Unbefleckte Empfängnis

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Die Unbefleckte Empfängnis (lat. conceptio immaculata) bezieht sich nach der römisch-katholischem Dogmatik auf die Zeugung der Gottesmutter Maria, die zwar auf natürlichem Weg, aber ohne Sünde erfolgt sei und Maria dabei durch göttliche Gnade vor der Erbsünde bewahrt wurde. Verkündet wurde dieses Dogma am 8. Dezember 1854 von Papst Pius IX. in seiner Bulle Ineffabilis Deus („Der unbegreifliche Gott“).

Rudolf Steiner gebraucht den Begriff der conceptio immaculata allerdings in anderem und sogar mehrfachen Sinn. Primär kann die Empfängnis als unbefleckt angesehen werden, wenn sie unbewusst, d.h. im Schlafzustand, geschieht und dadurch keine sinnlichen Begierden erregt werden. So war es noch während der atlantischen Zeit allgemein üblich und vereinzelt auch noch bis in das 4. nachchristliche Jahrhundert möglich. Beide Jesusknaben, die zur Zeitenwende geboren wurden, wurden in diesem Sinn unbefleckt empfangen.

Eine unbefleckte Empfängnis in noch höherem Sinn ist nach Rudolf Steiner darin zu sehen, dass die Leibeshüllen des salomonischen Jesus ein vollkommenes Abbild der kosmischen Ordnung waren, dass sie gleichsam aus dem Geist des ganzen Kosmos, aus dem Heiligen Geist, empfangen wurden. Um dieses besondere Leibesgefäß zuzubereiten, war die ganze Vererbungslinie von Abraham über 42 Generationen bis zu Jesus notwendig. Die Kräfte, die früher nur durch die alte Hellsichtigkeit zugänglich waren, zogen bei Abraham in die innere menschliche Organisation ein. Abraham entwickelte dadurch mit seinem Gehirn ein physisches Organ, mit dem er sich durch das Denken zum Göttlichen erheben und damit das Jahvebewusstsein erwecken konnte, und diese Organ vererbte er auf seine Nachkommen und prägte damit die Mission des hebräischen Volkes.

„Gehen wir also von Abraham durch dreimal vierzehn Generationen hinunter, so haben wir einen Menschenleib, der in sich ganz durchdrungen, imprägniert ist mit dem, was in der ersten Anlage bei Abraham vorhanden war. Dies erst konnte der Leib sein, den Zarathustra für seine Verkörperung brauchen konnte. Das erzählt uns auch der Schreiber des Matthäus-Evangeliums. Und in der Generationentafel, die er gibt, deutet er noch ausdrücklich darauf hin, daß er vierzehn Glieder aufzählt von Abraham bis auf David, vierzehn von David bis zur babylonischen Gefangenschaft, und vierzehn von der babylonischen Gefangenschaft bis auf Christus. Durch diese dreimal vierzehn Glieder - wobei immer eines übersprungen ist - ist in gewisser Weise ganz zur Ausbildung gelangt, was bei Abraham für die Mission des hebräischen Volkes veranlagt war. Da ist es ganz in die Gliedrigkeit des Menschen eingeprägt. Da heraus konnte der Leib genommen werden, den Zarathustra brauchte, um zur Verkörperung zu kommen in der Zeit, als er ein ganz Neues der Menschheit eröffnen sollte.“ (Lit.: GA 123, S 72)

Die Leibesglieder der Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs konnten deshalb zum Werkzeug der in Gedanken gefassten Gotteserkenntnis werden, weil sich in ihnen die ganze kosmische Ordnung widerspiegelte. Darum ist die Rede von den zwölf Söhnen Jakobs, von denen sich wiederum die zwölf Stämme Israels ableiten, die den 12 Tierkreiszeichen entsprechen.

