis zur Geschlechtsreife. Da findet das gerade Entgegengesetzte statt: ein fortwährendes Strömen der Kopfkräfte in den Organismus hinein, in den Leib hinein; da paßt sich der Leib dem Kopfe an. Das ist sehr interessant wahrzunehmen, wie eine vollständige Revolution im Organismus stattfindet: ein Strömen, ein Hinaufkraften des Leibes in den Kopf in den ersten sieben Jahren, was dann den Abschluß findet im Zahnwechsel, und dann eine Umkehrung, ein Hinunterströmen, Hinunterkraften. Und durch dieses Hinunterströmen, Hinunterkraften wird der Mensch erst ein Geschlechtswesen. Jetzt wird der Mensch erst ein sexuelles Wesen. Und das, was die vorerst himmlischen oder irdischen Organe zu Geschlechtsorganen macht, das kommt aus dem Kopf, das ist Geist. Die physischen Organe - man kann es geradezu so aussprechen - sind gar nicht für Sexualität bestimmt; sie werden erst angepaßt der Sexualität. Und wer behauptet, sie wären ursprünglich der Sexualität angepaßt, der urteilt nur nach der äußeren Meinung. Sie sind so, daß die einen angepaßt sind dem Himmlischen, die anderen dem Irdischen. Abbilder sind sie. Der Geschlechtscharakter wird ihnen erst aufgedrückt durch das, was aus der Kopfströmung kommt vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre. Da erst wird der Mensch ein Geschlechtswesen.

Es ist außerordentlich bedeutsam, daß man diese Dinge genau ins Auge faßt; denn man erlebt es heute in der Praxis alle Augenblicke, daß Leute kommen mit den kleinsten Kindern und darüber klagen, daß sie geschlechtliche Ungezogenheiten haben. Das ist vor dem siebenten Jahre gar nicht möglich, weil das, was dann vorhanden ist, überhaupt nichts Geschlechtliches ist, gar nicht diese Bedeutung hat. Und es würde auf medizinische Weise eine Heilung hier nicht eintreten können, sondern auf normale Weise dadurch, daß man diese Dinge nicht mehr mit falschen Namen benennt und dadurch ihnen falsche Begriffshüllen überwirft. Erwerbe man sich doch wiederum jene, ich möchte sagen, heilige Unschuld, welche die Alten hatten mit Bezug auf diese Dinge, denen es gar nicht eingefallen wäre bei ihrem noch atavistischen Wissen aus der geistigen Welt, bei Kindern schon von der Sexualität zu sprechen." (Lit.: GA 170, S. 46ff)

Wie im individuellen einzelnen Erdenleben, so erwachte die bewusste Sexualität auch in der Menschheit insgesamt erst allmählich. Als die sexuelle Vereinigung der beiden Geschlechter zu einem immer bewussteren Vorgang wurde, kam die Menschheit dabei zugleich auf einen gefährlichen Scheideweg, der aber beschritten werden muss, wenn das menschliche Ich sein Entwicklungsziel erreichen soll. Einerseits wurde das Tor zur Liebe geöffnet, die das eigentliche Entwicklungsziel der Erd- und Menschheitsentwicklung ist. Anderseits wurde damit auch der Abgrund aufgerissen, der die Menschheit in den schlimmsten Egoismus hinabschleudern kann, in dem nur mehr die dunkelsten Kräfte der Antipathie herrschen, die den Menschen in die Fänge der schlimmsten Widersachermächte, der Asuras, treibt. Im Sexualsystem liegt der Ursprung des Egoismus und mit Hilfe der Sexualität wollen die Asuras den Egoismus bis zur schwarzmagischen Gewalt steigern:

"Die höheren Kräfte unserer geistigen Vorgänger sind verknüpft mit den Kräften unserer eigenen niederen Natur. Die menschlichen Leidenschaften stehen in okkulter Beziehung zu den höheren Kräften der uns vorausgegangenen geistigen Wesenheiten. Überall wo Ausschweifung ist, dort ist die Materie gegeben, in der mächtige asurische Kräfte raffinierte Intellektualität ausströmen in die Welt. Bei verdorbenen Menschenstämmen sind solche starken asurischen Kräfte zu finden. Der schwarze Magier bezieht gerade aus dem Sumpf der Sinnlichkeit seine stärksten dienenden Kräfte. Die sexuellen Riten sind dazu da, um in diese Kreise hineinzubannen. Es besteht ein fortwährender Kampf auf der Erde, der auf der einen Seite danach strebt, die Leidenschaften zu läutern, und auf der anderen Seite das Streben hat nach Verstärkung der Sinnlichkeit. Die Wesenheiten, die das Christus-Prinzip zum Führer haben, suchen die Erde für sich zu gewinnen, aber auch die anderen, feindlichen Wesenheiten suchen die Erde an sich zu reißen." (Lit.: GA 93a, S. 149)

