Transsubstantiation

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Der Begriff der Transsubstantiation (kirchenlatein. "Stoffverwandlung"), der Wandlung, bezeichnet in der Theologie einiger christlicher Kirchen die Verwandlung von Brot in den Leib und von Wein in das Blut Jesu Christi beim Abendmahl (Eucharistie) während des Gottesdienstes.

Diese sogenannte Realpräsenz Christi war während des Mittelalters Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen. Sie wird heute von der Römisch-Katholischen Kirche und der Christengemeinschaft, mit Einschränkungen auch in den Ostkirchen und in der anglikanischen Kirche gelehrt.

Transsubstantiation in der Theologie

Substanz (Ousia) bezeichnet in der Philosophie das Wesen eines Dinges. Dabei unterschied Platon das geistige Wesen von der äußeren Gestalt. Eine Trans-Substantiation findet dann statt, wenn sich das Wesen einer Sache ändert. Sie bezeichnet den Wechsel von einer „substantia“ in eine andere. Sie ist zu unterscheiden von einem Wechsel der sinnlichen und äußerlichen Akzidentien. Diese Idee machte Augustinus für die Theologie fruchtbar. Sie wurde vor allem von Bonaventura und Thomas von Aquin weitergedacht.

Transsubstantiation ist die bei der Konsekration innerhalb des Hochgebets der Messe erfolgende Wesensverwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi. Sie wurde auf dem 4. Laterankonzil 1215 als Dogma formuliert und durch das Konzil von Trient (13. Sitzung, Dekret über das Sakrament der Eucharistie, Kap. 4: DH 1642) bekräftigt:

Durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, unseres Herrn, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes. Diese Wandlung wurde von der heiligen katholischen Kirche treffend und im eigentlichen Sinne Wesensverwandlung genannt.

Diese Lehre bedeutet, dass Brot und Wein der Gestalt (Akzidenz) nach das bleiben, was sie vorher waren, aber ihrem Wesen nach etwas anderes geworden sind. Im Unterschied zur heutigen Vorstellung einer Reproduzierbarkeit durch den Menschen ist für die Vorstellung der eucharistischen Transsubstantiation entscheidend, dass sie von Gott gemacht wird und daher stets als Gnade empfangen wird.

Ein Beispiel für Transsubstantiation außer der Eucharistie gibt es weder im kirchlichen noch im weltlichen Bereich. Wichtig für das Verständnis der eucharistischen Transsubstantiation ist, dass Gott der Handelnde in der Eucharistiefeier ist. Denn der Priester handelt in der Eucharistiefeier als Stellvertreter Christi. Von daher ist die Transsubstantiation eine als Gnade empfangene Verwandlung.

Die Lehre von der Transsubstantiation war und ist nicht unumstritten. Schon vor der feierlichen Verkündigung 1215 gab es über die Transsubstantiation theologische Auseinandersetzungen in der Kirche, so im 9. und 11. Jahrhundert im ersten und zweiten Abendmahlsstreit.

Trotz dieser und anderer Kritik setzte sich die noch heute gültige kirchliche Lehrmeinung durch.

Die ursprünglich vorherrschende Auffassung, dass Brot und Wein nach den Einsetzungsworten real Leib und Blut Christi seien, änderte sich seit dem Hochmittelalter dahingehend, dass sich der Realitätsbegriff vom geistigen Wesen auf die äußere Gestalt hin verschob bzw. umkehrte. In diesem Wandel drückte sich der allmähliche, stark umkämpfte Wandel vom Realismus zum Nominalismus aus (Universalienproblem): Das Bedeutende und das Bedeutete fielen auseinander. Eine Folge war die Kirchenspaltung in der Reformation.

