Verklärung Christi

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Raffael, Transfiguration (Verklärung Christi), 1520.

Die Verklärung Christi, auch Transfiguration (lat. Umwandlung) Christi genannt, fand nach christlicher Tradition auf dem Berg Tabor statt. Sie wird nur bei den Synoptikern, nicht aber bei Johannes erwähnt: Mt 17,1-13 LUT, Lk 9,28-36 LUT, Mk 9,2-13 LUT. Bei Lukas heißt es:

"28 Und es begab sich, etwa acht Tage nach diesen Reden, dass er mit sich nahm Petrus, Johannes und Jakobus und ging auf einen Berg, um zu beten.29 Und als er betete, wurde das Aussehen seines Angesichts anders, und sein Gewand wurde weiß und glänzte. 30 Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm; das waren Mose und Elia. 31 Sie erschienen verklärt und redeten von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte. 32 Petrus aber und die bei ihm waren, waren voller Schlaf. Als sie aber aufwachten, sahen sie, wie er verklärt war, und die zwei Männer, die bei ihm standen. 33 Und es begab sich, als sie von ihm schieden, da sprach Petrus zu Jesus: Meister, hier ist für uns gut sein! Lasst uns drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Er wusste aber nicht, was er redete. 34 Als er aber dies redete, kam eine Wolke und überschattete sie; und sie erschraken, als sie in die Wolke hineinkamen. 35 Und es geschah eine Stimme aus der Wolke, die sprach: Dieser ist mein auserwählter Sohn; den sollt ihr hören! 36 Und als die Stimme geschah, fanden sie Jesus allein. Und sie schwiegen davon und verkündeten in jenen Tagen niemandem, was sie gesehen hatten." (Lk 9,28-36 LUT)

Die Verklärung des Leibes Christi entspricht dem Eingehen Buddhas in das Nirvana, nur beendet dieser damit seine irdische Wirksamkeit, während die des Christus damit eigentlich erst beginnt. Der Verklärungsleib, den der Buddha damals erhielt, wird in der östlichen Lehre als Sambhoakaya (Leib der Vollendung) bezeichnet.

Durch die Ereignisse auf dem Tabor wurde der Ätherleib des Jesus Christus so verklärt, dass er zum vollständigen Beleber des physischen Leibes werden konnte. Die Widersachermächte Luzifer und Ahriman, die zerstörerisch im Innern wirkten, wurden dadurch aus dem physischen Leib ausgestoßen:

„In dem Augenblick, wo der Ätherleib des Jesus von Nazareth, in dem der Christus jetzt war, ein vollständiger Beleber geworden war des physischen Leibes, da erschien der Ätherleib des Christus verklärt! Und der Schreiber des Johannes-Evangeliums schildert uns diesen Augenblick:

«Vater, verkläre deinen Namen! - Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verkläret, und will ihn abermal verklären. Da sprach das Volk, das dabei stand und zuhörte: Es donnert.»

Es wird gesagt: Diejenigen, die dabei standen, hörten donnern. Aber niemals wird gesagt, daß etwa ein Mensch, der nicht dazu vorbereitet gewesen wäre, es auch gehört hätte.

«Die anderen aber sprachen: Es redete ein Engel mit ihm. Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen.»

Warum? Damit rings um ihn herum verstanden werde, was geschehen ist. Und der Christus spricht über das, was geschehen ist:

«Jetzt gehet das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden.» (Joh 12,28-31 LUT)

Luzifer-Ahriman ist in diesem Augenblicke aus dem physischen Leib des Christus ausgestoßen worden! Das große Vorbild steht da, das sich in der Zukunft in der ganzen Menschheit vollziehen muß: Ausgestoßen werden müssen durch den Christus-Impuls die Hemmnisse von Luzifer-Ahriman aus dem physischen Leibe! Und des Menschen Erdenkörper muß so belebt werden durch den Christus-Impuls, daß die Früchte der Erdenmission mit hinübergenommen werden in jene Zeiten, welche die Erdenzeiten ablösen werden.“ (Lit.:GA 112, S. 238)

Damit wurde die Auferstehung des Christus durch das Mysterium von Golgatha vorbereitet, bei der auch dessen physischer Leib zum reinen, von allen Folgen des Sündenfalls geläuterten Phantomleib, zur rein geistigen Formgestalt des physischen Leibes erhöht wurde.

