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Bibliothek:Rudolf Steiner/Naturwissenschaft/GA 320 Geisteswissenschaftliche Impulse zur Entwickelung der Physik I/Zweiter Vortrag

Aus AnthroWiki

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ZWEITER VORTRAG

Stuttgart, 24. Dezember 1919

Ich habe Ihnen gestern davon gesprochen, wie auf der einen Seite der Naturbetrachtung steht das bloß Phoronomische, das wir gewinnen können, indem wir einfach die Vorstellungen, die wir uns bilden wollen über alles dasjenige, was an physikalischen Vorgängen durch Zählbares, durch Räumliches und durch die Bewegung verläuft, aus unserem Vorstellungsleben heraus bilden. Dieses Phoronomische können wir gewissermaßen aus unserem Vorstellungsleben heraus spinnen. Aber so bedeutsam es ist, daß, was wir so auch etwa an mathematischen Formeln gewinnen über alles, was sich auf Zählbares, auf Raum und auf Bewegung bezieht, daß dieses auch paßt auf die Naturvorgänge selbst, so bedeutsam ist es auf der anderen Seite, daß wir in dem Augenblick an die äußere Erfahrung herangehen müssen, in dem wir von dem Zählbaren, von dem rein Räumlichen und von der Bewegung zum Beispiel nur schon zur Masse vordringen. Das haben wir uns gestern klar gemacht, und wir haben vielleicht auch daraus ersehen, daß für die gegenwärtige Physik der Sprung von der inneren Konstruktion des Naturgeschehens durch die Phoronomie in die äußere physische Empirie hineingetan werden muß, ohne daß dieser Sprung eigentlich verstanden werden kann. Sehen Sie, ohne daß man wird Schritte dazu machen, diesen Sprung zu verstehen, wird es unmöglich sein, jemals Vorstellungen über das zu gewinnen, was in der Physik der Äther genannt werden soll. Ich habe Ihnen ja schon gestern an gedeutet, daß zum Beispiel für die Licht- und Farbenerscheinungen die gegenwärtige Physik, obwohl sie schon in diesen Vorstellungen ins Wanken geraten ist, vielfach noch sagt: Auf uns wird eine Licht-und Farbenwirkung ausgeübt, auf uns als Sinnenwesen, als Nerven-wesen oder auch als Seelenwesen. Aber diese Wirkung sei subjektiv. Was draußen im Raum und in der Zeit vor sich geht, das sei objektiv Bewegung im Äther. Wenn Sie aber in der heutigen physikalischen Literatur oder sonst im physikalischen Leben nachsehen über die Vorstellungen, die man sich über diesen Äther gebildet hat, der bewirken
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soll die Lichterscheinungen, so werden Sie finden, daß diese Vorstellungen einander widersprechend und verworren sind, und man kann auch mit demjenigen, was der heutigen Physik zur Verfügung steht, wirklich sachgemäße Vorstellungen über das, was Äther genannt werden soll, nicht gewinnen.
Wir wollen einmal versuchen, den Weg anzutreten, der wirklich zur Überbrückung jener Kluft führen kann zwischen Phoronomie und auch nur der Mechanik, denn diese hat es natürlich mit Kräften und mit Massen zu tun. Ich will - obwohl das, was durch diese Formel aus gedrückt wird, uns später noch beschäftigen kann, so daß auch diejenigen von Ihnen, die sich vielleicht an diese Formel nicht mehr erinnern aus ihrer Schulzeit her, das werden nachholen können, was zum Verständnis gehört -, ich will sie heute nur als Lehrsatz vor führen. Ich werde die Elemente zusammenstellen, damit Sie sich diese Formel ein wenig vor die Seele rücken können.