Könnten die Asuras ihr Ziel erreichen und die Menschheit im absoluten Egoismus verhärten, dann würde damit auch das menschliche Ich ausgelöscht, denn das Wesen des Ichs besteht darin, sich selbst bedingungslos zu verschenken.

Starke Impulse erfährt die Sinnlichkeit durch die Kräfte Oriphiels, die mit dem alten Saturn zusammenhängen, auf dem die Keime zu unseren Sinnesorganen gelegt wurden. Im kommenden Oriphiel-Zeitalter, das unser gegenwärtiges Michaelzeitalter etwa gegen 2300 n. Chr. ablösen wird, werden wir diesen Einfluss noch viel stärker zu spüren bekommen:

"Die Erde steht jetzt (periodenweise) unter dem Einfluß der Saturnkräfte der Erde, das heißt der Kräfte, die die Erde beibehalten hat von dem alten Saturn her, auf dem die ersten Anfänge zu unseren Organen gebildet wurden. (Die Aufgabe des Saturns bestand darin, die ersten Keime zu unseren physischen Sinnesorganen zu entwickeln.)

Die Erde steht periodenweise unter dem Einfluß der Kräfte der Planeten, deren Zustand wir durchgemacht haben. Und so stehen wir jetzt unter dem Einfluß der Saturnkräfte der Erde. Die Saturnkräfte wirken auf die Sinnesorgane, die bis zu einer früher nicht erreichten Höhe ausgebildet sind. Daraus erklärt es sich, daß das Streben und Trachten der Menschheit in so hohem Maße auf das Sinnenfällige gerichtet ist.

Oriphiel bekommt seine Kräfte aus dem heutigen Saturn. Nach vierhundert Jahren wird er seine Herrschaft wieder antreten. Wenn dann die irdischen Saturnkräfte sich mit den Kräften des heutigen Saturn vereinen, wird es auf der Erde noch viel schlimmer werden. Die furchtbaren Entartungen, die wir schon heute in geschlechtlichen Dingen sehen, werden noch ein viel höheres Maß erreichen; sie könnten überhaupt nicht existieren, wenn nicht der Saturn die Erde beherrschte." (Lit.: GA 266a, S. 261f)

Sexualität und Verstandeskräfte

„Alle Völker hatten ursprünglich Vorfahren, welche nicht so sehr darauf gesehen haben, keine nahen Verwandten zu heiraten. Eine nahe Blutsverwandtschaft war keineswegs ein Hindernis für die Ehe. Man sagte, daß solche Kinder, die von am nächsten verwandten Eltern abstammten, am meisten erleuchtet waren: sie waren somnambul. Die weitere Evolution geht nun immer mehr und mehr dahin, daß sich solche Menschen verbinden, die nicht blutsverwandt sind. Es ist ein Gesetz, daß sich durch die Verbindung Fernerstehender der Ätherleib der Menschen herauslockert aus dem physischen Leib. Bei den blutsverwandten Ehen saß bei den Nachkommen der Ätherleib fest. Er wurde von innen heraus erleuchtet. Sie dachten noch mehr mit dem Sonnengeflecht, aber sie hatten nicht Urteilskraft. Diese wächst durch Fernehen und tritt in demselben Maße auf, wie die alten blutsverwandten Ehen zurückgehen. Es schwindet dann das alte somnambule Anschauen, und es tritt eine neue Art des Anschauens auf, die Urteilskraft. Man bezeichnet diese neue Epoche mit dem Aufkommen des dionysischen Prinzips. Dionysos wird zerstückelt, nur das Herz wird gerettet. Als das Dionysische auftrat, wurden die Menschen zerstückelt und dann wieder aufs neue zusammengeführt durch das Herz, die seelische Verwandtschaft, die mit einer vollständigen Veränderung des sexuellen Lebens zusammenhängt. Der Verstand ist umgewandelte frühere Verwandtensexualität.“ (Lit.:GA 97, S. 167f)

