Traum-Bewusstsein

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Das heutige Traum-Bewusstsein ist ein umgewandeltes Rudiment des Bilder-Bewusstseins, das der Mensch auf dem alten Mond hatte. Eng verwandt ist der Traum mit unserem Gefühlsleben; im Gefühl träumen wir eigentlich beständig auch während des wachen Tageslebens. Der Traum ist darum meist mit lebhaften Bildern und intensiven Gefühlen verbunden. Das Ich-Bewusstsein ist im Traum nur undeutlich vorhanden, weil hier ungenügend zwischen innen und außen unterschieden wird. Wir schwimmen dadurch mit unserer Traumwelt zusammen und können uns nicht recht von ihr unterscheiden. Es fällt darum auch schwer, sich nach dem Erwachen an die Traumerlebnisse zu erinnern.

Eine besondere Form des Traums ist der sog. Klartraum / Klartraum, bei dem sich der Träumende bewusst ist, dass er träumt. Der Albtraum ist ein von panikartiger Angst erfüllter Traum, der nach Rudolf Steiner durch einen unregelmäßigen Atmungsprozess ausgelöst wird.

Symbolgehalt der Träume

Der Traum ist ein Symboliker, der, veranlasst durch äußere Vorgänge, etwa das Krähen eines Hahnes am Morgen, oder innere unregelmäßige Zustände, etwa Zahnschmerzen, lange bildhafte dramatische innere Erlebnisse hervorruft. Wenn z.B. im Schlaf das Sonnenlicht auf unsere Augenlider fällt, kann sich das im Traum als große Feuersbrunst darstellen. Oder wenn wir starke Kopfschmerzen haben, kann man das im Traum als düsteres spinnwebenverhangenes Gewölbe oder ähnlich erleben. Das Bildmaterial, aus dem sich die Traumwelt aufbaut, besteht aus Reminiszenzen an das wache Tagesleben. Es sind Erinnerungsbilder, die wir zumeist in den vorangegangenen zwei bis drei Tagen halbbewusst oder unterbewusst aufgenommen haben, die nun in einer völlig neuen und meist sehr wirren Ordnung durcheinandergewirbelt werden, die der Naturgesetzlichkeit der sinnlichen Welt oft spottet. Es können sich allerdings auch wirkliche geistige Tatsachen im Traum ausdrücken.

Die Auswahl der Bilder, die sich im Traum an den äußeren oder inneren Auslöser angliedern, hängt häufig mit einem sprachlichen Gleichklang zusammen. So werden etwa schadhafte Zähne gerne durch schadhafte Zäune symbolisiert.

Der traumerfüllte Schlaf tritt ein, wenn sich der Astralleib bereits vom physischen Leib gelöst hat, wie das im Schlaf üblich ist, aber noch eine gewisse Verbindung mit dem Ätherleib hat, der im Bett zurückbleibt. Der Mensch beginnt dann gewisse Vorgänge in seinem Ätherleib in bildhafter Form wahrzunehmen. In Träumen, in denen man sich selbst gegenübertritt, nimmt man einen Teil des eigenen Astralleibs wahr.

Physiologisch gesehen entsteht der Traum dadurch, dass infolge der verminderten Ernährung des oberen Menschen durch den mittleren Menschen im Schlaf das Gehirn wahrzunehmen beginnt, was im mittleren Menschen geschieht. Das äußert sich in Symbolen. Die okkulte Forschung zeigt, dass im Gehirn ein geheimnisvolles Rückenmark verborgen liegt, das die Träume hervorruft (Lit.: GA 128, S. 22ff). Für gewöhnlich werden dabei nur solche Prozesse im mittleren Menschen wahrgenommen, die irgendwie ungeregelt, krankhaft und leise schmerzhaft sind. Aufkeimende Krankheiten kündigen sich daher oftmals durch das Traumleben an.

Durch konsequente geistige Schulung werden die Träume regelmäßiger und sinnvoller. Dann können sich auch geistige Wirklichkeiten im Traum enthüllen. Den wahren Wert dieser Erlebnisse wird man aber nur mit einem dem normalen Wachleben gegenüber gesteigerten Bewusstsein sachgemäß beurteilen können.

