Tierkreis

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Jean Limburg: Der anatomische Mensch, aus dem Stundenbuch des Duc de Berry, 15. Jh.

Der Tierkreis oder Zodiak (von lat./gr. Zodiakos, ζῳδιακός) umfasst eine etwa 20° breite Zone um die scheinbare Bahn der Sonne, die Ekliptik, innerhalb der die von der Erde aus sichtbaren Bewegungen des Mondes und der Planeten verlaufen. Innerhalb des Tierkreises liegen die zwölf Sternbilder, die den bekannten zwölf Tierkreiszeichen ihren Namen gegeben haben. Es werden dadurch zwölf kosmische Richtungskräfte festgelegt.

Aus geistiger Sicht ist der Tierkreis der physische Ausdruck der ersten Hierarchie, also der Gemeinschaft der Throne, Cherubim und Seraphim, deren Herrschaftsgebiete weit über die Grenzen unseres Sonnensystems hinausreichen, wobei die Cherubim als die eigentlichen Tierkreiswesenheiten anzusprechen sind.

Die zwölf Tierkreiszeichen

Die Tierkreiszeichen gliedern den Tierkreis in 12 genau gleich große Abschnitte von jeweils 30°. Zur Zeit der Namensgebung vor etwa 2500 Jahren waren die Tierkreiszeichen weitgehend deckungsgleich mit den entsprechenden Sternbildern, sofern man von der unterschiedlichen Größe der einzelnen Sternbilder absieht, die nicht immer genau 30° beträgt. Aufgrund der Präzession verschieben sich die die Tierkreiszeichen gegenüber den Sternbildern in etwa 2160 Jahren um jeweils ein ganzes Zeichen. Erst nach 25920 Jahren (= 12 x 2160) ist der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt.

Die abendländische Astrologie, auch als tropische Astrologie bezeichnet, orientiert sich am Jahreslauf und rechnet trotz der Verschiebung gegenüber den entsprechenden Sternbildern weiterhin mit dem ursprünglichen System der Tierkreiszeichen. Der tropische Tierkreis beginnt mit dem Frühlingspunkt, der unveränderlich mit dem Beginn des Tierkreiszeichens Widder gleichgesetzt wird. Tatsächlich steht aber der Frühlingspunkt heute astronomisch schon weit im Sternbild der Fische. In das Sternbild des Widders war er nach den Angaben Rudolf Steiners schon viel früher getreten, nämlich zu Beginn der Griechisch-Lateinischen Zeit im Jahre 747 v. Chr.

In der indischen Astrologie sind die Tierkreiszeichen fest an die Sternbilder gebunden, weshalb man hier von der siderischen Astrologie spricht. In diesem System wandern die Tierkreiszeichen zusammen mit den Sternbildern im Zuge der Präzession allmählich durch alle Jahreszeiten.

Die Symbole der 12 Tierkreiszeichen
Widder Stier Zwillinge Krebs Löwe Jungfrau Waage Skorpion Schütze Steinbock Wassermann Fische

Die Entstehung des Tierkreises

Jedes Planetensystem entwickelt sich in sieben aufeinanderfolgenden planetarischen Weltentwicklungsstufen (Manvantaras) weiter, die jeweils durch ein rein geistiges, äußerlich nicht fassbares Dasein (Pralaya) voneinander getrennt sind. Im Zuge dieser Entwicklungsreihe steigt es vom planetarischen Zustand zum Fixsternsystem und erhebt sich am Ende der siebengliedrigen Reihe zum Tierkreis. Die Wesenheiten der ersten Hierarchie hatten zum Beginn unseres Weltensystems ihre Sonnenentwicklung, also ihr Fixsterndasein, schon hinter sich gebracht. Das vorangegangene Weltensystem hatte sich nach seiner Vollendung aufgelöst und war zum Umkreis, zur ersten, allerdings noch völlig unstrukturierten Anlage eines völlig neuen Tierkreises geworden, aus dem heraus unser Planetenystem geschaffen wurde.

Die Bildung unseres Planetensystems begann damit, dass die erste Hierarchie einen geeigneten Kugelraum im Weltenall suchte und von außen her schaffend in diesen hineinwirkte. Die Seraphim nahmen dazu von der Trinität die Pläne für das neue Weltensystem entgegen. Die Cherubim, die sich in ihrer Gesamtheit als Tierkreiswesenheiten um dieses Zentrum ihrer schöpferischen Tätigkeit herumlagern, arbeiten diese Pläne weiter aus, und die Throne ermöglichten durch das Ausfließenlassen ihrer Willenssubstanz, die äußerlich zuerst nur als Wärme erscheint, mit dem alten Saturn, der ersten planetarischen Inkarnation unserer Erde für eine erste äußere Verwirklichung.

Die differenzierte Struktur des Tierkreises begann sich während des alten Sonnendaseins unseres Planetensystems auszubilden. In ganz bestimmten ätherischen Gestalten zeigten sich da die Cherubim, nämlich als geflügelter Löwe, Stier, Mensch und Adler. Jede dieser vier Cherubim-Formen hatte aber noch zwei Begleitformen: der Stier war begleitet von Widder und Zwillingen, der Löwe von Krebs und Jungfrau, der Adler, der viel später zum Skorpion wurde, ging einher mit Waage und Schütze und die Menschengestalt, die heute als Wassermann bezeichnet wird, war begleitet von Steinbock und Fischen.

Die alte Sonne, die damals noch kein echter Fixstern war, sondern aus okkulter Sicht noch als Planet bezeichnet werden muss, leuchtete noch nicht kontinuierlich, sondern erhellte sich in periodischen Abständen und versank dann wieder in Finsternis. Die Cherubim bildeten während dieser Sonnen-Nächte die erste Anlage der physischen Tierformen aus dem Sonnennebel heraus. Darum wurde die Sphäre der Cherubim später zurecht als Tierkreis bezeichnet.

Der Zusammenhang des Tierkreises mit der Entwicklung des unteren Menschen und der Tierwelt

In der persischen Mythologie werden die zwölf Richtungskräfte des Tierkreises als Amshaspands bezeichnet; die 7 aufsteigenden Kräfte vom Widder bis zum Skorpion, die dem oberen Menschen entsprechen (s.u.) sind gute Kräfte, die 5 absteigenden Kräfte, die den unteren Menschen gestalten, sind böse. Sie "müssen erst durch den Menschen durchgehen, müssen erst im Menschen jene Stufe sich erringen, durch die auch sie aufsteigende Kräfte werden können." (Lit.: GA 102, S. 30ff) Bis zur Mitte der atlantischen Zeit war das Verhältnis zwischen aufsteigenden und absteigenden Kräften noch ausgeglichen, sie hielten sich die Waage. Die Waage zählte noch zu den absteigenden Kräften, wurde aber dann durch den Einschlag des Ich zu einer aufsteigenden. In dem der Mensch an seinen höheren Gliedern veredelnd wirkt, strömen von ihm aufstrebende Kräfte in den Tierkreis hinein.

Als nach der Abtrennung der Sonne von der Erde der Wechsel von Tag und Nacht entstanden war, die damals aber noch wesentlich länger dauerten, begann sich nach und nach während der Zeit des Sonnentags dem oberen ätherischen Menschen der untere physische tierähnlich geformte Mensch anzugliedern. Tatsächlich leiten sich die Namen der Tierkreiszeichen von diesen angeliederten Formen ab. Was von diesen Formkräften nicht in das Menschenwesen integriert werden konnte, wurde als eigenständige Tierform herausgesetzt. Zuerst gliederte sich dem Menschen unten die Fischform an, als die Sonne im Zeichen der Fische stand. Die heutigen Füße sind tatsächlich die ursprünglichen Fische; die Unterschenkel der Wassermann, die Knie des stehen im Zusammenhang mit dem Zeichen des Steinbocks. So entwickelte sich die Tierheit immer weiter und dasjenige, was im Menschen zum Oberschenkel geworden war, bezeichnet man als Schütze. Mit dem Bild des Kentauren wird auf den Menschen dieser Zeit hingewiesen, wobei allerdings nur der untere Teil physisch ausgebildet war und der obere noch ätherisch blieb.

Erst während der Abtrennung des Mondes von der Erde in der Mitte der lemurischen Zeit bildete sich die Geschlechtlichkeit des Menschen heraus. Die Sonne stand damals im Zeichen des Skorpions. Aus der ätherischen Lichtgestalt des oberen Menschen bildete sich nach der Mondenabtrennung zugleich ein Wärmewahrnehmungsorgan, das sich als erster aller Sinne nach außen öffnete. In der griechischen Mythologie wird es das Polyphemauge genannt. (Lit.: GA 106, S. 92)

Als der Mensch schließlich bis zur Mitte physisch ausgebildet war, hielten sich Sonne und Mond gerade die Waage; daher wird die Hüfte, die genau die Mitte des Menschen bildet, dem Zeichen der Waage, in dem die Sonne damals gerade stand, zugeordnet. Das war, wie schon oben angesprochen, in der Mitte der atlantischen Zeit der Fall.

Der Tierkreismensch, der Adam Kadmon der Kabbala und der Riese Ymir der germanischen Mythologie, als Urbild des irdischen Menschen.

Die Zeitdauer, in der sich diese Entwicklung vollzog, war natürlich wesentlich länger als die 2160 Jahre, die die Sonne braucht, um im Platonischen Weltenjahr um ein Tierkreiszeichen weiterzurücken:

"Man würde eine falsche Vorstellung haben, wenn man dächte, dass das durch einen Durchgang der Sonne geschieht. Die Sonne geht einmal ganz herum durch den Tierkreis und erst nach diesem ganzen Umlauf geschieht der Fortschritt. In früheren Zeiten musste sie noch öfter umlaufen, bis ein Fortschritt geschah. Deshalb darf man nicht jene bekannten Zeitrechnungen der nachatlantischen Epoche für ältere Epochen anwenden." (Lit.: GA 106, S. 100)

Der kosmische Mensch als Urbild des irdischen Menschen

Als Homo signorum oder Tierkreiszeichenmensch wird die bildliche Darstellung der zodiakalen Melothesie bezeichnet, die den Menschen als Mikrokosmos auffast, der den Makrokosmos abbildet. Die äußere Gestalt des Menschen und die einzelnen Teile des physischen Leibes sind ein individuelles Abbild der aus dem Tierkreis wirkenden Gestaltungskräfte. Diese bilden den kosmischen Menschen, den Riesen Ymir der germanischen Mythologie bzw. den Adam Kadmon, von dem in der Kabbala gesprochen wird. (Lit.: GA 110, S. 143ff) Die Kräfte des Planetensystems hingegen gestalten die inneren Organe, z.B. die Sonnenkräfte das Herz, der Merkur die Lunge usw.

Rudolf Steiner hat noch auf weitere Zusammenhänge hingewiesen. So entsprechen die zwölf Sinne des Menschen den 12 Tierkreiszeichen, die zugleich die 12 Urkonsonanten des Weltenwortes bilden. Steiner hat weiters gezeigt, dass der Mensch sich zwölf grundlegende Weltanschauungen bilden kann, die ebenfalls mit den Tierkreiszeichen korrespondieren. Eine Übersicht gibt die nachstehende Tabelle.

Der Kopf bzw. die Sinne und die 12 Paar Gehirnnerven sind eine Umwandlung des Kraftsystems des Leibes der vorigen Inkarnation und darum wiederum ein Abbild des Tierkreises. So verwandeln sich beispielsweise die Arme im nächsten Erdenleben zum Sprachsinn, die Knie zum Tastsinn. (Lit.: GA 170, S. 222ff)

Tabelle

Zeichen Name Körper Sinn[1] Weltanschauung Konsonant
Widder Widder Kopf, Aufrechtheit Sehsinn Idealismus W
Stier Stier Kehlkopf, Nacken, Hinordnung zur Tonbildung Wärmesinn Rationalismus R
Zwillinge Zwillinge Arme, Hände, Symmetrie Gehörsinn Mathematismus H
Krebs Krebs Brustkorb, Lunge, Rippen, Atmung,
Abgeschlossenheit durch die Haut
Wortsinn Materialismus F
Löwe Löwe Herz, Inneres, sich Abschließendes Denksinn Sensualismus D, T
Jungfrau Jungfrau Bauch, Inneres in leiblicher Beziehung,
ohne Beziehung zur Außenwelt (Leber, Milz, Verdauungsorgane)
Ichsinn Phänomenalismus B, P
Waage Waage Hüfte, Gleichgewichtslage, Nieren Tastsinn Realismus C, CH
Skorpion Skorpion Geschlechtsorgane, Gebärmutter Lebenssinn Dynamismus S, Z
Schütze Schütze Oberschenkel Bewegungssinn Monadismus G, K
Steinbock Steinbock Knie Gleichgewichtssinn Spiritualismus L
Wassermann Wassermann Unterschenkel Geruchssinn Pneumatismus M
Fische Fische Füße Geschmackssinn Psychismus N

Anmerkungen

  1. Es wird hier nur eine von mehreren mögliche Zuordnung der Sinne zu den Tierkreiszeichen gegeben; sie folgt sinngemäß den Ausführungen Steiners in dem Vortragszyklus Weltwesen und Ichheit (Lit.: GA 169, S. 59ff). An anderen Stellen hat Steiner auch davon abweichende Zuordnungen gegeben → siehe Stichwort Sinne.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen, GA 102 (2001)
  2. Rudolf Steiner: Ägyptische Mythen und Mysterien, GA 106 (1992)
  3. Rudolf Steiner: Das Rätsel des Menschen. Die geistigen Hintergründe der menschlichen Geschichte, GA 170 (1992)
  4. Gisela Gorrissen: Astrologie aus anthroposophischer Sicht. Eine Einführung, Urachhaus Vlg., Stuttgart 2000
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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