Volk

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Jedes Volk (aus mhd. volc über ahd. folc , abgeleitet aus allgemein-germanisch fulka, „das [Kriegs-]Volk“, nachweislich belegt erstmals im 8. Jahrhundert nach Christus [1], bedeutet "viele" im Sinne vieler gleichartiger Leute), ist aus geistiger Sicht eine durch ein gemeinsames Schicksal verbundene Menschengemeinschaft, die eine besondere, einzigartige Mission innerhalb der gesamten Menschheitsgeschichte zu erfüllen hat.

Volk, Volksgeist und Volksseele

Siehe auch: Volksgeist und Volksseele

"In der äußeren Geschichte schildert man die äußeren Tatsachen. Und da steht eigentlich so ziemlich ein Volk neben dem anderen, weil man ganz abstrakt schildert. Dabei tritt diejenige Tatsache, welche eine fundamentale Tatsache ist für den, der die Menschheitsentwickelung verstehen will, ganz zurück: jene Tatsache nämlich, daß kein Volk in der Menschheitsentwickelung dieselbe Aufgabe hat wie ein anderes, sondern daß ein jedes Volk seine besondere Mission und seine besonderen Aufgaben hat. Ein jedes Volk hat zu dem Gesamtschatz, welcher der Erde durch die Menschheitsentwickelung geliefert werden soll, einen Teil beizutragen. Und jeder dieser Teile ist ein anderer, ein ganz bestimmter. Ein jedes Volk hat seine bestimmte Mission. Nun aber ist bis in die Details der physischen Verhältnisse hinein ein jedes Volk so beschaffen, daß es diesen Anteil, den es der gesamten Menschheit zu bringen hat, auch richtig bringen kann. Mit anderen Worten, die Leiber der Menschen, die zu einem Volke gehören, zeigen uns eine solche Ausgestaltung sowohl des physischen Leibes wie auch des Ätherleibes und des astralischen Leibes und eine solche Zusammenfügung dieser Leiber, daß sie das rechte Werkzeug werden können, damit jener Anteil zustande komme, den ein jedes Volk für die gesamte Menschheit zu leisten hat." (Lit.: GA 123, S. 18f)

Aus geistiger Sicht ist ein Volk also mehr als eine bloß äußere Gemeinschaft von Menschen, die durch eine gemeinsame Abstammung, Geschichte, Tradition und Kultur und durch ein gemeinsames Rechtsempfinden verbunden ist. Diese bildet gleichsam nur den äußeren Leib des Volkes. So wie beim Menschen sehr klar zwischen Leib, Seele und Geist unterschieden werden muss, so in einem höheren Sinn auch bei den Völkern. Durch das Volk offenbart sich der Volksgeist, der eine höhere geistige Realität darstellt. Die Volksgeister entstammen der Hierarchie der Erzengel, sodass man aus geisteswissenschaftlicher Sicht sagen kann:

„Ein Volk ist eine zusammengehörige Gruppe von Menschen, welche von einem der Archangeloi, einem der Erzengel geleitet wird.“ (Lit.:GA 121, S. 27)

