Natur

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Gedacht hat sie und sinnt beständig, aber nicht als ein Mensch, sondern als Natur [...]
Leben ist ihre schönste Erfindung, und der Tod ist ihr Kunstgriff viel Leben zu haben.
                                                  Johann Wolfgang Goethe, aus dem Fragment »Die Natur«[1]

Der Begriff Natur (lat.: natura, von nasci „entstehen, geboren werden“; griech. φύσις, physis, „das Gewachsene“) bezeichnet nach heutigem Verständnis zweierlei:

Die Naturordnung wird aus naturwissenschaftlicher Sicht durch Naturgesetze bestimmt, die allerdings nach moderner physikalischer Ansicht keinen streng deterministischen Charakter haben.

Die Natur des Menschen umfasst im theologischen Sinn seine allgemeinen, geschöpflichen Eigenschaften, auf die sich seine natürlichen Fähigkeiten, insbesondere seine natürliche Vernunft, gründen.

Der Natur steht die Kultur (beginnend mit der Agrikultur) gegenüber, als jener Teil der Natur, der durch die von der menschlichen Geistestätigkeit geleitete Arbeit umgeschaffen und durch das menschliche Ich neu geprägt wurde, was im Idealfall nicht zu einer Zerstörung, sondern zu einer Erhöhung und geistigen Vollendung der Natur führt, wie es namentlich die Kunst im allerweitesten Sinn vielfach geleistet hat und wie es auch der eigentlichen irdischen Aufgabe des Menschen entspricht. Erdentwicklung und Menschheitsentwicklung sind derart unauflösbar miteinander verschränkt. Gelingen wird diese Aufgabe nur, wenn der Mensch künftig einen bewussten Zugang zu den mittelbar oder unmittelbar in der Natur wirkenden und waltenden geistigen Wesen, insbesonders zu den Elementarwesen, findet.

Mit der modernen Technik, namentlich mit der der Elektrotechnik, Elektronik und mit der Anwendung der Kernenergie stößt der Mensch allerdings bereits in den Bereich der Unter-Natur vor, die dem Reich Ahrimans angehört. Es gehört allerdings mit zur wesentlichen Aufgabe des Menschen, auch diese Kräfte zu verwandeln und zu erhöhen, was aber nur gelingen kann, wenn der Mensch seine moralischen Kräfte weit über das heute allgemein gegebenen Maß zu steigern vermag. Gelingt das nicht, muss die Technik notwendig zu einer fortschreitenden Zerstörung der irdischen Natur führen, wie sie heute schon in großem Umfang zu beobachten ist. Auch hier hat man es mit einer Fülle, allerdings ganz anders gearteter, durch die menschliche Tätigkeit geschaffener Elementarwesen zu tun, die der Erlösung durch den Menschen harren.

Was als äußere physische Natur erscheint, ist aus den lebendigen ätherischen Bildekräften herausgewachsen. Diese Wachstumskräfte sind letzlich gedankenartiger Natur, sie sind Wachstumsgesetzmäßigkeiten, allerdings erscheinen sie nicht wie unsere menschlichen Gedanken als bloße Schatten in unserer Seele, sondern sind real gestaltende Kräfte.

"Nicht wesenlose Moleküle liegen dem zugrunde. Alles, was draußen in der Natur sich ausbreitet, es kommt vom Geiste. So ist die Blume eine ätherische Wesenheit, und andrerseits ist durch diese Blume der Geist von außen in die Erde hineingedrungen. In dem, was da aus der Erde heraus an Formen hervorsprießt, zeigt sich uns der höchste Sinn. Man wird nicht nur erkennen durch den Glauben, sondern man wird wissend werden." (Lit.: GA 130, S. 38)

Mensch, Tier und Pflanze tragen diese Bildekräfte noch als Ätherleib in ihrem Wesen; im Mineral ist dieses gestaltende Leben in festen Formen erstorben, aber auch diese Formen sind ursprünglich aus einem lebendigen Bildungsprozess hervorgegangen. Goethe hat etwas davon geahnt, wenn er sagt:

„Natur! Wir sind von ihr umgeben und umschlungen – unvermögend aus ihr herauszutreten, und unvermögend tiefer in sie hineinzukommen. Ungebeten und ungewarnt nimmt sie uns in den Kreislauf ihres Tanzes auf und treibt sich mit uns fort, bis wir ermüdet sind und ihrem Arme entfallen [...]
Gedacht hat sie und sinnt beständig, aber nicht als ein Mensch, sondern als Natur [...]
Leben ist ihre schönste Erfindung, und der Tod ist ihr Kunstgriff viel Leben zu haben.“

Johann Wolfgang Goethe: aus dem Fragment »Die Natur«[1]

Abstrakt logische Gedanken reichen hin, die abgestorbene physische Natur zu begreifen. Um das das Lebendige erfassen zu können, bedarf es eines viel reicheren künstlerisch gestaltenden, bildhaften Denkens, das in sich selbst aber mindestens ebenso konsequent und klar überschaubar ist wie das abstrakt logische Denken.