„In der Siegfriedsage haben wir eine Schilderung davon, wie sich die neue Ordnung auflehnt gegen die Blutsverwandtschaftsehe: Siegmund und Sieglinde, deren Ehe von Frigga verworfen wird. Wotan ist der Begründer der Fernehe. Bei den verschiedenen Völkern ist die Fernehe zu verschiedenen Zeiten eingeführt worden, aber es existiert ein eigenartiger Zusammenhang zwischen dem Übergang zur Fernehe und der Ausbildung des Verstandes. Es ist ein okkulter Satz, daß die Fernehe auf einen Teil des Ätherkörpers tötend wirkt: das Vorderhirn wird belebt, während das alte Hellsehen abgetötet wird, das durch Blutsverwandtschaftsehen wächst. Die verstandesmäßige Erfassung der Dinge erwacht. Heute ist die Menschheit der Fernehe angepaßt, wie sie es früher der Verwandtschaftsehe war. Die Verwandtenehe wirkt heute schädigend auf die geistige Tätigkeit der Kinder, besonders auf das Sinnesorgan, das mit der Verstandesentwickelung zusammenhängt, das Auge. Daher gibt es so viele Blinde in Verwandtenehen. Nur durch die Fernehe wird das Gehirn verbessert. Diese physiologische Tatsache steht in engem Zusammenhang mit der Menschheitsentwickelung. Sie war notwendig, um das Erscheinen des Christentums vorzubereiten. Hatte dieses unter andern Bedingungen entstehen können? Es bringt die Liebe der Seele zur Seele, das Wirken von Seele auf Seele. Die Blutsverwandtschaftsliebe mußte erst überwunden werden. Die Völker werden überhaupt erst reif für das Christentum werden, wenn sie die Verwandtschaftsliebe überwunden haben. Die alten Eingeweihten Ägyptens stammten immer aus der gleichen Familie innerhalb langer Generationen. Die ältere Weisheit war intuitiver Art, was um so deutlicher hervortritt, je weiter man die Menschheit zurückverfolgt. Das verstandesmäßige Überlegen hängt mit der Grundlage des Christentums zusammen.“ (S. 172f)

„Zwischen Göttern und Menschen stehen nun Wesenheiten, die ihre Entwickelung nicht zu gleicher Zeit mit den Göttern vollendet haben, die sozusagen in der Schule der Evolution sitzengeblieben sind, den Menschen aber weit voraus sind. Es sind die luziferischen Wesenheiten. Sie sind die Anfacher der höheren geistigen Selbständigkeit beim Menschen. Sie erzogen ihn zum Aufruhr gegen die Götter, sie bildeten jenen Teil in ihm aus, der die Götter nicht nährt. In der Paradiesessage erscheint deshalb Luzifer als Schlange, und die Strafe Jehovas ist: «Mit Schmerzen sollst du Kinder gebären.» Die Scharen des Luzifer wirkten weiter an der Verstandeserziehung. Was sie nicht erreicht hatten, holten sie nach, als die Fernehe entstand. Nicht mehr das unfreie Blut bewirkt Liebe, sondern von außen durch Übereinstimmung der Seelen kommt sie. Wenn wir dies erwägen, wird uns auch Jehovas Walten klar: Er ordnet durch richtige Gesetze die Blutsverwandtschaft. Das alte Gesetz schafft unter den Menschen Ordnung. Luzifer wurde achthundert bis neunhundert Jahre vor Christus frei, und die innere Kraft der Seele beginnt sich zu entfalten. Christus ist der Repräsentant der neuen Ordnung. Das äußere Gesetz wurde auf dem Sinai gegeben, das innere Gesetz, die Gnade, ist denen gegeben, die befreit durch Christus sind. So ist der Fortschritt der Menschheit: immer mehr mußte sich im Menschen das luziferische Prinzip entwickeln. Die äußere Wissenschaft soll durch die Theosophie frei werden: Wissenschaft vertieft zur Weisheit. Der Name Luzifer deutet das Prinzip der Selbständigkeit an, deshalb nannte Madame Blavatsky ihre erste Zeitschrift so und deshalb heißt die unsere so, um dieses Prinzip zu dokumentieren. Mehr und mehr werden sich die Unterschiede zwischen Menschen und Völkern abschleifen und der erste Satz der Prinzipien der Theosophischen Gesellschaft in Kraft treten: den Kern einer Menschenbruderschaft zu bilden. Die Liebe der Blutsverwandtschaft wird immer mehr überwunden werden, und man wird mehr die seelischen Zusammenhänge suchen. Aus den größten Fernen werden sich die Seelen zusammenfinden. Die Weiterentwikkelung und Umwandlung des Verstandes wird uns in der Zukunft ein neues Hellsehen bringen. Das Überwinden der Geschlechtsliebe bedeutet zunächst Vereinsamung. Der Chela muß entwurzelt werden - die große Überwindung aller Verwandtschaftsgefühle, das ist die Funktion des luziferischen Prinzips.“ (S. 173f)