Sehen Sie, wenn wir im Sinne jetzt der Phoronomie annehmen, daß ein Punkt - wir müssen da eigentlich immer sagen ein Punkt -, daß ein Punkt sich bewegt, bewegt in dieser Richtung, so bewegt sich solch ein Punkt - wir sehen jetzt nur auf die Bewegung, nicht auf ihre Ursachen - entweder schneller oder langsamer. Wir können daher sagen: Der Punkt bewegt sich mit größerer oder geringerer Geschwindigkeit. Und ich will die Geschwindigkeit v nennen. Diese Geschwindigkeit ist also eine größere oder eine geringere. Solange wir nichts anderes beachten, als daß sich ein solcher Punkt mit einer gewissen Geschwindigkeit bewegt, so lange bleiben wir innerhalb der Phoronomie stehen. Aber damit würden wir an die Natur nicht herankommen können, nicht einmal an die bloß mechanische Natur. Wir müssen, wenn wir an die Natur herankommen wollen, darauf Rücksicht nehmen, wodurch der Punkt sich bewegt und daß ein bloß gedachter Punkt sich nicht bewegen kann, daß also der Punkt etwas im äußeren Raum sein muß, wenn er sich bewegen soll. Kurz, wir müssen an nehmen, daß eine Kraft wirkt auf diesen Punkt. Das v will ich die Geschwindigkeit nennen, p will ich die Kraft nennen, die auf diesen Punkt wirkt. Diese Kraft, wir wollen annehmen, daß sie nun nicht bloß einmal auf diesen Punkt gewissermaßen drückt und ihn in Bewegung
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bringt, wodurch er ja schließlich fortfliegen würde mit einer Geschwindigkeit, wenn er kein Hindernis fände, sondern wir wollen ausgehen von der Annahme, daß diese Kraft fortwährend wirkt, daß also während dieses ganzen Weges die Kraft auf diesen Punkt wirkt. Und die Wegstrecke, während welcher diese Kraft auf den Punkt wirkt, will ich s nennen. Dann müssen wir außerdem Rücksicht nehmen darauf, daß der Punkt etwas sein muß im Raum, und dieses Etwas, das kann größer oder geringer sein. Je nachdem dieses Etwas größer oder geringer ist, können wir sagen: Der Punkt hat mehr oder weniger Masse. Die Masse drücken wir ja zunächst aus durch das Gewicht. Wir können das, was durch die Kraft bewegt wird, abwiegen und können es durch das Gewicht ausdrücken; m nenne ich also die Masse. Wenn aber nun auf die Masse m die Kraft p wirkt, so muß natürlich eine gewisse Wirkung entstehen. Diese äußert sich dadurch, daß die Masse nun nicht mit gleichförmiger Geschwindigkeit, sondern schneller und schneller sich weiterbewegt, daß die Geschwindigkeit immer größer und größer wird. Das heißt, wir müssen darauf Rücksicht nehmen, daß wir es mit einer zunehmenden Geschwindigkeit zu tun haben. Es wird ein gewisses Maß vorhanden sein, nach welchem die Geschwindigkeit zunimmt. Wenn auf dieselbe Masse eine kleinere Kraft wirkt, so wird diese die Bewegung weniger schneller und schneller machen können, und wenn auf dieselbe Masse eine größere Kraft wirkt, so wird sie die Bewegung mehr schneller und schneller machen können. Dieses Maß, in dem die Geschwindigkeit zunimmt, will ich die Beschleunigung nennen und mit y bezeichnen. Was uns aber jetzt vor allen Dingen interessiert, ist das Folgende. Und da will ich Sie eben erinnern an eine Formel, die Sie wahrscheinlich kennen, an die Sie sich nur erinnern sollen. Wenn man das Produkt bildet aus der Kraft, welche auf die Masse wirkt, in die Wegstrecke, so ist dieses Produkt gleich, das heißt es kann auch ausgedrückt werden dadurch, daß man die Masse multipliziert mit dem Quadrate der Geschwindigkeit und durch 2 dividiert das heißt es ist ps = mv2/2 . Wenn Sie die von mir aus rechte Seite der Formel in Betracht ziehen, so sehen Sie darinnen eben die Masse. Sie können aus der Gleichung ersehen, daß, je größer die Masse wird, desto größer muß die Kraft sein. Aber,
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was uns jetzt interessiert, ist das, daß wir auf der rechten Seite der Gleichung die Masse haben, also dasjenige, was wir phoronomisch keines wegs erreichen können. Nun handelt es sich darum: Soll man sich nun einfach gestehen, daß alles dasjenige, was außerhalb des Phoronomischen liegt, immer unerreichbar bleiben müsse, daß wir das gewisser maßen nur vom Anglotzen, vom Anschauen kennenlernen sollen, oder gibt es doch jene Brücke, die die heutige Physik nicht finden kann, zwischen dem Phoronomischen und dem Mechanischen? Sehen Sie, die heutige Physik kann den Übergang heute nicht finden - und die Folgen davon sind