Cherubim

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Die Cherubim (hebr. ‏כְּרוּב‎ , cherub; Plural ‏כרובים‎, cherubim „Fülle der Erkenntnis“, „Ergießung der Weisheit“[1]), auch als Geister der Harmonien bezeichnet, sind erhabene geistige Wesenheiten, die, wie alle Wesen der ersten Hierarchie, den unmittelbaren Anblick der Gottheit haben und unmittelbar deren Willen vollstrecken. Sie sind zugleich die eigentlichen Tierkreiswesenheiten. Dargestellt werden sie meist als vierflügelige Tierwesen mit menschlichem Antlitz, vergleichbar der Sphinx; sie unterscheiden sich dadurch von den Seraphim, die mit einem menschlichen Körper abgebildet werden. Ihr Herrschaftsgebiet reicht weit über die Grenzen unseres Sonnensystems hinaus und gemeinsam mit den Thronen und Seraphim gehören sie jener Region an, deren äußerer Ausdruck der Tierkreis ist. Die Cherubim haben die Aufgabe, die Entwicklungsziele eines Planetensystems, die sie von der Gottheit empfangen, in Weisheit auszubauen. Es ist dies eine völlig überpersönliche Weisheit, die sie in den Jahrmillionen des Weltenwerdsens sammeln und dann in erhabener Macht verströmen.

Die Cherubim in der Bibel

In der Bibel werden die Cherubim mehr als 90mal genannt, erstmals in der Genesis bei der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies (1 Mos 3,24 EU). Sehr detailreich werden sie in der Thronwagen-Vision des Ezechiel geschildert.

„4 Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Norden her, eine mächtige Wolke und loderndes Feuer, und Glanz war rings um sie her, und mitten im Feuer war es wie blinkendes Kupfer. 5 Und mitten darin war etwas wie vier Gestalten; die waren anzusehen wie Menschen. 6 Und jede von ihnen hatte vier Angesichter und vier Flügel. 7 Und ihre Beine standen gerade, und ihre Füße waren wie Stierfüße und glänzten wie blinkendes, glattes Kupfer. 8 Und sie hatten Menschenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; die vier hatten Angesichter und Flügel. 9 Ihre Flügel berührten einer den andern. Und wenn sie gingen, brauchten sie sich nicht umzuwenden; immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter. 10 Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen und zur rechten Seite gleich einem Löwen bei allen vieren und zur linken Seite gleich einem Stier bei allen vieren und hinten gleich einem Adler bei allen vieren. 11 Und ihre Flügel waren nach oben hin ausgebreitet; je zwei Flügel berührten einander und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib. 12 Immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter; wohin der Geist sie trieb, dahin gingen sie; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden. 13 Und in der Mitte zwischen den Gestalten sah es aus, wie wenn feurige Kohlen brennen, und wie Fackeln, die zwischen den Gestalten hin und her fuhren. Das Feuer leuchtete und aus dem Feuer kamen Blitze. 14 Und die Gestalten liefen hin und her, dass es aussah wie Blitze. 15 Als ich die Gestalten sah, siehe, da stand je ein Rad auf der Erde bei den vier Gestalten, bei ihren vier Angesichtern. 16 Die Räder waren anzuschauen wie ein Türkis und waren alle vier gleich, und sie waren so gemacht, dass ein Rad im andern war. 17 Nach allen vier Seiten konnten sie gehen; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden. 18 Und sie hatten Felgen, und ich sah, ihre Felgen waren voller Augen ringsum bei allen vier Rädern. 19 Und wenn die Gestalten gingen, so gingen auch die Räder mit, und wenn die Gestalten sich von der Erde emporhoben, so hoben die Räder sich auch empor. 20 Wohin der Geist sie trieb, dahin gingen sie, und die Räder hoben sich mit ihnen empor; denn es war der Geist der Gestalten in den Rädern. 21 Wenn sie gingen, so gingen diese auch; wenn sie standen, so standen diese auch; und wenn sie sich emporhoben von der Erde, so hoben sich auch die Räder mit ihnen empor; denn es war der Geist der Gestalten in den Rädern. 22 Aber über den Häuptern der Gestalten war es wie eine Himmelsfeste, wie ein Kristall, unheimlich anzusehen, oben über ihren Häuptern ausgebreitet, 23 dass unter der Feste ihre Flügel gerade ausgestreckt waren, einer an dem andern; und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib. 24 Und wenn sie gingen, hörte ich ihre Flügel rauschen wie große Wasser, wie die Stimme des Allmächtigen, ein Getöse wie in einem Heerlager. Wenn sie aber stillstanden, ließen sie die Flügel herabhängen 25 und es donnerte im Himmel über ihnen. Wenn sie stillstanden, ließen sie die Flügel herabhängen. 26 Und über der Feste, die über ihrem Haupt war, sah es aus wie ein Saphir, einem Thron gleich, und auf dem Thron saß einer, der aussah wie ein Mensch. 27 Und ich sah, und es war wie blinkendes Kupfer aufwärts von dem, was aussah wie seine Hüften; und abwärts von dem, was wie seine Hüften aussah, erblickte ich etwas wie Feuer und Glanz ringsumher. 28 Wie der Regenbogen steht in den Wolken, wenn es geregnet hat, so glänzte es ringsumher. So war die Herrlichkeit des HERRN anzusehen. Und als ich sie gesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen reden.“

