Theosophie

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Für Rudolf Steiners gleichnamige Schrift «Theosophie. Einführung in übersinnliche Welterkenntnis und Menschenbestimmung» siehe → GA 9

Das Wort Theosophie stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Weisheit der Götter" oder "Göttliche Weisheit". Die Lehren der Theosophie gründen sich auf den Grundprinzipien und den Wirkungsweisen der Natur. Gemäß der Gründerin der Theosophischen Gesellschaft, Helena Petrovna Blavatsky, resultieren sie aus den Erkenntnissen und Erfahrungen der großen Weisen des Menschengeschlechts, die der Menschheit in ihrer Evolution bereits weit vorausgingen, und das geistige Erbe der Menschheit überliefern. Sie berücksichtigen und umfassen die drei großen Denkrichtungen des Menschen: Wissenschaft, Philosophie und Religion.

Die Theosophie als zusammenhängendes System wurde in den Schriften von Helena Petrovna Blavatsky entfaltet und später von Prof. Dr. Gottfried von Purucker weiter erläutert und vertieft. Zusammen mit Henry Steel Olcott, William Quan Judge und anderen gründete H. P. Blavatsky 1875 die Theosophische Gesellschaft in New York, USA.

Grundlagen des theosophischen Glaubens

Die fundamentalen Grundsätze der Theosophie

In "Die Geheimlehre" stellt H. P. Blavatsky drei fundamentale Sätze auf, auf denen die Theosophie beruht (Bd. I, S. 42-46, 1. Auflage 1999, Hannover). Sie postuliert:

1. Ein allgegenwärtiges, ewiges, grenzenloses und unveränderliches PRINZIP, über das gar keine Spekulation möglich ist, da es die Kraft menschlicher Vorstellung übersteigt und durch irgendwelche menschliche Ausdrucksweise oder Vergleich nur erniedrigt werden könnte.

2. Die Ewigkeit des Weltalls in toto als einer grenzenlosen Sphäre, die periodisch der Spielplatz ist von zahllosen unaufhörlich erscheinenden und verschwindenden Universen‘, den sogenannten ,manifestierenden Sternen‘ und ,den Funken der Ewigkeit‘.

3. Die fundamentale Identität aller Seelen mit der universellen Oberseele, welch letztere selbst ein Aspekt der unbekannten Wurzel ist; und die Verpflichtung für jede Seele - einen Funken der vorgenannten -, den Zyklus von Inkarnation, oder ,Notwendigkeit‘, in Übereinstimmung mit zyklischem und karmischem Gesetz während seiner ganzen Dauer zu durchwandern. Kosmologie und Anthropologie basieren auf fundamentalen Prinzipien der sowohl physischen als auch metaphysischen Natur. In dem anfang- und endlosen Universum ist alles Existierende, jede Wesenheit, in seiner fundamentalen Essenz mit dem kosmischen Bewusstsein verwandt und wird von ihm in allen seinen Teilen belebt und beseelt. Damit sind alle Lebewesen als eine unauflösbare Universale Bruderschaft miteinander verbunden.

Der Mensch ist eine zusammengesetzte Wesenheit

Das physische Vehikel: Der physische Körper, durch den sich die menschliche Seele in der physischen Welt bewegt, diese wahrnimmt und an ihr teilnimmt. Aber der wirkliche Mensch ist nicht der physische Körper.

Der Astralkörper: ist der Modelkörper für den physischen Körper und liefert so sein Muster, nachdem der physische Körper aufgebaut wird. Phänomene wie „Phantomschmerz“ lassen sich durch den Astralkörper erklären.

Prana - Lebenskraft: Jede Wesenheit kommt mit einem bestimmten Vorrat an Lebenskraft zur Welt, und wie sich eine Batterie entleert, wird diese im Laufe des Lebens aufgebraucht.

Kama - Wünsche: Das Sanskritwort „Kama“ bedeutet Wunsch. Es ist zusammen mit dem Willen die vorwärtstreibende Kraft in der menschlichen Konstitution. Von Natur aus ist Kama zunächst farblos, weder gut noch schlecht, außer in dem Maße, wie es durch den menschlichen Willen im täglichen Leben benutzt wird. Für Kama wird im Kontext mit Wille oft das Symbol von Pferd und Reiter verwendet, in dem Sinne, das der Reiter, als Symbol für den Willen, das Pferd, die wildgewordenen Wünsche, regulieren muss und die Richtung vorgibt.

Manas - Denken: Das Denken ist die Stufe, die für Menschen als Denker die wichtigste ist, da er im Manas seine Hauptevolution hat. Was bliebe von einem Menschen ohne seine mentale Tätigkeit noch übrig? Manas ist der Sitz der menschlichen Seele und in sich dual, entweder mehr von niederen Wünschen oder höheren Wünschen beeinflusst.

Buddhi - Unterscheidungskraft: Die Unterscheidungskraft ist im Menschen noch unvollkommen entwickelt. Sie schlägt sich als Intuition in der menschlichen Seele nieder und inspiriert den Menschen zu mehr altuistischen Taten. Über Buddhi ist die menschliche Seele mit der inneren Göttlichkeit, den inneren geistigen Kern verbunden.

