Zeichen

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Das Pentagramm mit Planetensymbolen als Bild der Kräfteströmungen im menschlichen Ätherleib
Das semiotische Dreieck stellt die Relation zwischen dem Symbol, dem vermittelnden Begriff und dem bezeichneten Ding dar.
Der Heilige Franziskus von Assisi empfängt die Stigmata, 13. Jahrhundert
Phönix in Flammen, Detail aus dem Aberdeen Bestiary (12. Jahrhundert)

Ein Zeichen (ahd. zeihhan = „Wunder, Wunderzeichen“; griech. σῆμα sema „Zeichen, das ein Grab erkennen lässt“; ein „Grabmal“ oder „Grabhügel“; von idg. *deik- = „zeigen“ bzw. *dei- = „hell glänzen“, „schimmern“, „scheinen“) ist ganz allgemein etwas, das auf etwas anderes zeigt und so im direktesten Sinn des Wortes ein Träger von Bedeutung ist, wobei der Ursprung des deutschen Wortes zeigt, dass damit anfangs die unmittelbar sinnlich erfahrene Erscheinung einer übersinnlichen Wirklichkeit gemeint war. Man sah darin aber keineswegs eine Durchbrechung der Naturordnung, sondern vielmehr die Bestätigung, dass sich in allem Naturgeschehen verborgene geistige Kräfte offenbaren.

„Es ist ein Aberglaube, anzunehmen, daß in dem gewöhnlichen Gang der Ereignisse dasjenige, was man als den gesetzmäßigen Zusammenhang erkannt hat, durch ein Wunder durchbrochen werden könne. Warum? Soviel muß geschehen nach notwendigen Regeln, als Vergangenes in den Ereignissen ist. Und würden die Götter in einem Zusammenhang dasjenige durchbrechen, was gesetzmäßig drinnen ist, so würden die Götter lügen; sie würden ableugnen das, was sie vor Zeiten festgestellt haben. Und so wenig wir ein Vergangenes anders machen können durch eine spätere Behauptung, ebensowenig können wir das Stück Vergangenheit, das als Notwendiges in den Dingen drinnen ist, ändern. Und nur das können wir an den Dingen nicht ändern, was an den Dingen Vergangenheit ist. Der Notwendigkeitsbegriff muß mit dem Vergangenheitsbegriff zusammenwachsen.“ (Lit.:GA 163, S. 69f)

Das Bewusstsein dafür ging aber später verloren, die übersinnliche Wirklichkeit verblasste zum bloßen Begriff. Schon nach Aristoteles besteht zwischen Zeichen und Bezeichnetem kein unmittelbarer, sondern ein durch Begriffe und Vorstellungen vermittelter Bezug, woraus später das Modell des semiotischen Dreiecks entwickelt wurde[1].

„Die gesprochenen Worte sind die Zeichen von Vorstellungen in der Seele und die geschriebenen Worte sind die Zeichen von gesprochenen Worten. So wie nun die Schriftzeichen nicht bei allen Menschen dieselben sind, so sind auch die Worte nicht bei allen Menschen dieselben; aber die Vorstellungen in der Rede, deren unmittelbare Zeichen die Worte sind, sind bei allen Menschen dieselben und eben so sind die Gegenstände überall dieselben, von welchen diese Vorstellungen die Abbilder sind.“

Aristoteles: Peri hermeneias, Erstes Kapitel [1]

Für Gottlob Frege ist das Zeichen schließlich „nur ein willkürlich gewähltes Mittel des Gedankenausdrucks, das ganz außerhalb der Betrachtung bleibt. In dieser Stellvertretung liegt der Nutzen der Zeichen“[2]. Ähnlich argumentierte auch Ferdinand de Saussure: „Das Band, welches das Bezeichnete mit der Bezeichnung verknüpft, ist beliebig; und da wir unter Zeichen das durch die assoziative Verbindung einer Bezeichnung mit einem Bezeichneten erzeugte Ganze verstehen, so können wir dafür auch einfacher sagen: das sprachliche Zeichen ist beliebig.“[3]

Der schon in der hochmittelalterlichen Scholastik formulierte, aber bereits bei Aristoteles angelegte Grundsatz der Zeichentheorie lautet: aliquid stat pro aliquo (lat. für „Etwas steht für etwas“). So ist beispielsweise der geschriebene und visuell wahrnehmbare Buchstabe «A» ein Zeichen für den hörbaren Laut «A».

