Voluntarismus

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Zwölf Weltanschauungen und sieben Weltanschauungsstimmungen.

Der Voluntarismus (von lat. voluntas, Wille; auch Thelismus), die Willensphilosophie, ist eine philosophische Richtung, die für alle sozialen und psychischen Vorgänge das Primat des Willens gegenüber der bloßen Verstandestätigkeit betont. Er wird zum metaphysischen Voluntarismus, wenn der Wille darüber hinaus als grundlegender Seinsfaktor des ganzen, auch außermenschlichen Weltgeschehens angesehen wird. Diesen Standpunkt hat insbesonders Arthur Schopenhauer in seinem philosophischen Hauptwerk «Die Welt als Wille und Vorstellung» vertreten. Eine etwas andere Variante der Willensphilosophie hat der Dichterphilosoph Robert Hamerling in seiner «Atomistik des Willens» ausgearbeitet.

Nach Rudolf Steiner ist der Voluntarismus eine der sieben möglichen grundlegenden Weltanschauungsstimmungen:

"Eine dritte Stimmung der Seele, die Weltanschauungen macht, können wir zum Beispiel bei Schopenhauer studieren. Während Hegels Seele, wenn er hinschaut auf die Welt, so gestimmt ist, daß zunächst in dieser Hegel-Seele alles, was in der Welt Begriff ist, als der Logismus sich ergibt, faßt Schopenhauer durch die besondere Stimmung seiner Seele alles das in der Seele auf, was willensartig ist. Für ihn sind die Naturkräfte Wille, die Härte des Steines ist Wille, alles, was Realität ist, ist Wille. Das kommt aus der besonderen Stimmung seiner Seele. Nun kann man eine solche Weltanschauung des Willens, solche Weltanschauungsstimmung des Willens wiederum wie einen Planeten betrachten, der durch alle zwölf Geistes-Tierkreisbilder geht. Ich will diese Weltanschauungsstimmung Voluntarismus nennen. Es ist die dritte Weltanschauungsstimmung. Schopenhauer war Voluntarist, und er war in seiner Seele vorzugsweise so konstituiert, daß er sich aussetzte dem Geistes-Sternbilde des Psychismus. So entstand die eigentümliche Schopenhauersche Willensmetaphysik: Voluntarismus im Geistes-Sternbilde des Psychismus.

Nehmen Sie einmal an, es würde jemand Voluntarist sein und besonders hinneigen zu dem Geistes-Sternbilde des Monadismus. Dann würde er nicht wie Schopenhauer so eine Einheitsseele, die eigentlich Wille ist, der Welt zugrunde legen, sondern er würde viele Monaden, die aber Willenswesen sind, der Welt zugrunde legen. Diese Welt des monadologischen Voluntarismus hat in schönster, scharfsinnigster und, ich möchte sagen, innigster Weise der österreichische Dichterphilosoph Hamerling ausgebildet. Wodurch ist die eigentümliche Lehre, die Sie in der «Atomistik des Willens» von Hamerling haben, zustande gekommen? Dadurch, daß seine Seele voluntaristisch gestimmt war und er sich vorzugsweise ausgesetzt hat dem Geistes-Sternbilde des Monadismus. Wenn wir Zeit hätten, könnten wir für jede Seelenstimmung in jedem Sternbilde Beispiele anführen. Sie finden sich in der Welt." (Lit.: GA 151, S. 53f)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Der menschliche und der kosmische Gedanke, GA 151 (1990), ISBN 3-7274-1510-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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