Umstülpung

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Das Prinzip der Umstülpung (eng. inversion), zusammen mit dem Konzept von Raum und Gegenraum, ist unerlässlich für ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge zwischen physischer und geistiger Welt und insbesondere für die Gestaltung des menschlichen Organismus durch die ätherischen Universalkräfte.

"Das ist dasjenige, was ich Ihnen heute sagen wollte, meine lieben Freunde, über die ganz andersartige Erfahrung, die wir haben, wenn wir in der geistigen Welt sind, als hier in der physischen. Und doch wiederum hängen die Dinge zusammen. Aber sie hängen so zusammen, daß wir ganz umgestülpt sind. Wenn wir hier den Menschen so umstülpen könnten, daß wir sein Inneres nach außen wenden würden, daß also zum Beispiel das Innere, das Herz dann die Oberfläche des Menschen wäre - er würde dabei nicht leben bleiben als physischer Mensch, das können Sie ja glauben -, aber wenn man ihn umstülpen könnte, im Herzen innerlich anfassen und ihn so wie einen Handschuh umstülpen, dann bliebe er nicht ein solcher Mensch, wie er hier ist, dann vergrößerte er sich zu einem Universum. Denn wenn man sich in einen Punkt, ins Herz hinein konzentriert und dann die Fähigkeit hat, im Geiste sich selber umzustülpen, dann wird man diese Welt, die man sonst erlebt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Das ist das Geheimnis des menschlichen Inneren, welches nur in der physischen Welt nicht nach außen gestülpt werden kann. Aber das menschliche Herz ist eine umgestülpte Welt auch, und so hängt wiederum zusammen die physische Erdenwelt mit der geistigen Welt. Wir müssen uns gewöhnen an dieses Umstülpen. Wenn wir uns nicht daran gewöhnen, so bekommen wir nie eine richtige Vorstellung von dem, wie sich eigentlich die hiesige physische Welt zu der geistigen Welt verhält." (Lit.: GA 214, S. 157)

Umstülpung und imaginative Erkenntnis

Ouroboros aus einem alchemistischen Manuskript als imaginatives Bild für den Prozess der Umstülpung
Die Ouroboros-Schlange im Siegelbild für das vierte Mysteriendrama «Der Seelen Erwachen» nach dem Entwurf Rudolf Steiners.

„Diese Imaginationen hat man zur Zeit dieses instinktiven Geistschauens nicht bis zum Begriffe bringen können. Daß man sich in Begriffen so aussprechen kann, wie wir das heute wissenschaftlich gewohnt sind aus dem begrifflichen Bearbeiten der unorganischen Welt, das ist erst ein Ergebnis des Galilei- und Kopernikus-Zeitalters. Früher hat man sich nicht in Begriffen in dieser Weise auszudrücken vermocht. Die griechischen Begriffe sind etwas wesentlich anderes gewesen. Man hat sich in Bildern ausgedrückt, in Bildern, die durch Linien oder auch wohl durch Farbenzusammenstellungen zustande gekommen sind. Ich mochte nur nebenbei erwähnen, daß Erkenntnisse in früheren Epochen der Menschheitsentwickelung nicht so allgemein, ich möchte sagen, demokratisch behandelt wurden, wie heute das Wissen, die Erkenntnis behandelt wird, sondern daß sich die Erkennenden abschlössen in kleinere Gruppen, die man gewöhnt worden ist, Geheimgesellschaften und dergleichen zu nennen, wovon heute noch die Spuren, allerdings nur mißverständliche Spuren, in allerlei Orden und ähnlichen Gruppen vorhanden sind. Die Erkennenden haben sich in kleine Gruppen abgeschlossen. Diejenigen Menschen, die sie in diese Gruppen eingelassen haben, haben sie sorgfältig vorbereitet, so daß sie gefahrlos für ihr moralisches Leben zu diesen Erkenntnissen, die man für notwendig hielt, kommen konnten. Und es wurde in gewissen, sagen wir symbolischen, bildhaften Darstellungen dasjenige gelehrt, was man in instinktiven Imaginationen erleben konnte. Solche Bilder bildeten den Lehrinhalt der alten Weisheitsschulen, so wie heute unsere Bücher unseren Lehrinhalt bilden, aber diese Lehrmittel bestanden eben durchaus in Bildern, die aus dem Inneren des Menschen hervorgeholt waren.