"Wir sehen in der ganzen Natur Vorbilder des Zusammenwirkens von Einzelwesen in einem Ganzen. Nehmen Sie bloß den menschlichen Körper. Er besteht aus selbständigen Wesen, aus Millionen und Abermillionen von einzelnen selbständigen Lebewesen oder Zellen. Wenn Sie einen Teil dieses menschlichen Körpers unter dem Mikroskop betrachten, so finden Sie, daß er geradezu aus solchen selbständigen Wesen zusammengesetzt ist. Wie wirken sie aber zusammen? Wie ist dasjenige selbstlos geworden, das in der Natur ein Ganzes bilden soll? Keine unserer Zellen macht ihre Sonderheit in egoistischer Weise geltend. Das Wunderwerkzeug des Gedankens, das Gehirn, ist ebenfalls aus Millionen feiner Zellen gebildet, aber jede wirkt an ihrem Platze in harmonischer Weise mit den andern. Was bewirkt das Zusammenwirken dieser kleinen Zellen, was bewirkt es, daß ein höheres Wesen innerhalb dieser kleinen Lebewesen zum Ausdrucke kommt? Des Menschen Seele ist es, die diese Wirkung hervorbringt. Aber niemals könnte die menschliche Seele hier auf Erden wirken, wenn nicht diese Millionen kleiner Wesen ihre Selbstheit aufgeben und sich in den Dienst des großen, gemeinsamen Wesens stellen würden, das wir als die Seele bezeichnen. Die Seele sieht mit den Zellen des Auges, denkt mit den Zellen des Gehirns, lebt mit den Zellen des Blutes. Da sehen wir, was Vereinigung bedeutet. Vereinigung bedeutet die Möglichkeit, daß ein höheres Wesen durch die vereinigten Glieder sich ausdrückt. Das ist ein allgemeines Prinzip in allem Leben. Fünf Menschen, die zusammen sind, harmonisch miteinander denken und fühlen, sind mehr als 1 + 1 + 1 + 1 + 1, sie sind nicht bloß die Summe aus den fünf, ebensowenig wie unser Körper die Summe aus den fünf Sinnen ist, sondern das Zusammenleben, das Ineinanderleben der Menschen bedeutet etwas ganz Ähnliches, wie das Ineinanderleben der Zellen des menschlichen Körpers. Eine neue, höhere Wesenheit ist mitten unter den fünfen, ja schon unter zweien oder dreien. «Wo zwei oder drei in meinem Namen vereinigt sind, da bin ich mitten unter ihnen.» Es ist nicht der eine und der andere und der dritte, sondern etwas ganz Neues, was durch die Vereinigung entsteht. Aber es entsteht nur, wenn der einzelne in dem andern lebt, wenn der einzelne seine Kraft nicht bloß aus sich selbst, sondern auch aus den andern schöpft. Das kann aber nur geschehen, wenn er selbstlos in dem andern lebt. So sind die menschlichen Vereinigungen die geheimnisvollen Stätten, in welche sich höhere geistige Wesenheiten herniedersenken, um durch die einzelnen Menschen zu wirken, wie die Seele durch die Glieder des Körpers wirkt.

In unserem materialistischen Zeitalter wird man das nicht leicht glauben, aber in der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung ist es nicht bloß etwas Bildliches, sondern im höchsten Grade Wirkliches. Daher spricht der Geisteswissenschafter nicht bloß von abstrakten Dingen, wenn er von dem Volksgeist oder von der Volksseele oder von dem Familiengeist oder von dem Geiste einer andern Gemeinschaft spricht. Sehen kann man diesen Geist nicht, der in einer Vereinigung wirkt, aber da ist er, und er ist da durch die Bruderliebe der in dieser Vereinigung wirkenden Persönlichkeiten. Wie der Körper eine Seele hat, so hat eine Gilde, eine Bruderschaft auch eine Seele, und ich wiederhole noch einmal, es ist das nicht bloß bildlich gesprochen, sondern als volle Wirklichkeit zu nehmen." (Lit.: GA 054, S. 191ff)

Volksseele und Volksgeist sind nicht dasselbe. In der Volksseele leben sich die einem Volk gemeinsamen charakteristischen Empfindungen, Stimmungen, Sympathien und Antipathien und Gewohnheiten aus. Sie ist die seelische Atmosphäre, in die alle Mitglieder eines Volkes mehr oder weniger stark eingebunden sind. Diese unverwechselbare grundlegende Seelenstimmung eines Volkes verändert sich im Laufe der Zeiten, sie macht einen Entwicklungsprozess durch und wird nach und nach veredelt. Dazu bedarf es aber der schöpferisch-inspirierenden Tätigkeit des Volksgeistes, die von einzelnen hervorragenden menschlichen Individuen - von Künstlern, Weisen oder bedeutenden Volksführern - aufgenommen und der Volksseele einverleibt werden. Dabei vermitteln die Angeloi (der Genius des Menschen, in dessen Schoß das höhere Selbst, das Geistselbst des Menschen ruht, solange er es sich noch nicht ganz zu eigen gemacht hat) zwischen dem Volksgeist und dem einzelnen Menschen.