In der gegenwärtigen katholischen Theologie werden für das Begriffspaar „SubstanzAkzidenz“ gern personale Begriffe verwendet, die betonen, dass es um die Vergegenwärtigung des Opfers Christi geht, der sich wirklich und vorbehaltlos an die Kirche verschenkt („in die Hände der Sünder“) und sie dadurch selbst zu seinem Leib werden lässt. „Empfangt, was ihr seid: der Leib Christi. Werdet, was ihr empfangt: der Leib Christi“ (Augustinus von Hippo). Derartige Deutungsversuche werden vom kirchlichen Lehramt jedoch als unzureichend, ja irrig angesehen, sofern damit ein Abgehen von der traditionellen Transsubstantiationslehre verbunden ist. Vgl. hierzu auch Transsignifikation und Transfinalisation.

Andachtsformen aufgrund der Transsubstantiation

Seitdem haben sich innerhalb der römisch-katholischen Kirche zahlreiche Andachtsformen entwickelt, die der Verehrung des Leibes und Blutes Christi dienen – Aussetzung (Ausstellung) von Hostien in Monstranzen (z. B. bei Fronleichnamsprozessionen) etc.

Berichte davon, dass sich außer der Substanz auf wunderbare Weise auch die Akzidentien geändert hätten – sogenannte Hostienwunder, etwa blutende Hostien oder gar die Verwandlung einer Hostie in den Schmerzensmann während der Messe – unterstreichen die dogmatische Aussage von der Verwandlung der Substanz.

Transsubstantiationslehre im ökumenischen Gespräch

Die Transsubstantiation wird außerhalb der Römisch-katholischen Kirche als Begriff im Sinne einer dogmatischen Definition im Allgemeinen nicht akzeptiert. Die Orthodoxe Kirche bekennt ebenfalls eine Veränderung und nennt die Gestalten von Brot und Wein beim Kommunionempfang „kostbarer Leib und kostbares Blut unseres Herrn Jesus Christus“, kennt aber die Definition von Transsubstantiation nicht. Im Protestantismus gibt es weit auseinandergehende Konzepte, von der leiblichen Gegenwart Christi nach lutherischem Verständnis (Konsubstantiationslehre) über die „geistige Gegenwart“ (reformiertes Verständnis) bis hin zur Gedenkfeier (Verständnis als „Zeichen“). Aus römisch-katholischer Sicht wird von einer Transsubstantiation in einem protestantischen Gottesdienst wegen der als ungültig angesehenen protestantischen Weihen nicht ausgegangen, wohingegen die "Gültigkeit" jedenfalls des Lutherischen Abendmahls im Sinne einer Realpräsenz vom heutigen Papst Bendedikt XVI. als Chef der Kongergation für Glaubensfragen außer Streit gestellt wurde (Schreiben des Präfekten der römischen Glaubenskongregation, Kardinal Josef Ratzinger an den evangelischen bayerischen Landesbischof, 1993).

Luther selbst verurteilte die Transsubstantiation (im Unterschied zu Melanchthon) nicht als eine falsche bzw. zu verwerfende Lehre, sondern sah sie als den Versuch an, mit philosophischen Begriffen das Geheimnis (Mysterium) der Realpräsenz zu definieren, was er als unstatthaft und unangemessen ansah. Das bekenntnisgebundene Luthertum folgt ihm darin.

Im ökumenischen Gespräch wird versucht zu klären, ob und wie sich bei unterschiedlicher theologischer Begrifflichkeit eine sachliche Identität bestimmter Glaubensinhalte feststellen lässt. Ein Konsens in der Sache kann im Hinblick auf das orthodoxe und katholische Eucharistieverständnis jedenfalls bereits als erreicht gelten. De facto erkennen wohl auch Lutherische Evangelische und Römisch-Katholische Kirche das Abendmahl insoweit gegenseitig an (vgl. ökumenischer Text „Kirche und Rechtfertigung" (1994), der katholischerseits das o.g. Ratzinger-Zitat aufgreift.

