Tat

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Die Tat im engeren Sinn, als Ergebnis einer Aktivität, einer Tätigkeit, ist die physisch fassbare Spur des durch den Willen bewirkten, räumlich und zeitlich eingrenzbaren, konkreten menschlichen Handelns, das im Gegenzug das künftige Karma des Menschen - und damit auch seine künftigen Taten - (mit)bestimmt. Die Tat trifft nicht nur die Welt, in der sie ihre Spuren hinterläßt, sondern auch den Täter selbst.

Handlungen auf dem physischen Plan haben ihr Gegenbild auf dem Nirvanaplan:

"Wenn man auf dem physischen Plan tätig ist bewirkt dies ein Gegenbild auf dem Nirvanaplan." (Lit.: GA 089, S. 175)

Vor allem hat aber jede Tat auch eine Rückwirkung auf den Astralleib:

"Wenn wir von Tätigkeit sprechen, meinen wir damit eigentlich etwas sehr Allgemeines. Der Esoteriker aber sieht in der Tätigkeit zunächst die Grundlage des ganzen Weltenalls, wie es uns umgibt. Die erste Gestalt des Weltenalls ist für den Esoteriker ein Produkt der Tätigkeit. Für den gewöhnlichen Menschensinn erscheint die Welt als etwas Fertiges; der Esoteriker aber sagt sich, was vorliegt, ist ein Produkt der Tätigkeit. Was scheinbar fertig ist, ist eine Stufe fortschreitender Tätigkeit, ein Durchgangspunkt. Die ganze Welt ist fortwährend in Tätigkeit. Diese Tätigkeit ist eigentlich Karma.

Wenn man vom Menschen spricht, spricht man von seinem Astralkörper als von Karma, als von Tätigkeit. Eigentlich ist der Astralkörper dasjenige, was dem Menschen am nächsten steht. Was der Mensch erlebt, so daß es entscheidet über sein Wohl und Wehe, über Lust und Leid, das geht von seinem Astralkörper aus. Liebe, Leidenschaft, Freude, Schmerz, Ideal, Pflicht hängen zusammen mit dem Astralkörper. Wenn man von Lust und Leid, Trieben, Wünschen und Begierden spricht, so spricht man vom Astralkörper. Der Mensch erlebt fortwährend den Astralkörper, der Seher aber sieht die Form des Astralkörpers. Dieser Astralkörper ist in einer fortwährenden Umwandlung begriffen. Zuerst ist er undifferenziert, solange der Mensch noch nicht daran gearbeitet hat. Der Mensch arbeitet aber fortwährend daran in unserer Zeit. Wenn er unterscheidet zwischen Erlaubtem und Verbotenem, arbeitet der Mensch von seinem Ich aus hinein. Seit der Mitte der lemurischen Zeit bis zur Mitte der sechsten Wurzelrasse arbeitet der Mensch an seinem Astralkörper. Warum arbeitet der Mensch daran? Er arbeitet deshalb an seinem Astralkörper, weil auf dem Gebiet der Tätigkeit jede einzelne Tätigkeit einen Gegenschlag hervorruft. Jeder Schlag ruft einen Gegenschlag hervor. Wenn wir mit der Hand über die Tischplatte fahren, so wird sie heiß. Die Wärme ist der Gegenschlag zu unserer Tätigkeit. So ruft jede Tätigkeit eine andere hervor. Dadurch, daß gewisse Tiere in die finstern Höhlen von Kentucky einwanderten, brauchten sie ihr Augenlicht nicht mehr, sondern nur empfindliche Tastorgane, damit sie sich zurechtfinden konnten. Die Folge war, daß das Blut von den Augen abzog und sie blind wurden. Dies war die Folge ihrer Tätigkeit, des Einwanderns in die Höhlen von Kentucky. Der menschliche Astralkörper ist in fortwährender Tätigkeit. Darin besteht sein Leben. Diese Tätigkeit nennt man im engeren Sinne das menschliche Karma. Was ich heute tue, hat seinen Ausdruck im Astralkörper. Wenn ich jemanden schlage, ist das Tätigkeit und ruft einen Gegenschlag hervor. Das ist die ausgleichende Gerechtigkeit: Karma. Tätigkeit ist ein Schlag, der einen Gegenschlag hervorruft. Damit muß dann der Begriff von Ursache und Wirkung verbunden werden. Im Karma ist immer etwas Unausgeglichenes; es fordert immer etwas anderes." (Lit.: GA 093a, S. 22f)

"... man macht im Leben den Unterschied nicht zwischen Dingen, die einem mißlingen, und Dingen, die schlecht sind, die unmoralisch sind. Dieser Unterschied ist ein ganz bedeutsamer, ein ganz außerordentlich wichtiger. Was eine mißlungene Handlung ist, was nicht den Absichten gemäß ausgefallen ist als mißlungene Handlung, für das gilt unbedingt, daß wir nur dann das Rechte daraus wissen, wenn wir es objektiv so anschauen können, als ob es absolut notwendig gewesen wäre. Denn es ist, sobald es vergangen ist, im Reiche der absoluten Notwendigkeit. Wenn uns irgend etwas mißlungen ist, und wir empfinden nachher Unbehagen darüber, daß diese Tat mißlungen ist, so gilt es durchaus, daß dieses Unbehagen aus dem Egoismus stammt: wir haben eigentlich ein besserer Mensch sein wollen oder möchten ein besserer Mensch gewesen sein, ein Mensch, der die Sache besser gekonnt hätte. Das ist eben der Egoismus, der drinnensteckt. Und solange dieser Egoismus nicht mit der Wurzel ausgerottet ist, so lange kann das Erlebnis unserer Weiterentwickelung als Seele nicht die schwerwiegende Bedeutung haben, die es haben sollte.