Die Archangeloi, als normal entwickelte Volksgeister, bilden die Ätheraura des Erdgebietes, in dem ein Volk lebt. Sie wirken auch auf den Ätherleib bzw. die Verstandes- und Gemütsseele des Menschen und die im Ätherleib sitzenden Temperamente (außer dem melancholischen Temperament!). Die Volksgeister wirken aber nicht bis in das Physische hinein. Teilweise bis ins Physische des Menschen, nämlich bis in die Sprachwerkzeuge, wirken aber abnorme ahrimanische Archangeloi, die auf der alten Sonnenstufe zurückgebliebene Exusiai sind. Die Volkssprache ist also keine reine Gabe der regelrechten Volksgeister, sondern der ahrimanischen Archangeloi!

Die regelrecht entwickelten Zeitgeister wirken bis in den physischen Leib des Menschen bzw. bis in die physische Konfiguration der Erde hinein. Sie führen namentlich im menschlichen Leben wie zufällig erscheinende äußere physische Begebenheiten herbei, durch die der menschliche Fortschritt impulsiert wird (etwa Galilei und die schwingende Lampe; Newton und der fallende Apfel; die Kinder, die durch ihr Spiel mit geschliffenen Glaslinsen die Erfindung des Teleskops anregen). Es greifen aber auch abnorme Archai ein, die eigentlich auf dem alten Mond zurückgebliebene Exusiai sind. Sie prägen innerlich das menschliche Gehirn so, dass sich daraus die charakteristische Denkart eines bestimmten Zeitalters ergibt.

Alle diese Einflüsse zusammen bestimmen den typischen Charakter eines Volkes. Rudolf Steiner hat dazu einige exemplarische Beispiele gegeben:

Beim urindischen Volk standen alle diese regelrechten und abnormen Kräfte in einem sehr harmonischen Verhältnis, woraus sich z.B. die geistige Urgewalt der Sanskrit-Sprache erklärt.

Beim nordamerikanischen Volk hat der Einfluss des abnormen Archai ein starkes Übergewicht - und diese abnormen Archai wirken nicht auf Weiterentwicklung hin.

Beim deutschen Volk wurden die Impulse des Volksgeistes immer wieder sehr stark von den abnormen Zeitgeistern durchkreuzt. Dadurch zerfällt das Volk immer wieder in einzelne Gruppen mit speziellen Aufgaben. Die Neigung, eine geschlossene Nation zu bilden, ist hier geringer ausgeprägt als bei vielen anderen Völkern. Die Abspaltung des holländischen vom deutschen Volksgeist wurde unmittelbar durch den führenden Zeitgeist bewirkt. Ähnlich kam auch die Abspaltung des portugiesischen vom spanischen Volkstum zustande.

Der Erzengel Michael, der gerade seinen Aufstieg zum Zeitgeist durchmacht, wirkt derart, dass künftig die Trennung der Menschheit in einzelne Nationen überwunden wird. Dadurch werden auch nach und nach die Volkssprachen an Bedeutung verlieren und auf höherer Ebene wird eine Menschheitssprache entstehen, in der auf neue durchchristete Weise die gemeinsame Ursprache der Menschheit wieder lebendig wird.

Volkstemperamente

Das italienische Volke verbindet mit seinem Volksgeist über das Luftelement und den Atmungsprozess, das französische Volk über das Wasserelement, das britische Volk über das fest Erdelement, namentlich über das Salzartige, und das deutschen Volkes über die äußere und innere Wärme. Der amerikanische Volksgeist wirkt über die elektrischen und magnetischen Kräfte der Erde und der russische Volksgeist über das besonders durch die Vegetation der Erde zurückgestrahlte Sonnenlicht, also über den Lichtäther, das direkt auf das Haupt wirkt. Bei den asiatischen Völkern wirkt der Volksgeist nicht nur über das Licht sondern auch über den Klangäther und zwar ebenfalls direkt auf das Haupt. Modifiziert wird diese Wirkung aber durch den Atmungsrhythmus von unten her, was dann durch die Atemtechniken des Yoga noch besonders geschult wird (Lit.: GA 174a, S. 258ff, GA 181, S. 149ff).