„So fühlten diejenigen, welche zunächst etwas wußten von dem großen Mysterium Christi. Sie fühlten schon in dem Blut, welches dieser Matthäus-Jesus von Nazareth in sich hatte, ein Abbild des Kosmos, ein Abbild jenes Geistes, der im ganzen Kosmos waltet. Dieses Geheimnis drückten sie aus, indem sie sagten: In dem Blut, in welchem leben sollte das Ich, das dann Jesus von Nazareth war, lebte der Geist des ganzen Kosmos. Sollte also dieser physische Leib geboren werden, dann mußte er sein ein Abdruck des Geistes des ganzen Kosmos, des Geistes, der da waltet in der Welt. - Das war ursprünglich die Formel, daß die Kraft, die jener Blutmischung zugrunde lag, welche die des Zarathustra oder Jesus von Nazareth wurde, daß diese Kraft der Geist war unseres ganzen Kosmos, eben jener Geist, der ursprünglich, nach der Trennung der Sonne von unserer Erde, brütend dasjenige durchdrang, was sich herausgegliedert hatte in der Weltenevolution. Aus den schon erwähnten Münchener Vorträgen wissen wir: Wenn wir den Beginn der Genesis, das «Bereschit bara Elohim eth haschamajim we'eth ha'aretz», nicht mit den trivialen Worten der heutigen Zeit übersetzen wollen, die sich nicht mehr mit dem alten Sinn decken, sondern wenn wir den wahren Sinn heraussuchen, daß wir dann zu übersetzen haben: «In dem, was herübergekommen war aus dem Saturn-, Sonnen-und Mondendasein, ersannen in kosmischer Tätigkeit die Elohim dasjenige, was sich nach außen offenbart, was sich im Inneren regt. Und über dem, was sich im Inneren regt, und durch das, was sich regt, herrschte das finstere Dunkel; aber es breitete sich aus da hinein, es brütete darüber, es durchdringend mit Wärme - ähnlich wie das Huhn das Ei - der schöpferische Geist der Elohim, Ruach-Elohim.» Was da als Geist brütete, das ist dasselbe, ganz dasselbe, was dann die Ordnungen bewirkte, welche man ausdrücken konnte in einer gewissen Weise durch die Konstellation der Sterne. So fühlten die ursprünglichen Eingeweihten des Christus-Mysteriums, daß die Blutmischung des Jesus von Nazareth ein Abbild dessen war, was Ruach-Elohim durch das Weltendasein hindurch wirkte. Und sie nannten daher das Blut, das auf diese Weise für das große Ereignis zubereitet worden ist, «geschaffen durch den Geist des Weltendaseins», durch denselben Geist, der in jener bedeutungsvollen Schilderung der Genesis, in dem «Bereschit bara...», genannt wird Ruach.

Dieser heilige Sinn, der wahrhaftig größer ist als jeglicher andere, triviale Sinn, liegt zunächst als der höhere Sinn dem zugrunde, was genannt wird «die Empfängnis aus dem heiligen Geiste des Weltenalls». Das liegt dem zugrunde, was enthalten ist in dem Wort: «Und die Gebärerin dieses Wesens war erfüllt von der Kraft dieses Geistes des Weltenalls» (Matth. 1,18). Wir müssen nur die ganze Größe eines solchen Mysteriums empfinden, und wir werden dann schon finden, daß in dieser Art, die Sache darzustellen, etwas unendlich Höheres liegt als in alledem, was exoterisch in der Conceptio immaculata, in der «Unbefleckten Empfängnis » gegeben ist.“ (Lit.: GA 123, S 82ff)

Mit der Jordan-Taufe zog der Christus in dreifache irdische Hülle des Jesus von Nazareth ein, um von da an für drei Jahre auf Erden zu leben. Diesen Vorgang vergleicht Rudolf Steiner mit der Empfängnis bei den Erdenmenschen, so dass wir hier mit Recht von der höchsten Form der unbefleckten Empfängnis sprechen können:

"Gehen wir einmal, um zu einiger Klarheit zu kommen, aus von demjenigen, was man gewöhnlich nennt die Johannestaufe im Jordan. Sie stellt sich im Fünften Evangelium dar in bezug auf das Erdenleben des Christus wie etwas, was gleich ist wie eine Empfängnis bei einem Erdenmenschen. Das Leben des Christus von da ab bis zu dem Mysterium von Golgatha verstehen wir, wenn wir es vergleichen mit demjenigen Leben, das der Menschenkeim im Leibe der Mutter durchmacht. Es ist also gewissermaßen ein Keimesleben der Christus-Wesenheit, das diese Wesenheit durchmacht von der Johannestaufe bis zum Mysterium von Golgatha. Das Mysterium von Golgatha selber müssen wir verstehen als die irdische Geburt, also den Tod des Jesus als die irdische Geburt des Christus. Und sein eigentliches Erdenleben müssen wir suchen nach dem Mysterium von Golgatha, da der Christus seinen Umgang gehabt hat, wie ich gestern angedeutet habe, mit den Aposteln, als diese Apostel in einer Art von anderem Bewußtseinszustand waren. Das war dasjenige, was der eigentlichen Geburt der Christus-Wesenheit folgte. Und was beschrieben wird als die Himmelfahrt und die darauf folgende Ausgießung des Geistes, das müssen wir bei der Christus-Wesenheit auffassen als dasjenige, was wir beim menschlichen Tode als das Eingehen in die geistigen Welten anzusehen gewohnt sind. Und das Weiterleben des Christus in der Erdensphäre seit der Himmelfahrt oder seit dem Pfingstereignis müssen wir vergleichen mit dem, was die Menschenseele durchlebt, wenn sie im sogenannten Devachan, im Geisterlande ist." (Lit.: GA 148, S 41)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Matthäus-Evangelium, GA 123 (1988)
  2. Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Forschung. Das Fünfte Evangelium, GA 148 (1992)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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