Doktor Strader

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Gideon Spicker (1840 - 1912), Rudolf Steiners lebendes Vorbild für die Gestalt des Doktor Strader.

Doktor Strader ist eine Gestalt aus den Mysteriendramen Rudolf Steiners. Sein lebendes Vorbild war der Philosoph Gideon Spicker. Strader steht fest in dem modernen naturwissenschaftlichen Denken drinnen, trägt in seiner Seele aber doch die unstillbare Sehnsucht nach der geistigen Welt. In «Die Pforte der Einweihung» zeigt er sich tief beeindruckt durch die Vision, die die Seherin Theodora von der Wiederkehr des Christus im Ätherischen hat:

"Den ganzen Konflikt, der durch diesen Zwiespalt und zu gleicher Zeit durch die Sehnsucht nach Vereinigung der beiden Gegensätze Natur und Geist in der menschlichen Seele hervorgerufen wird, sehen Sie im Rosenkreuzerdrama abgeladen in der Seele des Strader. Und wie ein aus dem gewöhnlichen Naturgange herausfallendes Ereignis, wie die Offenbarung der Theodora, auf denjenigen wirkt, der gewohnt ist, nur gelten zu lassen, was unter die physikalischen und chemischen Gesetze fallen kann, wie das auf das Gemüt wie eine Prüfung der Seele wirkt, sehen Sie auch am Charakter und an den Geschehnissen der Seele des Strader dargestellt in dem Rosenkreuzermysterium «Die Pforte der Einweihung». Damit haben Sie aber nur gleichsam herauskristallisiert etwas, was als die Empfindung dieses Gegensatzes in zahlreichen modernen Seelen sich ausdrückt. Diese Straderseelen sind sehr häufig in der heutigen Zeit. Für solche Straderseelen ist es notwendig, daß sie auf der einen Seite das Eigentümliche des regulären, des normalen Ganges der Naturtatsachen, die durch die physikalischen, chemischen, biologischen Gesetze erklärt werden können, einsehen. Auf der anderen Seite ist es aber auch notwendig, daß solche Seelen hingeführt werden zur Anerkennung jener Tatsachen, die auch auf dem physischen Plane auftreten, aber von dem rein materialistischen Sinn als Wunder und daher als etwas Unmögliches einfach liegengelassen und nicht anerkannt werden." (Lit.: GA 129, S. 57)

In «Die Prüfung der Seele» wird eine frühre Inkarnation Straders zur Zeit des Spätmittelalters als Simon, der Jude geschildert. Er führt hier ein einsames und ausgegrenztes Leben und fühlt sich darin den Rittern der Ordensburg verwandt. Er hadert nicht mit seinem Schicksal, denn dieses hat ihn gelehrt, sich als Naturforscher, der neue Heilmittel entwickelt, auf die Kräfte seiner eigenen Seele zu besinnen und die Lehren der Ritter weisen ihn auf die herannahende Zeit, wo der Mensch die Sinneswelt erobern und ihre Kräfte entfalten wird. Zu dem Christus findet er in diesem Leben noch nicht die rechte Beziehung, obwohl ihm dieser immer wieder in einer traumbildartigen Vision seine Hand entgegenstreckt:

Ich bin zum Träumer wahrlich nicht geboren;
Doch wenn ich einsam Feld und Wald durch-
Da tritt vor meine Seele oft ein Bild, [wandle,
Das ich so wenig mit dem Willen meistre
Wie jene Dinge, welche Augen schauen.
Es stellt sich vor mich hin ein Menschenwesen,
Das seine Hand mir liebend reichen will.
In seinen Zügen drückt ein Schmerz sich aus,
Den ich in keinem Antlitz noch gesehn.
Die Größe und die Schönheit dieses Menschen
Ergreifen alle meine Seelenkräfte;
Ich möchte niedersinken und in Demut
Ergeben mich dem Boten andrer Welten. —
Da flammt im nächsten Augenblicke schon
Ein wilder Zorn in meinem Herzen auf.
Ich kann dem Trieb in mir nicht widerstehn,
Der meiner Seele Widerstand entfacht —,
Und von mir stoßen muß ich jene Hand,
Die sich so liebend mir entgegenhält.

(Lit.: GA 14, S. 241)

Modell des Strader-Apparats, angefertigt von Hans Kühn nach dem Originalmodell, das für die Aufführung des Mysteriendramas «Der Hüter der Schwelle», München 1913, nach Angaben Rudolf Steiners hergestellt worden war.

Doktor Strader erweist sich auch als genialer Techniker. Der Strader-Apparat, der in «Der Hüter der Schwelle» als bahnbrechende Erfindung Straders beschrieben wird, soll den Hinweis auf eine künftig zu entwickelnde moderne Technik geben, die nicht, wie alle derzeit gebräuchlichen Maschinen, ausschließlich auf Energie verschlingenden physischen Zentralkräften beruht, sondern die potentialfreien ätherischen Universalkräfte nutzbar machen kann.

Straders Intention ist es, dem technischen Fortschritt eine solche Richtung geben, dass damit zugleich Kräfte frei werden, durch die die Menschen ihre geistige Entwicklung voranbringen können. Das würde natürlich auch bedeutsame soziale Veränderungen mit sich bringen. In «Der Hüter der Schwelle» sagt er:

Es reihte dann Versuch sich an Versuch,
bis endlich der Zusammenklang von Kräften
auf meinem Arbeitstische sich ergab,
der einst in seiner vollen Ausgestaltung
rein technisch jene Freiheit bringen wird,
in welcher Seelen sich entfalten können.
Nicht weiter wird man Menschen zwingen müssen,
in enger Arbeitsstätte würdelos
ihr Dasein pflanzenähnlich zu verträumen.
Man wird der Technik Kräfte so verteilen,
dass jeder Mensch behaglich nutzen kann,
was er zu seiner Arbeit nötig hat
im eignen Heim, das er nach sich gestaltet.
Der Hüter der Schwelle, 1. Bild

Obwohl im Modellversuch erfolgreich, scheitert Strader allerdings, wie wir später in «Der Seelen Erwachen» erfahren, an der praktischen Umsetzung seiner Erfindung.