"... betrachten wir einmal das Leben eines heutigen gewöhnlichen Menschen. Das Leben eines solchen verläuft so, daß er von früh bis spät seiner Arbeit und seinen täglichen Erfahrungen nachgeht, daß er seinen Verstand anwendet und seine äußeren Sinne gebraucht. Er lebt und arbeitet also in einem Zustand, den wir den Wachzustand nennen. Das ist aber nur ein Zustand; ein anderer ist der, der zwischen Wachen und Schlafen liegt. Da ist der Mensch sich bewußt, daß Bilder durch seine Seele ziehen, Traumbilder. Sie beziehen sich nicht direkt auf die äußere Welt, auf die gewöhnliche Wirklichkeit, sondern indirekt. Diesen Zustand können wir den Traumzustand nennen. Es ist sehr interessant zu studieren, wie dieser Zustand verläuft. Viele Menschen werden der Meinung sein, daß der Traum etwas ganz Sinnloses ist. Das ist nicht der Fall. Auch beim heutigen Menschen haben die Träume einen gewissen Sinn, nur nicht den Sinn, den die Erlebnisse im Wachzustande haben. Im Wachen stimmt unsere Vorstellung immer mit bestimmten Sachen und Erlebnissen überein; beim Traum gestaltet sich das anders. Man kann zum Beispiel schlafen und träumen, daß man auf der Straße Pferdegetrappel hört; man wacht auf und merkt, daß man das Ticken einer Uhr gehört hat, die man neben sich liegen hatte. Der Traum ist ein Symboliker, ein Sinnbildner, er drückte das Ticktack der Uhr sinnbildlich durch Pferdegetrappel aus. Man kann ganze Geschichten träumen. Ein Student zum Beispiel träumt von einem Duell mit allen vorangehenden Einzelheiten, von der Forderung auf Pistolen bis zum Krachen des Schusses, der ihn aufweckt. Da zeigt es sich, daß er den Stuhl, der neben seinem Bett stand, umgeworfen hatte. Ein anderes Beispiel: Eine Bäuerin träumt vom Kirchgang. Sie tritt in die Kirche, der Priester spricht erhabene Worte, seine Arme bewegen sich; auf einmal werden seine Arme zu Flügeln, und dann fängt der Geistliche plötzlich an zu krähen wie ein Hahn. Sie wacht auf, und draußen kräht der Hahn.

Man sieht daraus, daß der Traum ganz andere Zeitverhältnisse hat als das Tagesbewußtsein, denn bei den angeführten Träumen tritt die eigentliche Ursache als zeitlich letztes Ereignis ein. Das rührt davon her, daß ein solcher Traum, verglichen mit der physischen Wirklichkeit, in einem Augenblick durch die Seele schießt und seine innere Zeit hat. Man muß sich das in der folgenden Weise vorstellen: Indem der Aufwachende sich an alle Einzelheiten erinnert, dehnt er diese innere Zeit selbst aus, so daß es ihm erscheint, als ob die Ereignisse in der entsprechenden Zeitlänge abgelaufen wären. Dadurch gewinnt man einen Einblick, wie die Zeit im Astralen erscheint. Ein kleines Ereignis bewirkt also oft einen langen dramatischen Vorgang. Der Traum fliegt in einem Moment durch die Seele und erweckt im Nu eine ganze Reihe von Vorstellungen; der Mensch verpflanzt dabei selbst die Zeit in den Traum.

Auch innere Zustände können sich im Traum symbolisch darstellen, zum Beispiel ein Kopfschmerz: der Mensch träumt, er sei in einem dumpfen Kellerloch mit Spinnweben. Ein Herzklopfen und eine innerliche Hitze wird als glühender Ofen empfunden. Leute, die eine besondere innere Sensitivität haben, können noch anderes erleben. Sie sehen sich zum Beispiel in einer unglücklichen Lage im Traum. Da wirkt der Traum als Prophet; das ist dann ein Symbol dafür, daß eine Krankheit in ihnen steckt, die in einigen Tagen herauskommt. Ja, manche Menschen träumen sogar die Heilmittel gegen eine solche Krankheit. Kurz, eine ganz andere Art des Wahrnehmens ist in diesen Traumzuständen vorhanden.

