Irrtum

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Als Irrtum bezeichnet wird im engeren Sinne eine falsche Annahme, Behauptung, Meinung oder ein falscher Glaube, ein Irrglaube (im theologisch-kirchenrechtlichen Sinn eine Häresie), wobei der Behauptende, Meinende oder Glaubende aber subjektiv von der Wahrheit seiner Aussage(n) überzeugt ist. Der Irrtum unterscheidet sich dadurch von der Lüge, bei der die Wahrheit bewusst verfälscht wird. Wie die Lüge, so ist auch der Irrtum eine wesenstötende, zerstörerische Kraft in der Astralwelt.

Der Irrtum entstand durch den Einfluss Ahrimans

Durch Luzifer wurde der Mensch in die irdisch-sinnliche Welt versetzt. Dadurch kam er zugleich in den Einflussbereich Ahrimans und verfiel dem Irrtum und der Sünde. Durch das Karma wurde dem Menschen die Möglichkeit gegeben, Irrtum und Sünde wieder auszugleichen.

"Dadurch, daß der Mensch verfrüht herunterversetzt worden ist in die irdische Sphäre, daß ihn seine irdischen Interessen und Begierden heruntergedrängt haben, dadurch kam es anders, wie es sonst gekommen wäre in der Mitte der atlantischen Zeit.

Dadurch haben sich hineingemischt in das, was der Mensch hat sehen und begreifen können, die ahrimanischen Geister, diejenigen Geister, die eben auch mit dem Namen mephistophelische Geister bezeichnet werden können. Dadurch verfiel der Mensch in Irrtum, verfiel in das, was man eigentlich erst die bewußte Sünde nennen könnte. Also von der Mitte der atlantischen Zeit an wirkt auf den Menschen die Schar der ahrimanischen Geister ein. Wozu hat nun diese Schar der ahrimanischen Geister sozusagen den Menschen verführt? Sie hat ihn dazu verführt, daß er das, was in seiner Umgebung ist, für stofflich, für materiell hält, daß er nicht durch dieses Stoffliche hindurchsieht auf die wahren Untergründe des Stofflichen, auf das Geistige. Würde der Mensch in jedem Stein, in jeder Pflanze und in jedem Tier das Geistige sehen, er würde niemals verfallen sein in Irrtum und damit in das Böse, sondern der Mensch würde, wenn nur die fortschreitenden Geister auf ihn gewirkt hätten, bewahrt geblieben sein vor jenen Illusionen, denen er immer verfallen muß, wenn er nur auf die Aussage der Sinneswelt baut.

Was haben nun dagegen diejenigen geistigen Wesenheiten, welche den Menschen in seinem Fortschreiten erhalten wollen, gegen diese Verführung, gegen Irrtum und Illusion aus dem Sinnlichen unternommen? Sie haben dagegen unternommen, daß der Mensch tatsächlich nunmehr erst mit Recht - natürlich ist das langsam und allmählich gekommen, aber hier liegen die Kräfte, warum das gekommen ist - sozusagen in die Lage versetzt wird, aus der sinnlichen Welt heraus wiederum die Möglichkeit zu gewinnen, über Irrtum und Sünde und das Böse hinwegzukommen, das heißt, sie haben dem Menschen die Möglichkeit gegeben, sein Karma zu tragen und auszuwirken. Haben also diejenigen Wesenheiten, welche die Verführung der luziferischen Wesenheiten gutzumachen hatten, Leiden und Schmerzen, ja auch das, was damit zusammenhängt, den Tod in die Welt gebracht, so haben diejenigen Wesenheiten, welche auszubessern hatten, was aus dem Irrtum über die sinnliche Welt fließt, dem Menschen die Möglichkeit gegeben, durch sein Karma allen Irrtum wieder zu beseitigen, alles Böse wiederum zu verwischen, das er in der Welt angerichtet hat." (Lit.: GA 107, S. 244ff)

