Symbol

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Ein Symbol (von griech. σύμβολον (sýmbolon) = "Zusammenwurf", aus συν- (syn-) = "zusammen", und βολή (bolē) = "Wurf"; lat. symbolum) oder Sinnbild ist aus geisteswissenschaftlicher Sicht ein sinnlich wahrnehmbares oder vorstellbares, leicht überschaubares Zeichen, das auf eine sinnlich nicht wahrnehmbare, übersinnliche Wirklichkeit verweist, ohne diese durch eine rationale Deutung begrifflich einzugrenzen. Es ist in diesem Sinn ein Idealsymbol oder Vertretungssymbol und unterscheidet sich dadurch von einem Realsymbol, das mehr als ein bloßes Zeichen ist, indem es die Wirklichkeit, auf die es durch seine sinnliche Erscheinung verweist, zugleich real in sich trägt. So gilt nach christlicher Theologie die Eucharistie als Realsymbol für Leib und Blut Christi (→ Realpräsenz).

Ursprung

Der Begriff geht auf den antiken Brauch zurück, dass als Erkennungszeichen für eine einmal geschlossene Gastfreundschaft ein Tonring oder ein Tontäfelchen, das Symbolon, zerbrochen wurde und jeder der beiden Gastfreunde eine Hälfte mit sich nahm. Traf man, oft nach langer Zeit, wieder zusammen, fügte man die beiden Hälften ineinander und sah darin die ehemals geschlossene Freundschaft bestätigt.

Goethes Symbolbegriff

Für Goethe ist das Symbol ein Besonderes, Begrenztes, Endliches, das für ein Allgemeines, Unbegrenztes, Unendliches steht.

„Das ist die wahre Symbolik, wo das Besondere das Allgemeinere repräsentiert, nicht als Traum und Schatten, sondern als lebendig-augenblickliche Offenbarung des Unerforschlichen.“

Goethe: Maximen und Reflexionen[1] [1]

Jede einzelne, besondere Erscheinung kann zum Symbol werden, wenn man die in ihr wirkende Idee erfaßt, die sie in die Ganzheit des Kosmos eingliedert. So kann etwa das Licht zum gemäßen Bild des Geistigen, des Göttlichen werden.

„Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, daß die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe.“

Goethe: Maximen und Reflexionen[2] [2]

Durch diese geistige Weite unterscheidet sich das Symbol für Goethe maßgeblich von der verstandesmäßig konstruierten, eng umgrenzten Allegorie.

„Die Allegorie verwandelt die Erscheinung in einen Begriff, den Begriff in ein Bild, doch so, daß der Begriff im Bilde immer noch begrenzt und vollständig zu halten und zu haben und an demselben auszusprechen sei.“

Goethe: Maximen und Reflexionen[3] [3]

Symbol und geistige Wirklichkeit

"Die Symbole sind Bilder von Vorgängen und Verhältnissen in der geistigen Welt. Wenn wir sie auf uns anwenden, so übertragen wir Vorgänge und Verhältnisse der geistigen Welt auf unser eigenes Wesen. Die Symbole sind also so anzuwenden, daß wir sie im Laufe der Übungen in uns realisieren, daß wir sie in unser Wesen aufnehmen." (Lit.: GA 266a, S. 497)

Symbole sind geeignete Meditationsobjekte, die bei genügender Übung die Seele für eigene geistige Wahrnehmungen öffnen können. Wichtig dabei ist, dass das Symbol so leicht überschaubar ist, dass seine vollständige Struktur jederzeit restlos vom Wachbewusstsein umspannt werden kann. Die Bedeutung des Symbols, d.h. die geistige Wirklichkeit, auf die es verweist, ist hingegen vieldimensional und letztlich unerschöpflich und kann sich nur nach und nach schrittweise durch fortgesetzte Meditation enthüllen.

"Ein solches Symbol ist ein Bild von diesem oder jenem, was man wirklich schauen kann in der geistigen Welt, und kein Symbolum ist richtig gedeutet, bevor man nicht hinweisen kann auf das, was dafür in der geistigen Welt zu erschauen ist. Alle Spekulation hat höchstens einen vorbereitenden Zweck; der Ausdruck «es bedeutet» ist noch nicht zutreffend, sondern das Symbolum erkennt man erst wirklich, wenn man zeigt, daß darin ein geistiger Tatbestand abgezeichnet ist." (Lit.: GA 106, S. 99)