ungeheuerlich - aus dem Grunde, weil sie keine wirkliche Menschenkunde, keine wirkliche Physiologie hat, weil man eigentlich den Menschen nicht wirklich kennt. Sehen Sie, schreibe ich v2 hin, dann habe ich etwas, was rein im Zählbaren und in der Bewegung aufgeht. Insoweit ist die Formel gewissermaßen eine phoronomische. Schreibe ich das m hin, so muß ich mich fragen: Gibt es irgend etwas in mir selber, was dem entspricht, ähnlich dem entspricht, wie meine Vorstellung des Zählbaren, des Räumlichen entspricht demjenigen, was ich zum Beispiel mit v hinschreibe? Was entspricht also dem m? Was tue ich denn eigentlich? Der Physiker ist sich gewöhnlich nicht bewußt, indem er das m hirschreibt, was er da tut. Nun sehen Sie, diese Frage führt darauf zurück: Kann ich überhaupt in ähnlicher Art überschauen, was in dem m liegt, wie ich phoronomisch über schauen kann, was im v liegt? Man kann es, wenn man das Folgende sich zum Bewußtsein bringt: Wenn Sie mit dem Finger auf irgend etwas drücken, so machen Sie sich gewissermaßen bekannt mit der ein¬fachsten Form eines Druckes. Die Masse verrät sich ja - ich habe Ihnen gesagt: Man kann sie sich vergegenwärtigen dadurch, daß man sie abwiegt - durch nichts anderes zunächst als dadurch, daß sie einen Druck auszuüben vermag. Mit einem solchen Druck kann man sich bekannt machen, indem man mit dem Finger auf etwas drückt. Aber nun muß man sich fragen: Geht in uns etwas Ähnliches vor, wenn wir mit dem Finger auf etwas drücken, also einen Druck erleben, wie wenn wir zum Beispiel einen bewegten Körper überschauen? Ja, es geht schon etwas vor. Das, was vorgeht, das können Sie sich dadurch klar machen, daß Sie den Druck immer stärker und stärker machen. Versuchen Sie es
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einmal - oder versuchen Sie es lieber nicht -, einen Druck auf eine Körperstelle auszuüben und immer mehr und mehr zu verstärken, stärker und stärker zu machen! Was wird geschehen? Nun, wenn Sie ihn genügend stark machen, verlieren Sie die Besinnung, das heißt, Ihr Bewußtsein geht Ihnen verloren. Daraus aber können Sie schließen, daß diese Erscheinung des Bewußtsein-verloren-Gehens gewisser maßen im Kleinen auch stattfindet, wenn Sie den noch erträglichen Druck ausüben. Nur geht eben so wenig von der Kraft des Bewußtseins verloren, daß Sie es noch aushalten können. Aber das, was ich Ihnen charakterisiert habe als den Bewußtseinsverlust bei einem so starken Druck, daß man ihn nicht mehr aushalten kann, das ist teilweise im Kleinen auch dann vorhanden, wenn wir irgendwie in Berührung kommen mit einer Druckwirkung, mit einer Wirkung, die von einer Masse ausgeht. Und jetzt brauchen Sie den Gedanken nur weiter zu verfolgen, dann werden Sie nicht mehr ferne davon sein, das¬jenige, was mit dem m hingeschrieben wird, zu verstehen. Während alles Phoronomische gewissermaßen neutral mit unserem Bewußtsein vereint wird, sind wir bei dem, was wir mit dem m bezeichnen, nicht in dieser Lage, sondern da dämpft sich unser Bewußtsein sogleich her ab. Kleine Partien der Herabdämpfung des Bewußtseins können wir noch aushalten, große nicht mehr. Aber dasjenige, was zugrunde liegt, ist dasselbe. Indem wir m hinschreiben, schreiben wir das in der Natur hin, was, wenn es sich mit unserem Bewußtsein vereinigt, dieses Bewußtsein aufhebt, das heißt uns partiell einschläfert. So treten wir mit der Natur in eine Beziehung, aber in eine solche Beziehung, die unser Bewußtsein partiell einschläfert. Sie sehen, warum das nicht phoronomisch verfolgt werden kann. Alles Phoronomische liegt neutral in unserem Bewußtsein. Wenn wir darüber hinausgehen, treten wir in die Partien ein, die unserem Bewußtsein entgegengesetzt liegen und die es aufheben. Also, indem wir die Formel ps = mv2/2 hinschreiben, müssen wir uns sagen: Unsere Menschenerfahrung enthält ebenso das m wie sie das v enthält, aber unser gewöhnliches Bewußtsein reicht nur nicht aus, um dieses m zu umfassen. Dieses m saugt uns sogleich die Kraft unseres Bewußtseins aus. Jetzt haben Sie eine reale Beziehung zum Menschen. Eine ganz reale Beziehung zum Menschen. Sie sehen, es
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müssen Bewußtseinszustände zu Hilfe genommen werden, wenn wir das Naturgemäße verstehen wollen. Ohne diese Zuhilfenahme gelingt es nicht, vom Phoronomischen auch nur zum Mechanischen vor zuschreiten.