"Und dann wird deklamiert von der Seite der wahren Wissenschafter: Man muß die Phantasie unterdrücken, man muß die Imagination ausschalten, wenn man die Wirklichkeit erfassen will, und muß sich auf das bloß Logische beschränken. — Ja, das kann man deklamieren, das kann man fordern. Aber denken Sie nur einmal, wenn die Wirklichkeit, wenn die Natur selber eine Künstlerin ist, da nützt es nichts, wenn man vom Menschen aus fordert, man soll nur immer alles logisch begreifen. Dann kann man der Natur eben nicht beikommen mit dem bloßen logischen Begreifen, wenn die Natur selber eine Künstlerin ist. Und die Natur ist eine Künstlerin. Das entdeckt man gerade durch anthroposophische Erkenntnis an einem bestimmten Punkte dieser Erkenntnis. Man muß aufhören, in Ideen zu leben. Man muß anfangen, in Bildern selbst zu denken, um die Natur begreifen zu können, insbesondere das Höchste an der Natur, den physischen Menschen in seinen Formen. Keine Anatomie, keine Physiologie kann den physischen Menschen in seinen Formen begreifen. Das kann allein die von dem künstlerischen Empfinden beflügelte lebendige Erkenntnis." (Lit.: GA 276, S. 114f)

"Da wird nun sogleich der heutige Philosoph kommen und sagen: Das gibt es nicht, in Bildern die Welt erfassen; künstlerisch die Welt erfassen, das gibt es nicht. Ich konstruiere eine Erkenntnistheorie; die Naturgesetze müssen mit Logik umspannt werden. Man muß alles das, was man von der Welt begreifen will, in abstrakte Begriffe, in abstrakte Gesetze bringen können. — Das mag der Mensch halt fordern und er mag solche Erkenntnistheorien begründen, aber wenn die Natur künstlerisch schafft, dann läßt sie sich eben nicht mit solchen Erkenntnistheorien einfangen; dann muß sie eben in Bildern begriffen werden. Nicht wir können der Natur vorschreiben, wodurch sie sich begreifen lassen soll, sondern wir müssen es ihr ablauschen, wodurch sie sich begreifen lassen will. Und sie läßt sich nun schon einmal in ihrem wäßrigen Elemente der Pflanzenwelt nur durch Imagination begreifen, und sie läßt sich in ihrem rhythmischen Leben bis hinaus in die Weltenweitenrhythmen nur begreifen durch die Inspiration, durch das Verfolgen des rhythmischen Lebens, durch das Sich-Hineinleben in das Atmungsleben. Wenn Sie Alpdrücken haben, dann drückt Sie der Rhythmus der Welt, der so vehement über Sie kommt, daß Sie ihn nicht aushalten können. Wenn Sie aber, nachdem Sie gewisse Übungen durchgemacht haben, nun selber hineinkriechen können in dieses Luftelement, selber sich bewegen können mit dem Rhythmus, dann geraten Sie in die Welt der Inspiration hinein, dann sind Sie außerhalb Ihres Leibes, so wie die Luft selber, die einzieht, außerhalb Ihres Leibes ist. Dann bewegen Sie sich mit der Luft in den Leib hinein, heraus. Dann gehen Sie über zum Begriff dessen, was der Mensch in Wahrheit ist, nicht dessen, was nach seinem Tode im Grabe liegt und was die heutige Wissenschaft begreifen kann.

