Tiere

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Steinadler (Aquila chrysaetos)
Löwe
Stier
Europäischer Hecht (Esox lucius)

Die Tiere (lat. animal; griech. ζῷον, zóon; hebr. ‏בְּהֵמָה‎ , Behema, „Tier, Haustier, Vieh“), die auf Erden neben Mineralen, Pflanzen und Menschen ein eigenständiges Naturreich bilden, sind beseelte Lebewesen, die über einen eigenständigen Ätherleib und Astralleib, aber über kein individuelles Ich verfügen. Das Ich der Tiere, die jeder Art und Gattung zugehörige Gruppenseele der Tiere, lebt jedoch als wesenhafte geistige Realität auf dem Astralplan.

Der Astralleib der Tiere

Die Tiere verfügen über einen eigenen Astralleib, doch ist er nicht so in sich abgeschlossen, wie der des auf Erden verkörperten Menschen. Eine ähnliche Gestalt zeigt allerdings der werdende Astralleib, den sich der Mensch bildet, bevor er zur irdischen Inkarnation herabsteigt.

"Der menschliche Astralleib hat eine in Grenzen eingeschlossene Gestalt, er hat bestimmte Konturen. Solche bestimmten Umrisse hat der Astralkörper der Tiere nicht. Die Astralkörper der Tiere sehen ganz anders aus. Sie gehören nicht zu einem einzelnen Wesen, sondern für ganze Gruppen von Tieren sind Gruppenseelen vorhanden. Gleichsam an einem gemeinsamen Stamm hängen die einzelnen physischen Tiere, und von diesen einzelnen Tieren führen dann eine Art Stränge zu den Gruppenseelen, welche die Tiere bewegen. Sie können auch gewisse Tiergestalten, welche nicht im Physischen angetroffen werden können, im Astralraum entdecken. Diese Astralkörper sind werdende Menschen, die ihre Astralkörper ausbilden und weiter entwickeln, um für solche, die aus der geistigen Welt herabkommen, ein geeignetes Vehikel zu bilden." (Lit.: GA 88, S. 67f)

Das Gruppen-Ich der Tiere

Indem das Gruppen-Ich der Tiere gestaltend in den Astralleib hineinwirkt, bildet sich die tierische Gruppenseele, die von den Hebräern Nephesch genannt wurde. Sie umschwebt das einzelne Tier gleichsam von außen und reguliert namentlich die Atmungstätigkeit. Erst beim Menschen zieht Nephesch als Empfindungsseele ins Innere ein.

"Beim Tier liegt ein Atmungsprozeß vor, der sozusagen streng von außen geregelt ist, der dem inneren individuellen Ich in der heute geschilderten Beziehung nicht unterliegt. Das, was den Atmungsprozeß unterhält, was ihn eigentlich regelt, das nannte man zum Beispiel in der alttestamentlichen Geheimlehre die «Nephesch». Das ist in Wahrheit das, was man die «tierische Seele» nennt. Also was beim Tier ein Gruppen-Ich ist, das ist die Nephesch. Und in der Bibel heißt es ganz richtig: Und der Gott blies - oder hauchte - dem Menschen die Nephesch - die tierische Seele - ein, und der Mensch ward eine lebendige Seele in sich selber. - Dies versteht man natürlich sehr häufig falsch, weil man in unserer Zeit solche tiefen Schriften nicht lesen kann, denn man liest einseitig. Wenn zum Beispiel dasteht: Und der Gott hauchte dem Menschen die Nephesch ein, die tierische Seele -, so heißt das nicht, er schuf sie in diesem Moment, sondern sie war schon da. Daß sie vorher nicht da war, das steht nicht da. Sie war vorhanden, äußerlich. Und was der Gott tat, war, daß er das, was vorher als Gruppenseele äußerlich vorhanden war, dem Menschen in das Innere verlegte. Das ist das Wesentliche, daß man einen solchen Ausdruck in seiner wirklichen Gründlichkeit versteht. Man könnte fragen: Was entstand denn dadurch, daß die Nephesch in das menschliche Innere verlegt wurde? Dadurch wurde es möglich, daß der Mensch jene Erhabenheit über das Tier erlangte, die es ihm möglich machte, sein Ich innerlich tätig zu entfalten, zu lachen und zu weinen und damit Freude und Schmerz in der Weise zu erleben, daß sie an ihm selber arbeiten." (Lit.: GA 107, S. 269f)

Das Wahrnehmungsvermögen der Tiere

Da die Tiere über kein individuelles Ich verfügen, nehmen sie die Welt ganz anders wahr als der Mensch.