Atman: In Verbindung mit Buddhi die innere Göttlichkeit des Menschen.

Reinkarnation

Die Lehre der Wiedergeburt der menschlichen Seele. Die zyklische Wiedergeburt der Seele um vergangenes Karma (in vergangenen Leben gelegte Ursachen) abzuarbeiten und um sich evolutionsmäßig weiter zu entwickeln. Durch das Gesetz von Karma wird jede Wesenheit, jedes Individuum, immer wieder dorthin zurückkehren, wo ihre in einem früheren Leben gelegten karmischen Saaten zur Entfaltung gelangen können. Sie wird unweigerlich mit ihren eigenen karmischen Impulsen wieder konfrontiert. Karma in Verbindung mit der Reinkarnation ist somit die Lehre von der unbedingten Gerechtigkeit

Karma

Die Lehre von "Ursache und Wirkung" und die Zwillingslehre der "Reinkarnation". Jede Handlung ruft eine ihr entsprechende Wirkung hervor. Diese kommt auf ihren Ausgangspunkt, der verursachenden Person zurück. In der Regel wird dies als "negativ" oder "positiv" erfahren, ist aber letztlich nur die in der ursprünglichen Handlung liegende Charakteristik, die vom Menschen entsprechend empfunden wird. Da alles in der Natur miteinander verbunden und gegenseitig ineinandergreift, werden auch andere Personen und Wesen von den Taten eines Einzelnen beeinflusst. Dies ruft demenstprechende Rückwirkungen hervor. Wenn Disteln gesät werden, können nicht Rosen geerntet werden. Somit liegt im Gesetz von Karma eine tiefgehende Ethik. Karma ist kein Fatalismus, da der Mensch immer einen freien Willen besitzt.

Universale Bruderschaft

Theosophie versteht unter Universaler Bruderschaft mehr als eine rein Politische oder Soziale Verbindung, sondern betrachtet Universale Bruderschaft als eine existierende Tatsache in der Natur, die auf dem Aufbau und der Struktur der Natur basiert. Universale Bruderschaft ist eine spirituelle oder geistige Einheit, die darauf beruht, dass alle Wesenheiten in der Essenz ihre Lebenswurzel im kosmischen Bewusstsein haben. Somit sind alle Wesen durch innere Bande miteinander verwandt und daraus resultiert das Kooperation und das „Miteinander“ in der Natur eine wesentlich stärkere und natürlichere Komponente in der Evolution ist, als das sogenannte „Überleben des Stärkeren“. In der Universalen Bruderschaft liegt auch das Fundament für Menschliche Ethik. Die Anerkennung der „Universalen Bruderschaft“ ist eine Grundvoraussetzung für die Mitgliedschaft in der Theosophischen Gesellschaft.

Evolution

Evolution im Sinne der Theosophie bedeutet ,,Auswickeln, das ,,Entfalten, ,,Ausrollen verborgener Kräfte und Fähigkeiten, die der betreffenden Wesenheit angeboren sind und ihr innewohnen - ihre eigenen esseniellen und charakteristischen Merkmale, oder allgemein ausgedrückt, die Kräfte und Fähigkeiten ihres eigenen Charakters.

Der Mensch (wie tatsächlich alle sich evolvierenden Wesen) enthält alles in sich, was der Kosmos enthält, da er ein untrennbarer Teil von ihm und sein Kind ist. Man kann den Menschen nicht vom Universum trennen. Alles, was das Universum enthält, ist auch in ihm enthalten, latent oder aktiv; und Evolution ist das Hervorbringen dessen, was im Innern ist.

Kurze Geschichte der Theosophie

Theosophen glauben Spuren des Ursprungs der Theosophie, als universelle Bemühung um das Göttliche, in allen alten Kulturen gefunden zu haben. Nach ihrer Interpretation wurden sie in einer ununterbrochene Kette in Indien gefunden; aber auch im altem Griechenland, wie in den Schriften von Plato (427-347 v. Chr.), Plotin und andere Neuplatoniker zeigten, bis hin zu Jakob Böhme (1575-1624).

Einige relevante Zitate:

gefangen sind wir im Körper, wie eine Auster in ihrer Schale., Sokrates bei Plato, "Phaedrus"
Für den Philosophen ist der Körper ein beunruhigendes Element und hindert die Seele am Erwerb der Erkenntnis...,
Was ist Reinigung, wenn nicht... die Freigabe der Seele von den Ketten des Körpers?, Sokrates, bei Plato: "Phaidon"

Die heutige Theosophie, die sich auch als die „Weisheit der Zeitalter“ versteht, beginnt am 17. November 1875 in New York, USA mit der Gründung der Theosophischen Gesellschaft durch Helena Petrowna Blavatsky, Henry S. Olcott, Willam Q. Judge und anderen. Von ihrem Selbstanspruch her ist sie Teil einer universalen, geistigen, intellektuellen und ethischen Bewegung, die zu allen Zeitaltern tätig war. Grundlage dieser Bewegung ist die „Universale Bruderschaft“.