Aber man muß sich zugleich aufschwingen von abstrakten Begriffen, von bloß logischen Bildern zu Imaginationen, zu Inspirationen und dann zu Intuitionen." (Lit.: GA 205, S. 41f)

Der Ursprung der gestaltbildenden Kräfte liegt in den Schöpfungsgedanken der Götter - im Falle unserer Erdentwicklung sind das die Elohim, die Geister der Form. Sie haben sich aber aus ihrem Werk mittlerweile zurückgezogen:

"Sehen wir uns, um das zu verstehen, einmal unsere Welt, so wie sie uns heute vorliegt, und wie wir selbst drinnen stehen, näher an. Sehen Sie einmal ab von dem Menschen selbst in der ganzen weiten Welt, sehen Sie auf alles dasjenige, was sich in der ganzen weiten Welt findet, sagen wir als Wolken, Berge, Flüsse, als die Gebilde des mineralischen, des pflanzlichen, des tierischen Reiches, und fragen wir uns: Was ist denn eigentlich in dem ganzen Umkreise dessen, was man so bezeichnen darf, wie ich es eben getan habe? - Wollen wir uns einmal schematisch das aufzeichnen, um was es sich da handelt. Sagen wir: Alles dasjenige, was wir über uns sehen können (siehe Zeichnung, oben), alles

Zeichnung aus GA 198, S 285

dasjenige, was sich als Mineralisches (rot), als Pflanzliches (grün) und bis zu einem gewissen Grade auch als tierisches Leben um uns ausbreitet - von dem Menschen sehen wir dabei ab, was es ja natürlich in Wirklichkeit gar nicht geben kann, was wir uns eben hypothetisch vor die Seele führen können -, also wir stellen uns vor, das sei die menschenentblößte Natur. Da, in dieser ganzen menschenentblößten Natur, gibt es keine Götter. Das ist dasjenige, was durchschaut werden muß! Es gibt in dieser menschenentblößten Natur ebensowenig Götter, wie es in der abgesonderten Austernschale die Auster gibt oder in der abgesonderten Schneckenschale die Schnecke gibt. Diese ganze Welt, von der ich Ihnen jetzt hypothetisch gesprochen habe, bei der wir absehen vom Menschen, sie ist dasjenige, was die Götterwesen im Laufe der Entwickelung abgesondert haben, wie die Auster ihre Schale absondert. Aber die Götter, die geistigen Wesen, sind nicht mehr darinnen, so wenig wie die Auster oder die Schnecke in ihren abgesonderten Schalen sind. Was wir als die Welt, die ich bezeichnet habe, um uns haben, ist ein Vergangenes. Indem wir hinschauen auf die Natur, schauen wir auf die Vergangenheit des Geistigen hin und auf das, was aus dieser Vergangenheit des Geistigen als ein Rückstand geblieben ist. Daher gibt es auch keine Möglichkeit, zu einem wirklich religiösen Bewußtsein bloß durch die Anschauung der Außenwelt zu kommen; denn man soll nur ja nicht glauben, daß in dieser Außenweit irgend etwas vorhanden ist von dem, was die eigentlich menschheitsschöpferischen geistig-göttlichen Wesen sind. Elementarwesen, gewiß, niedere geistige Wesenheiten, das ist etwas anderes; aber dasjenige, was eigentlich die schöpferischen geistigen Wesenheiten sind, die in das religiöse Bewußtsein als solches einzugehen haben, das gehört dieser Welt nur insofern an, als diese Welt die Schale davon ist, das Residuum, der Rückstand." (Lit.: GA 198, S. 285)

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit, GA 130 (1995), ISBN 3-7274-1300-X pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Heilfaktoren für den sozialen Organismus, GA 198 (1984), ISBN 3-7274-1980-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Menschenwerden, Weltenseele und Weltengeist – Erster Teil, GA 205 (1987), ISBN 3-7274-2050-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes, GA 230 (1985) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Das Künstlerische in seiner Weltmission, GA 276 (2002), ISBN 3-7274-2760-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Flensburger Hefte 79 Was die Naturgeister uns sagen - Im Interview direkt befragt ISBN 3-935679-09-2
  7. Flensburger Hefte 80 Neue Gespräche mit den Naturgeistern ISBN 3-935679-10-6
  8. FH-Sonderheft Nr. 21 Naturgeister 3 - Von Rauch-, Wiesen-, Torf- und Maschinenwesen ISBN 3-935679-17-3
  9. FH-Sonderheft Nr. 22 Naturgeister 4 - Fragenkompendium ISBN 3-935679-18-1
  10. Karsten Massei: Botschaften der Elementarwesen, Futurum Verlag, 2012 ISBN 978-3856362362
  11. Karsten Massei: Schule der Elementarwesen, Futurum Verlag, 2013 ISBN 978-3856362294
  12. Karsten Massei: Die Gaben der Bienen, Futurum Verlag, 2013 ISBN 978-3856362430
  13. Karsten Massei: Zwiegespräche mit der Erde: Ein innerer Erfahrungsweg, Futurum Verlag, 2014 ISBN 978-3856362461


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Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Goethes Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Band 13, Hamburg 1948 ff. Die Natur (Fragment) [1]