"So aber, wie die menschlichen Sinne wahrnehmen, kann nur wahrgenommen werden in einem Organismus, in welchem ein Ich sitzt. Die heutige oberflächliche Betrachtungsweise setzt natürlich voraus, daß zum Beispiel auch ein Tier ebenso die äußere Welt wahrnimmt, wie der Mensch sie durch seine Sinne wahrnimmt. Das ist eine ganz konfuse Anschauung, und die Menschen würden sich sehr wundern, wenn sie, was ja auch einmal wird geschehen müssen, eingeführt würden in die Art und Weise, wie sich das Weltbild eines Pferdes, eines Hundes oder eines anderen Tieres ausnimmt. Die Umgebung des Hundes oder die Umgebung des Pferdes gleichsam hingezeichnet, hingemalt, würde sich ganz anders ausnehmen als das, was das Weltbild des Menschen ist. Denn damit die Sinne so die Welt wahrnehmen, wie der Mensch sie wahrnimmt, dazu gehört, daß das Ich sich ausgießt über die Welt und die Sinnesorgane, Augen, Ohren und so weiter, erfüllt. Also nur ein Organismus, in dem ein Ich wohnt, hat ein solches Weltbild, wie der Mensch es hat, und der äußere Organismus des Menschen steht da drinnen, gehört nur diesem Weltbilde an." (Lit.: GA 124, S. 93f)

Die Tiergestalten als Imaginationen Ahrimans

Die Hohlraumbildung, die weitgehend abgeschlossene Körperhöhle, ist das zentrale gestaltende Motiv bei Tier und Mensch. Während die Pflanze beinahe ungehemmt in den Raum hinein wächst, muss sich das Leben bei Tier und Mensch auf die Durchformung dieses eng begrenzten Hohlraums beschränken. Fehlgeleitetes Leben, das auch im Innern unbegrenzt und undifferenziert weiter wuchern will, führt zum bösartigen Krebswachstum und zerstört die ganze organische Einheit. Die innere Gestaltung des tierischen und menschlichen Leibes ist wesentlich komplexer als die nach außen gerichteten Wachstumsformen der Pflanzen. Den Krebsgeschwüren mangelt gerade diese differenzierte Durchgestaltung.

Was dem Tier an Lebenskraft fehlt, gewinnt es an Bewusstseinskraft hinzu. Im Tier entsteht erstmals ein solches Bewusstsein, das zum Erleben innerer seelischer Bilder führt, die aber einen stark luziferischen Charakter haben und sehr stark die sinnlichen Triebe und Begierden erwecken, während die leibliche Gestaltung viel stärker als bei den Pflanzen von den ahrimanischen Kräften bestimmt wird. Die Tiergestalten sind eigentlich Imaginationen Ahrimans, sagt Rudolf Steiner ganz zurecht.

"Tiere, auch Pflanzen in ihren äußeren Formen — aber Pflanzen weniger als Tiere und am wenigsten die Mineralien — sind Imaginationen Ahrimans. Unsere Physiker suchen nach den materiellen Gesetzen in den äußeren Naturreichen; der okkultistische Erkenner kommt immer mehr und mehr darauf, daß die äußeren Naturreiche, insofern sie sich als materielle Wesenheiten darstellen, Imaginationen Ahrimans sind. Wir wissen ja, daß den Tieren zum Beispiel Gruppenseelen zugrunde liegen. Die Gruppenseelen sind nicht Imaginationen Ahrimans, sondern die einzelnen Individuen der Tiere in äußeren Gestalten sind die Imaginationen Ahrimans. Wenn wir also das Reich der Löwen haben, so ist die Gruppenseele derselben angehörig sozusagen den guten geistigen Wesenheiten, und der Kampf Ahrimans gegen die guten geistigen Wesenheiten besteht eben darin, daß er ihnen ihre Gruppenseele preßt in die einzelnen individuellen Gestalten der Tiere und denen aufprägt seine Imaginationen. Die einzelnen Löwengestalten, wie sie draußen real herumlaufen in der Welt, sind aus den Gruppenseelen herausgezwängt durch Ahriman. So zeigt sich uns auch die Umwelt allmählich sich verwandelnd in etwas ganz anderes, als sie in der Maja erscheint." (Lit.: GA 145, S. 174f)