Nun aber, wenn wir auch mit unserem Bewußtsein in all dem, was zum Beispiel mit m bezeichnet werden kann, nicht drinnen leben können, mit unserem ganzen Menschen leben wir doch darinnen. Namentlich leben wir mit unserem Willen darinnen, und wir leben sehr stark mit unserem Willen darinnen. Wie wir in der Natur mit unserem Willen darinnenleben, will ich an einem Beispiel veranschaulichen.
Da muß ich aber ausgehen von etwas, das Sie wieder erinnern müssen aus der Schulzeit. Ich will Ihnen etwas zurückrufen, was Sie während Ihrer Schulzeit gut kennengelernt haben. Sie wissen, daß, wenn wir hier eine Waage haben, so können wir, wenn wir hier das Waaggewicht daraufgeben, einen gleichschweren Gegenstand, den ich eben jetzt nur anhängen will, um die Waagebalken in Gleichgewicht zu bringen, können wir diesen Gegenstand abwiegen; wir finden sein Gewicht. In dem Augenblick, wo wir ein Gefäß mit Wasser hierher
Bild GA 320 48
stellen - es ist bis hierher gefüllt (Zeichnung) -, in welches Wasser wir den Gegenstand hineinversenken, in dem Augenblick schnellt der Waagebalken hinauf. Dadurch, daß der Gegenstand ins Wasser getaucht ist, wird er leichter, verliert er von seinem Gewicht. Und wenn wir prüfen, wieviel er leichter geworden ist, wenn wir notieren, wieviel wir abziehen müssen, wenn wir die Waage wieder ins Gleichgewicht bringen, dann finden wir, daß der Gegenstand jetzt um soviel
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leichter ist, als das Gewicht des Wassers beträgt, das er verdrängt hat. Also, wenn wir diesen Rauminhalt Wasser abwiegen, so gibt uns das den Gewichtsverlust. Sie wissen, man nennt das das Gesetz des Auftriebes und sagt: Jeder Körper wird in einer Flüssigkeit um soviel leichter, als das Gewicht der Flüssigkeit beträgt, die er verdrängt. Sie sehen also, wenn ein Körper in einer Flüssigkeit ist, so strebt er nach oben, so entzieht er sich in gewisser Weise dem Druck nach unten, dem Gewichte. Dasjenige, was man so objektiv physikalisch beobachten kann, das hat in der Konstitution des Menschen eine sehr wichtige Bedeutung.
Sehen Sie, unser Gehirn wiegt durchschnittlich 1250 Gramm. Wenn dieses Gehirn, indem wir es in uns tragen, wirklich 1250 Gramm wie gen würde, dann würde es so stark drücken auf die unter ihm befindlichen Blutadern, daß das Gehirn nicht in richtiger Weise mit Blut versorgt werden könnte. Es würde ein starker Druck ausgeübt werden, der das Bewußtsein sogleich umnebeln würde. In Wahrheit drückt das Gehirn gar nicht mit den vollen 1250 Gramm auf die Unterfläche der Schädelhöhle, sondern nur mit etwa 20 Gramm. Das kommt davon her, daß das Gehirn in der Gehirnflüssigkeit schwimmt. So wie der Körper hier im Wasser schwimmt, so schwimmt das Gehirn in der Gehirnflüssigkeit. Und das Gewicht der Gehirnflüssigkeit, die verdrängt wird durch das Gehirn, beträgt eben ungefähr 1230 Gramm. Um diese wird das Gehirn leichter und hat nur noch 20 Gramm. Das heißt, wenn man nun auch - und das tut man ja mit einem gewissen Recht - das Gehirn als das Werkzeug unserer Intelligenz und unseres Seelenlebens, wenigstens eines Teiles unseres Seelenlebens, betrachtet, so muß man nicht bloß rechnen mit dem wägbaren Gehirn - denn dieses ist nicht allein da -, sondern dadurch, daß ein Auftrieb da ist, strebt das Gehirn eigentlich nach aufwärts, strebt seiner eigenen Schwere entgegen. Das heißt, wir leben mit unserer Intelligenz nicht in abwärtsziehenden, sondern in aufwärtsziehenden Kräften. Wir leben mit unserer Intelligenz in einem Auftrieb drinnen.