Die Möglichkeit, durch das Karma die Irrtümer und Sünden wieder auszugleichen, wurde dem Menschen durch den Christus gegeben:

"Er ist derjenige, der dem Menschen vorher schon, bevor er auf der Erde aufgetreten ist, heruntergesandt hat die Möglichkeit des Karma." (Lit.: GA 107, S. 250f)

Irrtümer in der Geistesforschung

Wie jeder andere Mensch, kann auch der Geistesforscher dem Irrtum unterliegen, obwohl bei gewissenhafter Geistesschulung die Gefahr nicht so groß ist, wie bei der auf äußere Beobachtung und Spekulation beschränkten Wissenschaft:

"Um einem möglichen Irrtum vorzubeugen, sei hier gleich gesagt, daß auch der geistigen Anschauung keine Unfehlbarkeit innewohnt. Auch diese Anschauung kann sich täuschen, kann ungenau, schief, verkehrt sehen. Von Irrtum frei ist auch auf diesem Felde kein Mensch; und stünde er noch so hoch. Deshalb soll man sich nicht daran stoßen, wenn Mitteilungen, die aus solchen geistigen Quellen stammen, nicht immer völlig übereinstimmen. Allein die Zuverlässigkeit der Beobachtung ist hier eine doch weit größere als in der äußerlichen Sinnenwelt." (Lit.: GA 11, S. 23)

"In einem noch viel höheren Maße als gewöhnlich ist für den Geistesforscher notwendig ein gesunder Tatsachensinn, ein echtes Gefühl für Wahrhaftigkeit. Alle Schwärmerei, alle Ungenauigkeit, die so leicht über das hinweghuscht, was wirklich ist, ist beim Geistesforscher vom Übel. Sieht man es schon im gewöhnlichen Leben, so wird es auf dem Gebiete der Geistesschulung sofort klar, daß der, welcher sich nur ein wenig gehenläßt in bezug auf Ungenauigkeit, merken lassen wird, daß von der Ungenauigkeit bis zur Lüge, zur Unwahrhaftigkeit, nur ein ganz kleiner Schritt ist. Daher muß beim Geistesforscher das Bestreben vorliegen, sich verpflichtet zu fühlen, der schon im gewöhnlichen Leben vorhandenen unbedingten Wahrheit in nichts nachzugeben und nichts zu vermischen, denn jedes Vermischen führt in der geistigen Welt von Irrtum zu Irrtum." (Lit.: GA 62, S. 407)

"Wenn die Dinge aber erforscht sind, dann können sie von jedem denkenden Mensch nachgeprüft werden. Und so kann auch das, was ich sage oder was ich schreibe und geschrieben habe aus der Geisteswissenschaft heraus, von jedem denkenden Menschen nachgeprüft werden. Da werden gewiß mancherlei Irrtümer drinnen sein, selbstverständlich, aber das ist genauso wie bei anderen Forschungen. Es handelt sich nicht um diese Irrtümer im einzelnen, sondern es handelt sich um den Grundcharakter des Ganzen." (Lit.: GA 73a, S. 412f)

Der Irrtum als Düngerboden des Geistigen

"Wenn unser Seelenleben immer mehr erstarkt durch die Konzentration unserer Gedanken, so daß unser inneres Selbst sich immer mehr von dem physischen Leibe abtrennen kann, dann werden die Dinge jener Welt in immer deutlicher werdenden Imaginationen und Visionen uns vor das Seelenauge treten; wir werden einsehen, daß alles, was wir auf Erden an Gedanken des Guten, Wohlwollenden, Edlen gehabt haben, sich umgewandelt hat in unvergängliche Imaginationen, die im Weiterleben dem Weltall seinen Wert verleihen, und daß alles Schlechte, Böse, ja alle niederen egoistischen Gedanken als Abfallprodukte zurückbleiben. Das wird zu demjenigen, was an sich unfruchtbar ist, was aber zur Nahrung wird für dasjenige, was sich aus dem Keim des Guten heraus entwickeln soll. So wie hier auf dem physischen Plan der mineralische Boden die Nährstoffe liefert für die Pflanzenwelt, so wird alles, was schlecht gedacht ist, der Bodensatz für die in der elementarischen Welt erkeimenden Gedanken des Guten, Wahren, Schönen. Deshalb kann ja der Okkultist sich das Schlechte, Falsche so schnell ausdenken und es sich in Gedanken vorstellen. Aber er läßt es nicht weiterkommen; er weiß, daß er nur [bis] zu dem Punkte gehen darf, wo es Gedanke bleibt; er läßt es nicht in die Tat, in die Wirklichkeit übergehen. Er läßt es nur den Boden zubereiten, aus dem der Keim des Guten wachsen kann.