Altes Testament: Hes 1,4-28 LUT

„1 Und ich sah, und siehe, an der Himmelsfeste über dem Haupt der Cherubim glänzte es wie ein Saphir, und über ihnen war etwas zu sehen wie ein Thron. 2 Und er sprach zu dem Mann in dem Kleid von Leinwand: Geh hinein zwischen das Räderwerk unter dem Cherub und fülle deine Hände mit glühenden Kohlen, die zwischen den Cherubim sind, und streue sie über die Stadt. Und er ging hinein vor meinen Augen. 3 Die Cherubim aber standen zur Rechten am Hause des Herrn, als der Mann hineinging, und die Wolke erfüllte den inneren Vorhof. 4 Und die Herrlichkeit des HERRN erhob sich von dem Cherub zur Schwelle des Hauses, und das Haus wurde erfüllt mit der Wolke und der Vorhof mit dem Glanz der Herrlichkeit des HERRN. 5 Und man hörte die Flügel der Cherubim rauschen bis in den äußeren Vorhof wie die Stimme des allmächtigen Gottes, wenn er redet. 6 Und als er dem Mann in dem Kleid von Leinwand geboten hatte: Nimm von dem Feuer zwischen dem Räderwerk zwischen den Cherubim, ging dieser hinein und trat neben das Rad. 7 Und der Cherub streckte seine Hand aus der Mitte der Cherubim hin zum Feuer, das zwischen den Cherubim war, nahm davon und gab es dem Mann in dem Kleid von Leinwand in die Hände; der empfing es und ging hinaus. 8 Und es erschien an den Cherubim etwas wie eines Menschen Hand unter ihren Flügeln. 9 Und ich sah, und siehe, vier Räder standen bei den Cherubim, bei jedem Cherub ein Rad, und die Räder sahen aus wie ein Türkis, 10 und alle vier sahen eins wie das andere aus; es war, als wäre ein Rad im andern. 11 Wenn sie gehen sollten, so konnten sie nach allen ihren vier Seiten gehen; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden; sondern wohin das erste ging, da gingen die andern nach, ohne sich im Gehen umzuwenden. 12 Und ihr ganzer Leib, Rücken, Hände und Flügel und die Räder waren voller Augen um und um bei allen vieren. 13 Und die Räder wurden vor meinen Ohren »das Räderwerk« genannt. 14 Ein jeder hatte vier Angesichter; das erste Angesicht war das eines Cherubs, das zweite das eines Menschen, das dritte das eines Löwen, das vierte das eines Adlers. 15 Und die Cherubim hoben sich empor. Es war aber dieselbe Gestalt, die ich am Fluss Kebar gesehen hatte. 16 Wenn die Cherubim gingen, so gingen auch die Räder mit, und wenn die Cherubim ihre Flügel schwangen, dass sie sich von der Erde erhoben, so wandten sich auch die Räder nicht von ihrer Seite weg. 17 Wenn jene standen, so standen diese auch; erhoben sie sich, so erhoben sich diese auch; denn es war der Geist der Gestalten in ihnen. 18 Und die Herrlichkeit des HERRN ging wieder hinaus von der Schwelle des Tempels und stellte sich über die Cherubim. 19 Da schwangen die Cherubim ihre Flügel und erhoben sich von der Erde vor meinen Augen, und als sie hinausgingen, gingen die Räder mit. Und sie traten in den Eingang des östlichen Tores am Hause des HERRN, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war oben über ihnen. 20 Das waren die Gestalten, die ich unter dem Gott Israels am Fluss Kebar gesehen hatte; und ich merkte, dass es Cherubim waren. 21 Vier Angesichter hatte jeder und vier Flügel und etwas wie Menschenhände unter den Flügeln. 22 Und ihre Angesichter waren so gestaltet, wie ich sie am Fluss Kebar gesehen hatte; und sie gingen in der Richtung eines ihrer Angesichter, wie sie wollten.“

