Theosophische Gesellschaft

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Die Theosophische Gesellschaft wurde 1875 in New York von Helena Blavatsky, Henry Steel Olcott, William Quan Judge u.a. gegründet. Schon kurz nach dem Tod Blavatskys teilte sich die Gesellschaft in verschiedene Strömungen auf.

Hauptziele der Theosophischen Gesellschaft

Die drei Hauptziele der Theosophischen Gesellschaft Pasadena sind

  1. die Einheit allen Lebens als eine Tatsache der Natur aufzuzeigen und einen Kern einer universalen Bruderschaft zu bilden
  2. durch das Studium alter und moderner Religionen, Wissenschaften und Philosophien ein besseres Verständnis unter allen Völkern und die Erkenntnis der essenziellen Einheit allen Lebens zu fördern
  3. die spirituellen, psychologischen und materiellen Gesetze und Kräfte, die im Kosmos und im Menschen wirken, zu erforschen.

Rudolf Steiner über Wesen und Problematik der Theosophischen Gesellschaft

In den für Edouard Schuré in Barr im Elsas im September 1907 verfertigten Aufzeichnungen charakterisierte Rudolf Steiner - „Als Information; in dieser Form unmittelbar kann es noch nicht gesagt werden“ - die Theosophische Gesellschaft wie folgt:

"Die Theosophische Gesellschaft ist 1875 in New York gegründet worden durch H. P. Blavatsky und H. S. Olcott. Diese erste Gründung trug einen ausgesprochen westlichen Charakter. Und auch die Schrift «Isis Unveiled», in welcher Blavatsky eine große Summe von okkulten Wahrheiten veröffentlichte, trägt einen solchen westlichen Charakter. Von dieser Schrift muss jedoch gesagt werden, dass sie die großen Wahrheiten, die in ihr mitgeteilt werden, in einer vielfach verzerrten, ja oft karikierten Art wiedergibt. Es ist so, wie wenn ein harmonisches Antlitz in einem Konvexspiegel ganz verzerrt erscheint. Die Dinge, die in der «Isis» gesagt werden, sind wahr; aber die Art, wie sie gesagt werden, ist unregelmäßige Spiegelung der Wahrheit. Es rührt dies davon her, dass die Wahrheiten selbst inspiriert sind von den großen Initiierten des Westens, die auch die Initiatoren der Rosenkreuzerweisheit sind. Die Verzerrung rührt her von der unentsprechenden Art, wie diese Wahrheiten von der Seele H. P. Blavatskys aufgenommen worden sind. Für die gebildete Welt hätte gerade diese Tatsache ein Beweis sein müssen für die höhere Inspirationsquelle dieser Wahrheiten. Denn niemals hätte jemand durch sich selbst diese Wahrheiten haben können, der sie in einer so verzerrten Art wiedergab. Weil nun die Initiatoren des Westens sahen, wie wenig sie die Möglichkeit haben, auf diese Art den Strom spiritueller Weisheit in die Menschheit einfließen zu lassen, beschlossen sie, die Sache überhaupt vorläufig in dieser Form fallen zu lassen. Doch war aber nun einmal das Tor geöffnet: Blavatskys Seele war so präpariert, dass in sie spirituelle Weisheiten einfließen konnten. Es konnten sich ihrer östliche Initiatoren bemächtigen. Diese östlichen Initiatoren hatten zunächst das allerbeste Ziel. Sie sahen, wie durch den Anglo-Amerikanismus die Menschheit der furchtbaren Gefahr einer vollständigen Vermaterialisierung der Vorstellungsart entgegensteuerte. Sie - diese östlichen Initiatoren - wollten der westlichen Welt ihre Form von alters her bewahrter spiritueller Erkenntnis einimpfen. Unter dem Einfluss dieser Strömung nahm die Theosophische Gesellschaft den östlichen Charakter an, und unter dem gleichen Einfluss wurden Sinnetts «Esoterischer Buddhismus» und Blavatskys «Geheimlehre» inspiriert. Beides aber wurden wieder Verzerrungen der Wahrheit. Sinnetts Werk verzerrt die hohen Kundgebungen der Initiatoren durch einen hineingetragenen ungenügenden philosophischen Intellektualismus und Blavatskys «Geheimlehre» durch deren eigene chaotische Seele.

