Sinnesorgan

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Ein Sinnesorgan ist ein spezialisiertes Organ, das der Wahrnehmung der sinnlichen Welt dient. Rudolf Steiner unterscheidet zwölf Sinne des Menschen. Die Sinnesorgane gleichen physikalischen bzw. physikalisch-chemischen Apparaten.

„Das erste aber, was sich uns mit besonderer Deutlichkeit ergibt, wenn wir den ganzen Hergang der Menschenentwickelung beachten, das ist, daß diese Sinnesorgane als solche zu tun haben mit dem, was wir nennen können, physikalische Wirkungen. Auf dem alten Saturn ist ja schon die erste Anlage der Sinnesorgane als eine bloß physikalische Anlage entstanden, und immer wieder und wieder schreitet die Entwickelung der Sinnesorgane des Menschen dadurch fort, daß physikalisches Geschehen sich eingliedert in dasjenige, was sich sonst beim Menschen ausbildet; so daß also im wesentlichen die Sinnesorgane, wie sie heute sind, physikalische Organe sind. Es wird Ihnen ja unschwer auffallen können, daß die Augen physikalische Organe sind, daß die Ohren physikalische Organe sind und so weiter. Gewiß, die niederen Sinne sind wie chemische Organe, aber trotzdem hat das alles mit dem Physikalisch-Chemischen zu tun.

So müssen wir die Sache auffassen, daß gewissermaßen als das äußerste seiner Entwickelungsglieder der Mensch in die Welt hinein dasjenige vorstreckt, was man nennen kann sein Physikalisches.“ (Lit.:GA 162, S. 263)

„Alle Sinneswerkzeuge, alle physikalischen Apparate am Menschen haben nur die Stufe eines Minerals erreicht. Sie folgen ganz denselben Gesetzen wie die Mineralien. Auge und Ohr gehören zu den mineralischen Einschlüssen; auch im Gehirn sind noch solche Teile.“ (Lit.:GA 98, S. 137)

„Bei den andern Sinnen ist es zwar ebenso, aber die Sache tritt für die äußere Beobachtung nicht mit derselben Schärfe zutage, nicht so scharf, wie wenn man das, was eigentlich hier gemeint ist, für den Sinn des Gesichts, für das Auge in Betracht zieht. Bedenken Sie, dieses Auge als ein physikalischer Apparat Hegt ja eigentlich als ein ziemHch selbständiges Organ im menschlichen Schädel drinnen und ist eigentlich nur durch die Anhänge, die Anhänge der Blutadern, die Anhänge der Nerven, nach rückwärts in den menschlichen Leib hinein verlängert. Man kann sagen: Dieses ist das menschliche Auge, hier ist die

Zeichnung aus GA 180, S. 91

Verlängerung (siehe Zeichnung); aber als Auge liegt es hier in der knöcherigen Schädelhöhle mit einer großen Selbständigkeit drinnen, insoweit es physikalischer Apparat ist, hier die Linse, der Einfall der Lichtstrahlen, der Glaskörper, also alles das, was physikalischer Apparat ist, ist eigentlich sehr selbständig. Nur durch den Sehnerv, die Aderhaut, die sich hinein nach dem Leibe verlängert, verlängert sich eben das Auge selbst nach dem Leibe, so daß man sagen kann, dieses Auge als physikalischer Apparat, also insofern es aufnimmt die äußere Sinneswelt in ihrer Sichtbarkeit, ist ein selbständiger Organismus, bis zu einem gewissen Grade wenigstens.“ (Lit.:GA 180, S. 91)

Zugleich ist jedes Sinnesorgan nichts anderes ist als ein abgeändertes kleines Gehirn:

„Was ist das Auge? Das Auge ist ein kleines Gehirn, das von unserem Geiste so bearbeitet ist, daß der eigentliche Nervenapparat zurückgeschoben ist an die hintere Wand, wo sie zur Netzhaut des Auges geworden ist. So arbeiten die Baumeister der Natur, die Bildner der Formen. So formen sie. Im Grunde genommen herrscht ein Bauplan in allen menschlichen Organen, der nur im einzelnen, je nach Bedarf, abgeändert wird. Wenn ich wochenlang sprechen könnte, würde ich Ihnen zeigen, wie jedes Sinnesorgan nichts anderes ist als ein abgeändertes kleines Gehirn, und das Gehirn wiederum ein Sinnesorgan auf einer höheren Stufe. Aus dem Geiste heraus ist der ganze menschliche Organismus aufgebaut.“ (Lit.: GA 115, S. 66)

Das Sehen und das Leuchten der Sterne

„Wir haben immer nur sagen hören, wenn die Frage entstanden war: Was ist das Licht? Licht ist die Ursache des Leuchtens der Körper. - Nun sehen Sie, damit ist selbstverständlich etwas riesig «Gewaltiges» gesagt über das Licht, wenn man sagt: Licht ist die Ursache des Leuchtens der Körper. Aber im Grunde ist es nicht viel mehr, wenn die heutige materialistische Physik sagt: Man sieht eben die Weltkörper, wenn sie Licht ausstrahlen. Es ist im Grunde ganz dasselbe.

Nun habe ich bei einer anderen Gelegenheit schon erwähnt, daß es für die materialistischen Physiker recht sehr überraschend sein würde, wenn sie nach der Sonne fahren könnten und dort nachsehen könnten, was die Sonne eigentlich ist. Das habe ich gesagt, weil in der Tat dort gar nichts ist, wo die Sonne ist. Sondern das, was man finden würde, würde ein Zusammenhang von rein geistigen Wesenheiten und Kräften sein; etwas Materielles ist dort überhaupt nicht. Nun, wenn man mit diesem hellseherischen Bewußtsein die Sterne untersucht und nach dem Grunde ihres Leuchtens fragt, dann findet man, daß das, was da eigentlich vorhanden ist und von uns als ihr Leuchten bezeichnet wird, eigentlich in der Wahrnehmungsfähigkeit, in der mehr oder weniger groben, wie es bei den Erdenmenschen ist, oder feiner gestalteten Wahrnehmungsfähigkeit von Wesen besteht. Und wenn irgendein Wesen auf Venus oder Mars auf die Erde herunterschauen würde, so würde dieses Wesen, wenn es die Erde leuchten sähe, sich sagen müssen: diese Erde leuchtet, nicht weil da Sonnenstrahlen zurückgeworfen werden, sondern weil auf der Erde Menschen sind, die durch ihre Augen wahrnehmen. Dieser Vorgang des Sehens bedeutet nicht nur etwas für unser Bewußtsein, sondern er strahlt hinaus in den ganzen Weltenraum, und was die Menschen tun, indem sie sehen, ist das Licht des betreffenden Weltkörpers. Wir sehen nicht nur, damit wir mit unserem Bewußtsein die Resultate des Gesehenen aufnehmen, sondern wir sehen, damit durch unseren Prozeß des Sehens die Erde hinausleuchte in den Weltenraum. So hat in der Tat jedes unserer Sinnesorgane die Aufgabe, nicht nur das zu sein, was es für uns ist, sondern hat außerdem eine Weltaufgabe. Der Mensch ist durch seine sinnliche Wahrnehmung ein Weltenwesen. Er ist nicht nur das Wesen, das er durch sein Bewußtsein als Erdenmensch ist, er ist ein Weltenwesen.“ (Lit.:GA 157, S. 295f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Natur- und Geistwesen – ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt, GA 98 (1996), ISBN 3-7274-0980-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Anthroposophie – Psychosophie – Pneumatosophie, GA 115 (2001), ISBN 3-7274-1150-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Menschenschicksale und Völkerschicksale, GA 157 (1981), ISBN 3-7274-1571-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Kunst- und Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft, GA 162 (2000), ISBN 3-7274-1620-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Mysterienwahrheiten und Weihnachtsimpulse. Alte Mythen und ihre Bedeutung, GA 180 (1980), ISBN 3-7274-1800-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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