Altes Testament: Hes 10,1-22 LUT

Das Wesen der Cherubim

"Wir gewinnen höchstens einen Vergleich für die Eigenschaften jener Wesenheiten, zu denen wir uns dann als den Wesenheiten der zweiten Kategorie der ersten Hierarchie aufschwingen, wir gewinnen eine Möglichkeit, sie zu charakterisieren, wenn wir so recht auf unser Gemüt dasjenige wirken lassen, wozu es ernste, würdige Menschen gebracht haben, welche viele Schritte ihres Lebens dazu verwendet haben, Weisheit in sich anzusammeln, welche nach vielen Jahren reichen Erlebens so viel Weisheit angesammelt haben, daß wir uns sagen: Wenn solche Menschen ein Urteil aussprechen, so spricht nicht ein persönlicher Wille zu uns, sondern es spricht das Leben zu uns, das durch Jahre, durch Jahrzehnte in diesen Menschen sich angehäuft hat und durch das sie in einer gewissen Weise unpersönlich geworden sind. Menschen, welche auf uns einen solchen Eindruck machen, daß ihre Weisheit unpersönlich wirkt, daß ihre Weisheit wie die Blüte und Frucht eines reifen Lebens erscheint, die rufen in uns ein wenn auch nur ahnendes Empfinden von dem hervor, was aus unserer geistigen, aus unserer spirituellen Umgebung auf uns wirkt, wenn wir zu dieser Stufe des Hellsehens emporrücken, von der hier jetzt die Rede sein muß. Man nennt diese Kategorie in der abendländischen Esoterik die Cherubim." (Lit.: GA 136, S. 80)

"Solche Weisheit, die nun nicht gesammelt ist in Jahrzehnten, wie die Weisheit hervorragender Menschen, sondern solche Weisheit, die in Jahrtausenden, in Jahrmillionen des Weltenwerdens gesammelt ist, die strömt uns entgegen in erhabener Macht aus den Wesenheiten, die wir Cherubim nennen." (Lit.: GA 136, S. 81)

Die Cherubim als Schöpfer der Ewigkeit

Wie Rudolf Steiner in seinen Vorträgen über "Die Evolution vom Gesichtspunkte des Wahrhaftigen" ausführlich geschildert hat, sind die Cherubim auch die eigentlichen Schöpfer der Ewigkeit. Nachdem auf dem alten Saturn die Throne einen Teil ihres Wesens hingeopfert hatten und die Cherubim dieses Opfer entgegennahmen, war die Wärmesubstanz und zugleich auch die wesenhafte Zeit in Gestalt der Archai entstanden (Lit.: GA 132, S. 9ff). Die ganze Welt wurde dadurch aber auch in die Vergänglichkeit, in die Zeitlichkeit gerissen. Da entwickelt ein Teil der Cherubim die geistige Tugend der schöpferischen Resignation und verzichtet darauf, das Willensopfer der Throne anzunehmen. Dadurch entrissen sie sich der Zeitlichkeit und begründeten die Region der Dauer, die Ewigkeit. Anfänge dieses Verzichts sind schon auf dem alten Saturn zu finden, deutlich bemerkbar wird er aber erst im Übergang von der alten Sonne zum alten Mond. Eine andere Folge dieser Resignation war aber auch, dass die zurückgewiesene Opfersubstanz der Throne von den Widersachermächten ergriffen wurde, was schließlich zum Streit am Himmel führte, in dem das Urgeheimnis des Bösen begründet ist (Lit.: GA 132, S. 41ff).

