Syphilis

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Syphilis (auch Lues, Lues venerea, harter Schanker oder Franzosenkrankheit (maladie française) genannt) ist eine Infektionskrankheit, die zur Gruppe der sexuell übertragbaren Erkrankungen gehört. Der Erreger der Syphilis ist das Bakterium Treponema pallidum spp. pallidum, welches zur Gattung der Spirochäten zählt. Die Syphilis wird hauptsächlich bei sexuellen Handlungen durch Schleimhautkontakt und ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen. Während der Schwangerschaft und bei der Geburt kann eine erkrankte Mutter ihr Kind infizieren (Syphilis connata).

Das Erscheinungsbild der Krankheit ist vielfältig. Typisch ist ein Beginn mit schmerzlosen Schleimhautgeschwüren und Lymphknotenschwellungen. Bei einem Teil der Infizierten kommt es zu einem chronischen Verlauf, der durch vielfältigen Haut- und Organbefall gekennzeichnet ist. Im Endstadium kommt es zur Zerstörung des zentralen Nervensystems. Die Diagnose wird hauptsächlich durch den Nachweis von Antikörpern erstellt. Die Syphilis ist durch die Gabe von Antibiotika, unter anderem Penicillin, heilbar. Die Entdeckung und die spätere Verfügbarkeit von Antibiotika in ausreichenden Mengen führte zu einem deutlichen Rückgang der Syphilis im 20. Jahrhundert.

Vor allem das Spätstadium der Syphilis ist sehr schwer behandelbar, so daß dort neben Antibiotika-Gaben u.a. auch noch homöopathische Mercurius Präparate (z.B. Mercurius bijodatus D 4, Anthroposan Homöopharm) und Astragalus-Zubereitungen (z.B. Antimon/Echinacea comp., Weleda) zum Einsatz kommen können. Bei einer diagnostizierten Neurolues kommen darüber hinaus auch noch Breitbandpsychopharmaka bzw. Breitspektrumpsychopharmaka zum Einsatz. Wenn dazu auch noch Herz und Kreislauf betroffen sind, so ist auch hier der Einsatz homöopathischer Medikamente möglich (z.B. Cardiodoron, Weleda und Digitalis D 6, DHU). Phythotherapeutisch können ergänzend auch noch Bienen-Propolis, Katzenkralle- sowie Crataegus-Zubereitungen eingesetzt werden, die in Kapselform erhältlich sind.

Unter Dichtern und Denkern war die Syphilis einst weit verbreitet. So litten Nietzsche, Hölderlin, Charles Baudelaire, Frederic Chopin, Albrecht Dürer, Ludwig van Beethoven, Vincent van Gogh und vermutlich auch Heinrich Heine an dieser Erkrankung.[1] Der Schwarzmagier Aleister Crowley "behauptete fanatisch, dass Syphilis die Grundlage der Genialität sei..."[2]. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Syphilis aber mit dem eingesetzten Pennicilin und anderen Antibiotika gut behandelbar.

Seit den 1990er Jahren ist jedoch wieder ein Anstieg der erkannten Erkrankungen feststellbar. 2011 wurden in Deutschland 3.698 Neuerkrankungen erkannt (93,6 Prozent Männer, 6,4 Prozent Frauen); das waren fast 22 Prozent mehr als 2010. Die Zahlen stammen aus der statistischen Erhebung des Robert Koch-Instituts (RKI).[3]


"Durch besondere Verhältnisse, namentlich dadurch, daß in den neueren Jahrhunderten die sogenannten zivilisierten Völker mehr mit den wilden Völkern zusammengekommen sind, hat sich zuerst durch eine Vermischung, durch eine geschlechtliche Vermischung der zivilisierten mit den wilden Völkern das herausgebildet, was die syphilitischen Erkrankungen sind (analog bei Aids heute, Zusatz von Urs Schwendener). Eine Ansteckung kann nur dann entstehen, wenn die Haut irgendwo dünn ist, daß der Ansteckungsstoff durchkommen kann. Daraus können Sie ersehen, daß der syphilitische Ansteckungsstoff zunächst irgendwo entstehen muß, wo fremde Blutgegensätze zusammenkommen. Und dann natürlich pflanzt sich das Gift weiter fort." (Lit.: GA 348, S. 328).

Bei der Syphilis handelt es sich um eine Geschlechtskrankheit, die unbehandelt oft noch Jahrzehnte nach der eigentlichen Ansteckung zum Tode führen kann.

Wie Rudolf Steiner referiert, entstammt diese Erkrankung ursprünglich also einer ungewöhnlichen geschlechtlichen Mischung vorher getrennter Völker. Diese ist für gewöhnlich hochinfektiös.

Entsprechend kam es nach der Entdeckung Amerikas durch Christopher Kolumbus durch den Kontakt der lange voneinander geschiedenen Völkerschaften Europas und Amerikas in Spanien, Portugal, Frankreich und weiteren Seefahrervölkern zu regelrechten Syphilisepidemien.

Auch in Oskar Panizza's literarischem Werk "Das Liebeskonzil" wird das gehäufte Auftreten der Syphilis ab dem 15. Jahrhundert thematisiert.