Ich möchte, um Ihnen nicht im Unbestimmten etwas vorzureden, an etwas ganz Bestimmtes, an ein einzelnes Bild erinnern: Da trat immer wiederum ein Bild auf, das gebraucht wurde für die imaginative Erkenntnis des Erkenntnisvorgangs beim Menschen selber. Man schilderte den Erkenntnisvorgang nicht so wie heute die Erkenntnistheoretiker. Man schaute ihn in einer Art instinktiven Hellsehens an, und das, was man da anschaute, charakterisierte man dadurch, daß man das Bild der Schlange, die sich in den Schwanz beißt, zeichnete. Ein wesentliches Charakteristikon desErkennens war in diesem Bilde zu sehen. Aber dieses Bild, wie ich es Ihnen jetzt geschildert habe, ist eigentlich nur dasjenige, was dann mehr oder weniger in populäre Darstellungen übergegangen ist. Die eigentlichen symbolischen Bilder haben sie, die Erkennenden, aus einem gewissen Machtdrang heraus, damit sie allein die Wissenden sein konnten, die andern die Unwissenden sein sollten, in den Gruppen sorgfältig geheimgehalten. Das Bild, das eigentlich gemeint ist mit dem Exoterischen der Schlange, die sich in den Schwanz beißt, ist ein solches, in dem die Schlange so gemalt wird, daß sie sich nicht nur in den Schwanz beißt, sondern gewissermaßen den eigenen Schwanz verschlingt. Immer so weit dieses Schwanzende in den Mund hineingeht, vergeistigt es sich. Und es erscheint dann etwas, das man, wenn man die Schlange mit einer dichteren Farbe aufzeichnet, mit einer dünneren Farbe wie eine Art Aura der Schlange hinzuzumalen hätte. Man bekommt dadurch ein kompliziertes Gebilde, das aber, wenn man es mit einfachen Worten charakterisieren will, mit den Worten charakterisiert werden muß, die heute morgen Dr. Unger in seinem Vortrage gebraucht hat, indem er sich fortwährend für dieses Wort eigentlich entschuldigte. Man muß sich schon für vieles, was im höchsten Grade heute berechtigt ist, wenn man es aus der Geisteswissenschaft heraus sagt, gewissermaßen entschuldigen. Unger gebrauchte mehrmals das Wort «umstülpen». Man denke, man habe eine elastische Kugel und man bohrte oben an einer Stelle hinein, so daß man die Kugel so in sich stülpt, daß dann dasjenige, was zuerst nach oben geragt hat, nun nach unten hin gepreßt ist, so daß man also eine Art Schüsselchen oder Teller aus der Kugel bekommt, und man denke jetzt daran, daß man nun nicht nur bis zum unteren Boden der Kugel umstülpt, sondern noch über diesen hinaus, gleichsam ihn durchdringend, daß aber auf der andern Seite die Kugelsubstanz in einer andern Konsistenz herauskommt, so daß sich die Kugel nun, nachdem man sie durchstoßen hat, von außen wie mit einem Lichte umsäumt, das aber aus dem umgestülpten Teil selber entstanden ist. Das ist eine Figur, die man nicht so einfach hinmalen kann, welche aber auf eine einfachere Weise das wiedergibt, was symbolisch angedeutet werden sollte mit dem, was in solchen Geheimgesellschaften für den Erkenntnisvorgang hingemalt worden ist, um die Anschauung dieses Erkenntnisvorganges anzuregen bei denjenigen, die durch diese Anschauung lernen sollten.“ (Lit.:GA 78, S. 99ff)

Geometrische Beispiele

Geometrische Beispiele für das Prinzip der Umstülpung hat etwa Paul Schatz mit dem umstülpbaren Würfel und dem davon abgeleiteten Oloid gegeben.

