Wesensglieder der Toten

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Wesensglieder der Toten (siehe auch → Wesensglieder) sind anders geartet als die des irdisch verkörperten Menschen. Die niederen Wesensglieder, die das menschliche Ich während des Erdenlebens umhüllen, werden nach dem Tod schrittweise abgelegt. Unmittelbar mit dem Tod wird der physische Leib abgestreift. Zwei bis drei Tage nach dem Tod, während denen der Tote sein vergangenes Erdenleben in einem großen Lebenspanorama überschaut, wird auch der Ätherleib bis auf einen kleinen Rest der allgemeinen Ätherwelt übergeben. In der darauf folgenden Läuterungszeit im Kamaloka, die etwa ein Drittel des letzten Erdenlebens ausmacht, und dem sich daran anschließenden Aufstieg bis zur Sonnensphäre, wird der größte Teil des Astralleibes der allgemeinen Astralwelt übergeben. Damit werden aber auch die seelischen Wesensglieder abgestreift, die der Mensch im Erdenleben aufgebaut hat - die Empfindungsseele, die Verstandes- oder Gemütsseele und auch der größte Teil der Bewusstseinsseele, soweit diese noch kein klares Bewusstsein für die geistige, sondern nur für die sinnliche Welt entwickelt hat.

Wenn der Mensch im Leben zwischen Tod und neuer Geburt von der Astralwelt in die eigentliche geistige Welt, in das Devachan, übertritt, ist das Ich das unterste Wesensglied des Toten.

Indem der Mensch nach dem Tod stufenweise seine niederen Wesensglieder ablegt, wird er ebenso stufenweise von höheren geistigen Wesensgliedern umhüllt, die ihm von der geistigen Welt verliehen werden. Nachdem der Tote den Ätherleib abgelegt hat, wird er von einer Art Geistselbst umhüllt, das aber noch nicht jenes Geistselbst ist, das sich der Mensch später im Laufe der Weltentwicklung durch seine eigene Ich-Tätigkeit erwerben wird. Um Verwechslungen auszuschließen, hat Rudolf Steiner dafür auch den Ausdruck Seelenselbst gebraucht. Dieses dem Toten verliehene Geistselbst gibt ihm eine Art Triebkraft, durch die er während der Läuterungszeit sein vergangenes Erdenleben vom Tod bis zur Geburt zurückerleben kann.

Nach dem Kamaloka wird der Tote auch von Lebensgeist umhüllt, den Rudolf Streiner, wieder um Verwechslungen auszuschließen, auch als Lebensseele oder Seelenleben bezeichnet hat. Dieser Lebensgeist führt uns herum in der geistigen Welt, und zwar so, dass wir im rhythmischen Wechsel immer wieder die selben geistigen Orte besuchen, aus denen wir die geistigen Kräfte schöpfen können, die wir für unser nächstes Erdenleben brauchen.

Zuletzt werden wir auch noch mit einem Seelenmenschen umkleidet, der dem Geistesmenschen entspricht, den wir aus eigener Kraft aber erst auf dem künftigen Vulkan entwickelt haben werden.

Da der Mensch gegenwärtig sein Ich nur dadurch entwickelt, dass er umgestaltend an seinen irdischen Wesensgliedern arbeitet, diese ihm aber im nachtodlichen Leben fehlen, so ist eine weitere Entwicklung des Ich im rein geistigen Dasein vorerst nicht möglich. Allerdings reift alles das, was wir im Erdenleben geistig erstrebt haben, auf dem nachtodlichen Weg durch die geistige Welt erst vollends aus und kann von da aus inspirierend auf die auf Erden lebenden Menschen wirken. Das gibt dem irdisch verkörperten Dasein seine ganz besondere Bedeutung, und der Mensch wird solange immer wieder zu einer neuen irdischen Verkörperung heruntersteigen, solange diese Bedingungen gegeben sind.

„Wenn man die Vorgänge, die nun der Mensch bewußt durchlebt, nachdem er durch die Pforte des Todes gegangen ist, sich richtig verständnisvoll vor die Seele rücken will, so muß man das folgende berücksichtigen. Die Götter, das heißt die geistigen Wesen, welchen wir begegnen - ich möchte sagen aus den verwandelten, metamorphosierten Sternen - , die leben in einer ganz anderen kosmischen Richtung als wir Erdenmenschen während unseres Erdendaseins. Ich sage damit eine sehr bedeutsame Wahrheit über die geistigen Welten, eine Wahrheit, die nur gewöhnlich selbst da, wo mehr theoretisch und weniger anschaulich von den geistigen Welten die Rede ist, nicht berücksichtigt wird. Wir Erdenmenschen tragen in unserem Erdendasein dann, wenn wir bewußt sind, einen physischen und einen ätherischen Leib an uns. Dieser physische und dieser ätherische Leib sind so eingerichtet, daß wir unser Erleben so haben, daß wir von dem Früheren zu dem Späteren leben, daß wir uns also in der Zeit in einer gewissen Strömung befinden. Ich will diese Strömung mit einer roten Pfeillinie bezeichnen (siehe Schema a). Das ist die Eigentümlichkeit unseres physischen und Ätherleibes, daß sie im Kosmos diese Richtung haben (roter Pfeil von links nach rechts). Wenn dieses (siehe Schema b) unser physischer Leib ist (Kreis rot) und dieses unser Atherleib (Kreis gelb), so bewegen sich physischer Leib und Atherleib in dieser Richtung (Pfeil b von links nach rechts). Und unser ganzes Erleben in der Welt geschieht, sofern wir Menschenwesen sind, in dieser Richtung.

