Erfahrung

Aus AnthroWiki
Version vom 4. August 2017, 14:55 Uhr von Odyssee (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Erfahrung bezeichnet Rudolf Steiner in seiner Philosophie der Freiheit die Summe desjenigen, worüber sich ein bestimmter Mensch Vorstellungen bilden kann. Die Gesamtheit aller Erfahrungen, die ein Mensch jemals in seinem Leben gemacht hat, bilden seine Lebenserfahrung.

„Die Summe desjenigen, worüber ich Vorstellungen bilden kann, darf ich meine Erfahrung nennen. Derjenige Mensch wird die reichere Erfahrung haben, der eine größere Zahl individualisierter Begriffe hat. Ein Mensch, dem jedes Intuitionsvermögen fehlt, ist nicht geeignet, sich Erfahrung zu erwerben. Er verliert die Gegenstände wieder aus seinem Gesichtskreise, weil ihm die Begriffe fehlen, die er zu ihnen in Beziehung setzen soll. Ein Mensch mit gut entwickeltem Denkvermögen, aber mit einem infolge grober Sinneswerkzeuge schlecht funktionierenden Wahrnehmen, wird ebenso wenig Erfahrung sammeln können. Er kann sich zwar auf irgendeine Weise Begriffe erwerben; aber seinen Intuitionen fehlt der lebendige Bezug auf bestimmte Dinge. Der gedankenlose Reisende und der in abstrakten Begriffssystemen lebende Gelehrte sind gleich unfähig, sich eine reiche Erfahrung zu erwerben.“ (Lit.:GA 4, S. 108)

Erfahrung kann nur durch die Tätigkeit des Ich gewonnen werden. Die damit untrennbar verbundene unmittelbare, nicht durch äußere Objekte vermittelte, rein geistig erlebte Ich-Erfahrung bildet die notwendige Grundlage aller anderen sinnlichen oder übersinnlichen Erfahrungen. Darauf hat schon Schelling nachdrücklich hingewiesen:

„Von Erfahrungen, von unmittelbaren Erfahrungen muss alles unser Wissen ausgehen; dies ist eine Wahrheit, die schon viele Philosophen gesagt haben, denen zur vollen Wahrheit nichts, als die Aufklärung über die Art jener Anschauung fehlte. Von Erfahrung allerdings, aber, da jede auf Objekte gehende Erfahrung vermittelt ist durch eine andre, - von einer unmittelbaren im engsten Sinne des Worts, d. h. selbst hervorgebrachten und von jeder objektiven Kausalität unabhängigen Erfahrung - muss unser Wissen ausgehen. Dieses Prinzip - Anschauung und Erfahrung - allein kann dem toten unbeseelten Systeme Leben einhauchen; selbst die abgezogensten Begriffe, mit denen unsre Erkenntnis spielt, hängen an einer Erfahrung, die auf Leben und Dasein geht.“ (Lit.: Schelling, S. 166)

Literatur

  1. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: Philosophische Schriften, Erster Band, Philipp Krüll, Landshut 1809 [1]
  2. Rudolf Steiner: Die Philosophie der Freiheit, GA 4 (1995), ISBN 3-7274-0040-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.