Nun ist das, was ich Ihnen auseinandergesetzt habe, allerdings nur für unser Gehirn so. Die anderen Teile unseres Organismus, also von dem Boden der Schädeldecke nach unten, die sind nur zum kleinsten
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Teil - nur das Rückenmark - in derselben Lage. Aber im ganzen streben die anderen Teile des Organismus nach unten. Da leben wir also in dem Zug nach unten. Wir leben im Gehirn im Auftriebe, nach aufwärts, und sonst im Zuge nach unten. Unser Wille lebt durchaus im Zug nach unten. Er muß sich vereinigen mit dem Druck nach unten. Dadurch aber wird ihm das Bewußtsein genommen. Dadurch schläft er fortwährend. Gerade das ist das Wesentliche der Willenserscheinung, daß sie als bewußte ausgelöscht wird, deshalb, weil sich der Wille mit der nach unten gerichteten Schwerkraft vereinigt. Und unsere Intelligenz wird lichtvoll dadurch, daß wir uns vereinigen können mit dem Auftrieb, daß unser Gehirn entgegenarbeitet der Schwerkraft.
Sie sehen, durch die verschiedenartige Vereinigung des menschlichen Lebens mit dem zugrunde liegenden Materiellen wird auf der einen Seite das Untergehen des Willens in der Materie bewirkt und auf der anderen Seite wird die Aufhellung des Willens zur Intelligenz bewirkt. Niemals könnte die Intelligenz entstehen, wenn unser Seelen-wesen gebunden wäre an eine bloß nach abwärtsstrebende Materie.
Nun bedenken Sie, daß wir also eigentlich erleben, richtig erleben, wenn wir nicht in der heutigen Abstraktion den Menschen betrachten, sondern so betrachten, wie er wirklich ist, so daß das Geistige mit dem Physischen zusammenkommt - da muß nur das Geistige so stark gedacht werden, daß es auch die physische Kenntnis umfassen kann -, daß bei ihm auf der einen Seite durch eine besondere Vereinigung mit dem materiellen Leben, nämlich mit dem Auftrieb im materiellen Leben, die Aufhellung in die Intelligenz ist und auf der anderen Seite die Einschläferung, wenn wir den Willen gewissermaßen aufsaugen lassen müssen von dem nach unten gerichteten Druck, so daß der Wille im Sinne dieses nach unten gerichteten Druckes wirkt. Er wirkt so. Nur ein kleiner Teil von ihm filtriert sich durch bis zu dem 20-Gramm-Druck, geht in die Intelligenz hinein. Daher ist die Intelligenz etwas vom Willen durchdrungen. Aber im wesentlichen haben wir es in der Intelligenz zu tun mit dem, was entgegengesetzt ist der ponderablen Materie. Wir wollen immer über den Kopf hinaus, indem wir denken.
Hier sehen Sie, wie in der Tat sich zusammenschließen muß das physische Erkennen mit demjenigen, was im Menschen lebt. Bleiben
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wir innerhalb des Phoronomischen stehen, dann haben wir es zu tun mit den heute so beliebten Abstraktionen, und wir können keine Brücke bauen zwischen diesen beliebten Abstraktionen und demjenigen, was die äußere Naturwirklichkeit ist. Wir brauchen eine Erkenntnis mit so stark geistigem Inhalt, daß dieser -geistige Inhalt wirklich untertauchen kann in die Naturerscheinungen und daß er- zum Beispiel so etwas begreifen kann, wie das physikalische Gewicht und der Auf-trieb im Menschen selber wirken.
Nun habe ich Ihnen gezeigt, wie der Mensch sich innerlich auseinandersetzt mit dem Druck nach unten und dem Auftrieb, wie er sich also hineinlebt in den Zusammenhang zwischen Phoronomischem und Materiellem. Aber Sie sehen, man braucht dazu eine neue wissenschaftliche Vertiefung. Mit der alten wissenschaftlichen Gesinnung ist das nicht zu machen. Diese erfindet Wellenbewegungen oder Emissionen, die aber auch nur rein abstrakt sind. Sie sucht den Weg hinüber in die Materie geradezu durch Spekulation, kann ihn natürlich dadurch nicht finden. Eine wirklich geistige Wissenschaft, die sucht den Weg hinüber in die Materie, indem sie versucht, wirklich unterzutauchen in die Materie, indem also das Seelenleben nach Wille und Intelligenz verfolgt wird bis in die Druck- und Auftriebserscheinungen hinein. Da haben Sie wirklichen Monismus. Der kann nur entstehen von der geistigen Wissenschaft aus. Nicht jener Wortmonismus, der vom Nichtwissen heute so stark getrieben wird. Aber es ist eben not wendig, daß gerade die Physik, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, ein wenig Grütze in den Kopf bekommt, indem sie solche Erscheinungen, die da sind, auf der anderer Seite mit der physiologischen Erscheinung des Schwimmers des Gehirns in Zusammen hang bringt. Sobald man den Zusammenhang hat, weiß man: So muß es sein, denn es kann das archimedische Prinzip nicht aufhören Geltung zu haben für das im Gehirnwasser schwimmende Gehirn. Nun aber, was geschieht denn dadurch, daß wir mit Ausnahme der 20 Gramm, in die der unbewußte Wille hineinspielt, durch unser Gehirn eigentlich leben in der Sphäre des Intelligenten? Dadurch sind wir, insoferne wir uns des Gehirns als Werkzeug bedienen, für unsere Intelligenz entlastet vordem nach unten ziehenden Materiellen.