Transsubstantiation in der Alt-Katholischen Kirche

Die alt-katholische Theologie lehnt sowohl die katholische Transsubstantiationslehre als auch evangelische Konsubstantiationslehre ab, da die Wandlung ein Mysterium sei und der Substanzbegriff ein vergeblicher Versuch, ein göttliches Geheimnis zu erklären. Eine Erklärung stehe dem Menschen nicht zu; deshalb lehrt die Alt-Katholische Kirche, die Wandlung ohne Erklärungsversuche als gottgegebenes Geheimnis zu akzeptieren.

Rudolf Steiner über die Transsubtantiation

"Solange vom Abendmahl gewußt wurde, daß es den lebendigen Beweis dafür bedeutet, daß Materie nicht bloß Materie ist, sondern daß es zeremonielle Handlungen gibt, durch die der Materie der Geist beigefügt werden kann, solange der Mensch wußte, daß diese Durchdringung der Materie mit dem Geist eine Durchchristung ist, wie sie im Abendmahl zum Ausdruck kommt, so lange wurde es hingenommen, ohne daß man sich stritt." (Lit.: GA 131, S. 203). "Solange man wußte, daß es sich in dem Christus um ein Wesen von der Sonne handelt, hatte die Monstranz mit der Hostie darin seinen guten Sinn. Darin ist zusammengebackenes Mehl. Dieses Mehl konnte dadurch entstehen, daß die Sonne Licht und Wärme auf die Erde fallen läßt, daß Getreide wächst und aus dem Getreide das Mehl wird. Es ist wirklich, wenn man es so ausdrücken will: Körper, vom Sonnenlicht gemacht. Solange man das gewußt hat, so lange hatte das Ganze einen Sinn." (Lit.: GA 353, S. 118). "An die Stelle des blutigen Opfers (der Heiden), soll das unblutige, das geistige Opfer, das Abendmahl treten als Symbol dafür, daß auf geistigem Felde Schuld und Sühne für menschliche Taten leben. Dies ist aber die Lehre von Karma, daß alles dasjenige, was der Mensch irgendwie in seinen Handlungen verursacht hat, seine Wirkungen nach sich zieht durch rein geistige Gesetze, daß Karma nichts zu tun hat mit physischer Vererbung." (Lit.: GA 052, S. 82). "In der Zeit aber, in der die Geheimnisse der Alchimie bekannt waren, in der Zeit des 4. nachatlantischen Zeitraums, da konnte man sehr gut auf kirchlichem Gebiete von der Transsubstantiation, von der Verwandlung des Brotes und des Weines in den Leib und in das Blut sprechen, denn man konnte mit diesen Worten noch bestimmte Begriffe verbinden. Luther war verwoben mit der Denkweise, mit der Empfindungsweise der 4. nachatlantischen Zeit, aber hineingestellt war er in die 5. nachatlantische Zeit. Er mußte daher die Transsubstantiation herausheben aus dem physischen, materiellen Verwandlungszusammenhang. Und was wurde für ihn das Sakrament, die Transsubstantiation? Ein bloß im Geistigen vor sich gehender Prozeß. Es wird nichts verwandelt, so sagt er, sondern nur, indem das Abendmahl gereicht wird, geht in den Gläubigen der Leib und das Blut Jesu Christi über." (Lit.: GA 177, S. 113). "Aber in jenen Mysterien, in die der auferstandene Christus hineingesprochen hat, da wußte man noch: Es war einmal vorhanden beim Menschen ein höchstes Stoffwissen, Stoffwechselwissen. Nicht mehr auf dieselbe Art, wie es die Urmenschheit getan hat, auch nicht auf degenerierte Art, wie es dann die Haschisch-Esser und andere getan haben, um aus den Wirkungen des Stofflichen heraus Erkenntnisse zu gewinnen, die man ohne dieses nicht gewinnen kann, nicht auf diese Art wollte man für eine gewisse Sache das alte Stoffeswissen auferwecken, wohl aber auf eine andere Art: dadurch, daß man einhüllte in Kultus, in bestimmte mantrische Formeln einhüllte vor allen Dingen in die ganze Struktur des Mysteriums des Offertoriums, des Opfers, der Transsubstantiation, der Kommunion, daß man einhüllte in diese Strukturformen das Mysterium von Golgatha, den Menschen das Abendmahl reichte als Brot und Wein; indem man erst dieses Abendmahl einhüllte in dasjenige, was ausgeht von den mantrischen Formeln des Meßopfers, und ausgeht von dem, was in der vierfachen Gliederung der Messe – Evangelium, Opferung, Wandlung und Kommunion – liegt. Daß gerade das Meßopfer mit seinem wunderbaren Kultus, seiner Nachahmung der 4 Mysterienkapiteln, eingesetzt worden ist, das geht eben durchaus auf dasjenige zurück, daß der auferstandene Christus auch der Lehrer war derjenigen, die diese Lehren in einem höheren esoterischen Sinn empfangen konnten." (Lit.: GA 211, S. 135ff).