Zeichnung aus GA 227, S. 210

Diejenigen Wesenheiten, denen wir begegnen, wenn wir in das Dasein hinaufrücken zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, wo wir das Erleben realisieren, was wir hier während des Schlafes im Bilde erleben, bewegen sich in der entgegengesetzten Richtung. Sie kommen uns fortwährend entgegen. So daß im Verhältnis zu dem, was wir im Erdenleben die Zeit nennen, wir sagen müssen: Die Götter tragen Geistleiber an sich, meinetwillen Lichtleiber, mit denen sie sich aber von der fernsten Zukunft gegen die Vergangenheit hinbewegen. So daß also die Götter sich in dieser Richtung bewegen (Pfeil von rechts nach links, Schema c).

Zeichnung aus GA 227, S. 210

Und wenn wir in die Zeit eintreten, die wir verbringen zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, so nehmen wir ebenso, wie wir hier auf Erden aus den physischen Substanzen unseren physischen Leib annehmen, beim Durchgange durch die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt die göttlichen Leiber an. Wir umkleiden uns da mit den göttlichen Leibern; wir umkleiden uns da mit dem göttlichen Leibe desjenigen, was ich in meiner «Theosophie» den Geistesmenschen und den Lebensgeist genannt habe. So daß also wir selber, indem wir durch die Pforte des Todes treten, anlegen einen Lebensgeist (weiß) und einen Geistesmenschen (grün), aber dadurch die umgekehrte Richtung im Weltenall bekommen und nach dem Tode zunächst unser Leben zurückleben bis zu der Geburt, beziehungsweise bis zur Empfängnis hin.

Wir sind also im Leben hier auf Erden von der Geburt oder Empfängnis gegangen - wenn ich dasjenige, was gerade verläuft, nun als Kreis zeichne, um uns die Sache zu verdeutlichen -,

Zeichnung aus GA 227, S. 211

wir sind gegangen während unseres Erdendaseins in dieser Richtung (obere Hälfte des Kreises) und gehen nach dem Erdendasein in dieser Richtung zurück (untere Hälfte des Kreises) bis zu unserem zeitlichen Geburts- oder Empfängnisorte [...] Wir haben den ersten Umkreis vollendet von denjenigen Umkreisen, die wir nach dem Tode zu vollenden haben.“ (Lit.:GA 227, S. 209ff)

Der erste Zyklus wird im Kamaloka, d.h. in der Mondensphäre durchlebt und dauert etwa ein Drittel der Lebenszeit des vergangenen Erdenlebens. Daran schließen sich beim zum Aufstieg zur Weltenmitternacht drei weitere Zyklen an, die nach dem ursprünglichen kosmischen Maß etwa 12 mal solange dauern, heute aber meist wesentlich schneller durchlaufen werden. Beim Abstieg zur neu Geburt werden dann ebenfalls wieder drei ihnen entsprechende, etwa gleichlange Zyklen absolviert (Lit.:GA 227, S. 246).

„Solche Kreisbewegungen, die natürlich so, wie ich sie gezeichnet habe, figürlich gemeint sind, denn man bewegt sich ja in der Sphäre der Eindimensionalität, macht der Mensch in seinem Lebenslauf zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wiederholt durch. Und geradeso wie dieser Kreislauf - hingehend von der Geburt bis zum Tode, zurückgehend von dem Tode bis zur Geburt - , so verlaufen hingehend und hergehend Kreisläufe in dem ganzen Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, aber so, daß immer ein Gradunterschied ist im Erleben zwischen dem Hingang und dem Hergang. Hier bei diesem ersten Rad der Geburt liegt ja der Unterschied vor, daß wir den hingehenden Teil erleben bis zum physischen Tode und dann den anderen, den hergehenden Teil unmittelbar in der Zeit, die sich an den physischen Tod anschließt und die dauert, wenn wir sie bemessen würden nach der Zeit hier auf Erden, ein Drittel der irdischen Lebensdauer. Dann ist dieses erste Rad der Geburt vollendet. Dann schließen sich andere an, und wir vollenden solche Räder, Zirkel, bis wir angelangt sind an einer ganz bestimmten Stelle, von der aus wir den Rückweg, die Rückwanderung antreten können in der Art, wie ich das dann morgen schildern werde. Wir vollenden solche Räder, bis wir angelangt sind an demjenigen Punkte unseres gesamten kosmischen Erlebens, der da andeutet den letzten Tod, den wir erlebt haben in unserer vorhergehenden Erdeninkarnation.“ (S. 215)