Der physische Leib, der am meisten von der „Verstofflichung“ befallen ist, wird mit dem Tod fast völlig abgestreift. Dabei ist daran zu erinnern, dass physischer Leib und stofflicher Leib nicht gleichbedeutend sind. Alles irdisch Stoffliche verfällt dem Grab, und das ist für das nachtodliche Leben kein Verlust. Aber wir verlieren eben auch wesentliche Teile unserer physischen Formgestalt – und das ist eine entscheidende Einbuße, denn gerade diese Formgestalt gibt uns jene feste Grenze, ohne die wir unser Selbstbewusstsein nicht weiterentwickeln können. Das einmal im irdischen Dasein erworbene Ichbewusstsein geht zwar nicht verloren, aber es kann im Leben nach dem Tod wegen des mangelnden Grenzerlebnisses nicht weiterentwickelt werden. Das geht erst wieder im nächsten Erdenleben. Damit der Mensch einmal aus dem Kreislauf der Wiedergeburten herauskommen und dauerhaft in ein geistigeres Leben übertreten kann, muss erstens seine Ich-Kraft gestärkt werden und zweitens seine Hüllennatur vor dem Verfall gerettet werden. Alle Verfehlungen, die wir im irdischen Leben begannen haben, schwächen unsere Ich-Kraft. In einem neuen Erdenleben können wir aber diese Fehler im Zuge des Schicksalsgeschehens selbst ausgleichen. Unsere Hüllen hingegen können wir nicht alleine aus eigener Kraft vor dem Sturz in die Finsternis bewahren. Dazu bedarf es der lichten Auferstehungskraft des Christus, die sich durch das Mysterium von Golgatha mit der Erdensphäre verbunden hat. Nur wenn wir uns mit dieser lichten Auferstehungskraft durchdringen, werden wir fähig, das strahlende Licht der geistigen Welt zu ertragen, ohne dass unser Ichbewusstsein durch ihren Glanz so überstrahlt wird, dass wir uns selbst vergessen und verlieren. Die Verklärung des Ätherleibs reicht nicht hin, um das Ichbewusstsein bis hinauf zum Nirvanaplan zu erhalten. Daher geht der Buddhismus davon aus, dass mit dem Eintritt ins Nirvana auch das Ich vollständig verweht. Richtig ist, dass das Ichbewusstsein spätestens im Nirvana völlig erlischt, solange der Mensch nicht der Auferstehungskräfte teilhaftig ist, was in vorchristlicher Zeit noch nicht möglich war. Erst durch das Mysterium von Golgatha hat sich die Situation grundlegend geändert. Grundsätzlich ist es von nun an möglich, dass der Mensch - freilich erst nach einem entsprechenden geistigen Entwicklungsweg durch alle noch folgenden irdischen Inkarnationen - vollbewusst seinen geistigen Wesenskern, sein wirkliches Ich, ergreift, das seinen Ursprung auf dem Nirvanaplan hat.

Durch die Verklärung Christi hat sich auch die kosmische Stellung Luzifers entscheidend geändert. Luzifer selbst, der bis dahin immer mehr in das Innere des Menschen eingezogen war, wurde nun, indem der Christus Einzug in den Menschen hielt, zum kosmischen Gott (Lit.: GA 113, S. 109ff). Damit begann auch eine allmähliche Loslösung des Ätherleibs von den Fesseln des physischen Leibes, doch würde der durchchristete Ätherleib zunehmend zerstört in dem äußeren Element, wenn er nicht von nun das Licht Luzifers von außen empfangen könnte.