Der dritte Zustand des Menschen ist der traumlose Schlafzustand, wo nichts in der Seele aufsteigt, wo der Mensch bewußtlos schläft. Wenn nun durch die innere Entwickelung der Mensch beginnt, die höheren Welten wahrzunehmen, so kündigt sich das zuerst in seinem Traumzustand an, und zwar dadurch, daß die Träume regelmäßiger werden und sinnvoller sind als vorher. Vor allen Dingen gewinnt der Mensch Erkenntnisse durch seine Träume; er muß nur recht auf sie achtgeben. Später bemerkt er dann, daß die Träume häufiger werden, bis er meint, die ganze Nacht hindurch geträumt zu haben. Ebenso kann er beobachten, daß die Träume sich mit Dingen verbinden, die es in der Außenwelt gar nicht gibt, die man physisch gar nicht erleben kann. Er merkt, daß in den Träumen ihm jetzt nicht mehr bloße Dinge erscheinen, die entweder äußerlich auf ihn einwirken oder Zustände versinnbildlichen, wie sie oben geschildert wurden, sondern er erlebt, wie gesagt, Bilder von Dingen, die in der sinnenfälligen Wirklichkeit gar nicht existieren, und er merkt dann, daß ihm die Träume etwas Bedeutungsvolles sagen. Zum Beispiel kann es in der folgenden Weise anfangen: Er träumt, ein Freund befinde sich in Feuersgefahr, und er sieht, wie er in die Gefahr hineinrückt. Am nächsten Tag erfährt er, daß dieser Freund in der Nacht krank geworden ist. Er hat nicht gesehen, daß der Freund krank geworden ist, aber ein Sinnbild dafür hat er geschaut. So können auch von den höheren Welten Einflüsse auf die Träume erfolgen, so daß man etwas erfährt, was es gar nicht in der physischen Welt gibt; da gehen Eindrücke von den höheren Welten in den Traum über. Das ist ein sehr wichtiger Übergang zur höheren okkulten Entwickelung.

Nun kann da jemand einwenden: Das ist ja alles nur geträumt, wie kann man darauf etwas geben? - Das ist nicht richtig. Nehmen wir folgendes Beispiel an: es hätte Edison einmal geträumt, wie man eine Glühlampe macht; er hätte sich dann dieses Traumes erinnert und wirklich dem Traum gemäß eine Glühlampe angefertigt, und nun wäre jemand gekommen und hätte gesagt: Nichts ist es mit der Glühlampe, das ist ja bloß geträumt! - Es handelt sich eben darum, ob das Geträumte Bedeutung hat für das Leben, nicht darum, daß es geträumt ist. Vielfach werden nun solche Traumzustände gar nicht beachtet, weil man zuwenig aufmerksam ist. Das ist nicht gut. Gerade auf solche subtile Sachen sollten wir unsere Aufmerksamkeit wenden; das bringt vorwärts.

Später tritt nun ein Zustand ein, wo sich dem Schüler das Wesen der Wirklichkeit im Traum enthüllt, und er kann dann die Träume an der Wirklichkeit prüfen. Wenn er so weit ist, daß er nicht bloß im Schlaf, sondern auch bei Tag die ganze Bilderwelt vor sich hat, dann kann er mit dem Verstand zergliedern, ob das wahr ist, was er sieht. Man darf also nicht etwa die Traumbilder als eine Grundlage für die Weisheit ansehen und benutzen, sondern man muß warten, bis sie sich in die Tageswelt hineindrängen. Wenn man sie bewußt kontrolliert, dann kommt auch bald der Zustand, wo der Schüler nicht nur sieht, was physisch vorhanden ist, wo er auch wirklich beobachten kann, was am Menschen die Aura, die Seele ist, was astral an ihm ist. Man lernt dann verstehen, was die Formen und Farben im Astralleib bedeuten, welche Leidenschaften zum Beispiel sich darin ausdrücken. Man lernt allmählich die seelische Welt sozusagen buchstabieren. Nur muß man sich stets dessen bewußt sein, daß alles sinnbildlich ist.

Man kann dagegen einwenden: Wenn man nur Sinnbilder sieht, dann kann ja ein Ereignis in allen möglichen Sinnbildern symbolisiert sein, und man kann sich gar nicht klar werden, daß so ein Bild sich gerade auf etwas Bestimmtes bezieht. - Auf einer gewissen Stufe jedoch stellt sich eine Sache immer nur unter dem gleichen Bilde dar, gerade wie sich ein Gegenstand immer nur durch die gleiche Vorstellung ausdrückt. So drückt sich zum Beispiel eine Leidenschaft immer und für jeden durch ein bestimmtes Bild aus. Man muß nur lernen, die Bilder richtig zu beziehen.