Echt sind nach Rudolf Steiner nur solche Symbole, bei denen wir zunächst Leid empfinden, wenn wir uns in der Meditation in sie versenken:

"Wenn wir Symbole erleben, so sind nicht die echt und aus der geistigen Welt stammend, die uns freudig machen, die wir freudig erleben, sondern nur die, bei denen wir Leid empfinden. Und mit uns herumtragen müssen wir sie, bis wir ihren Sinn erfaßt haben. Im Leiden muß das Geistige aus ihnen in uns geboren werden." (Lit.: GA 266b, S. 97)

Beispiele

Symbol und Sprache

"Im Grunde spricht die ganze menschliche Sprache in Symbolen. Die Sprache ist nichts anderes als ein Sprechen in Symbolen. Jedes Wort ist ein Symbolum. Auch die Wissenschaft, die den Glauben hat, einen jeden Gegenstand nur objektiv zu bezeichnen, muß sich der Sprache bedienen, und ihre Worte wirken sinnbildlich. Wenn Sie von Lungenflügeln sprechen, so wissen Sie, daß das keine Flügel sind, aber Sie pflegen sie doch so zu bezeichnen. Für den, der auf dem physischen Plan bleiben will, wird es gut sein, sich nicht zu stark in dieser Symbolik zu verlieren, aber der fortgeschrittene Schüler wird sich auch nicht darin verlieren. Wenn man nachforscht, empfindet man, welche Tiefe ursprünglich in der menschlichen Sprache liegt. Solche tiefe Naturen wie Paracelsus und Jakob Böhme verdanken ihre Entwickelung mit dem Umstände, daß sie sich nicht scheuten, im Gespräch mit Bauern und Landstreichern die imaginative Bedeutung der Sprache zu studieren. Da wirkten die Worte Natur, Geist, Seele noch ganz anders. Sie wirkten stärker. Wenn draußen auf dem Lande die Bauersfrau der Gans eine Feder ausrupfte, nannte sie das Innere die Seele der Feder. Solche Symbole in der Sprache muß der Schüler selbst finden. Dadurch löst er sich von der physischen Welt los und lernt es, sich zur Imagination zu erheben. Es hat eine starke Wirkung, wenn so die Welt dem Menschen zum Gleichnis wird. Wenn der Schüler das lange genug übt, wird er entsprechende Wirkungen bemerken. Beim Anschauen einer Blume wird sich zum Beispiel nach und nach etwas von der Blume loslösen. Die Farbe, die zuerst nur an der Oberfläche der Blume haftete, steigt wie eine kleine Flamme auf und schwebt frei im Räume. So gestaltet sich die imaginative Erkenntnis heraus. Es ist dann bei allen Dingen so, als ob sich ihre Oberfläche loslöste. Der ganze Raum erfüllt sich mit der Farbe, die flammenartig im Räume verschwebt. Auf diese Weise scheint sich die ganze Lichtwelt aus der physischen Wirklichkeit herauszuziehen. Wenn sich ein solches Farbenbild herauszieht und frei im Räume schwebt, fängt es bald an, an etwas zu haften. Es drängt zu etwas hin, es bleibt nicht beliebig irgendwo stehen; es faßt eine Wesenheit ein, die nun selbst als geistige Wesenheit in der Farbe erscheint. Was der Schüler aus den Dingen der physischen Welt als Farbe herausgezogen hat, umkleidet die geistigen Wesenheiten des astralen Raumes." (Lit.: GA 096, S. 145f)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft, GA 96 (1989), ISBN 3-7274-0961-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Ägyptische Mythen und Mysterien, GA 106 (1992), ISBN 3-7274-1060-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band I: 1904 – 1909, GA 266a (1995), ISBN 3-7274-2661-6
  4. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band II: 1910 – 1912, GA 266b (1996)
  5. W. Bauer, I. Dümote, S. Golowin: Lexikon der Symbole
  6. Knaur: Lexikon der Symbole
  7. Udo Becker: Lexikon der Symbole
  8. Joachim Stiller: Ästhetik der Formen I PDF, Ästhetik der Formen II PDF, Ästhetik der Formen III PDF
  9. Joachim Stiller: Das Kreuz als Universalzeichen I PDF, Das Kreuz als Universalzeichen II PDF
  10. Joachim Stiller: Die Brücke als Symbol PDF


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Einzelanchweise

  1. Johann Wolfgang von Goethe: Berliner Ausgabe, Bd. 18, S. 520
  2. Goethe-BA Bd. 18, S. 638
  3. Goethe-BA Bd. 18, S. 638