Die Ziele der ursprünglichen theosophischen Gesellschaft lauten:

1. Bruderschaft unter den Menschen, ohne Unterscheidung von Rasse, Farbe, Religion oder sozialer Stellung;
2. Studium der alten Weltreligionen mit dem Ziel, sie zu vergleichen und aus ihnen universale Ethik herauszulesen;
3. Studium und Entwicklung der latenten göttlichen Kräfte im Menschen.

Nach dem Tod Blavatskys kam es innerhalb der Theosophischen Gesellschaft zu Streit über die Lehre und Nachfolgeschaft von Frau Blavatsky, sie spaltete sich dadurch zunächst in zwei grosse Richtungen, den sogenannten "Adyar- bzw. Point Loma Richtungen". Das deutsche Zentrum der Theosophen befand sich in Leipzig.

Kritik

Guido von List griff in seiner Ariosophie Inhalte der Theosophie wie die Wurzelrassentheorie, die als rassistisch und fragwürdig interpretiert werden können, auf und verband sie mit der völkischen Runenlehre. Guido von List's Theorien, obschon teilweise von der Theosophie beeinflusst, unterscheiden sich in vielen Punkten deutlich von denjenigen der Theosophie. Die Guido-von-List-Gesellschaft wurde von der Theosophische Gesellschaft Wien deutlich unterstützt [1]. Guido von List's Lehren sind aber in vielen wesentlichen Grundsätzen deutlich verschieden von den theosophischen Lehren und können als eine Missdeutung oder als Missbrauch der Theosophie interpretiert werden.

Rudolf Steiner stand der Theosophie zunächst sehr kritisch gegenüber und hielt sie für ein weitgehend inhaltsleeres Gerede:

"O, es ist köstlich, die überlegen sein wollende Miene zu beobachten, wenn man mit einem Theosophen in ein Gespräch kommt über den Wert abendländischer Erkenntnisse. «Das ist alles Außenwerk»; die «Vernunftgelehrten gehen nur um eine Sache herum und beschauen ihre Oberfläche»; «wir hingegen leben in der Sache drinnen; wir leben sogar in Gott selbst drinnen; wir erleben die Gottheit in uns». So etwa sind die Redensarten, die man zu hören bekommt. Und man wird kaum davonkommen, ohne daß einem der Stempel eines «beschränkten Verstandesmenschen» aufgedrückt worden ist, wenn man nur mit wenigen Worten verrät, daß man von der Minderwertigkeit der abendländischen Wissenschaft doch nicht in gleicher Weise denken kann. Aber man tut nicht gut, ein solches Bekenntnis so bald abzulegen. Ich rate vielmehr jedem, der mit einem Theosophen zusammenkommt, sich zunächst vollständig gläubig zu stellen und zu versuchen, etwas von den Offenbarungen zu hören, die ein solcher von morgenländischer Weisheit vollzogener Erleuchteter in «seinem Inneren» erlebt. Man hört nämlich nichts; nichts als Redensarten, die den morgenländischen Schriften entlehnt sind, ohne eine Spur von Inhalt. Die inneren Erlebnisse sind nichts als Heuchelei. Es ist billig, Phrasen aus einer immerhin tiefsinnigen Literatur aufzunehmen und mit ihnen die ganze abendländische Erkenntnisarbeit wertlos zu erklären. Welche Tiefe, welche Innerlichkeit in der angeblich dem oberflächlichen Verstände, dem äußerlichen Begriffe angehörigen Wissenschaft des Abendlandes steckt, davon haben die Theosophen keine Ahnung. Aber die Art, wie sie von den höchsten Erkenntnissen sprechen, die sie nicht haben, die mystische Weise, in der sie unverstandene fremde Weisheit vorbringen, wirkt verführend auf nicht wenige Zeitgenossen. Und die Theosophische Gesellschaft ist über ganz Europa verbreitet, hat in allen größeren Städten ihre Anhänger; und die Zahl derer, die sich lieber dem dunklen Gerede vom Erleben der Gottheit im Innern zuwenden als der klaren, lichten, begrifflichen Erkenntnis des Abendlandes ist nicht gering." (Lit.: GA 032, S. 198f)

Rudolf Steiner achtete aber dennoch das auf alter Weisheit beruhende theosophische Begriffssystem, das ihm in der Anfangszeit seiner anthroposophischen Arbeit als geeignetes Gefäß erschien, das er mit seinen eigenen unmittelbaren geistigen Erfahrung erfüllen und beleben konnte.

Siehe auch: Alfred Percy Sinnett

Literatur

  • Blavatsky, Helena: Der Schlüssel zur Theosophie (The Key to Theosophy), ISBN 3927837512, [2]
  • Wegener, Franz: Weishaar und der Geheimbund der Guoten. Ariosophie und Kabbala, Gladbeck 2005, ISBN 393130017X
  • Rudolf Steiner: Gesammelte Aufsätze zur Literatur 1884 – 1902, GA 32 (2004), ISBN 3-7274-0320-9 html
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