Die Folge davon war, dass die Initiatoren, auch die östlichen, ihren Einfluss immer mehr von der offiziellen Theosophischen Gesellschaft zurückzogen, und dass diese ein Tummelplatz für allerlei die hohe Sache entstellende okkulte Mächte wurde. Es trat eine kleine Episode ein, in welcher Annie Besant durch ihre reine, hochsinnige Denkungsweise und Lebensführung in die Strömung der Initiatoren kam. Doch hatte diese kleine Episode ein Ende, als Annie Besant den Einflüssen gewisser Indier sich hingab, die unter dem Einfluss namentlich deutscher Philosopheme, die sie falsch interpretierten, einen grotesken Intellektualismus entwickelten. So war die Lage, als ich selbst mich vor die Notwendigkeit versetzt fand, der Theosophischen Gesellschaft beizutreten. An deren Wiege waren echte Initiatoren gestanden, und dadurch ist sie, wenn auch die nachfolgenden Ereignisse eine gewisse Unvollkommenheit gegeben haben, vorläufig ein Instrument für das spirituelle Leben der Gegenwart. Ihre gedeihliche Fortentwickelung in den westlichen Ländern hängt ganz davon ab, inwiefern sie sich fähig erweist, das Prinzip der westlichen Initiation unter ihre Einflüsse aufzunehmen. Denn die östlichen Initiationen müssen notwendig das Christusprinzip als zentralen kosmischen Faktor der Evolution unberührt lassen. Ohne dieses Prinzip müsste aber die theosophische Bewegung ohne bestimmende Wirkung auf die westlichen Kulturen bleiben, die an ihrem Ausgangspunkte das Christusleben haben. Die Offenbarungen der orientalischen Initiation müssten für sich selbst im Westen sich wie eine Sektiererei neben die lebendige Kultur hinstellen. Eine Hoffnung auf Erfolg in der Evolution könnten sie nur haben, wenn sie das Christusprinzip aus der westlichen Kultur vertilgten. Dies wäre aber identisch mit dem Auslöschen des eigentlichen Sinnes der Erde, der in der Erkenntnis und Realisierung der Intentionen des lebendigen Christus liegt. [Diese] Zu enthüllen in voller Weisheits-, Schönheit- und Tatform ist aber das tiefste Ziel des Rosenkreuzertums. Über den Wert der östlichen Weisheit als Studium kann nur die Meinung bestehen, dass dieses Studium von allerhöchstem Werte ist, weil die westlichen Völker den Sinn für Esoterik verloren, die östlichen sich ihn aber bewahrt haben. Über die Einführung der richtigen Esoterik im Westen sollte aber auch nur die Meinung bestehen, dass dies nur die rosenkreuzerisch-christliche sein kann, weil diese auch das westliche Leben geboren hat, und weil durch ihren Verlust die Menschheit der Erde ihren Sinn und ihre Bestimmung verleugnen würde. Allein in dieser Esoterik kann die Harmonie von Wissenschaft und Religion erblühen, während eine jede Verschmelzung westlichen Wissens mit östlicher Esoterik nur solche unfruchtbare Bastarde erzeugen kann, wie Sinnetts «Esoterischer Buddhismus» einer ist." (Lit.: GA 262, S. 24ff)[1]

Weitere Strömungen

Die Theosophische Gesellschaft stand anfangs mit der auch im Jahre 1875 von Swami Dayananda Sarasvati gegründeten Arya Samaj in Beziehung, bis sich Dayananda 1882 von der Theosophischen Gesellschaft distanzierte.

Die schon bald einsetzende starke Hinwendung zu Hinduismus und Buddhismus führte 1913 zur Abspaltung der Anthroposophie, da Rudolf Steiner, der Generalsekretär der deutschen Theosophischen Gesellschaft, sich weigerte, eine Heilsbotschaft, die über das Christusereignis hinausgeht (Krishnamurti, ein indischer Junge, sollte als Reinkarnation von Jesus Christus anerkannt werden), anzunehmen und zu verteidigen.

Die Theosophische Gesellschaft ist keine freimaurerische Organisation. Helena Blavatsky erhielt zwar 1877 einen freimaurerischen Titel, welcher aber von "offizieller" Seite der Freimaurerei nicht anerkannt wurde. Blavatsky war aber gut vertraut mit der Theorie und den Praktiken der Freimaurerei. In ihrem Gesamtwerk, besonders aber in Isis Unveiled, schrieb sie darüber.

Siehe auch: Theosophie

Anmerkungen

  1. siehe dazu auch: «Die okkulte Bewegung im neunzehnten Jahrhundert und ihre Beziehung zur Weltkultur», GA 254; Vortrag Helsingfors 11. April 1912 in «Der Zusammenhang des Menschen mit der elementarischen Welt. Kalewala - Olaf Asteson - Das russische Volkstum», GA 158; ferner «Die Geschichte und die Bedingungen der anthroposophischen Bewegung im Verhältnis zur Anthroposophischen Gesellschaft» GA 258.

Literatur

  1. Rudolf Steiner / Marie Steiner-von Sivers: Briefwechsel und Dokumente 1901–1925, 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, GA 262 (2002), ISBN 3-7274-2620-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben (früher: Archiati-Verlag) basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

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