Vâc

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Vāk wird oft der Göttin Saraswati gleichgesetzt.

Vâc (auch Vâk; Sanskrit, Rede, Stimme) ist nach der Lehre der Veden, die auf die 7 heiligen Rishis zurückgeht, das Urwort, der Logos, aus dem die ganze Schöpfung hervorgegangen ist, vergleichbar dem schaffenden Weltenwort Honover der persischen Mythologie, und in diesem Sinn identisch mit dem Christus, von dem es zu Beginn des Johannes-Evangeliums heißt: Im Anfang war das Wort ... (Joh 1,1 LUT).

Im Hinduismus wird vâc auch mit der Göttin Saraswati identifiziert, der weiblichen Kraft (Shakti) Brahmas. Hervorgebracht wird sie dabei von Prajapati (Sanskrit प्रजापति, prajā-pati, Herr der Geschöpfe), der als androgyne Schöpfergottheit der Herr der Fortpflanzungskräfte und Beschützer des Lebens ist und die eigentlich tätige Schöpferkraft Brahmas darstellt und ursprünglich als Vishvakarman über den anderen vedischen Göttern stand. Er ist zugleich das männliche Schöpfungsprinzip, das das Weltenwort Vâc hervorbringt, das in der weiblichen Gestalt der Göttin Saraswati erscheint. Mit ihr als Gefährtin verbindet sich Prajapati, um den ganzen Reichtum der Schöpfung zu zeugen[1]. Nach Rudolf Steiner ist Vishvakarman identisch mit dem kosmischen Christus.

"Diese Urlehre enthielt ungefähr dasjenige, was wir heute kennenlernen als die Evolution der Menschheit durch die planetarischen Zustände von Saturn, Sonne, Mond, Erde, Jupiter, Venus, Vulkan. Die Geheimnisse der Evolution waren hineingeheimnißt in die sieben Glieder der Loge, von denen ein jedes eine Stufe im Fortschritt der Menschheit bedeutete.

Das sah der Schüler. Er sah es nicht nur, er hörte es sogar, wenn er sich erhob in das Devachan, in die devachanische Welt: denn diese Welt ist eine Welt des Tönens. Da hörte er den Sphärenklang der sieben Planeten. Er sah in der astralischen Welt das Bild; in der devachanischen Welt hörte er den Ton, und in der obersten, der höchsten der Welten, erlebte er das Wort. Wenn also der indische Schüler sich erhob in das obere Devachan, so nahm er durch die Sphärenmusik und durch das Sphärenwort wahr, wie der Urgeist Brahma sich gliedert durch die Evolution, in der siebengliedrigen Planetenkette, und er hörte das aus dem Urwort Vâc. Das war die Bezeichnung des Urtones der Schöpfung, den der Schüler hörte; darinnen hörte er die ganze Weltenentwickelung. Das in sieben Glieder gespaltene Wort, das Urwort der Schöpfung, das wirkte in der Seele des Schülers, das Urwort, das er den Nichteingeweihten ungefähr so beschrieb, wie wir heute beschreiben würden unsere Weltenevolution." (Lit.: GA 106, S. 56f)

"Dem indischen Schüler wurde die Menschengestalt, das Urbild, im oberen Devachan klar wahrnehmbar. Dann umhüllte es sich im niederen Devachan mit einer astralischen Hülle, die in sich die Kräfte hatte, Liebe zu entwickeln. Die Liebe, den Eros, nannte man Kama. So bekommt Kama einen Sinn für die Erdenentwickelung. Es kleidete sich das göttliche Wort, das Brahman, in Kama, und durch das Kama hindurch tönte dem Schüler das Urwort heraus. Das Kleid der Liebe war Kama, das Kleid des Urwortes Vâc, des Wortes Vâc, das dem lateinischen «vox» zugrunde liegt. Und so empfand der Schüler im innersten Wesen, daß sich das Gotteswort ein astralisches Liebeskleid umgelegt hatte, und nun sagte er sich: Der Mensch, der heute aus vier Gliedern besteht, aus dem physischen Leibe, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich, dieser Mensch hat als höchstes Glied sein Ich. Und dieses Ich stieg hinunter in das Liebeskleid und bildete sich Kama-Manas. Das war das innerste Wesen des Menschen, Kama war es, in das sich Manas kleidete: das war das Ich. Aber wir wissen auch, daß dieses innerste Wesen herausentwickeln wird drei Glieder, die höher sind, die wandeln die niederen Glieder um, wandeln auch den physischen Leib um, und wie das Manas aus der Astralhülle wird, wie dem Prana die Budhi auf höherer Stufe entspricht, so wird der physische Leib, wenn er ganz vergeistigt sein wird, Atma sein. Alles das war aber schon keimhaft veranlagt in der Vâc, und ein Vedasatz erinnert noch daran, wie der Schüler das Geheimnis des innersten Wesens zum Ausdruck brachte.

Wir wissen, daß der physische Leib auf dem Saturn, der Ätherleib auf der Sonne, der Astralleib auf dem Monde, und das Ich auf der Erde erst entstanden ist. Aber die wahre, ursprüngliche Menschenanlage, das Urwort Vâc, hatte auch schon die drei folgenden Glieder in sich. Drei höhere Glieder hat der Mensch noch zu erwarten, dann wird er erst ein getreues Abbild des Schöpfungswortes, des Urwortes sein. Und darauf sollte der Schüler hingewiesen werden, daß nur dem Eingeweihten die wahre Natur des physischen, ätherischen und astralischen Leibes klar sein konnte. Heute ist der Mensch er selbst nur, wenn er sein «Ich bin» ausspricht, wenn er das ins Auge faßt, was ganz sein eigen ist. Nur da ist er ganz Mensch. Die anderen Glieder sind zwar auch offenbar, aber da ist er noch unbewußt. Aber im vierten ist die Vâc offenbar geworden: «Im vierten spricht der Mensch!» Das war der Satz des Veda. Wenn das Wort des Ich ertönt, so tönt der vierte Teil der Vâc. Der Vedasatz hieß: «Vier Vierteile der Vâc sind bemessen; drei sind im Verborgenen bewahrt und rühren sich nicht; nur das vierte Vierteil sprechen die Menschen.»[2]" (Lit.: GA 106, S. 58f)

Anmerkungen

  1. Gerhard J. Bellinger, Knaurs Lexikon der Mythologie, Knaur 1999, Prajapati
  2. Rig-Veda 1.164.45 [1]

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Ägyptische Mythen und Mysterien, GA 106 (1992), ISBN 3-7274-1060-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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