Die Cherubim als Tierkreiswesenheiten

Die Cherubim waren maßgebend daran beteiligt, dass auf der alten Sonne die erste Anlage des Tierreichs gebildet wurde. Zunächst war während der alten Sonnenentwicklung durch die schenkende Tugend der Geister der Weisheit das Luftelement entstanden. Zugleich traten die Erzengel hervor, die auf der alten Sonne ihre Menschheitsstufe durchliefen, also ihr Ich entwickelten. Sie nahmen entgegen, was die Geister der Weisheit von ihrem Wesen verschenkten, aber sie behielten es nicht einfach für sich, sondern sie strahlen es als Bild zurück, aber nicht sofort, sondern zeitversetzt zu einem späteren Zeitpunkt - und dadurch entstand das Licht. Das Licht ist die von den Archangeloi zeitversetzt zurückgestrahlte Weisheit der Kyriotetes (Lit.: GA 132, S. 33). Zugleich entstand dadurch der Raum, allerdings zunächst noch nicht in den uns gewohnten drei Dimensionen, sondern zweidimensional als «Inneres» und «Äußeres», indem den Kyriotetes ihr inneres Wesen von außen zurückgestrahlt wurde.

"Dadurch wird etwas ganz Besonderes hervorgerufen, was Sie sich nur richtig vorstellen können, wenn Sie sich denken das Bild einer innerlich geschlossenen Kugel, wo vom Mittelpunkte etwas ausgestrahlt wird, was geschenkt wird; das strahlt bis zur Peripherie hin und strahlt von dort zurück zum Mittelpunkte. An der Oberfläche, innen an der Kugel lagern die Erzengel, die strahlen es zurück. Außen brauchen Sie sich nichts vorzustellen. - Wir haben uns also von einem Zentrum ausgehend zu denken das, was von den Geistern der Weisheit kommt: das wird ausgestrahlt nach allen Seiten, wird aufgefangen von den Erzengeln und zurückgestrahlt. Was ist das, was da zurückstrahlt in den Raum hinein, dieses zurückgestrahlte Geschenk der Geister der Weisheit? Was ist die ausgestrahlte Weisheit in sich selbst zurückgeleitet? - Das ist das Licht. Und damit sind die Erzengel zugleich die Schöpfer des Lichtes." (Lit.: GA 132, S. 33)

Wie nun die Erzengel dem kosmischen Umkreis zustrebten, um den Kyriotetes ihr Weisheitswesen als Licht zurückzuwerfen, kamen ihnen aus der Tierkreisregion die Cherubim entgegen.

Die Cherubim als Tierkreiswesenheiten (GA 110, S 71)

"Diese Wesenheiten, die den Erzengeln aus dem geistigen Raum entgegengekommen sind und die Erzengel aufgenommen haben, nennen wir Cherubim. Das ist eine besonders erhabene Art von geistigen Wesenheiten, denn sie haben die Macht, sozusagen mit offenen Armen aufzunehmen die Erzengelwesen. Wenn diese Erzengelwesen hinaus sich verbreiten, kommen ihnen die Cherubim aus dem Weltenall entgegen. Also wir haben rings um den alten Sonnenball herum die sich nahenden Cherubim. Wie, wenn ich den Vergleich gebrauchen darf, unsere Erde von ihrer Atmosphäre umgeben ist, so ist die alte Sonne umgeben gewesen von dem Reich der Cherubim zur Wohltat der Erzengel. Diese Erzengel schauten also, wenn sie hinausgingen in den Weltenraum, sie schauten ihre großen Helfer an.

Und wie kamen ihnen diese großen Helfer entgegen, wie sahen sie aus? Das kann ja natürlich nur das in der Akasha-Chronik lesende hellseherische Bewußtsein konstatieren. In ganz bestimmten ätherischen Gestalten stellten sich dar diese großen universellen Helfer. Und unsere Vorfahren, die noch ein Bewußtsein gehabt haben durch ihre Tradition von dieser bedeutungsvollen Tatsache, die haben die Cherubim abgebildet als jene eigentümlich geflügelten Tiere mit den verschieden gestalteten Köpfen: den geflügelten Löwen, den geflügelten Adler, den geflügelten Stier, den geflügelten Menschen. Denn in der Tat: Von vier Seiten haben sich zunächst genähert die Cherubim. Und sie nahten sich in solchen Gestalten, daß sie in der Tat nachher so abgebildet werden konnten, wie sie uns als die Gestalten der Cherubim bekannt geworden sind. Und deshalb haben die Schulen der ersten Eingeweihten der nachatlantischen Zeit diese von vier Seiten an die alte Sonne heranrückenden Cherubim mit Namen bezeichnet, die dann geworden sind zu den Namen Stier, Löwe, Adler, Mensch." (Lit.: GA 110, S. 71f)

In höchstem Grade belebend wirkten die Cherubim auf die Erzengel und dadurch war es diesen möglich, länger im Reich des Geistes, das die alte Sonne umgab, zu verweilen, als es ihnen sonst möglich gewesen wäre. Nun war aber die alte Sonne noch kein dauerhaft nach außen leutender Stern, wie es unsere heutige Sonne ist. Die alte Sonne zeigte ein pulsierendes Leuchten, bei dem Sonnentage mit Sonnennächten wechselten.