Umstülpung des menschlichen Organismus beim Übergang zur nächsten Inkarnation

Die individuelle Gestaltung des menschlichen Schädels ist nur zu verstehen als Umstülpung der Form des restlichen Organismus aus der vorangegangenen Inkarnation.

"Wir müssen, wenn wir die menschliche Kopforganisation studieren wollen, verstehen können, wie diese Kopforganisation mit der ganzen Entwickelung des Menschen zusammenhängt. Sie ist eine spätere Metamorphose, sie ist die Umbildung des ganzen übrigen Menschen hinsichtlich seiner Kräfte. Was Sie, indem Sie sich kopflos denken - natürlich mit alledem, was vom Kopf in den übrigen Organismus hineingehört und zum Kopf eigentlich gehört -, was Sie da im übrigen Menschen sind, das fassen Sie ja natürlich zunächst substantiell auf. Aber dieses Substantielle kommt nicht in Betracht, sondern der Kräftezusammenhang dieser Substanz metamorphosiert sich im All zwischen dem Tode und einer neuen Geburt und wird im nächsten Erdenleben Kopforganisation. Das heißt, was Sie jetzt in Ihrem außer dem Kopf befindlichen Menschen an sich tragen, ist eine frühere Metamorphose der späteren Kopforganisation." (Lit.: GA 201, S. 106f)

Überhaupt findet beim Übergang von einem zum nächsten Leben durch Umstülpung eine Metamorphose der inneren zu äußeren Organen statt; die Sinnesorgane etwa haben ihre Gegenbilder in den früheren inneren Organen, die zugleich die Organe der Erinnerung sind. Dadurch entsteht etwa die Fähigkeit des Auges, Nachbilder des Gesehenen zu erzeugen:

"Sie müssen sich also vorstellen, daß da etwas vorgegangen ist zwischen den zwei Inkarnationen, was man nur vergleichen kann damit, daß Sie sich denken, Sie haben hier einen Handschuh, den ziehen sie an; und nunmehr nehmen Sie ihn und drehen ihn um, so daß dasjenige, was an die Hand anliegt, nach außen kommt und das, was früher nach außen, nach der Luft zu lag, nach innen kommt. Also die Metamorphose hat sich nicht nur so vollzogen, daß dasjenige, was da die übrigen Organe sind, sich etwa bloß umgebildet hat, nein, es hat sich auch umgestülpt. Es ist das Innere, das nach innen Gewendete zum Äußeren, zum nach außen Gewendeten geworden. So daß wir sagen können: Die Organe - ich werde jetzt sprechen von Körper und Kopf als dem Gegensatze -, die Organe des Körpers metamorphosieren sich, indem sie sich umstülpen. Also unsere Augen wären in unserer vorhergehenden Inkarnation irgend etwas in unserem Bauche gewesen, wenn ich den Ausdruck eben gebrauchen darf. Das hat sich umgestülpt in seinen Kräften und ist jetzt Augen geworden, und die haben die Fähigkeit erlangt, Nachbilder zu erzeugen.

[...]