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Das scheidet in so hohem Grade aus, daß ein Gewicht von 1230 Gramm verlorengeht. In so hohem Grade schaltet sich die Materie aus. Dadurch, daß sie sich in so hohem Grade ausschaltet, sind wir in der Lage, wirksam sein zu lassen in besonderem Maße für unser Gehirn unseren Ätherleib. Der kann tun, was er will, weil er nicht beirrt wird durch die Schwere der Materie. Im übrigen Organismus wird der Äther überwältigt von der Schwere der Materie. Da haben Sie eine Gliederung des Menschen so, daß Sie für alles, was der Intelligenz dient, gewissermaßen den Äther frei bekommen, für alles andere haben Sie den Äther an die physische Materie gebunden. So daß für unser Gehirn der Ätherorganismus übertönt den physischen Organismus, und für den übrigen Leib die Einrichtung und die Kräfte unseres physischen Organismus übertönen die des Ätherorganismus.
Nun, ich habe Sie vorher aufmerksam gemacht auf jene Beziehung, in die Sie zur Außenwelt treten, wenn Sie sich einem Druck aussetzen. Da ist eine Einschläferung vorhanden. Es gibt aber auch noch andere Beziehungen, und eine will ich heute vorwegnehmen, das ist die Beziehung zur Außenwelt, die eintritt, wenn wir die Augen aufmachen und in einem lichterfüllten Raum sind. Da findet offenbar eine ganz andere Beziehung zur Außenwelt statt, als wenn wir auf die Materie aufstoßen und mit dem Druck Bekanntschaft machen. Wenn wir uns dem Licht exponieren, ja, da geht nicht nur nichts vom Bewußtsein verloren, sondern, sofern das Licht nur als Licht wirkt, kann jeder, der da will, empfinden, daß sein Bewußtsein Anteil nimmt gegenüber der Außenwelt dadurch, daß er sich dem Licht exponiert, daß es geradezu mehr aufwacht. Die Kräfte des Bewußtseins vereinigen sich in einer gewissen Weise - wir werden das noch genauer besprechen -, vereinigen sich gewissermaßen mit demjenigen, was uns im Licht entgegentritt. Aber im Licht und am Licht treten uns ja auch Farben entgegen. Das Licht ist eigentlich etwas, von dem wir gar nicht sagen können, daß wir es sehen können. Mit Hilfe des Lichtes sehen wir die Farben, aber wir können nicht eigentlich sagen, daß wir das Licht sehen. Warum wir das sogenannte weiße Licht sehen, davon werden wir noch sprechen.
Nun handelt es sich darum, daß alles dasjenige, was uns als Farbe
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entgegentritt, uns eigentlich ebenso polarisch entgegentritt, wie uns entgegentritt polarisch, sagen wir, der Magnetismus: positiver Magnetismus, negativer Magnetismus. So tritt uns auch dasjenige, was uns als Farbe entgegentritt, polarisch entgegen. Auf der einen Seite des Poles ist alles das, was wir etwa als Gelb und, mit dem Gelb verwandt, als Orange und Rötlich bezeichnen können. Auf der anderen Seite des Poles ist Blau und alles das, was wir verwandt mit dem Blau bezeichnen können: Indigo, Violett und selbst noch mindere Schichten von Grün. Warum sage ich, daß uns das Farbige polarisch entgegentritt? Sehen Sie, die Polarität des Farbigen, die muß wie, ich möchte sagen, eine der signifikantesten Erscheinungen in der ganzen Natur nur richtig studiert werden. Wenn Sie gleich schreiten wollen zu demjenigen, was in dem Sinn, wie ich Ihnen das gestern auseinandergesetzt habe, Goethe das Urphänomen nennt, so kann man zu diesem Urphänomen des Farbigen zunächst dadurch kommen, daß man das Farbige am Licht überhaupt aufsucht.