"Das Meßopfer mit alledem, was daran hängt, ist eine kontinuierliche Fortentwickelung der Mithras-Mysterien, die in gewisser Weise etwas kombiniert sind mit den eleusinischen Mysterien (siehe: Mysterien eleusinische). Daß der Priester, wie übrigens auch der sonst das Abendmahl Empfangende, den Leib des Herrn zu sich nimmt, nachdem er so und so lange nichts gegessen hat – wie man sagt: mit nüchternem Magen –, das ist zum Verständnis der Sache viel wichtiger, als manches andere, worüber man im Mittelalter furchtbar gestritten hat. Denn das ist etwas zum Beispiel, worauf es ankommt. Und wenn irgendein Priester, wie es ja auch vorkommt, dieses Gebot, wirklich mit nüchternem Magen die Transsubstantiation und die Kommunion zu vollziehen, übertritt, dann hat sie durchaus nicht den Sinn, die Bedeutung, die Wirkung, die sie haben soll. Allerdings, zumeist hat sie nicht die Wirkung, weil die Betreffenden nicht in richtiger Weise unterrichtet werden. Denn die Wirkung kann nur da sein, wenn ein entsprechender Unterricht stattgefunden hat über dasjenige, was unmittelbar nach dem Empfang des blutlosen Leibes des Herrn erlebt wird. Aber Sie wissen ja vielleicht selbst, wie wenig auf diese Feinheiten mehr heute gesehen wird; wie wenig darauf gesehen wird, daß dadurch wirklich ein Erlebnis eintreten soll, das ein gewisses innerliches Verspüren darstellt, eine Art neuzeitlicher Wiedererneuerung desjenigen, was als Anregung in den Mithras-Mysterien stattgefunden hat." (Lit.: GA 175, S. 323).

Sehr ausführlich hat Rudolf Steiner in seinen Vorträgen und Kursen über christlich-religiöses Wirken über die Transsubtantiation gesprochen:

"Unsere Physiologie betrachtet die Ernährung ja durchaus falsch. Unsere Physiologie meint, wir nehmen die Nahrung zu uns. Wir sondern aus der Nahrung dasjenige aus, was für uns geeignet ist und stoßen das andere ab. So ist es aber nicht. Daß wir das Substantielle aufnehmen, ist bloß Begleiterscheinung. Der Lebensprozeß besteht durchaus darin, daß wir uns eigentlich fortwährend gegen dasjenige wehren, was durch die Einnahme eines Nahrungsmittels in uns bewirkt wird. Wir essen, wir trinken — dadurch geschieht etwas, was wahrhaftig sehr tief unter unserem Bewußtsein, unter unserem bewußten Seelenleben liegt. Dasjenige, was da geschieht, ist ein fortwährendes Abwehren. Und in diesem physisch-physiologischen Prozeß des Abwehrens liegt der eigentliche Lebensprozeß der Ernährung. Der Lebensprozeß der Ernährung ist ein Abwehrprozeß.