Sehen wir auf das Organ in unserem inneren Organismus, aus dem sich das Auge entwickelt hat. Da muß in einer gewissen Weise veranlagt sein dasjenige, was als die Fähigkeit des Nachbildens, als die Lebendigkeit des Auges erscheint, nur muß es nach innen gewendet sein. Da muß auch das etwas zu tun haben mit dem Wiedererkennen. Aber ein Erlebnis wiedererkennen heißt, sich daran erinnern. Suchen Sie also die ursprüngliche Metamorphose für die Tätigkeit des Auges in einem früheren Leben, so müssen Sie fragen nach der Tätigkeit des Organs, die wirkt für die Erinnerung. Diese Dinge lassen sich natürlich nicht so bequem und einfach darlegen, wie man es heute Hebt; aber sie lassen sich eben dem Wege nach andeuten. Und verfolgen Sie den Weg, dann werden Sie finden: alle unsere Sinnesorgane, die nach außen gerichtet sind, haben ihre Gegenbilder in unseren inneren Organen. Und diese inneren Organe sind ja zu gleicher Zeit die Organe der Erinnerung. Mit dem Auge sehen Sie dasjenige, was im äußeren Leben wiederkehrt; mit dem, was in Ihrer Leibeshöhle entspricht der früheren Metamorphose des Auges, erinnern Sie sich an die Bilder, die Ihnen das Auge vermittelt. Mit dem Ohre hören Sie die Töne; mit demjenigen, was in Ihrer Leibeshöhle dem Ohr entspricht, erinnern Sie sich an die Töne. Und so wird der ganze Mensch, indem er seine Organe nach dem Innern öffnet, zum Erinnerungsorgan. Der ganze Mensch ist Erinnerungsorgan." (Lit.: GA 201, S. 108f)

Umstülpung als Evolutionsprinzip

Auch der Entwicklungszusammenhang zwischen der tierischen und menschlichen Gestalt ist vielfach nur durch Umstülpung zu begreifen:

"Wenn Sie in den gewöhnlichen biologischen Theorien über die Entwickelung diese Dinge alle verfolgen, finden Sie eigentlich immer die Entwickelung ziemlich primitiv dargestellt. Man denkt: der Kopf des Fisches entwickelt sich etwas höher, und dann entsteht der Kopf eines höher organisierten Tieres, und es entwickelt sich die Flosse etwas höher, und dann entstehen die Bewegungsorgane der höheren Tiere und so weiter. So einfach ist aber diese Sache nicht, wenn man die Vorgänge mit der geistigen Beobachtung verfolgt. Denn damit ein geistiges Gebilde, das sich zum Fisch verkörpert hat, sich höher entwickeln kann, muß etwas viel Komplizierteres geschehen. Es muß vieles von den Organen umgestülpt und umgeändert werden. Dieselben Kräfte, die in der Schwimmblase des Fisches wirken, bergen in sich, gleichsam wie in einer Muttersubstanz, die Kräfte, die der Mensch in der Lunge hat. Aber sie selbst gehen auch nicht verloren. Kleine Stücke bleiben zurück, nur stülpen sie sich um; materiell vergeht alles, was zu ihnen gehört, und sie bilden dann das Trommelfell des Menschen. In der Tat ist das Trommelfell, als ein sehr weit abstehendes Organ in bezug auf das Räumliche am Menschen, ein Stück jener Membrane; in ihm wirken die Kräfte, die da in der Schwimmblase des Fisches funktioniert haben. Und weiter: Die Kiemen gestalten sich um zu den Gehörknöchelchen, wenigstens zum Teil, so daß Sie in dem menschlichen Gehörorgan zum Beispiel umgeänderte Kiemen haben. Jetzt können Sie sehen, es ist etwa so, wie wenn die Schwimmblase des Fisches umgestülpt worden wäre gerade über die Kiemen. Daher haben Sie beim Menschen das Trommelfell draußen, die Gehörorgane drinnen. Das, was ganz draußen ist beim Fisch, die merkwürdigen Längslinien, durch die der Fisch sich orientiert, bilden beim Menschen die drei halbzirkelförmigen Kanäle, durch die der Mensch sich im Gleichgewicht erhält. Wenn Sie diese drei halbzirkelförmigen Kanäle zerstörten, würde der Mensch taumelig werden und könnte sich nicht mehr im Gleichgewicht halten.