Nun begreifen Sie, warum in allen Religionsbüchern fast durchweg in Bildern gesprochen wird. Da wird die Weisheit zum Beispiel Licht genannt. Der Grund dafür ist, daß dem okkult Entwickelten die Weisheit des Menschen und der anderen Wesen immer als ein astrales Licht erscheint. Leidenschaften erscheinen als Feuer. Die religiösen Urkunden teilen Dinge mit, die sich nicht nur auf dem physischen Plan abspielen, sondern auch Geschehnisse auf höheren Planen. Diese Urkunden rühren sämtlich von Hellsehern her und beziehen sich auf höhere Welten; deshalb müssen sie zu uns in Bildern sprechen. Alles, was aus der Akasha-Chronik erzählt worden ist, wurde deshalb auch in solchen Bildern dargestellt.

Der nächste Zustand, den der Schüler erlebt, ist der, den man als Kontinuität des Bewußtseins bezeichnet. Wenn der gewöhnliche Mensch im Schlaf der sinnlichen Welt ganz entrückt ist, ist er bewußtlos. Bei einem Schüler ist das nicht mehr der Fall, wenn er die vorgenannte Stufe erreicht hat. Ununterbrochen, Tag und Nacht lebt der Schüler in vollem, klarem Bewußtsein, auch wenn der physische Leib ruht. Nach einiger Zeit kündigt sich der Eintritt in einen neuen, bestimmten Zustand dadurch an, daß zu dem Tagesbewußtsein, zu den Bildern Töne und Worte hinzutreten. Die Bilder reden und sagen ihm etwas; sie reden eine ihm verständliche Sprache. Sie sagen, was sie sind; da ist dann überhaupt keine Täuschung mehr möglich. Das ist das devachanische Tönen und Sprechen, die Sphärenmusik. Ein jedes Ding spricht dann seinen eigenen Namen aus und sein Verhältnis zu den anderen Dingen. Das kommt dann zum astralischen Schauen hinzu, und das ist der Eintritt des Hellsehers in Devachan. Hat der Mensch diesen devachanischen Zustand erlangt, dann fangen die Lotusblumen, die Chakrams oder Räder, an gewissen Stellen im Astralleib an, sich wie der Zeiger einer Uhr von links nach rechts zu drehen. Sie sind die Sinnesorgane des Astralleibes, aber ihr Wahrnehmen ist ein aktives. Das Auge zum Beispiel ist in Ruhe, es läßt das Licht in sich hereinkommen und nimmt es dann wahr. Dagegen nehmen die Lotusblumen erst dann wahr, wenn sie sich bewegen, wenn sie einen Gegenstand umfassen. Die durch das Drehen der Lotusblumen erregten Schwingungen bewirken dann eine Berührung der Astralmaterie, und so entsteht die Wahrnehmung auf dem Astralplan." (Lit.: GA 095, S. 111ff)

In unsere Träume spielen oft die Inspirationen der Angeloi hinein, die ihrerseits wieder von den höheren Hierarchien inspiriert werden. Vielfach spiegelt sich im Traum unser im Gefühlsleben wurzelndes Verhältnis zu den Toten wider. Fragen, die wir vor dem Einschlafen an die Toten richten, drücken sich oft bildhaft in den Träumen aus.

Verarbeitung und Bewertung der Tageserlebnisse

Im Schlaf werden die Tagesgeschehnisse rückläufig durchlebt und moralisch bewertet. Der Traum zeigt diese Erlebnisse aber nicht in ihrer wahren Gestalt, sondern kleidet sie in sinnliche Erinnerungsbilder. Durch die wirklichen nächtlichen Erlebnisse, die der Traum nur verhüllt, wird bereits das Leben im Kamaloka vorbereitet. Wir blicken nach dem Tod auf das zurück, was wir jede Nacht im Schlaf verarbeitet haben. Da wir etwa ein Drittel unseres Lebens verschlafen, dauert der Aufenthalt im Kamaloka auch etwa ein Drittel unseres vergangenen Lebens.

"Wenn Träume auftreten im normalen Leben, so sind diese Träume ja nicht die wirkliche Tätigkeit während des Schlafeslebens, sondern sie sind eigentlich eine Verbildlichung der Tätigkeit durch die Erinnerungen des gewöhnlichen Lebens. Die Bilder des Traumlebens entstehen dadurch, daß das Leben seinen Teppich breitet über die eigentliche innere Tätigkeit; und dadurch wird mancherlei wahrgenommen im Traumesleben. Da sind das Ich und der Astralleib in einer lebendigen Tätigkeit; wenn sich das berührt mit dem Ätherleibe und der Mensch anstößt an den Ätherleib, dann entsteht der Traum. Aber der Traum benützt aus dem Ätherleib heraus die physischen Lebenserinnerungen, um die unsichtbar bleibende Tätigkeit des Ich und des Astralleibes sichtbar zu machen. Hinter den Traum kommt man daher nur, wenn man diese Bilder in bezug auf ihren Charakterablauf nimmt, wenn man also diese Bilder verstehen lernt. Träume müssen erst in der richtigen Weise gelesen werden, es muß erst die richtige Auslegekunst dazukommen. Dann weisen sie allerdings in diese bedeutungsvollste Wirklichkeit hinein, die vom Ich und vom Astralleib im Schlafe ausgeführt wird. Diese Tätigkeit also, die da der Mensch ausführt, enthüllt sich dann der ernsten und würdigen Geistesforschung.

Worin besteht nun diese Tätigkeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen? Sie besteht darin, daß man in viel intensiverer Weise innerlieh die Tageserlebnisse noch einmal durchlebt, daß man gewissermaßen zum Selbstbeurteiler wird der Tageserlebnisse. Es ist trivial ausgedrückt, aber tief innerlich wahr: man lebt in dem normalen Bewußtsein in den Tag hinein, man läßt die Ereignisse, die um einen sich abspielen, abfluten. In der Nacht aber nimmt man ichlich und in dem Astralleib - ichlich und seelisch - die Tagesereignisse viel ernster, viel bedeutungsvoller. Man wägt sie, prüft sie in bezug auf ihren Weltenwert. Man beschäftigt sich damit, was sie für eine Bedeutung haben im ganzen Weltenzusammenhang. Eine ungeheure innerliche Gründlichkeit in der Lebensbetrachtung ist ausgegossen über die Tätigkeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen; nur bleibt sie eben im normalen Leben unbewußt. Alles dies, was da der Mensch wie ein nochmaliges Durchleben des Tageslebens jede Nacht durchmacht, das hat eine große Bedeutung als Vorbereitung für das Leben nach dem Durchschreiten der Pforte des Todes." (Lit.: GA 174b, S. 107f)

Rudolf Steiner über Traumsymbolik, Traumdrama, und psychoanalytische Traumdeutung

Hauptartikel: Traumdeutung

"Eine vollständige Umwandlung eines Vorstellungseindrucks geht in der menschlichen Seele vor sich, wenn dieser Vorstellungseindruck zwei bis drei Tage in der Seele geweilt hat. Man kann schon, ohne Geistesforscher zu sein, durch gewöhnliche, intimere Beobachtung des Seelenlebens sich von der Wahrheit des eben Gesagten überzeugen, allerdings auf einem Gebiete, das heutzutage nur oberflächlich ins Auge gefaßt wird, und besonders schief ins Auge gefaßt wird dadurch, daß sich eine gewisse, sehr nach dem Materiellen hindrängende Wissenschaftsrichtung der Gegenwart dieses Gebietes bemächtigt hat, nämlich die sogenannte analytische Psychologie oder Psychoanalyse. Doch darauf will ich nicht eingehen.Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, daß derjenige, der das Traumleben wirklich beobachten kann, weiß, daß das unwillkürliche Heraufkommen von Träumen immer irgendwie zusammenhängt mit den Eindrücken der letzten Tage, eigentlich nur der letzten zwei bis drei Tage. Aber mißverstehen Sie mich nicht! Selbstverständlich kommen im Traum längst verflossene Ereignisse als Reminiszenzen herauf. Aber etwas anderes ist es, was diese längst verflossenen Ereignisse heraufruft. Wenn man genau den Traum beobachten kann, wird man immer sehen, daß irgendeine hervorrufende Vorstellung aus den letzten zwei bis drei Tagen da sein muß. Die ruft erst längst verflossene Ereignisse hervor. Durch zwei bis drei Tage haben die Eindrücke der Außenwelt die Kraft, Träume zu erzeugen. Das andere gliedert sich dann um sie herum. Wenn nicht eine solche aus den letzten zwei bis drei Tagen stammende Vorstellung den Traum erzeugen kann, kann er auch nicht entstehen." (Lit.: GA 067, S. 049f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Vor dem Tore der Theosophie, GA 95 (1978), Zwölfter Vortrag, Stuttgart, 2. September 1906
  2. Rudolf Steiner: Eine okkulte Physiologie, GA 128 (1991), Erster Vortrag, Prag, 20. März 1911
  3. Rudolf Steiner: Die geistigen Hintergründe des Ersten Weltkrieges, GA 174b (1994), ISBN 3-7274-1742-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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