Erst wenn man einsehen wird, wie der Organismus darauf hinorganisiert ist, die Anregung zu einer Abwehr zu erhalten - damit er die Abwehr haben kann, muß natürlich die Anregung dazu da sein -, erst wenn man einsehen wird, daß in der Abwehr einer von außen kommenden [Substanz die] Anregung zu dem Lebensprozeß der Ernährung liegt, wird man die Ernährung richtig verstehen können. Man hat es beim Ernähren mit einem Abwehrprozeß zu tun, bei dem das Aufnehmen von Substanzen nur als eine Begleiterscheinung [anzusehen ist], durch die in die feinsten Verfaserungen des Wesens des Menschen von außen die Anregungen zu Widerständen geleitet werden, damit bis in die äußeren Peripheriegebiete [des Organismus] diese Abwehr Platz greifen kann. Erst in diesem Abwehren liegt der wirkliche Lebensprozeß der Ernährung, so daß dasjenige, was der gewöhnliche irdische Ernährungsprozeß des Menschen ist, eigentlich ein Abwehren des Irdischen ist. Das Irdische dringt als Nahrungsmittel in den Menschen ein, der Mensch muß es aufnehmen, aber es ist dies ein Prozeß des Abwehrens.

Das ist die Wirklichkeit, aber so sieht der Mensch in der Wissenschaft das Ganze eigentlich nicht an. Was geschieht aber in diesem Abwehren? Da geschieht etwas, was ganz außerhalb des menschlichen Bewußtseins liegt. Wenn nämlich der Mensch die Nahrung aufnimmt, so ist ja die Nahrung eigentlich ein Prozeß [der Außenwelt]. Jeder Stoff ist eigentlich ein konzentrierter, gedrosselter Weltenprozeß. Prozesse der Außenwelt nehmen wir in uns auf, wir wehren sie ab, aber indem wir sie abwehren, entsteht ja der Gegenprozeß: Der Prozeß der Außenwelt wird in etwas ganz anderes verwandelt und dieses Verwandeln geschieht in uns. Das äußere Materielle wird in uns verwandelt. Und was wird daraus? Es wird in uns ein Geistiges. Das ist es, was gewöhnlich nicht gesehen wird, daß der Mensch eigentlich in seinem Verdauungsprozeß in der Verwandlung der Außenwelt bis zu der Vergeistigung der äußeren materiellen Prozesse geht. In der äußeren Natur spielen sich eben die Weltenprozesse ab, es spielen sich die Weltenprozesse im Fragment ab, sagen wir, bis zur Entstehung des Kornes, bis zur Entstehung der anderen Dinge, die als Nahrungsmittel aufgenommen werden. Dasjenige, was da in der Außenwelt entsteht, das wird erst verwandelt im Innern des Menschen, das ist dadurch auf dem Wege nach dem Geistigen hin. In der Außenwelt kann es sich nicht bis zum Geistigen hin verwandeln, erst im Innern des Menschen kann es sich bis zum Geistigen hin verwandeln. Das ist einfach eine objektive Tatsache, die ich Ihnen hier erzähle, nichts anderes. Aber das, was ich Ihnen da auseinandersetze, spielt sich außerhalb der menschlichen Gedankenwelt ab. Es spielt sich in den tieferen Regionen des menschlichen Wollens und nur teilweise in den Gefühlsregionen ab. Nur gewisse Partien des Gefühlslebens und das Wollen nehmen teil an dem [Ernährungs]-prozeß, den ich eben geschildert habe. Der Gedankenprozeß nimmt daran nicht teil, der geht gerade den entgegengesetzten Weg, durch das Wort geht er hinunter in die Gestaltung. Hier unten haben wir, wieder von außen kommend und in der entgegengesetzten Richtung drängend wie der Gedankenprozeß weg, den Verwandlungsprozeß.