"Was also geschieht eigentlich in unserer Menschheitsentwickelung? Da geschah und geschieht dieses, daß Christus und Luzifer, der eine als kosmischer, der andere als innermenschlicher Gott, nebeneinander gingen in alten Zeiten, daß man den einen sozusagen in den oberen Regionen, den anderen in den unteren Regionen fand, daß dann die Welt weiterschritt und für eine Zeit ferne von der Erde den Dionysos, den Luzifer wußte; daß man dafür aber das Erlebnis hatte, daß der kosmische Christus immer mehr hineindringt in die Erde, immer mehr durchsetzt die Seele, daß jetzt aber Luzifer wiederum sichtbar, wiederum erkennbar wird. Die Wege, die diese beiden göttlich-geistigen Wesenheiten gegangen, sind so: Sie nähern sich von zwei verschiedenen Seiten der Erde; der Luzifer wird unsichtbar, indem er sich mit dem Christus kreuzt; er wird gleichsam als das andere Licht überstrahlt von dem Christus-Licht. Früher fand man Christus als kosmische Wesenheit, den Luzifer als innermenschliche Wesenheit. Sie durchkreuzten ihren Weg. Der Christus zieht in die menschliche Seele ein, er wird zum planetarischen Erdengeiste, er wird immer mehr der mystische Christus in den Menschenseelen, er wird durch die inneren Erlebnisse vertieft und erkannt. Die Seele wird dadurch immer fähiger, wiederum zu schauen die andere Wesenheit, die den umgekehrten Weg gemacht hat, von dem Inneren in das Äußere hin. Der Luzifer wird aus einer innermenschlichen Wesenheit, einer rein irdischen Wesenheit, wo er gesucht worden ist in den Mysterien, die in das Unterreich führten, ein kosmischer Gott. Immer mehr wird er aufleuchten draußen in der Welt, die wir erblicken, wenn wir hindurchsehen durch den Teppich der Sinneswelt. Umgekehrt wird das Anschauen der Menschen. Hat man Luzifer gesehen hinter dem Schleier der inneren Seelenwelt, hat man den Christus gesehen, wie der Zarathustra, hinter der äußeren sinnlichen Welt, so wird man in der Zukunft den Christus immer mehr und mehr durch Versenkung und Verinnerlichung in das eigene Wesen erkennen können. Den Luzifer wird man finden, wenn man den Blick nach außen richtet in die kosmische Region.

So haben wir eine völlige Umkehr der menschlichen Erkenntnisverhältnisse im Laufe der menschlichen Entwickelung zu verzeichnen: der Christus ist geworden von einem kosmischen Gotte zu einem irdischen Gott, der die Seele der Erde ist in der Zukunft. Der Luzifer ist geworden von einem irdischen Gotte zu einem kosmischen Gott. Und will der Mensch in der Zukunft wiederum aufsteigen zu der äußeren geistigen Welt, die hinter dem Schleier der Sinneswelt verborgen ist, will er nicht bei dem stehenbleiben, was äußerlich, nur grobstofflich ist, dann muß er durch die Dinge der Sinneswelt hindurchringen in die geistige Welt; er muß sich in das Licht tragen lassen durch den «Licht-Träger». Und keine Fähigkeiten, da einzudringen, werden dem Menschen erstehen, wenn er diese Fähigkeiten nicht schafft aus den Kräften, die uns zufließen von Luzifers Reich. Die Menschheit würde in Materialismus versinken, immerfort in dem Glauben verharren, daß alles nur äußere materielle Welt ist, wenn sie nicht aufstiege zur Inspiration durch das luziferische Prinzip. Ist das Christus-Prinzip dazu berufen, unser Inneres stärker und stärker zu machen, so ist das luziferische Prinzip dazu berufen, unsere Fähigkeiten, die eindringen sollten in die Welt in vollem Umfange, zu schärfen, auszubilden. Immer stärker und stärker für das Begreifen und Erkennen der Welt wird uns Luzifer machen, immer stärker und stärker im Innern wird uns Christus machen." (Lit.: GA 113, S. 126ff)

Die Verklärung Christi im Taborlicht konnte nur von seinen engsten Schülern Petrus, Jakobus und Johannes geschaut werden, die durch ihre Einweihung über einen höheren Grad hellsichtiger Fähigkeiten verfügten, die bis zum Devachan hinauf reichten. Dazu ist zugleich auch Inspiration nötig, darum können sie auch die mächtige Stimme vernehmen, die Lukas (siehe oben) schildert. Darum spielt die Szene auch "auf dem Berg"; dieser Ausdruck ist nach Rudolf Steiner ein okkulter Hinweis auf die Inspiration. Tatsächlich ist die Inspiration in der Höhenluft der Berge leichter als anderswo zu vernehmen.

