Periodizität

Aus AnthroWiki
(Weitergeleitet von Zyklus)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Periodizität ist die regelmäßige räumliche oder zeitliche Wiederkehr bestimmter Erscheinungen. Die vollständige Reihe der Erscheinungen, die sich in exakt gleicher Form wiederholen, bilden einen Zyklus von bestimmter Periodenlänge bzw. Periodendauer (kurz: Periode). Aperiodische Strukturen können sich periodischen zeitlichen oder räumlichen Mustern beliebig annähern, sodass sich die Strukturelemente zwar in ähnlicher oder gesetzmäßig metamorphosierter, aber niemals in mathematisch exakter gleicher Form wiederholen, wie es oft bei lebendigen Systemen der Fall ist.

Die Wiederholung räumlicher Formen führt zu periodischen Strukturen bzw. Mustern. Die zeitliche Wiederkehr bestimmt die Eigenzeit einer rhythmisch sich verändernden Ganzheit. Jedes Lebewesen und jedes lebendige System, etwa auch unsere Erde oder das ganze Planetensystem, ist eine solche Ganzheit. Die Periodendauer einzelner Teilsysteme kann daher auch sinnvollerweise nicht auf einen absoluten externen Zeitstandard bezogen werden, der als solcher eine leere Abstraktion ist, sondern muss an der übergeordneten Ganzheit gemessen werden. So ist es beispielsweise wenig aussagekräftig, die Dauer einer einzelne erdgeschichtliche Entwicklungsperiode in heutigen Sonnenjahren zu messen, sondern es muss darauf Rücksicht genommen werden, dass sie erst zusammen mit den vorangegangenen und nachfolgenden geologisch fassbaren Epochen einen ganzheitlichen Zeitorganismus bilden, an dem sich ablesen lässt, ob eine einzelne Epoche, gemessen z.B. an den geologisch und paläontologisch feststellbaren Veränderungen, schneller oder langsamer im Vergleich zu den anderen abgelaufen ist.

"Und damit komme ich dazu, daß im Grunde jede Entität, die überhaupt betrachtet werden darf wie eine Totalität, eigentlich ihre Zeit in sich trägt. Ein Stückchen [eines] unorganischen Körpers kann ich für sich betrachten, ein Blatt nicht, weil es nur einen Bestand hat am Baum. Ich muß also Rücksicht nehmen bei meiner Betrachtung darauf, was ein in sich geschlossenes totales System ist, was eine Totalität ist. Jede Totalität aber, die ich so betrachte, hat die Zeit als etwas Immanentes in sich. So daß ich eigentlich nicht viel übrig haben kann für die abstrakte Zeit, die noch außer jedem Ding ist und [neben] der jedem Ding oder Verlauf immanenten Zeit existiert. Wenn ich die Zeit, die von Anfang bis Ende gehen soll, ins Auge fasse, kommt es mir gerade so vor, wie wenn jemand den abstrakten Begriff für das einzelne Pferd bildet. Die einzelnen Pferde sind in der äußeren Raumrealität da, aber um den Begriff zu bekommen, muß ich ihm etwas anderes noch zuschreiben. So ist es auch mit der Zeit. Die Frage: Ist die Zeit in sich veränderlich oder nicht? - hat keinen wirklichen Inhalt, weil jedes Totalsystem in seinem immanenten Sein seine [eigene] Zeit hat, und seinen [eigenen] Geschwindigkeitsverlauf. Der Geschwindigkeitsverlauf des Unorganischen oder des Lebensprozesses führt zurück auf diese immanente Zeit.

Daher möchte ich eigentlich lieber als eine Relativitätstheorie, die immer voraussetzt, daß man das eine Koordinatenachsensystem auf das andere beziehen kann, eine Absolutitätstheorie begründen, die davon ausgeht, überall zu erforschen, wo Totalsysteme sind, von denen man sprechen darf, wie man sprechen darf von der Totalität eines Organismus. Man kann nicht sprechen von der Totalität der Silurperiode bei der Erde, sondern da muß man die Silurperiode mit einer anderen [erdgeschichtlichen Periode] zu einem Totalitätssystem zusammenfassen. Ebensowenig kann ich von einem Menschenkopf sprechen als von einer Totalität, da gehört das andere dazu.

In der Geologie beschreiben wir [je] eine Periode [für sich genommen] nach der anderen, als wenn sie so eine Wirklichkeit wäre. Sie ist es nicht. Sie ist nur eine Wirklichkeit mit dem Ganzen der Erde, und zwar so, wie ein Organismus eine Wirklichkeit ist, wo ich nicht eines herausreißen darf. Es käme vielmehr darauf an, statt unsere Vorgänge zu beziehen auf Koordinatenachsensysteme, sie auf ihre eigene innere Wirklichkeit zu beziehen, dann würden wir zu Totalitätssystemen kommen. Und dann würden wir müssen zu einer Art von Monadismus zurückkommen. Wir würden überwinden diese Relativitätstheorie und würden zur Absolutitätstheorie kommen." (Lit.: GA 324a, S. 143f)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die vierte Dimension, GA 324a (1995), ISBN 3-7274-3245-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.