In «Der Hüter der Schwelle» ist Strader bereits seit 7 Jahren mit Theodora verheiratet. Die erste Begegnung mit Theodora hatte Strader gezeigt, wie sich der Geist in einem Menschen über solche Dinge zu offenbaren sucht, die seinem eigenen Erkenntnisstreben verschlossen bleiben mussten. An Thomasius konnte er die Früchte der Geistesschülerschaft erleben. Doch all dies raubte ihm den Glauben an Vernunft und Wissenschaft und so wandte er sich der Technik zu, um sich zu betäuben. Aus diesem zerquälten Dasein wurde er erst durch die zweite Begegnung mit Theodora gerissen. Durch Felix Baldes weise Führung waren ihre Seherkräfte damals zu hoher Kraft gereift. Dass ihm diese lichte Geistesbotin vom Schicksal als Gefährtin vorbestimmt sein könnte, ahnte er da noch nicht, doch als es ihm Gewissheit wurde, ergoss sich helles Licht in seine Seele, das seine Arbeit bedeutsam befruchtete – selbst dann noch, als ihre Offenbarungen schließlich nicht mehr kamen. Sorge bereitet ihm nur, dass der Verlust der Seherkraft Theodora tiefe Schmerzen bereiten könnte. Doch das konnte Theodora gelassen auf sich nehmen - doch kürzlich sind diese Kräfte auf neue, schmerzvolle Weise wieder erwacht. Noch während sie spricht, tritt ihr beängstigend das Bild von Johannes Thomasius vor die Seele, der durch Luzifers Einfluss unheilsame Begierden auf sie richtet. Im nächsten Bild erfährt man, dass Theodora gestorben ist. Sie tritt danach nur mehr in Seelenform in Erscheinung.

Hilarius Gottgetreu hat indessen die Leitung des väterlichen Holzsägewerks übernommen und will die Produktion nach geistig-künstlerischen Kriterien neu orientieren. Johannes Thomasius soll die Produkte künstlerisch gestalten, Strader die technische Leitung übernehmen und Benedictus, Maria und Capesius weithin Verständnis für die neue Produktionsweise wecken. Der Bürochef aber hält Hilarius Geistesbrüder nicht für befähigt, die geistigen Erkenntnisse in die Lebenspraxis umzusetzen; das Unternehmen würde dadurch zugrunde gerichtet. Ganz besonders zweifelt er an den Fähigkeiten Doktor Straders, weil dieser mit seiner Erfindung vollkommen gescheitert war.

Ahriman sinnt indessen darüber nach, wie er wieder Macht über Strader gewinnen kann. Zu nahe steht er schon dem „Mystenschwarm“, der „durch das Weisheitslicht des Benedictus das Wachen in der Weltenmitternacht ertrotzen konnte.“ Maria und Johannes sind dadurch bereits dem Lichtbezirk Luzifers entronnen und beide durchschauen auch Ahrimans Wirken. Nur mit Hilfe Straders könnte er noch an die beiden herankommen. Eile ist geboten, denn Ahriman sieht im Schicksalsbuch bereits den baldigen Tod Straders voraus – und nach dem Tod wäre Straders Seele für Ahriman verloren. Ahriman holt dazu die Seele Ferdinand Reineckes, die wie eine Kopie Ahrimans erscheint, in sein Reich und inspiriert sie mit Gedanken, die Strader an seinem eigenen Werk irre machen sollen. Da erscheint Theodoras Seele, die fest an Straders Seite steht. Wenn sie ihn nicht verlässt, solang er noch auf Erden lebt, wäre Ahrimans Kampf verloren: „Doch kann ich wohl noch hoffen, daß er zuletzt sie doch vergessen könnte.“

Tatsächlich kann Ferdinand Reinecke Strader davon überzeugen, dass der Entwurf seines Apparats einen grundlegenden, nicht behebbaren Denkfehler enthält und darum notwendig scheitern musste. Tief verzweifelt stirbt Strader gegen Ende des vierten Dramas, fühlte sich aber bis zuletzt so innig mit Theodora verbunden, dass Ahriman ihn nicht in sein Reich hinüberziehen kann. Die Pflegerin Doktor Straders übergibt einen letzten Brief Straders an Benedictus und berichtet von den letzten Augenblicken seines Lebens:

Erst lebte noch der letzte Lebensplan
In seinem Denken; dann war Theodora
Im Geist mit ihm vereint; erfühlend dies,
Entrang sich seine Seele sanft der Hülle.
Der Seelen Erwachen, 15. Bild

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Vier Mysteriendramen, GA 14 (1998), ISBN 3-7274-0140-0
  2. Rudolf Steiner: Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen, GA 129 (1992), ISBN 3-7274-1290-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

  1. Wolfgang Peter: Die dritte Kraft, in: Der Europäer, Jg 05/Heft 9/10, Perseus-Verlag, Basel 2001, S. 30f
  2. Christoph Podak: «... weil sonst das ahrimanische Gegenbild entwickelt wird.» Materialien und Aspekte zum Konzept der «Strader-Technik», in: Der Europäer, Jg 07, Perseus-Verlag, Basel 2003, Heft 05, 06, 07, 08, 09