Nun wollen wir heute als ein erstes Experiment das Farbige am Licht, so gut es geht, aufsuchen. Ich werde zunächst das Experiment Ihnen erklären. Das können wir in der folgenden Weise: Man kann durch einen schmalen Spalt, der - zunächst nehmen wir ihn kreisförmig an - in eine sonst undurchsichtige Wand eingeschnitten ist,
Bild GA 320 53
Licht einlassen. Dieses Licht lassen wir also durch diesen Spalt herein fluten. Wenn wir dieses Licht hereinfluten lassen und gegenüber der Wand, durch die das Licht hereinflutet, einen Schirm stellen, so erscheint eine beleuchtete Kreisfläche durch das hereinflutende Licht.
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Am bester macht man das Experiment, indem man in den Fenster laden ein Loch schneidet und das Licht hereinfluten läßt. Man kann da einen Schirm aufstellen und das Bild, das so entsteht, auffangen. Wir können das hier nicht machen, aber dafür mit Hilfe dieses Projektions-Apparates, indem wir den Verschluß wegnehmen. Da bekommen wir, wie Sie sehen, eine leuchtende Kreisfläche. Diese leuchtende Kreisfläche ist also zunächst nichts anderes als das Bild, das entsteht dadurch, daß hier ein Lichtzylinder, der sich hieher fortpflanzt, von der gegenüberliegenden Wand aufgefangen wird. Nun kann man in den Weg dieses Lichtzylinders, der da hereinfällt, ein sogenanntes Prisma schieben. Dann ist das Licht gezwungen, nicht einfach nach der gegenüberliegenden Wand hinzudringen und dort den Kreis zu bewirken, sondern dann ist das Licht gezwungen, von seinem Weg abzukommen. Wir bewirken das dadurch, daß wir
Bild GA 320 54
ein Hohlprisma haben, welches dadurch gestaltet ist, daß wir hier ebene Glasscheiben haben, die keilförmig angeordnet sind. Dieses Hohlprisma ist ausgefüllt mit Wasser. Wir lassen den Lichtzylinder, der hier entstanden ist, durch dieses Wasserprisma hindurch. So sehen Sie, wenn Sie jetzt hinschauen auf die Wand, daß nicht an der Stelle da unten, wo sie früher war, diese Scheibe ist, sondern Sie sehen,
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daß sie gehoben ist, daß sie an einer anderen Stelle erscheint. Sie sehen aber außerdem noch etwas Merkwürdiges. Sie sehen oben den Rand in einem bläulich-grünlichen Licht, mit einem bläulich-grünlichen Rand, bläulichen Rand. Sie sehen unten den Rand rötlich-gelb. Da haben wir dasjenige, was wir ein Phänomen nennen, eine Erscheinung. Halten wir an dieser Erscheinung zunächst fest. Zeichnen wir den Tatbestand auf, so müssen wir ihn so zeichnen: Es kommt das Licht von seinem Weg irgendwie ab, indem es durch das Prisma geht. Es bildet da oben einen Kreis. Würden wir ihn abmessen, so würden wir finden, daß es kein genauer Kreis ist, sondern daß er nach oben und unten ein wenig in die Länge gezogen und oben bläulich und unten gelblich gerandet ist. Sie sehen also, wenn wir einen solchen Lichtzylinder durch das prismatisch geformte Wasser gehen lassen -wir können absehen von den Veränderungen, die die Glasplatten hervorrufen -, so treten an den Rändern Farbenerscheinungen auf. Ich will nun das Experiment noch einmal machen mit einem Lichtzylinder, der viel schmäler ist. Sie sehen nun eine viel kleinere Scheibe da unten. Nun, lenken wir diese kleine Scheibe durch das Prisma ab, so sehen Sie hier oben, also wiederum nach oben verschoben, den Lichtfleck, den Lichtkreis; aber Sie sehen jetzt diesen Lichtkreis ziemlich ganz von Farben durchzogen. Sie sehen, wenn ich das, was Sie hier jetzt haben, zeichnen will, daß da oben jetzt das Verschobene so ist, daß es violett, blau, grün, gelb, rot erscheint. Ja, wenn wir genau das alles verfolgen könnten, es würde in den vollkommenen Regenbogenfarben angeordnet sein. Bitte, wir nehmen rein das Faktum, und ich bitte jetzt alle diejenigen von Ihnen, welche in der Schule gelernt haben all die schönen Zeichnungen von Lichtstrahlen, von Einfallsloten und so weiter, diese zu vergessen und sich an die reine Erscheinung, an das reine Faktum zu halten. Wir sehen am Lichte Farben entstehen und wir können uns fragen: Woran liegt es denn, daß am Licht solche Farben entstehen? - Nun, wenn ich noch einmal den großen Kreis ein-schalte, so haben wir also den durch den Raum gehenden Lichtzylinder, der dort auftrifft auf den Schirm und dort ein Lichtbild formiert. Wenn wir einschalten in den Weg dieses Lichtzylinders wiederum das Prisma, dann bekommen wir die Verschiebung dieses
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Lichtbildes und außerdem an den Rändern die farbigen Erscheinungen.