So haben Sie nicht einen einfachen Prozeß aus der Naturgeschichte, sondern Sie haben eine merkwürdige astralische Arbeit, wo geradezu die Dinge fortwährend umgestülpt werden. Denken Sie sich: diese Hand hätten Sie mit einem Handschuh bedeckt, drinnen im Innern hätten Sie aber Gebilde, welche elastisch sind. Wenn Sie ihn jetzt umkehren, ihn umstülpen, wird er ein ganz kleines Gebilde sein; da werden die Organe, die außen waren, klein und winzig werden, und die Organe, die innen waren, werden eine weite Fläche bilden. Erst dadurch verstehen wir die Entwickelung, wenn wir wissen, daß in der geheimnisvollsten Weise innerhalb des Astralischen eine solche Umstülpung stattfindet, und wie von da heraus der Fortgang des Physischen zustande kommt." (Lit.: GA 107, S. 40f)

„Denn diese menschliche Organisation beruht eben einfach darauf, daß gewisse Prozesse, die in der ganzen Natur peripherisch zerstreut sind, zentral verinnerlicht werden. Statt vieler Dinge, die in unserer Physiologie breitgetreten werden, sollte man gerade andere Dinge ins Auge fassen. Sie werden zwar ins Auge gefaßt, aber es wird ihnen nicht jene große Bedeutung beigelegt, die sie haben. So zum Beispiel können Sie ja wiederum ganz makroskopisch, ich möchte sagen, trivial verfolgen, wie die Körperhaut über den Körper ausgebreitet ist, wie sie sich aber dann überall einstülpt und in ihren Fortsetzungen die nach innen gelegenen Teile auskleidet. Das ist etwas, was von einer außerordentlich großen Bedeutung ist, diese Umkehr der Funktionen, wie sie zum Beispiel eintritt von den Wangen, von den äußeren Teilen des Gesichtes durch die Umkehrung über die Lippen nach innen. Da hat man ja in der Tat am äußeren Menschen noch die Rudimente desjenigen vor sich, was man nur einmal richtig verfolgen sollte in der Embryologie, wo auch alles auf Einsackungen und Umstülpungen eigentlich beruht. Und gerade durch die Verfolgung solcher Dinge, indem man einfach die Verschiedenheit der Reaktion studieren würde, wenn man, sagen wir, Ameisensäure außen auf die Haut verwendet und innen auf die Schleimhäute - wenn man die feine Verschiedenheit, die da auftritt, ins Auge fassen würde, würde das ungeheuer ausschlaggebend sein. Denn das Ganze, was ich Ihnen hier angegeben habe, ist im Grunde genommen nur das Ausführliche für dasjenige, was elementar auf diese Weise auftritt, wie ich es jetzt zuletzt charakterisiert habe. Dann, wenn man solche Studien macht, wird einem entgegentreten die ganze Verschiedenheit des nach außen einfach sich auch ätherisch Umstülpenden der menschlichen Organisation und des nach innen Zentralwerdens der menschlichen Organisation, was polarische Gegensätze sind.“ (Lit.:GA 312, S. 274f)

Die Umstülpung als Durchgang durch die vierte Dimension

Ein dreidimensionaler Körper kann erst nach Durchgang durch eine vierte Dimension mit seinem spiegelbildlichen Gegenstück zur Deckung gebracht werden. So lässt sich etwa ein linker Handschuh mit einem rechten zur Deckung bringen - das entspricht aber genau einer Umstülpung des linken Handschuhs in den rechten. Das Prinzip lässt sich leicht analog mit zweidimensionalen ebenen spiegelsymmetrischen Figuren veranschaulichen, die nach dem Durchgang durch die dritte Dimension ineinander übergeführt werden:

"Ich kann den roten und den blauen Teil [innerhalb der Ebene] nicht zur Deckung bringen, auf welche Weise auch immer ich das Rote in das Blaue hineinzuschieben versuche.

