Weltschulverein

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„Im Grunde genommen müßten aus allen Nationen diejenigen Menschen, die heute einsehen, daß ein freies, emanzipiertes Geistesleben dem Erziehungs-, dem Schulsystem zugrunde liegen muß, sich vereinigen zu einem internationalen Weltschulverein, der mehr wirklich reale Lebenskräfte zur Einigung der Völker bringen würde als mancher andere Bund, der aus alten Verwaltungsgrundsätzen und aus alten abstrakten Prinzipien heraus heute gegründet wird. Ein solcher Völkerbund, wie er liegen würde spirituell-geistig in einem Weltschulverein, würde die Menschen über das weite Erdenrund in einer großen, einer Riesenaufgabe für ein Stück zusammenführen.

Es handelt sich darum, daß im Verlaufe der neueren Zeit mit Recht aus den alten Konfessionen heraus der moderne Staat die Schule übernommen hat. Aber dasjenige, was dazumal, als der Staat dieses geleistet hat, ein Segen war, das würde fernerhin kein Segen sein, wenn es so bliebe. Der Staat kann nicht etwas anderes aus der Schule machen als seinen Diener. Er kann Theologen als Staatsbeamte, Juristen und so weiter als Staatsbeamte ausbilden lassen. Wenn aber das Geistesleben auf seinem eignen Grund und Boden stehen soll, so muß jeder Lehrende und Erziehende einzig und allein verantwortlich sein der geistigen Welt, zu der er aufschauen kann aus anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft heraus. Ein Weltschulverein müßte gegründet werden auf ganz internationalem Boden von seiten aller derjenigen, welche auf der einen Seite Verständnis haben für ein wirklich freies Geistesleben, und auf der anderen Seite Verständnis haben für dasjenige, was die Zukunft der Menschheit in sozialer Beziehung fordert. Ein solcher Weltschulverein wird allmählich über die ganze zivilisierte Welt hin die Anschauung erzeugen, daß die Schulen wiederum frei sein müssen; daß in den Schulen die freie Lehrerschaft auch die Verwaltung selber besorgen muß. In solchen Dingen kann man nicht so kleinlich und philiströs denken, wie viele denken. Sie sagen: Werden denn in diese freien Schulen die Kinder auch hineingeschickt werden? - So darf man nicht denken. Man muß sich klar sein: Diese freie Schule ist eine Forderung der Zukunft. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, wie man die Kinder, selbst wenn es auch in der Zukunft noch abgeneigte Eltern geben sollte, in die Schule hineinbringt ohne Staatszwang. Es handelt sich nicht darum, daß man sagt: Es ist die freie Schule aus einer solchen Rücksicht heraus zu bekämpfen; sondern es handelt sich darum, daß man Mittel und Wege für die freie Schule findet, trotzdem vielleicht von dieser Seite her manches gegen sie spricht, was eben in der entsprechenden Weise dann ausgebildet werden muß. Ich bin überzeugt davon, daß die wichtigste Angelegenheit für die soziale Menschheitsentwickelung die Begründung eines solchen Weltschulvereins ist, der in den weitesten Kreisen den Sinn für reales, konkretes, freies Geistesleben erweckt. Wenn solche Stimmung über die Welt hin existieren wird, dann wird man nicht Waldorfschulen als Winkelschulen errichten müssen, die von Staatsgnaden bestehen, sondern dann werden die Staaten gezwungen sein, da wo freies Geistesleben wirklich Schulen begründet, aus ihren eigenen Bedingungen heraus diese Schulen voll anzuerkennen, ohne von staatlicher Seite aus irgendwie hineinzureden.“ (Lit.:GA 304, S. 56f.)

„Der Weltschulverein kann alle Kultureinrichtungen finanzieren, wenn er in der richtigen Weise verstanden wird... Daher kommt es darauf an, daß in einer gewissen Weise vorbereitet werde diese Begründung des Weltschulvereines, den wir als etwas Universelles haben werden, daß Stimmung gemacht werde für diesen Weltschulverein. Und ich möchte daher meinen, daß es das beste wäre, wenn Sie in Ihre Entschlüsse, in Ihre stärkste Initiative das aufnehmen werden, daß Sie an jeden herantreten, der Ihnen zugänglich ist, und ihn überzeugen davon, daß dieser Weltschulverein verbreitet werden muß über alle Länder, daß an ihm es hängt, das Geistesleben zu emanzipieren. Daß er finanzieren muß soviele freie Schulen über die ganze Erde hin, als irgend möglich ist. Die Emanzipation des Geisteslebens muß eben im größten Stile betrieben werden. Wir müssen dahin kommen, uns von dem zu emanzipieren, was uns im Grunde genommen geistig knechtet. Das können wir aber nur, wenn wir Stimmung dafür machen. Die Tyrannis ist ja größer, als man meint. Von einem Orte Europas aus werde ich diese Begründung des Weltschulvereins selber versuchen zu inaugurieren. Aber was vorangehen muß, das ist: Stimmung dafür zu machen. Denn man kann heute nicht etwas erreichen dadurch, daß man Gruppen bildet von zwölf, fünfzehn Leuten, die die Sachen ausarbeiten. Sondern darauf kommt es an, daß wir möglichst verbreiten diese Idee: ein Weltschulverein muß entstehen.“ (Lit.:GA 217a, S. 38f.)

„Und nur weil eben das Geistesleben vor allen Dingen vom Schulwesen aus in Angriff genommen werden muß, deshalb wäre es so wünschenswert, daß dieser Weltschulverein begründet werden könnte, der gar nicht so schwer zu begründen wäre, wenn der Wille für ihn vorhanden ist. Er muß aber nicht ein kleineres oder größeres Komitee sein, sondern er muß so begründet werden, daß seine Mitgliederschaft unübersehbar ist. Erst dann hat er einen Wert. Er darf - ich will dazu keine Ratschläge geben, denn das, was ich darüber zu sagen habe, habe ich hinlänglich gesagt -, er darf selbstverständlich einem Einzelnen überhaupt gar keine besonderen Opfer auferlegen. Er muß da sein, um Stimmung zu machen für dasjenige, wofür heute Stimmung so dringend notwendig ist!“ (Lit.:GA 76, S. 199f.)

Siehe auch

Literatur

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