Totenerweckung

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Rembrandt Harmensz van Rijn, Die Auferweckung des Lazarus, um 1630
Ilja Repin: Die Wiedererweckung der Tochter des Jaïrus (1871)

Eine Totenerweckung oder Auferweckung (griech. εγειρω), die oft fälschlich mit der Auferstehung gleichgesetzt wird, ist unter geeigneten Umständen innerhalb einer Frist von etwa drei Tagen nach dem Tod möglich, sofern der physische Leib nicht irreparabel zerstört und sich der Ätherleib zwar weitgehend, aber noch nicht vollständig vom physischen Leib abgelöst und in der allgemeinen Ätherwelt zerstreut hat. Zumindest durch ein schmales Band, das oft als die sog. Silberschnur oder ähnlich bezeichnet wird, muss der Ätherleib noch mit dem physischen Körper verbunden sein. So wird es auch in einer Stelle des Alten Testaments beschrieben, wo es heißt:

... denn der Mensch fährt dahin, wo er ewig bleibt, und die Klageleute gehen umher auf der Gasse; - 6 ehe der silberne Strick zerreißt und die goldene Schale zerbricht und der Eimer zerschellt an der Quelle und das Rad zerbrochen in den Brunnen fällt. 7 Denn der Staub muß wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat. Prediger 12,6

Durch die Erweckung kehrt der Tote, anders als bei der Auferstehung, wieder in seinen ursprünglichen sterblichen Leib zurück. Durch die Totenerweckung wird also der Tod keineswegs endgültig besiegt.

Im Neuen Testament werden drei Totenerweckungen geschildert, mit denen zugleich der Geist der drei Kulturepochen, die der griechisch-lateinischen Zeit vorangegangen sind, in erneuerter Form wiedererweckt wird (Lit.:GA 264, S. 227ff):

„Im Matthäus-Evangelium wird uns erzählt, wie aus dem Morgenlande die drei Magier kommen, die ihren Weihrauch, ihr Gold und ihre Myrrhen dem neugeborenen Jesuskinde, dem wiedergeborenen Zarathustra, darbringen. Sie huldigen ihrem wiederverkörperten Meister, der gewirkt hat in seinen verschiedenen Inkarnationen in den drei vorangegangenen Kulturepochen. Sie sind gleichsam die Bewahrer der alten Weisheitsschätze aus der altindischen, der altpersischen und der ägyptisch-babylonischen Epoche. Und indem sie diese in der symbolischen Form von Weihrauch, Gold und Myrrhen dem Jesuskinde zu Füßen legen, weisen sie gleichsam darauf hin, wie das, was als Kulturkeime in diesen Zeiträumen gewirkt hat, nur dadurch für die Menschheit gerettet werden kann, wenn es durchzogen wird von der Christus-Kraft, die einmal dieses Kindlein beseelen wird. Sie selber werden diese Auferstehung der Weisheitsschätze ihrer Kulturepochen nicht mehr erleben. «Sie zogen auf einem anderen Weg wieder in ihr Land».

Wir können uns aber die Frage vorlegen: Wo bleiben diese drei Weisen später, was wird eigentlich aus ihrer Weisheit? Und wir müssen uns daran erinnern, daß die Kulturen, die hier auf Erden entstehen und vergehen, einen Keim in sich bergen, der befruchtet werden kann von dem Christus-Impuls und der zur erneuten Blüte kommen wird in den Zeitperioden, die nach dem Mysterium von Golgatha verlaufen. Was die drei Magier aus dem Morgenlande als Kulturkeime dem Jesuskinde geopfert haben, das wird von dem Christus auferweckt werden; das enthält die Kräfte, welche diese drei späteren Kulturperioden wirklich mit dem Christus-Impuls durchdringen können. Das dritte nachatlantische Zeitalter wird in all dem, was es als Weisheitsgut enthielt, von dem Christus auferweckt, damit es unser fünftes Zeitalter befruchten kann. Das zweite Zeitalter, dasjenige des Zarathustra, wird auf erweckt, damit im sechsten nachatlantischen Zeitalter das wahre Verständnis für den Christus da sein kann. Und das erste, das altindische Zeitalter, erfährt seine Auferstehung im siebenten nachatlantischen Zeitalter mit Hilfe der Christus-Kraft.

Und in jedem Falle muß der Christus eine bestimmte Persönlichkeit, eine menschliche Seele, auferwecken, die durch ihr Schicksal dazu berufen ist, der spezielle Träger dieses Kulturkeimes aus alter Zeit zu sein, und die zugleich diejenige Seele ist, welche dafür sorgen kann, daß das, was der Christus der Menschheit als Gaben gebracht hat, auch weiter fortgeführt wird, daß das Verständnis für den Christus und seine Mission auch in späteren Zeiten der Menschheit in der entsprechenden Weise beigebracht werden kann.“ (Lit.:GA 264, S. 227f)

Folgende Auferweckungen werden in den Evangelien erwähnt:

Die Auferweckung vom Todesschlaf wurde systematisch in vielen vorchristlichen Einweihungsschulen, etwa in den ägyptischen Mysterien gepflegt. Der Einweihungschüler wurde für drei Tage in einen todesähnlichen Zustand versetzt, bei dem der Ätherleib so weit als möglich aus dem physischen Leib heraus gehoben wurde und nur durch den oben erwähnten dünnen silbernen Faden mit diesem verbunden blieb. Dadurch konnten sich die geistigen Erlebnisse, die der Einzuweihende im außerkörperlichen Zustand machte, ungehindert im Ätherleib abbilden und der nunmehr Eingeweihte konnte nach seiner Erweckung von seinen Erfahrungen berichten.

Die Totenerweckungen durch den Christus, die im Neuen Testament geschildert werden, sind auch als solche Einweihungszeremonien aufzufassen, die allerdings nicht systematisch innerhalb einer Mysteriengemeinschaft, sondern unmittelbar durch das Weltenschicksal herbeigeführt wurden. So ist es z.B. bei der Erweckung des Lazarus:

"Bei der Einweihung, wie sie im Johannes-Evangelium beschrieben ist, geht der Astralleib zusammen mit dem Ätherleib aus dem physischen Leib heraus. Dieser bleibt dann wie im Tode zurück. Das liegt zugrunde, wenn geschildert wird, daß Lazarus drei Tage im Grabe lag. Das Lazaruswunder ist also das Bild einer Einweihung. Es handelt sich darum, den Astral- und Ätherleib wieder in den physischen Leib zurückzuführen. Das vollbringt der Meister. Der Mensch ist jetzt ein Auferweckter, der sich an die Erlebnisse in den höheren Welten erinnern kann." (Lit.: GA 94, S. 203)

Der auferweckte Lazarus wurde dadurch zum Jünger Johannes, der im Johannes-Evangelium Zeugnis von seinen Einweihungserlebnissen ablegen konnte.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Kosmogonie, GA 94 (2001) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914, GA 264 (1987), ISBN 3-7274-2650-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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