Abstammung der Tiere vom Menschen

Zeichnung aus GA 95, S. 157

Entgegen der heute vorherrschenden Interpretation der Evolution stammt nicht der Mensch von den Tieren ab, sondern es ist genau umgekehrt. Der Mensch, natürlich noch nicht in seiner heutigen Gestalt, hat die Tiere im Zuge seiner Entwicklung aus sich herausgesetzt.

„Das gesamte Tierreich war einstmals im Menschen darinnen, das heißt der Mensch stand auf einer Stufe zwischen dem heutigen Tierreich und Menschenreich. Um sich weiter entwickeln zu können, mußte er die Teile aus sich ausscheiden, die seine Entwickelung nicht mitmachen konnten. Er schied damals das aus, was dann heute unser Tierreich bildet. Ursprünglich also waren die Tiere weit weniger vom Menschen unterschieden als jetzt. Sie degenerierten dann allmählich. Nun ging das Ausscheiden des Tierreiches aber nicht plötzlich vor sich, sondern ganz allmählich. Erst die Fische, dann Reptilien und Amphibien, dann Vögel und Säugetiere. Und bei diesen Gruppen gab es ja auch wieder nur ein allmähliches Ausscheiden. So wurden die Raubtiere zum Beispiel früher ausgeschieden als die Affen. Als nun die Löwen ausgeschieden wurden, da nannte man das Sternbild, in dem die Sonne stand, Löwe, und als der Mensch die Stiernatur ausschied, nannte man das Sternbild Stier. Die Namen der vier apokalyptischen Tiere in der Offenbarung des Johannes deuten auf dasselbe hin. Sie heißen Adler, Löwe, Stier, Mensch.“ (Lit.:GA 95, S. 157f)

„Es gibt sechzehn Gruppen menschlicher Instinkte und Leidenschaften und so gibt es auch sechzehn Tiergruppen. Das wird auch die Zoologie einmal einsehen, wie all das sich nach und nach heraussetzte. Wir können leicht angeben, wie die verschiedenen Glieder der Säugetiernatur sich abgliedern mußten. Die Hufbildung trat zum Beispiel dadurch ein, daß sich die Natur des Tieres in ganz besonderer Weise gegen die Außenwelt abschloß. Durch das Aggressive bildeten sich die Krallen oder Tatzen. Eine ganz andere Entwickelungsstufe als die der Huftiernatur drückt die Krallennatur aus. Einen solchen Gegensatz sehen wir auch ausgedrückt in den Kentaur- und Sphinxgestalten.

In dem zweiten Teil des «Faust», einem okkult sehr wichtigen Buche, wird das dargestellt, wo die Sphinxe dem Mephistopheles begegnen und ihn auslachen wegen seines Pferdehufes als Zeichen der sich im Hufe verhärteten Natur, einer Natur, die sich egoistisch gegen die Welt abgeschlossen hat.“ (Lit.:GA 104a, S. 108)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Über die astrale Welt und das Devachan, GA 88 (1999), ISBN 3-7274-0880-4
  2. Rudolf Steiner: Vor dem Tore der Theosophie, GA 95 (1990), ISBN 3-7274-0952-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Aus der Bilderschrift der Apokalypse des Johannes, GA 104a (1991), ISBN 3-7274-1045-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, GA 107 (1988), ISBN 3-7274-1070-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Exkurse in das Gebiet des Markus-Evangeliums, GA 124 (1995), ISBN 3-7274-1240-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen (physischer Leib, Ätherleib, Astralleib) und sein Selbst?, GA 145 (2005), ISBN 3-7274-1450-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Karl König: Bruder Tier. Mensch und Tier in Mythos und Evolution, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 1981
  8. Hermann Poppelbaum: Mensch und Tier. Fünf Einblicke in ihren Wesensunterschied, Fischer TB, Farnkfurt a.M. 1981
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