Und so ist es eigentlich in der Weltenordnung auch zugegangen; so ist auch das Mineralreich der Erde entstanden. Auf dem alten Mond haben die Elohim den Irrtum gedacht - das war dort am Platze -, und daraus ist die Materie, das mineralische Reich auf Erden entstanden, und aus diesem Erdenstoff - Erdenstaub - hat Jahve-Elohim den Menschen schaffen können und ihm seine physische Hülle gegeben.

Luzifer aber, der jetzt auf einer ähnlichen Stufe steht wie die Elohim auf dem alten Monde, will dasselbe noch immer weiter ausführen. Er kann sich dazu nur der Menschen bedienen, er kann den Irrtum nur im Innern der Menschen denken." (Lit.: GA 266c, S. 262f)

Der Irrtum und die Wirklichkeit des Geistes

"Es könnte so scheinen, als ob es überhaupt nur für diejenigen Menschen eine Berechtigung gäbe, von der geistigen Welt zu sprechen, die entweder als Hellseher in dieselbe hineinschauen oder die den Hellsehern glauben. Das könnte so scheinen; es ist aber doch nicht so. Und hier kommen wir zu der Frage: Die äußere Welt als solche, mit ihrem materiellen Inhalte, weist uns zunächst — wenn man nicht schon von ihr weiß - auf keine geistige Welt hin. Auch die innere Welt der Wahrheit weist uns auf keine geistige Welt hin, denn sie könnte ein Spiegelbild der äußeren, bloß physischen Welt sein. Haben wir dann überhaupt noch etwas außer dem, was da skizzenhaft angedeutet ist? Ja, wir haben etwas, und das ist der Irrtum! Man darf nämlich nichts in der Welt vergessen, wenn es sich handeln soll um ein Gesamtverständnis der Welt. Neben der Wahrheit hat der Mensch noch den Irrtum. Nun kann der Irrtum - so werden Sie sagen - doch selbstverständlich nicht zur Wahrheit führen, und es wäre eine sonderbare Sache, von dem Irrtum auszugehen. Es ist aber auch gar nicht von mir gesagt worden, daß wir [...] uns jetzt auf den Boden des Irrtums stellen wollen [...] Aber etwas ist doch nicht zu leugnen in bezug auf den Irrtum: er ist da, er ist vorhanden in der Welt, er ist real. Und vor allen Dingen: er kann sich ergeben in der menschlichen Natur und in ihr zum Sein gelangen. Wenn nun die äußere Welt sich in dem Gehirn einen Spiegelungsapparat geschaffen hat und sich spiegelt, und der Wahrheitsgehalt die Summe der Spiegelbilder ist, dann natürlich könnte noch immer in einem Menschen statt der Wahrheit der Irrtum dadurch auftreten, daß der Mensch sich etwa vergleichen ließe mit einem falschen Spiegel oder mit einem Spiegel, der Karikaturen gibt von dem, was draußen ist. Wenn wir einen Spiegel nehmen, der statt eines richtigen Bildes eine Karikatur gibt, so spiegelt er falsch. Also es ließe sich der Irrtum verhältnismäßig leicht dadurch erklären, daß man sagte, er ist dadurch möglich, daß unser Organ, das aus der äußeren Welt aufgebaut ist, falsch spiegelt. Man kann die Wahrheit als ein Spiegelbild erklären und kann auch den Irrtum als ein Spiegelbild erklären. Aber etwas kann man nicht: Die Korrektur, die Überführung des Irrtums in die Wahrheit kann man nicht als ein Spiegelbild erklären. Denn versuchen Sie noch so stark einem Spiegel, der eine Karikatur von einem äußeren Gegenstande zeigt, zuzureden, er solle aus sich selber diese Karikatur in ein richtiges Bild verwandeln: er bleibt so, wie er ist. Er zeigt das falsche Bild, bleibt bei seinem Irrtum.