"Es handelt sich bei diesem Mysterium auf dem Berge Tabor um ein Ereignis, das sich «auf dem Berge» abspielte. «Auf dem Berge» ist ein Schlüsselwort, das bedeutet, daß der Meister seine Schüler in das Innerste führt, um ihnen dort die intimsten Lehren zu geben. Es steht da: «Die Jünger waren entrückt.» Das heißt, daß sie in höhere Welten geführt wurden. Da erschienen ihnen Elias, Moses und Jesus. Das bedeutet, daß eine Überwindung von Raum und Zeit stattfand. Die nicht mehr da waren, Moses und Elias, erschienen ihnen in dem devachanischen Zustande. Der Name Elias bedeutet so viel wie der Weg Gottes, das Ziel. Der Name Moses repräsentiert die Wahrheit. Moses ist die okkulte Bezeichnung für die Wahrheit. Jesus bedeutet das Leben. Da wurde sozusagen mit ehernen Worten in das Mentale geschrieben: «Der Weg, die Wahrheit und das Leben»." (Lit.: GA 97, S. 20f)

Dieser hohe Einweihungsgrad war den drei Aposteln dadurch zugekommen, dass Johannes der Täufer, der nach seiner Enthauptung sich als inspirierende Gruppenseele zunächst auf alle zwölf Apostel herabgesenkt hatte, nun besonders eng mit diesen dreien verbunden war. Den anderen neun Jüngern aber mangelt nun eine Kraft, darum waren sie auch nicht fähig, die Heilung des mondsüchtigen Knaben zu bewirken, die gleich im Anschluß an die Verklärung geschildert wird. Raffael stellt das in der "Transfiguration", seinem letzten Gemälde, sehr deutlich dar.

Bei den drei Aposteln sollten neue hellsichtige Fähigkeiten erwachen, die unabhängig von der Vererbung (dem Zeichen des Salomo), aber auch unabhängig von der Einweihung in die Mysterien (dem Zeichen des Jonas) sein, die mit dem dreitägigen mystischen Todesschlaf verbunden war:

"Die geistige Welt sollte den Jüngern offenbar werden ohne das Zeichen des Salomo und ohne das Zeichen des Jonas. In der Verklärungsszene werden die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes, in die geistige Welt hinaufgeführt und ihnen tritt entgegen, was in der geistigen Welt als Moses und Elias vorhanden ist, und zugleich das Geistige selbst, was in dem Christus Jesus lebt. Sie schauten für einen Moment in die geistige Welt hinein, um ein Zeugnis dafür zu bekommen, daß man ohne das Zeichen des Salomo und ohne das Zeichen des Jonas in die geistige Welt Einblick erhält. Aber zugleich zeigt sich, daß sie noch Anfänger sind; sie schlafen gleich ein, nachdem sie durch die Gewalt dessen, was geschieht, aus ihren physischen und Ätherleibern herausgerissen sind. Daher findet der Christus sie schlafend. Daran sollte gezeigt werden, welches die dritte Art, in die geistige Welt hineinzukommen, ist, außer der unter dem Zeichen des Salomo und der unter dem Zeichen des Jonas. Das wußte eben derjenige, der für die damalige Zeit die Zeichen der Zeit zu deuten verstand, daß das Ich sich entwickeln mußte, daß es jetzt unmittelbar inspiriert werden mußte, daß die göttlichen Kräfte unmittelbar in das Ich hineinwirken mußten." (Lit.: GA 114, S. 214)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das christliche Mysterium, GA 97 (1998), ISBN 3-7274-0970-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien, GA 112 (1984), ISBN 3-7274-1120-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Der Orient im Lichte des Okzidents, GA 113 (1982), ISBN 3-7274-1130-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Das Lukas-Evangelium, GA 114 (2001), ISBN 3-7274-1140-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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