Liebe und Sexualität

"Denn der menschliche Organismus ist gerade in der Zeit vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife eben als Organismus auch geneigt, sich zur Liebe hin zu entwickeln. Nun, man muß in unserem heutigen Zeitalter gerade die Tugend der Liebe im richtigen Lichte sehen. Denn der Materialismus hat allmählich tatsächlich die Liebe außerordentlich stark zu einer vereinseitigten Vorstellung gebracht. Und da dieser Materialismus vielfach die Liebe nur in der Geschlechtsliebe sehen will, so führt er alle anderen Liebesäußerungen eigentlich auf versteckte Geschlechtsliebe zurück. Und wir haben ja sogar in demjenigen, was ich vorgestern bezeichnete als Dilettantismus zum Quadrat - nicht bei allen, viele lehnen das ab -, aber wir haben bei vielen Psychoanalytikern geradezu eine Zurückführung von sehr vielen Lebenserscheinungen, die damit gar nichts zu tun haben, auf das sexuelle Element. Demgegenüber muß gerade der Lehrende und Erziehende sich etwas angeeignet haben von dem Universellen der Liebe. Denn nicht nur die Geschlechtsliebe bildet sich aus in dem Zeitalter vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife, sondern überhaupt das Lieben, das Lieben für alles. Die Geschlechtsliebe ist nur ein Teil der Liebe, die sich heranbildet in diesem Lebensalter. Man kann in diesem Lebensalter sehen, wie sich die Naturliebe heranbildet, wie sich die allgemeine Menschenliebe heranbildet, und man muß eben einen starken Eindruck davon haben, wie die Geschlechtsliebe nur ein Spezialkapitel ist in diesem allgemeinen Buche des Lebens, das von der Liebe redet. Wenn man das versteht, so wird man auch die Geschlechtsliebe erst in der richtigen Weise ins Leben hinein orientieren können. Heute ist im Grunde genommen gerade für viele Theoretiker die Geschlechtsliebe der Moloch geworden, der alle Liebespflanzen eigentlich nach und nach aufgefressen hat.

Die Liebe entwickelt sich in der Seele in anderer Weise als die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit muß wachsen mit dem Menschen; daher muß sie eingepflanzt werden in jenem Lebensalter, wo die Wachstumskräfte am stärksten sind. Die Liebe, die muß erwachen. Es ist tatsächlich in der Entwickelung der Liebe etwas wie ein Vorgang des Erwachens. Die Liebe muß auch in ihrer Entwickelung in seelischeren Regionen gehalten werden. Dasjenige, in das der Mensch hineinwächst, indem er die Liebe in sich allmählich entwickelt, ist ein langsames, allmähliches Erwachen, bis zuletzt das letzte Stadium dieses Erwachens eintritt." (Lit.: GA 306, S. 119ff)

Liebe, Erotik, Sexualität

„Alles, was geistig ist, hat selbstverständlich seine äußere sinnliche Form, denn es taucht der Geist unter in die Physis. Er verkörpert sich in der Physis. Vergißt er dann seiner selbst, wird er nur die Physis gewahr, dann glaubt er, daß dasjenige, was geisterregt ist, bloß durch die Physis erregt ist. In diesem Wahn lebt unsere Zeit. Sie kennt nicht die Liebe. Sie phantasiert nur von der Liebe, ja, lügt von der Liebe. Sie kennt in der Wirklichkeit nur die Erotik, wenn gedacht wird über die Liebe. Ich will nicht sagen, daß nicht der Einsame die Liebe erlebt, denn der Mensch verleugnet in seinem unbewußten Fühlen, in seinem unbewußten Wollen viel weniger den Geist als bei seinem Denken - wenn aber die gegenwärtige Zivilisation über die Liebe denkt, dann spricht sie nur das Wort Liebe, dann redet sie eigentlich von Erotik. Und man kann schon sagen: Gehe man die gegenwärtige Literatur durch, überall, wo zum Beispiel im Deutschen Liebe steht, sollte eigentlich das Wort Erotik gesetzt werden. Denn das ist es, was das in den Materialismus getauchte Denken allein kennt von der Liebe. Es ist die Verleugnung des Geistes, welche die Liebeskraft zur erotischen Kraft macht. Auf vielen Gebieten ist nicht nur an die Stelle des Genius der Liebe, ich möchte sagen, sein niederer Diener, die Erotik getreten, sondern an vielen Stellen ist nun auch das Gegenbild, der Dämon der Liebe getreten. Der Dämon der Liebe aber entsteht, wenn das, was sonst gottgewollt im Menschen wirkt, durch das menschliche Denken in Anspruch genommen wird, durch die Intellektualität abgerissen wird von der Geistigkeit.