"Auf diejenigen Wesenheiten der alten Sonne, die sozusagen sich bis zum Licht-Element aufgeschwungen hatten, die im Licht- Element zu leben wußten, auf die wirkten sie in der geschilderten Weise. Aber auf dieses Licht-Element konnte ja nur gewirkt werden während eines Sonnentages, während Licht hinausströmte in den Weltenraum. Es gab aber auch Sonnennächte, wo Licht nicht hinausströmte, da waren die Cherubim doch auch am Himmel. In dieser Zeit, wo sich der Sonnenplanet verfinsterte, da war er also bloß Wärme-Gas, nicht leuchtend; da strömten Wärme-Gase innerhalb des Sonnenballs. Ringsherum waren nun die Cherubim und sandten ihre Wirkung herunter: Jetzt wirkten sie in das finstere Gas hinein. Wenn also diese Cherubim nicht auf die Erzengel in normaler Weise einwirken konnten, dann wirkten sie herein auf den dunklen Rauch der Sonne, auf das dunkle Gas. Während also auf dem alten Saturn Wirkungen geübt wurden auf die Wärme, wurden jetzt vom Weltenraum herein Wirkungen geübt auf die verdichtete Wärme, auf das Gas der alten Sonne. Dieser Wirkung ist es zuzuschreiben, daß auf der alten Sonne aus dem Sonnennebel heraus sich die erste Anlage bildete zu demjenigen, was wir heute das Tierreich nennen. So wie auf dem alten Saturn die erste Anlage des Menschenreiches im physischen Menschenleib entstanden ist, so wird auf der Sonne aus dem Rauch, aus dem Gas die erste Anlage des Tierreiches gebildet. Aus der Wärme bildete sich auf dem alten Saturn die erste Anlage des Menschenleibes; auf der alten Sonne bilden sich durch die sich in diesen Sonnengasen spiegelnden Cherubimgestalten die ersten rauchartig sich bewegenden physischen Tierkörper-Anlagen." (Lit.: GA 110, S. 73)

So entstanden in diesen bewegten Luftmassen zuerst vogelartige Gestalten. Als sich dieser Prozess während der Erdentwicklung in verkürzter Weise wiederholte, wie es etwa am 5. Schöpfungstag in der Genesis geschildert wird, treten daher auch als erste Tiere die Vögel (hebr. עֹ֤וף, oph) hervor. Mit künstlerischem Blick kann man erkennen, dass der Vogel auch in seiner heutigen Form nicht aus einem Rumpf und aus Gliedmaßen besteht, sondern dass sein ganzer Körper eigentlich ein umgestalteter Kopf ist. Der mehr oder weniger kugelartig geformte Kopf ist ein unmittelbares Abbild des Kosmos, das noch kaum durch den irdischen Einfluss verzerrt ist.

"Das ist die ursprüngliche Bedeutung des Tierkreises. Auf dem alten Saturn wird zuerst die Menschheit veranlagt, indem der Stoff, den sie heute im physischen Leib hat, von den Thronen ausgegossen, hingeopfert wird. Auf der Sonne wird die erste Anlage zum Tierreich gebildet, indem aus dem zum Gas verdichteten Wärmestoff durch die sich spiegelnden Gestalten der Cherubim herausgezaubert werden die ersten Tierformen. Und so werden die Tiere zunächst Sonnenabbilder des Tierkreises. Das ist eine wirkliche innere Beziehung zwischen dem Tierkreis und den auf der Sonne werdenden Tieren. Unsere Tiere sind karikaturenhafte Nachfolger jener auf der Sonne werdenden Tiere." (Lit.: GA 110, S. 74)

Nun gibt es nicht vier Cherubim, die in diesem Sinn wirken, sondern jeder von ihnen hat noch zwei Begleiter und damit gibt es also insgesamt zwölf Tierkreiswesenheiten.

"Nun kann es Ihnen auffallen, daß hier zunächst nur vier Namen des Tierkreises hingeschrieben sind. Das sind eben nur die hauptsächlichsten Ausdrücke für die Cherubim, denn im Grunde genommen hat jede solche Cherubimgestalt nach links und rechts eine Art Nachkommen oder Begleiter. Denken Sie sich jede der vier Cherubimgestalten mit zwei Begleitern ausgestattet, dann haben Sie zwölf Kräfte und Mächte im Umkreis der Sonne, die in einer gewissen Andeutung auch schon beim alten Saturn vorhanden waren. Wir haben zwölf solcher Mächte, die angehören dem Reich der Cherubim und die in der Weise ihre Aufgabe, ihre Mission im Universum zu erfüllen haben, wie wir es jetzt gesagt haben.

Nun könnten Sie noch fragen, wie verhält es sich aber mit den gewöhnlichen Tierkreisnamen? Davon werden wir noch ein Wort in den nächsten Tagen sprechen. Denn in der Reihenfolge der Namen hat sich einiges geändert. Man fängt gewöhnlich an zu zählen mit Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, dann kommt Jungfrau, Waage. Der Adler hat durch eine spätere Verwandlung sich die Benennung Skorpion gefallen lassen müssen - aus ganz bestimmten Gründen. Und dann die zwei Begleiter Schütze, Steinbock. Der Mensch heißt aus gewissen Gründen, die wir auch noch kennenlernen werden, Wassermensch oder Wassermann. Und dann die Fische. — Sie sehen also sozusagen die wirkliche Gestalt, aus der der Tierkreis entsprungen ist, nur noch durchleuchten in dem Stier, in dem Löwen, ein wenig noch im Menschen, der in der gewöhnlichen exoterischen Benennung der Wassermensch oder Wassermann heißt." (Lit.: GA 110, S. 74f)

Die Offenbarung der Cherubim in der Natur

Die höchsten geistigen Wesen, die Cherubim und Seraphim, sind in so hohem Grade unwahrnehmbar, dass, so paradox es scheinen mag, gerade diese Unwahrnehmbarkeit schon wiederum wahrgenommen wird. Im Naturgeschehen offenbaren sich die Cherubim derart in den sich zusammenballenden Gewitterwolken und in den vulkanischen Kräften.

"Die Cherubim erscheinen nicht nur symbolisch, sondern ganz objektiv in dem, was sich in der Gewitterwolke zuträgt, in dem, was sich zuträgt, wenn ein Planet beherrscht wird von vulkanischen Kräften." (Lit.: GA 180, S. 103)

Etwas anders ist die Darstellung Rudolf Steiners in den Esoterischen Unterweisungen für die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Hier beschreibt er, wie uns die Cherubim in den Blitzen ihre Werkzeuge zeigen, während er an anderen Stellen die Blitze als Offenbarung der Seraphim schildert:

"Wir blicken auf zu den Blitzen. Oh, die Cherubine sind schon verhüllter. Bei den Thronen kann man spüren, wie sie in den Wolken selber weben. Die auftürmenden Wolken geben die Substanz der Throne her. So leicht in ihrem Anblick machen es uns die Cherubine nicht. Sie verbergen sich mehr als die Throne. Sie zeigen uns nicht sich selbst in den Formungen. Sie zeigen uns in den Blitzen ihre Werkzeuge. Sie sind hinter ihren Werkzeugen. Sie zeigen uns in den Blitzen nicht ihr Wesen, nur ihre Werkzeuge." (Lit.: GA 270b, S. 75)

Anmerkungen

  1. Dionysius Areopagita: Himmlische Hierarchie. Aus dem Griechischen übersetzt von Josef Stiglmayr. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 2) München 1911, S. 32

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt, GA 110 (1991), ISBN 3-7274-1100-7 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Evolution vom Gesichtspunkte des Wahrhaftigen, GA 132 (1999), ISBN 3-7274-1320-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die geistigen Wesenheiten in den Himmelskörpern und Naturreichen, GA 136 (1996), ISBN 3-7274-1361-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Mysterienwahrheiten und Weihnachtsimpulse. Alte Mythen und ihre Bedeutung, GA 180 (1980), ISBN 3-7274-1800-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Esoterische Unterweisungen für die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum 1924, GA 270b (1999), ISBN 3-7274-2700-0 html
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