Weihnachtstagung

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Die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 1923/1924 fand vom 24. Dezember 1923 bis zum 1. Januar 1924 in Dornach statt, nachdem schwerwiegende Probleme innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft und eine wachsende äußere Gegnerschaft eine grundlegende Reorganisation/Neukonstituierung[1] der Gesellschaft notwendig erscheinen ließen. In dem am 24. Dezember 1923 um 11 Uhr 15 vormittags gehaltenen Eröffungsvortrag umriss Rudolf Steiner die Gesinnung, aus der heraus die Anthroposophische Gesellschaft erneuert werden sollte:

"Anknüpfen wollen wir heute an dasjenige, woran wir so sehr gern angeknüpft hätten schon 1913. Da wollen wir den Faden wiederum aufnehmen, meine lieben Freunde, und wollen als obersten Grundsatz in unsere Seelen einschreiben für die anthroposophische Bewegung, die ihre Hülle haben soll in der Anthroposophischen Gesellschaft, daß alles in ihr geistgewollt ist, daß sie sein will eine Erfüllung desjenigen, was die Zeichen der Zeit mit leuchtenden Lettern zu den Herzen der Menschen sprechen.

Nur wenn wir in dieser Art die anthroposophische Bewegung in uns selbst zu unserer tiefsten Herzensangelegenheit machen können, wird die Anthroposophische Gesellschaft bestehen. Wenn wir das nicht können, wird sie nicht bestehen. Denn das wichtigste von allem, was hier getan werden soll in diesen Tagen, ist zu tun in Ihrer aller Herzen, meine lieben Freunde. Was wir sagen und hören, wir werden es nur in der rechten Weise zum Ausgangspunkt für die Entwickelung der anthroposophischen Sache machen, wenn unser Herzblut dafür zu schlagen fähig ist. Und aus diesem Grunde eigentlich, meine lieben Freunde, haben wir Sie hierher gerufen, um im echten anthroposophischen Sinne eine Harmonie von Herzen hervorzurufen. Und wir geben uns der Hoffnung hin, daß gerade dieser Appell in der rechten Weise verstanden werden könne." (Lit.: GA 260, S. 35f)

Die Grundsteinlegung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft erfolgte am 25. Dezember 1923 um 10 Uhr vormittags, indem Rudolf Steiner den Grundstein, der von nun an das geistige Fundament der erneuerten Gesellschaft bilden sollte, in Form des Grundsteinspruches - als eine der Gegenwart gemäße Fassung des alten Mysterienwortes: «Erkenne dich selbst!» - in die Herzen der Mitglieder legte (Lit.: GA 260, S. 60ff).

In den am 1. Januar 1924 gesprochenen Abschiedsworten charakterisierte Rudolf Steiner eindringlich das Zukunftsziel des anthroposophischen Strebens:

"Und hier in Dornach muß eine Stätte sein, wo für diejenigen Menschen, die es hören wollen, gesprochen werden kann von allen wichtigen, unmittelbaren Erlebnissen in der geistigen Welt. Hier muß eine Stätte sein, wo die Kraft gefunden wird, nicht bloß in ausspintisierender, dialektisch-empirischer Wissenschaftlichkeit der Gegenwart hinzu- deuten darauf, daß es da oder dort solche kleinen Spuren des Geistigen gibt, sondern wenn Dornach seine Aufgabe erfüllen will, dann muß hier offen von dem, was in der geistigen Welt vorgeht geschichtlich, was in der geistigen Welt vorgeht als Impulse, die dann in das natürliche Dasein hineingehen und die Natur beherrschen, es muß in Dornach von wirklichen Erlebnissen, von wirklichen Kräften, von wirklichen Wesenheiten der geistigen Welt der Mensch hören können. Hier muß die Hochschule der wirklichen Geisteswissenschaft sein." (Lit.: GA 260, S. 275f)

In diesem Sinn begründete Rudolf Steiner im Anschluss an die Weihnachtstagung die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. In der Hochschularbeit soll die geistige Welt, die in der Anthroposophie zunächst in Ideenform beschrieben wird, durch höhere Ausdrucksformen dargestellt werden, die unmittelbar der geistigen Welt selbst entlehnt sind. Rudolf Steiner erneuerte damit die von ihm von 1904 bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914 in drei Klassen geführte Esoterische Schule, die aber nun in zeitgemäßer Form nicht mehr als Geheimschule, sondern im vollen Licht der Öffentlichkeit geführt werden sollte, und erweiterte sie zugleich um künstlerische und wissenschaftliche Sektionen. Die von Rudolf Steiner im Rahmen der Hochschule gehaltenen esoterischen Klassenstunden sind mittlerweile in GA 270 in vollem Umfang veröffentlicht:

Band I: 1. - 9. Stunde pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
Band II: 10. - 19. Stunde pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
Band III: 7 Wiederholungsstunden, 4 Einzelstunden in Prag, Bern und London (2) pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
Band IV: Tafelband pdf

Anmerkungen

  1. Organisation und Konstitution sind keine Synonyme. Es gibt lediglich analytisch eine je nach dem, wie die Begriffe gefaßt werden, mehr oder weniger große gemeinsame Unterbegrifflichkeit.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 1923/24, GA 260 (1994), ISBN 3-7274-2602-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org html
  2. Rudolf Steiner: Die Konstitution der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Der Wiederaufbau des Goetheanum, GA 260a (1987), ISBN 3-7274-2606-3 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org html
  3. Rudolf Steiner: Esoterische Unterweisungen für die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum 1924, GA 270 I-IV (1999), ISBN 3-7274-2700-0
  4. Rudolf Steiner: Der Meditationsweg der Michaelschule in neunzehn Stufen. Rudolf Steiners esoterisches Vermächtnis aus dem Jahre 1924, Perseus Vlg. Basel 2011 ISBN 978-3-907564-79-0
  5. Rudolf Steiner: Der Meditationsweg der Michaelschule, Ergänzungsband. Die Wiederholungsstunden in Prag, Bern, London und Dornach, Perseus Vlg., Basel 2011 ISBN ISBN 978-3-907564-87-5


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