So daß der absteigende Weg der ist: Man erkennt den Genius der Liebe, man hat die durchgeistigte Liebe. Man erkennt den niederen Diener, die Erotik. Man fällt aber in den Dämon der Liebe. Und der Genius der Liebe hat seinen Dämon in dem Interpretieren, nicht in der wirklichen Gestalt, aber in dem Interpretieren der Sexualität durch die heutige Zivilisation. Wie wird heute schon nicht nur von der Erotik gesprochen, wenn man an die Liebe herankommen will, sondern nurmehr von der Sexualität!

In diesem Reden der Zivilisation über die Sexualität ist, man kann schon sagen, vieles von dem eingeschlossen, was als sogenannter Unterricht über die Sexualität heute angestrebt wird. In diesem heutigen intellektualisierten Reden über die Sexualität lebt die Dämonologie der Liebe. Wie auf einer anderen Stufe der Genius, dem das Zeitalter folgen soll, in seinem Dämon erscheint, weil der Dämon ja eintritt, wo man den Genius verleugnet, so ist es auch auf diesem Gebiete, wo das Geistige in seiner intimsten Form, in der Liebeform, erscheinen soll. Unser Zeitalter betet oft statt zu dem Genius der Liebe zu dem Dämon der Liebe und verwechselt dasjenige, was Geistigkeit der Liebe ist, mit der Dämonologie der Liebe in der Sexualität.

Gerade auf diesem Gebiete können natürlich die vollständigsten Mißverständnisse entstehen. Denn was in der Sexualität ursprünglich lebt, ist durchdrungen von der geistigen Liebe. Aber die Menschheit kann herunterfallen von dieser Durchgeistigung der Liebe. Und sie fällt am leichtesten herunter in dem intellektualistischen Zeitalter. Denn wenn der Intellekt diejenige Form annimmt, von der ich gestern gesprochen habe, dann wird das Geistige der Liebe vergessen, dann wird nur ihr Äußeres in Betracht gezogen.

Es ist in des Menschen Macht, möchte ich sagen, daß er sein eigenes Wesen verleugnen kann. Er verleugnet es, wenn er von dem Genius der Liebe heruntersinkt zu dem Dämon der Sexualität - wobei ich eben durchaus die Art des Fühlens über diese Dinge verstehe, wie sie zumeist in der Gegenwart vorhanden ist.“ (Lit.:GA 225, S. 181ff)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Grundelemente der Esoterik, GA 93a (1976), XIX, Berlin, 17. Oktober 1905
  2. Rudolf Steiner: Das christliche Mysterium, GA 97 (1998), ISBN 3-7274-0970-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Das Rätsel des Menschen. Die geistigen Hintergründe der menschlichen Geschichte, GA 170 (1992)
  4. Rudolf Steiner: Drei Perspektiven der Anthroposophie. Kulturphänomene, geisteswissenschaftlich betrachtet., GA 225 (1990), ISBN 3-7274-2252-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band I: 1904 – 1909, GA 266a (1995), ISBN 3-7274-2661-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Die pädagogische Praxis vom Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis. Die Erziehung des Kindes und jüngeren Menschen., GA 306 (1989), ISBN 3-7274-3060-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Stichwort Sexualität, Rudolf Steiner Vlg., Dornach 2010, ISBN 978-3-7274-4906-2
  8. Alan Howard: Sexualität im Lichte von Reinkarnation und Freiheit, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 1985
  9. Athys Floride: Die spirituelle Verwandlung der Liebeskräfte als Voraussetzung zur Weltverjüngung im Sinne von Novalis. Möllmann Verlag, 2010, ISBN 978-3899791341
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