Will man den Verwandlungsprozeß so hinstellen vor den Menschen, daß der Mensch ihn anschaut, wie er die äußere Welt anschaut, so muß man in die äußere Welt etwas hinstellen, was in der äußeren Welt sonst nicht geschieht, sondern nur im Menschen sich abspielt. Damit aber hat man in die äußere Welt eine sakramentale Handlung hingestellt, etwas, was nicht in Naturerscheinungen verläuft, was aber im Menschen als des Menschen Geheimnis sich abspielt. Will man dasjenige, was zum innersten Wesen des Menschen gehört, auf dem Gebiet, das wir eben charakterisiert haben, vor den Menschen hinstellen, so hat man die Wandlung, die Wandlung des Brotes und des Weines in Leib und Blut [Christi], man hat die Transsubstantiation. Die Transsubstantiation ist nicht eine Erfindung innerhalb der äußeren Welt, die Transsubstantiation ist das Hinausstellen desjenigen in die Außenwelt, was im tiefsten menschlichen Innern wirklich sich vollzieht. Wir schauen in der Transsubstantiation dasjenige, was wir nicht in der Außenwelt schauen können, weil die Außenwelt ein Fragment des Daseins ist, nicht eine Totalität; und wir fügen im Sakramente dasjenige zu der Außenwelt hinzu, was im Reiche der Natur erst vollzogen wird innerhalb des Menschen.

Das, meine lieben Freunde, ist der ursprüngliche Begriff des Sakramentes, daß zu dem Phänomen der Außenwelt hinzugefügt wird dasjenige, was im Innern des Menschen nicht zum Bewußtsein kommt, weil der Mensch es nicht erkennt, sondern [unbewußt] erlebt, was aber im Zeichen in die Außenwelt hineingestellt werden kann. Und so muß der Mensch, indem er die Transsubstantiation vollzieht, etwas, was mit dem innersten Wesen seines Selbst unbewüßt zusammenhängt, im Zeichen mitempfinden. Er bahnt in der Tat den Verkehr an mit dem Geiste der Außenwelt dadurch, daß er die Verwandlung, welche sich sonst hinter dem Schleier des Erinnerungsvermögens in seinem Innern vollzieht, als Sakrament hinstellt.

Damit aber haben wir noch nicht dasjenige erfaßt, was nun im Menschen als Höchstes sich vollzieht, wir haben nur erfaßt das Geistigwerden des Materiellen im Menschen, die Verwandlung, die Transsubstantiation. Dasjenige, was da im Menschen als objektiver Vorgang geschieht, das vollzieht sich, ich möchte sagen, nur durch einen dünnen Schleier von unserem Bewußtsein getrennt, hinter unserem Bewußtsein. Denn von dieser Seite her wird in jedem Augenblick unseres Lebens unser Ich angefacht. Wir tauchen unter in diese verwandelte Materie, und indem wir die Stoffe der Außenwelt aufnehmen und unser Lebensprozeß darin besteht, sie zu verwandeln, indem wir mit unserem Geistig-Seelischen untertauchen in diese Verwandlung der Außenwelt, hat unser Ich fortwährend Nahrung, wird unserem Ich fortwährend nahegelegt die Vereinigung mit der durch diesen Prozeß verwandelten Substanz. Die Vereinigung mit der Substanz nach ihrer Verwandlung stellt die Ichwerdung des uns im Menschen zugänglichen Geistigen dar. Nehmen wir auch dies sakramental. Stellen wir es sakramental vor uns hin, so ist es das Sakrament, an dem der Mensch teilnimmt, wenn die Materie so vorgestellt wird, daß sie nur Zeichen ist; wenn sie transsubstantiiert ist, vereinigt sich der Mensch mit ihr, und wir haben damit das vierte Glied desjenigen, was im Kultus als sakramentales Zeichen den Zusammenhang des Menschen mit der Welt darstellen kann." (Lit.: GA 343a, S. 42ff)

Literatur

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Weblinks

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