„Wenn ich diese Kreise weiterzeichnen würde, von hier aus also weiter verlaufend, so würde immer der Hingang entsprechen einem Leben nach dem Tode, indem der Mensch mit seinem ganzen Wesen mehr in dem Kosmos aufgeht, indem er das Bewußtsein hat, er lebt eigentlich in der kosmischen Welt, er ist eins mit der kosmischen Welt.

Zeichnung aus GA 227, S. 216

Der Hergang entspricht immer dem, wenn der Mensch aus der kosmischen Welt gewissermaßen in sich zurückkehrt, daß er dasjenige, was er erst im Kosmos erlebt hat, in sich nun verarbeitet, mit seinem Selbst verbunden erlebt. Wie wir hier im Erdenleben durchleben müssen, damit wir ein gesundes Erdendasein haben, den Wechsel zwischen Schlafen und Wachen, so müssen wir in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt immer wiederum gewissermaßen ein solches Ausfließen in den Kosmos erleben, wo wir uns so groß, so umfassend fühlen, wie der Kosmos ist, wo wir die Gebilde und die Tatsachen des Kosmos als unsere eigenen Gebilde und eigenen Tatsachen empfinden, wo wir uns so weit mit dem Weltenall identifizieren, daß wir sagen: Dasjenige, was du mit deinen sinnlichen Augen angeschaut hast, als du noch ein Erdenbürger warst, das dir da in seinem sinnlichen Abglanz als der Kosmos der sinnlichen Sterne entgegengeschaut hat, in dem lebst du jetzt drinnen. Aber es sind nicht die physischen Sterne, es sind die göttlich-geistigen Wesenheiten, die ihr Dasein mit deinem Dasein verbinden. Du bist gewissermaßen aufgelöst in das kosmische Dasein. In dir leben die göttlich-geistigen Wesen des Kosmos. Mit denen hast du dich zu identifizieren.“ (S. 216f)

„Dann folgen auf solche Zeiten, in denen wir gewissermaßen zum Weltenall anwachsen, uns mit dem Weltenall identifizieren, andere Zeiten, in denen wir uns zurückziehen in unser eigenes Selbst, gewissermaßen an einen einzigen Punkt, den Punkt unseres Selbstes zurückziehen, wo wir wie in einer kosmischen Erinnerung das alles nun in uns, mit uns als in unserem Selbst vereinigt empfinden, was wir erst ausgegossen in den ganzen Kosmos erlebt haben. Wir fühlen gewissermaßen dieses Rad der Geburt so, daß es eigentlich immer ein Wirbel ist, daß wir dasjenige, was wir mit dem Kosmos erleben, wie da draußen erleben, dann uns aber in unser Selbst zurückziehen und in unserem Selbst den kleineren Dritteil erleben; dann geht es wiederum hinaus; dann folgt wiederum das Zusammenziehen in der Spirale. So daß dieses «Rad der Geburten» auch als eine Spiralbewegung geschildert werden kann, die sich immer wieder und wieder in sich zurückzieht.

Zeichnung aus GA 227, S. 217

So ist das Fortschreiten in dem Selbsterleben und in der Selbstentäußerung zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. So wie man die irdischen Ereignisse schildern würde im Ablauf von je vierundzwanzig Stunden, und man da drinnen nur schildern würde: die Menschen schlafen und wachen -, so hat man damit dasjenige geschildert, was sich nun für die geistige Welt im Durchgange des Menschen vom Tod zu einer neuen Geburt erlebt. Diese Selbstentäußerung, diese Selbstzurückziehung ist in der geistigen Welt wie Schlafen und Wachen hier im Erdendasein des Menschen.“ (S. 217f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Verbindung zwischen Lebenden und Toten, GA 168 (1984), Zweiter Vortrag, Kassel, 18. Februar 1916 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Erdensterben und Weltenleben. Anthroposophische Lebensgaben. Bewußtseinsnotwendigkeiten für Gegenwart und Zukunft., GA 181 (1967), Zehnter Vortrag, 2. April 1918 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Initiations-Erkenntnis, GA 227 (2000), ISBN 3-7274-2271-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org


Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.