Figur 11

Aber es gibt ein Mittel [dies trotzdem zu erreichen]: Wenn man aus der Tafel, das heißt aus der zweiten Dimension heraustritt [und die dritte Dimension zu Hilfe nimmt, mit anderen Worten, wenn man] die blaue Figur auf die rote legt [indem man sie durch den Raum um die Spiegelachse dreht].

Genauso verhält es sich mit einem Paar Handschuhen: Ich kann den einen mit dem anderen nicht zur Deckung bringen, ohne daß ich aus dem [dreidimensionalen] Raum heraustrete. Man muß durch die vierte Dimension gehen." (Lit.: GA 324a, S. 25f)

Punkt und Umkreis

Sehr hilfreich zum lebendigen Erfassen der Umstülpung sind Meditationen zu Punkt und Umkreis:

"Man muß begreifen lernen den Unterschied zwischen Punkt und Sphäre. [In der Wirklichkeit] wäre dieser Punkt nicht passiv, sondern ein nach allen Seiten Licht ausstrahlender Punkt (Figur 13).

GA 324a Figur13.gif

Welches wäre nun das Gegenteil eines solchen Punktes? Genauso wie es einen Gegensatz zu einer Linie gibt, die von links nach rechts geht, nämlich eine Linie, die von rechts nach links geht, so gibt es auch einen Gegensatz zum [Licht ausstrahlenden] Punkt. Wir stellen uns eine riesige, in Wirklichkeit unendlich große, Kugel vor, die von allen Seiten, aber jetzt nach innen, Dunkelheit verbreitet, Dunkelheit hereinschickt (Figur 14). Diese Kugel ist das Gegenteil des [Licht ausstrahlenden] Punktes.

GA 324a Figur14.gif

Das sind zwei wirkliche Gegensätze: Der Licht ausstrahlende Punkt und der unendliche Raum, der nicht ein neutrales dunkles Gebilde ist, sondern der von allen Seiten her den Raum mit Dunkelheit überflutet. [Als Gegensatz ergibt sich so] eine Quelle der Dunkelheit und eine Quelle des Lichts. Wir wissen, daß eine gerade Linie, die sich in die Unendlichkeit verliert, von der anderen Seite nach demselben Punkt zurückkehrt. Ebenso ist es bei einem Punkte, der nach allen Seiten Licht ausstrahlt. Dieses Licht kommt [aus der Unendlichkeit] als sein Gegenteil, als Dunkelheit zurück. Nun betrachten wir den umgekehrten Fall. Nehmen Sie den Punkt als Quelle der Dunkelheit. Als Gegensatz ergibt sich ein Raum, der von allen Seiten Helle hereinstrahlt. So wie dies neulich [im vorangehenden Vortrag] durchgenommen wurde, so verhält es sich mit dem Punkt; er verliert sich nicht [in der Unendlichkeit, er kommt von der anderen Seite wieder zurück] (Figur 15).

GA 324a Figur15.gif

[Ganz entsprechend verliert sich ein Punkt, wenn er sich ausdehnt oder hinausstrahlt, nicht im Unendlichen; er kommt als Sphäre aus dem Unendlichen zurück.] Die Sphäre, das Kugelförmige, ist das Gegenteil des Punktes. Im Punkte lebt der Raum. Der Punkt ist das Gegenteil des Raumes." (Lit.: GA 324a, S. 30f)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Anthroposophie, ihre Erkenntniswurzeln und Lebensfrüchte, GA 78 (1986), ISBN 3-7274-0780-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, GA 107 (1988), ISBN 3-7274-1070-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Das Geheimnis der Trinität, GA 214 (1999), ISBN 3-7274-2140-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaft und Medizin, GA 312 (1999), ISBN 3-7274-3120-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Die vierte Dimension, GA 324a (1995), ISBN 3-7274-3245-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
Steiner big.jpg
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