"...die verbreitetste Bezeichnung (für die Syphilis war) die Franzosen-Krankheit. Nicht nur bei den Italienern und Deutschen, auch die Engländer, Irländer, Schweden und Dänen nahmen die Franzosen in ihre Sprache herüber und formten sich eine Anzahl Benennungen. Die Franzosen benannten die Krankheit in vielen Varianten Mal de Naples, Passio Italica, auch Morbus Hispanicus, bei den Polen hieß sie Deutsche Krankheit, bei den Russen Polnische Krankheit, bei den Persern Türkische Krankheit, bei den Japanern später Potugiesische Krankheit, bei den Portugiesen Morbus Castiliensis, El Mal Castellano..."[4]

Eine scheinbar geheilte Syphilis kann auch später wieder aufflackern, wenn sie nicht wirklich kuriert ist:

"Es wird tatsächlich davon abhängen, daß der scheinbar kurierte Syphiliskranke — und jeder Syphiliskranke ist zunächst nur scheinbar kuriert, weil es ganz davon abhängt, ob die Krankheit wiederum aufflackern kann durch irgendwelche spätere Veranlassung, und jede scheinbar geheilte Syphilis kann unter Umständen wieder später aufflackern — seinen Organismus überhaupt zu etwas anderem gemacht hat als ein Nichtsyphiliskranker. Er hat eine andere Konstitution, und es muß darauf ausgegangen werden, daß diese andere Konstitution auch wirklich unterhalten wird für das künftige Leben, sonst erweist sie sich einfach gewissen Attacken des gewöhnlichen Lebens gegenüber als zu schwach, und es kann die Syphilis wieder aufflackern." (Lit.: GA 314, S. 175).

Als wirksame Mittel gelten in der anthroposophischen Medizin gegen die luetischen (syphilitischen) Erkrankungen neben den heute üblichen Antibiotika noch potenzierte Mercurius-Präparate, Arsen-Präparate und Zubereitungen aus Astragalus.

Besonders schwer zu heilen ist die Spätsyphilis:

"Man kann zur tertiären Syphilis nur sagen: Wirklich rationell kann man sich nur so verhalten, daß man sie nicht herankommen läßt, daß man strebt, die Syphilis in ihrem ersten Stadium zu erfassen. Denn ist die Syphilis sekundär oder tertiär geworden, dann liegt gerade für eine okkulte Beobachtung ein so komplizierter Symptomenkomplex vor, der nicht bei zwei Patienten gleich zu sein braucht. Es sieht nur äußerlich so aus, innerlich braucht es nicht gleich zu sein. So daß es eben sehr schwer ist, der Sache beizukommen, weil man wirklich an einem Ende kuriert und am anderen Ende bricht es im entgegengesetzten Sinne aus. Daher kann man nur, wenn man eine Stellung einnehmen muß dazu, sagen: Die sekundäre Syphilis muß natürlich ebenso behandelt werden, wie ich es gestern gesagt habe, und bei der tertiären wird es sich eben darum handeln, daß man unter Umständen noch eine Heilung erzielt, daß sie aber immer problematisch bleibt." (Lit.: GA 314, S. 190).

Ganz wichtig ist "daß unbedingt der Wille zum Heilen da sein muß. Dieser Wille darf niemals eine Beeinträchtigung erfahren. Er muß restlos immer soweit therapeutisch wirken, daß man sagen kann: Man tut alles, selbst wenn man die Meinung hat, daß der Kranke unheilbar ist." (Lit.: GA 316, S. 122).

Einzelnachweise

  1. http://www.luebeck-kunterbunt.de/TOP100/Syphilitiker.htm
  2. http://home.arcor.de/morbid_buddy/html/satanismus/015.html
  3. Mitteilung des RKI vom 18 Juni 2012: Syphilis: Anstieg der Fälle im Jahr 2011
  4. Walter Schönfeld: Kurze Geschichte der Dermatologie und Venerologie und ihre kulturgeschichtliche Spiegelung, Hannover 1954, zitiert nach: P. Fritsch/B. Trenkwalder/W.-B. Schill: Venerologie und Andrologie, Springer Vlg., Berlin/Heidelberg/New York/Tokyo 1985, S. V

Literatur

  • Rudolf Steiner: Über Gesundheit und Krankheit. Grundlagen einer geisteswissenschaftlichen Sinneslehre, GA 348, Dornach 1983
  • Rudolf Steiner: Physiologisch-Therapeutisches auf Grundlage der Geisteswissenschaft. Zur Therapie und Hygiene, GA 314, Dornach 2010
  • Rudolf Steiner: Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst, GA 316, Dornach 2008
  • Henning Schramm: Heilmittel der anthroposophischen Medizin. Grundlagen - Arzneimittelporträts - Anwendung, Elsevier/Urban & Fischer, München 2009
  • Oskar Panizza: Das Liebeskonzil. Eine Himmelstragödie, Fischer TB, Frankfurt a.M. 1976
  • Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter Vlg., Berlin/New York 1982, S. 1164 - 1167


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