Aber wenn wir eine Handlung verrichtet haben, so kommt ja nicht immer in Betracht, daß die Handlung eine mißlungene Handlung ist, sondern es kann eine schlechte Handlung vorliegen, das, was man moralisch schlechte Handlung nennt. Aber schauen wir uns einmal die moralisch schlechten Handlungen an. Schauen wir uns zum Beispiel nun folgende Handlung an, um gleich irgend etwas ganz Sprechendes zu haben. Nehmen wir an, irgend jemand habe nichts zu essen oder hätte irgend etwas gerne aus einem anderen Grunde als Hunger, und er stiehlt. Also «stehlen», nicht wahr, ist eine schlechte Handlung. Nun, schließt dasjenige, was wir gesagt haben, aus, daß irgend jemand, der gestohlen hat, Reue hat über seine Tat? Das schließt es nicht aus! Denn warum nicht, meine lieben Freunde? Aus dem sehr einfachen Grunde nicht, weil im Ernste, in vollem Ernste, derjenige, der gestohlen hat, gar nicht hat stehlen wollen, sondern er hat dasjenige besitzen wollen, was er gestohlen hat. Das Stehlen hätte er fein gelassen, wenn Sie ihm das geschenkt hätten, was er gewollt hat, oder wenn er es auf eine andere Weise hätte kriegen können als durch das Stehlen.

Es ist ein eklatanter Fall. Aber in einer gewissen Weise gilt das für alles, was eigentlich als schlechte Tat in Betracht kommt. Die schlechte Tat als solche, unmittelbar so, wie sie ist, ist eigentlich nie gewollt. Die Sprache hat ein feines Gefühl für die Sache: wenn die schlechte Handlung vorbei ist, «regt sich das Gewissen». Warum regt sich das Gewissen? Weil jetzt erst die schlechte Tat zum Wissen erhoben wird. Sie geht hinauf ins Wissen. Da, wo sie sich vollzogen hat, da war eigentlich im Wissen drinnen das andere, um dessentwillen die schlechte Tat vollzogen worden ist. Die schlechte Tat liegt nicht im Wollen. Und auch die Reue hat den Sinn, daß der Betreffende zum Wissen heraufhebt, wie er sich das Bewußtsein hat trüben lassen in dem Moment, wo er die schlechte Tat ausgeführt hat. Wir müssen immer davon sprechen: Wenn jemand eine schlechte Tat ausübt, so ist dasjenige, um was es sich handelt, das, daß sein Bewußtsein für diese Tat getrübt war, herabgestimmt war, und daß es sich für ihn darum handelt, eben ein Bewußtsein für solche Fälle zu gewinnen, wie der einer war, für den das Bewußtsein herabgestimmt war. Alles Bestrafen hat nur den Sinn, solche Kräfte in der Seele aufzurufen, daß das Bewußtsein sich auch auf solche Fälle erstreckt, die sonst bewirken, daß das Bewußtsein sich ausschaltet.

Unter denjenigen Dissertationen, die an den Universitäten von Philosophen gemacht worden sind, die sich zu gleicher Zeit mit juristischen Problemen beschäftigen, ist besonders häufig die Dissertation über «das Recht, zu strafen». Nun hat man über die Gründe, warum gestraft werden soll, viele Theorien aufgestellt. Die einzig mögliche findet man nur, wenn man weiß, daß es sich darum handelt, mit der Strafe die Kräfte der Seele so anzuspannen, daß das Bewußtsein sich erweitert über Kreise, über die es sich vorher nicht erstreckt hat. Und dies ist auch die Aufgabe der Reue. Die Reue soll gerade darinnen bestehen, die Tat so anzuschauen, daß sie durch ihre Gewalt ins Bewußtsein heraufgehoben wird, so daß das Bewußtsein nun den Zusammenhang so überschaut, daß es das nächste Mal nicht wiederum ausgeschaltet werden kann." (Lit.: GA 166, S. 86ff)

Wirklich vollkommen freie Taten, bei denen das Ich unmittelbar aus dem Nirvana schöpft, erzeugen kein neues Karma.

"Und nun denken Sie sich einen Menschen, der zunächst durch Karma bestimmt wird; durch Handlungen, Gedanken, Gefühle aus der Vergangenheit. Man denke sich ihn dann so weit vorgeschritten, daß er alles Karma ausgelöscht hat, also dem Nichts gegenübersteht. Wenn er dann noch handelt, sagt man im Okkultismus: Er handelt aus dem Nirvana heraus. - Aus dem Nirvana heraus erfolgten zum Beispiel die Handlungen eines Buddha, eines Christus, wenigstens zum Teil. Der gewöhnliche Mensch nähert sich dem nur dann, wenn er künstlerisch, religiös oder weltgeschichtlich inspiriert wird.

Das intuitive Schaffen kommt aus dem «Nichts». Wer dazu kommen will, muß völlig frei von Karma werden. Er kann dann seine Impulse nicht mehr aus dem nehmen, woraus der Mensch sie gewöhnlich nimmt. Die Stimmung, die ihn dann überkommt, ist die der Gottseligkeit, die als Zustand auch Nirvana genannt wird." (Lit.: GA 093a, S. 123f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Bewusstsein, Leben, Form. Grundprinzipien der geisteswissenschaftlichen Kosmologie., GA 89 (2001)
  2. Rudolf Steiner: Grundelemente der Esoterik, GA 93a (1987)
  3. Rudolf Steiner: Notwendigkeit und Freiheit im Weltengeschehen und im menschlichen Handeln, GA 166 (1982), ISBN 3-7274-1660-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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