Zeichen und Wunder

Zeichen zur Zeit Christi, waren z.B. Heilungen, das Speisewunder und andere mehr. Als bedeutsamstes Zeichen dieser Zeit tritt uns die Auferstehung Christi entgegen.

Als ein „Wunderzeichen“ der Gegenwart gelten die bei der Anthroposophin Judith von Halle seit 2004 aufgetretenen Stigmata - siehe dazu auch: Stigmatisation.

Okkulte Zeichen

Okkulte Zeichen verweisen auf eine reale Wirklichkeit in der astralen oder geistigen Welt und sind ein Wegweiser und Führer, diese Wirklichkeit zu schauen; dem bloßen Verstand erschließt sich ihre Bedeutung nicht, sondern offenbart sich nur der Inspiration, dem Lesen der okkulten Schrift. Kein Zeichen hat im Okkultismus eine Berechtigung, das nicht in den höheren Welten geschaut werden kann.

"Durch eine philosophische Spekulation können Sie nie und nimmer auf die Bedeutung eines okkulten Zeichens kommen, und vieles, was gesagt und geschrieben wird über okkulte Zeichen und ihre Bedeutung, ist vergeblich geschrieben, weil es nur aus der Spekulation, dem mehr oder weniger geistreichen Darüber-Nachdenken heraus geschrieben ist. Doch diese okkulten Zeichen sind für uns wichtig, denn sie sind etwas wie Instrumente, durch die wir hinaufkommen können in die höheren Welten." (Lit.: GA 101, S. 15)

"Denn für den Okkultisten gilt der Satz, daß alles, was Zeichen sind - und auch eine Erzählung ist Zeichen - , eine reale Wirklichkeit hat in der geistigen Welt; und erst, wenn wir wissen, was einem solchen Zeichen in der geistigen Welt entspricht, erst dann erkennen wir die wahre Bedeutung der Zeichen und Mythen." (Lit.: GA 101, S. 27)

"So daß es eine voll ausgebildete Zeichensprache gerade unter den alten Weisen gab, und man legte alles, was man wußte, in solche Zeichen hinein. So daß Sie einsehen können: Alle die Leute, die in den damaligen hohen Schulen, in den Mysterien, waren, hatten für alles gewisse Zeichen. Sagen wir zum Beispiel, sie wollten nun diese Zeichen festhalten. Dann erst malten sie sie auf. So entstanden die aufgemalten Zeichen.

Es ist schon interessant, daß es heute noch gewisse Schriften gibt, welche deutlich erkennen lassen, daß sie aus Zeichen hervorgegangen sind. Das ist zum Beispiel die alte Schrift der Inder, die Sanskritschrift. Bei ihr sieht man überall, daß alles aus der krummen und aus der geraden Linie hervorgegangen ist. Krumme Linien: Unzufriedenheit mit etwas, Antipathie; gerade Linien: Sympathie. Bedenken Sie einmal: Es weiß einer, die geraden Linien bedeuten Sympathie, die krummen Linien bedeuten Antipathie. Jetzt will ich ihm etwas mitteilen. Dafür habe ich auch mein Zeichen. Er will mir etwas sagen; das kann ja anfangs gut gehen, später aber kann die Geschichte schlecht werden. Sehen Sie, da geht es noch gut; später zeichnet er eine Schlangenlinie: da kann es schlecht gehen. Und so hatte man für alles bestimmte Zeichen. An diesen Zeichen oder mit diesen Zeichen verständigten sich diejenigen wieder, die in den Mysterien waren." (Lit.: GA 353, S. 285f)

Okkulte Zeichen können einfache geometrische Figuren sein, wie Pentagramme, Hexagramme oder Heptagramme, oder komplexere Symbole wie die Sphinx, der Kentaur, der Drache oder die Schlange, der Vogel Phönix, die Ouroborosschlange, oder auch umfangreichere Mythen und Erzählungen.

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole, GA 101 (1992), ISBN 3-7274-1010-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Zufall, Notwendigkeit und Vorsehung , GA 163 (1986), ISBN 3-7274-1630-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Die Geschichte der Menschheit und die Weltanschauungen der Kulturvölker, GA 353 (1988), ISBN 3-7274-3532-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org


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Weblinks

 Wiktionary: σῆμα – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Der Begriff semiotisches Dreieck wurde erstmals verwendet in: C. K. Ogden; I. A. Richards: The Meaning of Meaning, 1923
  2. Frege, GGA, S. 105, zitiert nach Tatievskaya, Aussagenlogik [2003], S. 38
  3. Ferdinand de Saussure: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft, Berlin 1967, S 79f