Nervosität

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Nervosität kennzeichnet einen inneren Unruhezustand des Menschen. Damit einhergehend kommt es zu einer Abnahme der Gelassenheit gegenüber Anforderungen.

"Es ist ja nur allzu bekannt, daß in unserer Zeit viel geklagt wird über das, was mit dem vielgefürchteten Wort Nervosität umspannt wird, und man darf sich gar nicht wundern, wenn der oder jener sich zu dem Ausspruch hingedrängt fühlt: In unserer Zeit gibt es eigentlich keinen Menschen mehr, der nicht nervös wäre in irgendeiner Beziehung. Und wie sollten wir nicht einen solchen Ausspruch begreiflich finden. Ganz abgesehen von den sozialen Verhältnissen und Zuständen, denen wir diese oder jene Ursache bei dieser Nervosität zuschreiben können, sind eben solche Zustände, die als Nervosität bezeichnet werden können, auch sonst da, und sie äußern sich in der mannigfaltigsten Weise. Sie äußern sich vielleicht, man könnte sagen in der leichtesten Weise, in der am wenigsten unbequemen Weise dadurch, daß der Mensch das wird, was man einen seelischen Zappelfritzen nennen könnte. Einen solchen möchte ich denjenigen nennen, der unvermögend ist, einen Gedanken ordentlich festzuhalten und ihn wirklich in seinen Konsequenzen zu verfolgen, der immer überspringt von einem Gedanken zu dem andern, und wenn man versucht, ihn bei einem Gedanken festzuhalten, dann ist er schon längst zu einem andern übergesprungen. Eine Hast des seelischen Lebens, das ist oftmals die leichteste Art von Nervosität.

Eine andere Art von Nervosität ist diese, daß die Menschen mit sich selber nicht viel anzufangen wissen, daß sie sozusagen gegenüber Dingen, bei denen sie zu Entschlüssen kommen sollten, nicht zu Entschlüssen vorrücken können, und eigentlich niemals so recht wissen, was sie in der oder jener Angelegenheit tun sollen.

Dann können aber auch diese Zustände zu anderen, schon bedenklicheren führen, indem die Nervosität sich allmählich immer mehr und mehr in allerlei Krankheitsformen auslebt, für die man eigentlich keine organischen Ursachen angeben kann, die aber zuweilen organische Krankheiten in einer täuschenden Weise nachbilden, so daß man zum Beispiel glauben könnte, ein Mensch habe etwa ein schweres Magenleiden, während er nur unter dem leidet, was man recht trivial und nicht bedeutungsvoll zusammenfaßt unter dem Wort «Nervosität»." (Lit.: GA 143, S. 010)

Ursachen und Möglichkeiten des Entgegenwirkens

Als Entstehungsgrund sieht Rudolf Steiner die materialistische Weltanschauung des 18. Jahrhunderts:

"Diese eigentümliche Krankheitsform ist die Folge der materialistischen Weltanschauung des 18. Jahrhunderts. Ohne das Vorausgehen dieser materiellen Denkgewohnheiten wäre sie nie zustande gekommen. Der Geheimlehrer weiß, daß, wenn der Materialismus noch Jahrzehnte fortdauern würde, er eine verheerende Wirkung auf die Volksgesundheit haben würde. Würde diesen materiellen Denkgewohnheiten nicht gesteuert, so würden später die Menschen nicht nur gewöhnlich nervös sein, sondern die Kinder würden zitternd geboren werden und nicht nur die Umgebung empfinden, sondern an jeder Umgebung eine Schmerzempfindung haben. Vor allem würden die Geisteskrankheiten sich ungeheuer rasch verbreiten: Irrsinnsepidemien würden in den nächsten Jahrzehnten auftreten." (Lit.: GA 095, S. 70f.)

"Der nervöse Mensch beruht im wesentlichen darauf, dass sein astralischer Leib in seine ganze physische Wesenheit nicht ordentlich eingeschaltet ist. Darauf beruht die Nervosität unseres Zeitalters. Und wozu der Mensch gebracht werden muß, ist: das Streben nach wirklicher Anschauung, das Streben nach Imagination. Wenn der Mensch beim abstrakten Vorstellen bleibt, so wird er immer nervöser und nervöser werden..." (Lit.: GA 204, S. 230)

Nervosität und Schulungsweg

"In reinen Gedanken denken ist Denken des esoterischen Schülers, wenn er zum Beispiel über die Weltentstehung oder die Menschwerdung denkt. Dadurch wird vorbereitet, was durch Meditation und Konzentration erreicht wird: eine Lockerung der vier menschlichen Wesensglieder, des physischen Leibes, Ätherleibes, Astralleibes und des Ich. Wird eines dieser Glieder im Verhältnis zu den anderen zu schnell gelockert, so treten große Disharmonien und Mißverhältnisse hier auf der physischen Ebene auf. Die zu schnelle Lockerung des Ich zum Beispiel bewirkt Nervosität. Erst soll daher das Ich im Astralleib, dann der Astralleib im Ätherleib gelockert werden, dann dieser im physischen Leibe. Das ist durch das gewissenhafte Studium möglich, wodurch das Ich zuerst einen Halte- und Stützpunkt erfährt, bevor es sich im Astralischen lockert." (Lit.: GA 266a, S. 268f.)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Erfahrungen des Übersinnlichen. Die drei Wege der Seele zu Christus, GA 143 (1994), ISBN 3-7274-1430-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Vor dem Tore der Theosophie, GA 95 (1990), ISBN 3-7274-0952-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Perspektiven der Menschheitsentwickelung, GA 204 (1979), ISBN 3-7274-2040-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band I: 1904 – 1909, GA 266/1 (1995), ISBN 3-7274-2661-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Nervosität und Ichheit: Stressbewältigung von Innen (Vorwort von Dr. Frank Meyer), Rudolf Steiner Verlag 2011, ISBN 3856363629
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