Daß der Mensch nicht beim Irrtum zu bleiben nötig hat, sondern den Irrtum zu überwinden und in die Wahrheit überzuführen in der Lage ist, das ist das Maßgebende! Das ist es, worauf es ankommt. Dadurch zeigt der Mensch, daß es in der Tatsache der Wahrheit eben wohl ein Spiegelbild der äußeren Wirklichkeit gibt; aber in der Umwandlung des Irrtums in die Wahrheit zeigt sich, daß der Irrtum als solcher nicht ein Spiegelbild der äußeren Wirklichkeit ist. Das heißt mit andern Worten, daß der Irrtum, wenn er da ist, keine Existenzberechtigung in der Welt hat, die uns zunächst umgibt. Die Wahrheit hat ihre Existenzberechtigung in der Welt, die uns zunächst umgibt, und zur Annahme der Wahrheit brauchen wir nichts anzunehmen als die Existenz einer äußeren physischen Welt. Zur Annahme eines Irrtums genügt nichts, was sich spiegeln kann von der äußeren Welt, sondern da muß etwas da sein, was nicht zur äußeren Welt gehört, etwas, was keinen unmittelbaren Zusammenhang mit der äußeren Welt hat [...]

Der Mensch kann kennenlernen eine übersinnliche Welt, denn er lernt erkennen den Irrtum. Er braucht also nicht auf künstliche Art hinaufgehen in die übersinnliche Welt, denn sie ragt herein in den Menschen, indem sie ihn in den Irrtum schickt. Und der wirkt. Aber es ist keine gute Welt, die der Mensch da kennenlernt. Er muß hinzubringen von einer andern Seite her eine gute Welt in einer Seelenverfassung, aus der erst der Irrtum in der richtigen Weise in der Seele wirken kann. Wenn ich in eine Art Paradoxon kleiden wollte, was damit gemeint ist, so müßte ich sagen: Die Menschen lernen die übersinnliche Welt schon in der sinnlichen kennen, denn sie haben dort den Irrtum. - Also sie lernen ohne übersinnliche Welt zunächst den Teufel kennen; sie lernen das kennen, was nichts Gutes ist, und was sich auch als nichts Gutes kundgibt, sich als nichts Gutes offenbart. So hätte es also seinen guten Grund, wenn einmal jemand gesagt hat: «Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte.» Denn der Teufel ist da, so wahr als der Irrtum da ist. Oder wenn wir es in unsere Sprache kleiden wollen, können wir sagen: Der Mensch lernt die luziferischen Kräfte kennen. Er lernt die übersinnliche Welt zuerst in Form von luziferischen Kräften kennen." (Lit.: GA 115, S. 244ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Aus der Akasha-Chronik, GA 11 (1986), ISBN 3-7274-0110-9; Tb 616, ISBN 978-3-7274-6161-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Ergebnisse der Geistesforschung, GA 62 (1988), ISBN 3-7274-0620-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Fachwissenschaften und Anthroposophie, GA 73a (2005), ISBN 3-7274-0735-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde, GA 107 (1988), ISBN 3-7274-1070-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Anthroposophie – Psychosophie – Pneumatosophie, GA 115 (2001), ISBN 3-7274-1150-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden, Band III: 1913 und 1914; 1920 – 1923, GA 266/3 (1998), ISBN 3-7274-2663-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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