"In realem Sinne kann man von einem Volkstemperament sprechen. Völker haben wirklich ihre Temperamente, doch der einzelne kann sich gut herausheben aus dem Volkstemperament, es wirkt nicht prädisponierend auf das Individuum. Man muß darauf Rücksicht nehmen, daß man ja nicht die Individualität des einzelnen identifiziert mit dem Temperament des ganzen Volkes. Es würde zum Beispiel ganz falsch sein, wenn man den Russen als einzelnen von heute identifizierte mit dem Temperament des russischen Volkes. Dieses wäre melancholisch, während der einzelne Russe als solcher heute vielleicht mehr sanguinisch ist. Jeder hat die Möglichkeit, zu seinem eigenen Temperament zu kommen.

Die Art des Volkstemperamentes drückt sich selbst in den einzelnen Sprachen aus. Man kann daher durchaus sagen: die Sprache des einen Volkes ist so, die des anderen so. Man kann sagen: Die englische Sprache ist durchaus phlegmatisch und die griechische im eminentesten Sinne sanguinisch. Solche Dinge lassen sich durchaus als Bezeichnung von realen Wirklichkeiten sagen. Die deutsche Sprache hat, wie ja im Deutschen vielfach ein Mittelding gegeben ist, sehr starke melancholische und sehr starke sanguinische Züge. Das können Sie sehen, wenn die deutsche Sprache in ihrer Grundform zum Ausdruck kommt, wie namentlich in der mehr philosophischen Rede. Ich erinnere an die wunderbare Prägung der philosophischen Rede bei Fichte und an einzelne Stellen von Hegels «Ästhetik». Da werden Sie finden, daß da der Grundcharakter der deutschen Sprache ganz besonders deutlich zum Ausdruck kommt.

Der italienische Volksgeist hat eine besondere Verwandtschaft mit der Luft; der französische einen besonderen Zusammenhang mit allem Flüssigen; der englisch-amerikanische, namentlich der englische, einen Zusammenhang mit dem Festen, der amerikanische sogar mit dem Unterirdischen, nämlich mit dem Erdmagnetismus und der Erdelektrizität. Dann der russische mit dem Licht, aber mit dem von der Erde, von den Pflanzen zurückgestrahlten Licht. Der deutsche mit der Wärme, von der Sie gleich finden werden, daß sie einen Doppelcharakter hat: nämlich innere und äußere, Blutwärme und atmosphärische Wärme. Da finden Sie gleich einen polarischen Charakter, auch bei der Zuteilung zu diesen Elementarzuständen. Auch da finden wir dieses Polarische, dieses Zwiespältige des deutschen Wesens, das also in allem drinnen ist." (Lit.: GA 295, S. 54f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Welträtsel und die Anthroposophie, GA 54 (1983), Berlin, 23. November 1905 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Die Mission einzelner Volksseelen, GA 121 (1982), Kristiania (Oslo), 7. bis 17. Juni 1910 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Das Matthäus-Evangelium, GA 123 (1988), Erster Vortrag, Bern, 1. September 1910 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Mitteleuropa zwischen Ost und West, GA 174a (1982), ISBN 3-7274-1741-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Erdensterben und Weltenleben. Anthroposophische Lebensgaben. Bewußtseins-Notwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft, GA 181 (1991), ISBN 3-7274-1810-9 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Erziehungskunst. Seminarbesprechungen und Lehrplanvorträge, GA 295 (1984), ISBN 3-7274-2950-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

  1. GA 121: Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie - Der gesamte Text online.

Einzelnachweise

  1. Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage