Sinnliche Welt

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Die sinnliche Welt umfasst für den Menschen all das, was er prinzipiell durch seine physischen Sinnesorgane wahrnehmen kann. Das sind, im weitesten Sinn genommen, die Gegenstände der physischen Welt. Die Begriffe sinnliche Welt und physische Welt werden häufig synonym gebraucht, unterscheiden sich aber doch für eine feinere Betrachtung, indem als physisch all das bezeichnet wird, was physischen Gesetzmäßigkeiten unterliegt, als sinnlich hingegen das, was sinnlich wahrnehmbar ist. Im ersten Fall liegt der Akzent auf einem begrifflichen Faktor, nämlich der physischen Gesetzmäßigkeit, im zweiten Fall hingegen auf der unmittelbaren Wahrnehmung.

In seiner Sinneslehre hat Rudolf Steiner darauf hingewiesen, dass man nicht bei den meist genannten fünf Sinnesorganen stehen bleiben kann, sondern das der Mensch insgesamt über 12 physische Sinne verfügt. Die sinnliche Welt umfasst demgemäß alles, was mittels dieser 12 Sinne wahrgenommen werden kann.

Die Tatsache, dass der Mensch über entsprechende physische Sinnesorgane verfügt, reicht allerdings noch nicht aus, um die sinnliche Welt bewusst wahrnehmen zu können. Er muss auch ein entsprechendes Gegenstandsbewusstsein entwickelt haben, dass sich erst allmählich herausbildet, wenn der Mensch heranwächst. Die Sinnesorgane eines neugeborenen Kindes sind zwar schon weitgehend ausgeformt, nicht aber sein Gegenstandsbewusstsein; es vermag daher anfangs noch kaum etwas von der sinnlichen Welt wahrzunehmen. Sein sinnlicher Horizont erweitert sich erst nach und nach und erreicht bei verschiedenen Menschen durchaus unterschiedliche Grade von Wachheit.

Die sinnliche Welt erscheint wie ein schmales Band oder auch wie eine Ebene, die die übersinnliche Welt von der untersinnlichen Welt scheidet. Die übersinnliche und die untersinnliche Welt sind grundsätzlich gleichen Ursprungs und gleicher Natur, in beiden können astrale und eigentlich geistige Weltbereiche unterschieden werden, nur ist die untersinnliche Welt in gewissem Sinn dadurch verdorben, dass sie unter dem Einfluss der Widersachermächte steht.

"Wenn man hinausblickt in die Weiten des Kosmos, und es zeigt sich einem, ich möchte sagen, das Ensemble der Sterne; was ist dieser Anblick? Warum haben wir diesen Anblick? – Wir haben diesen besonderen Anblick, den Anblick der Milchstraße, den Anblick des sonst bestirnten Himmels aus dem Grunde, weil er die Offenbarung ist des luziferischen Wesens der Welt. Was uns gewissermaßen leuchtend, strahlend umgibt, ist die Offenbarung des luziferischen Wesens der Welt, es ist dasjenige, was jetzt so ist, wie es ist, weil es auf einer früheren Stufe seines Daseins zurückgeblieben ist. Und wenn wir über den Erdboden gehen, den starren Erdboden, dann hat dieser starre Erdboden seine Starrheit, seine Härte aus dem Grunde, weil in ihm gewissermaßen zusammengeballt sind die ahrimanischen Wesenheiten, jene Wesenheiten, welche diejenige Stufe, die sie sich jetzt künstlich zulegen, eigentlich erst in einem späteren Zeitpunkte ihrer Entwickelung haben sollten." (Lit.: GA 203, S. 133)

Dass die Sinne des Menschen nach außen geöffnet wurden, ist eine Folge des luziferischen Einflusses und des damit verbundenen Sündenfalls. Zuvor nahm der Mensch nur die übersinnliche Astralwelt und noch früher auch die geistige Welt wahr. Was wir heute als Sinnesqualitäten erleben, entstammt ürsprünglich einer der unteren Regionen der Astralwelt, nämlich der Region der flutenden Reizbarkeit. Durch Luzifer wurden Teile dieses Weltbereichs von Begierden durchsetzt, von Antipathie-Kräften, die vieles zurückstossen und nur weniges egoistisch für sich behalten wollen. Damit diese Erlebnisse bewusst erfahren werden können, musste sich ein dunkler Schleier über die übersinnlichen Welten breiten, der uns den Blick in diese Welten verfinstert und zugleich die luziferisch durchsetzten Astralkräfte in unser Bewusstsein zurückspiegelt. Diesen finsteren Schleier, der nichts anderes als die Materie, die stoffliche Welt, ist, haben Ahriman und die Geister der Finsternis gewoben. Seit dem erscheint uns die sinnliche Welt als Widerspiegelung der luziferisch durchsetzten untersinnlichen Astralwelt an der finsteren untersinnlichen ahrimanischen Welt. Die sinnliche und die materielle Welt sind also deutlich voneinander zu unterscheiden und beide sind auch keineswegs identisch mit der eigentlichen physischen Welt, in der die physischen Formgesetze walten, und die in Wahrheit nur übersinnlich wahrgenommen werden kann.

"Wenn Sie sich klarmachen wollen, was Ihren physischen Leib ausmacht, so sagen Sie: den physischen Leib kann man sehen. – Den Ätherleib* können Sie nicht sehen, weil er eine Stufe höher liegt mit seiner Substantialität. Den Astralleib* können Sie auch nicht sehen, weil er wieder eine Stufe höher liegt als der Ätherleib. Aber es liegt nun nicht nur Substantialität oberhalb, sondern auch unter der physischen Materie, und die kann auch wieder nicht gesehen werden, weil von aller Materie nur ein mittleres Streifband sichtbar ist, gerade das, was die physische Materie ausmacht, die mit den physischen Augen gesehen wird. Und geradeso wie sich nach oben das Substantielle fortsetzt in der physischen Grundlage des Ätherischen, des Astralen, so setzt es sich nach unten fort und wird da wiederum unsichtbar." (Lit.: GA 102, S. 169f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen, GA 102 (2001)
  2. Rudolf Steiner: Die Verantwortung des Menschen für die Weltentwickelung durch seinen geistigen Zusammenhang mit dem Erdplaneten und der Sternenwelt, GA 203 (1989)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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