Mineralreich

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Schwarzer Diamant - Die schwarze Färbung entsteht durch eine Vielzahl fein verteilter kleiner schwarzer Einschlüsse, die meist aus Graphit bestehen.
Eisblumen - Eiskristalle in pflanzenähnlicher Form

Das Mineralreich, das in der Apokalypse des Johannes (4,6) als das gläserne Meer bezeichnet wird, ist das unterste der vier Naturreiche. Die Grundlage des Mineralreiches wurde bereits auf dem alten Saturn geschaffen, bestand aber damals ausschließlich aus reiner Wärmesubstanz. Es hat sich seit dem durch vier Stufen weiterentwickelt und in dem kristallinen Erdelement seine bisher höchste Form erreicht, die mit jenen höchsten kosmischen Kräften zusammenhängt, die in den mittelalterlichen Mysterien zurecht als Kristallhimmel bezeichnet wurden. Heute liegen die meisten MIneralien als Kristalle vor. Als tätige Wesenheiten stehen hinter den Kristallformen die Geister der Form, die Exusiai, die dem Menschen auch das Ich gegeben haben. Die Geister der Form sind jene geistigen Kräfte, die aus dem Raumlosen das Räumliche gestalten und die geistigen Kräfte aus der Ewigkeit in die zeitliche Entwicklung hinüberleiten (Lit.: GA 184, S. 207ff). Von allen irdischen Stoffen ist der Kohlenstoff, vor allem in seiner reinsten Form als Diamant, am besten geeignet, diese Gestaltungskräfte aufzunehmen und auch in seiner äußeren Erscheinung widerzuspiegeln. Er wird daher von Rudolf Steiner zurecht als der wahre Stein der Weisen bezeichnet.

Erst mit der heutigen Form des Mineralreichs konnte die materielle Basis für einen menschlichen Leib geschaffen werden, der fähig war, das Ich in sich aufzunehmen und dem Menschen während seiner irdischen Verkörperung die Möglichkeit zu bieten, dieses Ich eigenständig weiterzuentwickeln. Dabei muss der Mensch Mineralisches, das er mit der Nahrung aufnimmt, bis in seine Eigenwärme, bis in seinen Wärmeäther übernehmen, um für die gestaltbildenden kosmischen Kräfte aufnahmefähig zu werden. Gelingt das nicht, entstehen Krankheiten, im Falle des mineralischen Zuckers z.B. Diabetes (Lit.: GA 230, S. 186ff). In der Zukunft wird sich der Mensch rein mineralisch ernähren.

Wie alle Naturreiche ist durch den Sündenfall auch das Mineralreich unter den Einfluss der Widersacher gekommen. Durch seine irdische Tätigkeit arbeitet der Mensch an der Erlösung des Mineralreiches mit; was nicht erlöst werden kann, geht in die sog. Achte Sphäre über.

Das Mineral scheint ein Musterbild des toten erstarrten Stoffes zu sein - und doch ist es längst nicht so starr, wie es zuerst erscheint. Hätte es die innere Beweglichkeit völlig verloren, müsste es aufgrund seiner übersteigerten Sprödigkeit bei der geringsten Erschütterung zu Staub zerfallen. Im Mineral, so empfinden wir mit gewissem Recht, waltet kein Leben und wirkt kein Bewusstsein – und doch sind Leben und Bewusstsein für sein Werden, für seinen Bestand und für sein Vergehen von größter Bedeutung. Dass das Leben das Mineral umspielt und an seiner Bildung mitwirkt, kann man sehr leicht beobachten, wenn man den Kristallisationsprozess durch mangelnde Stoffzufuhr hemmt. Dann entstehen sogenannte Mangelkristalle, wie man sie sehr gut bei den Eisblumen an den winterlichen Fenstern beobachten kann. Sie zeigen ganz deutlich pflanzenhaft anmutende Wachstumsformen. Tatsächlich wirken hier genau die selben Lebenskräfte, die selben Wachstumsgesetze, die in der Natur auch die Pflanzen gestalten. Die fertige, streng geometrische Form des Minerals ist nur das Endprodukt eines lebendigen Wachstumsprozesses. Und auch ein Bewusstsein wirkt an der Entstehung und Formung der Mineralien mit. Es ist ein unglaublich weitreichendes Bewusstsein, ein wahrhaftes Allbewusstsein, durch das das Mineral in gewissem Sinn zum stillen Mitwisser der lebendigen Geschehnisse im ganzen Kosmos wird, bis in die tiefsten Tiefen des Weltalls hinein. Allerdings ist es ein sehr dumpfes Bewusstsein, ein Bewusstsein, das nicht als inneres seelisches Bild erlebt wird - denn das gibt es nur bei Wesen, die einen Astralleib in sich tragen, und es hat auch kein Wissen von sich selbst, kein Selbstbewusstsein. Ein inneres Bild erlebt das Mineral nicht, aber es bildet seine ganze Gestalt innerlich und äußerlich nach dem Wissens, das es vom Weltall empfängt. Jedes Mineral kann uns so durch seine streng geformte Gestalt zu einem geheimen Tor werden, das uns mit dem Kosmos verbindet.

Literatur

  1. Walther Cloos: Lebensstufen der Erde. Beiträge zu einer organischen Gesteins- und Mineralkunde, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1984 ISBN 978-3772504853
  2. Dankmar Bosse: Die gemeinsame Evolution von Erde und Mensch: Entwurf einer Geologie und Paläontologie der lebendigen Erde, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgat 2002, ISBN 978-3772515934
  3. Rudolf Steiner: Die Polarität von Dauer und Entwickelung im Menschenleben, GA 184 (1983)
  4. Rudolf Steiner: Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes, GA 230 (1993), Dornach, 9. November 1923
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
Freie Werkausgaben gibt es auf steiner.wiki, bdn-steiner.ru, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.