Nun aber bitte ich Sie, das Folgende zu beobachten. Wir bleiben rein innerhalb der Fakten stehen. Ich bitte Sie, zu beobachten: Wenn Sie so ein bißchen herumschauen würden, so würden Sie, indem das Licht durchgeht durch das Glasprisma, genau da drinnen den leuchtenden Wasserzylinder sehen. Der Lichtzylinder geht - das ist rein faktisch - durch das Wasserprisma durch und es findet also statt eine Ineinanderfügung des Lichtes mit dem Wasser. Bitte darauf jetzt wohl zu achten. Indem der Lichtzylinder durch das Wasserprisma hindurchgeht, findet statt eine Ineinanderfügung des Lichtes mit dem Wasser. Dieses, was sich da ineinanderfügt von Licht und Wasser, das ist nun keineswegs unwirksam für die Umgebung, sondern wir müssen sagen: Da geht der Lichtzylinder, der hat - wie gesagt, wir bleiben innerhalb der Fakten stehen - irgendwie die Kraft, auf die andere Seite des Prismas durch das Prisma durchzudringen. Aber er wird durch das Prisma abgelenkt. Er würde gerade aus gehen, aber er wird hinaufgehoben, wird abgelenkt, dieser Lichtzylinder, so daß wir konstatieren müssen: Hier ist etwas vorhanden, was uns den Lichtzylinder ablenkt. Wenn ich das andeuten will durch einen Pfeil, was uns den Lichtzylinder ablenkt, so müßte ich es durch diesen Pfeil tun. Nun können wir sagen - wie gesagt, rein innerhalb der Fakten stehenbleiben, nicht spekulieren -: Durch ein solches Prisma wird der Lichtzylinder abgelenkt nach oben und wir können die Ablenkungsrichtung angeben.
Nun bitte ich Sie, zu alledem das Folgende hinzuzudenken, was wiederum nur Fakten entspricht. Wenn Sie durch ein trübes Milchglas oder nur durch eine irgendwie getrübte Flüssigkeit, also durch eine getrübte Materie, Licht dringen lassen, so wird dieses Licht abgeschwächt selbstverständlich. Sie sehen, indem Sie durch ungetrübtes Wasser das Licht sehen, es in seiner Helligkeit. Bei getrübtem Wasser sehen Sie es abgeschwächt. Das können Sie in unzähligen Fällen beobachten, daß durch getrübte Medien, durch getrübte Mittel, das Licht abgeschwächt wird. Das ist etwas, was man zunächst als Faktum auszusprechen hat. In irgendeiner Beziehung, wenn auch noch so
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wenig, ist aber jedes materielle Mittel, also auch das, was hier als Prisma steht, ein getrübtes Mittel. Es trübt immer das Licht ab, das heißt, mit Bezug auf das Licht, das da innerhalb des Prismas ist, haben wir es zu tun mit einem abgetrübten Licht. Da (links) haben wir es zu tun mit scheinendem Licht. Da (rechts) haben wir es zu tun mit dem Licht, das sich den Durchgang verschafft hat durch das Mittel. Hier aber, innerhalb des Prismas, haben wir es zu tun mit einem Zusammenwirken von Materie mit dem Licht, mit dem Entstehen einer Trübung. Daß aber eine Trübung wirkt, das können Sie einfach dar aus entnehmen, daß, wenn Sie eben durch ein getrübtes Mittel Licht ansehen, Sie noch etwas sehen. Also eine Trübung wirkt - es ist das wahrnehmbar. Was entsteht durch die Trübung? Wir haben es also nicht bloß zu tun mit dem fortschreitenden und abbiegenden Licht kegel, sondern außerdem noch mit dem, was sich da hineinstellt als eine Trübung des Lichtes, bewirkt durch die Materie. Wir können uns also vorstellen: Hier in diesem Raum nach dem Prisma, da scheint nicht nur herein das Licht, sondern da scheint herein, da strahlt in das Licht hinein, was da als Trübung im Prisma lebt. Das strahlt da hinein. Und wie strahlt das da hinein? Es breitet sich natürlich da aus, nach dem das Licht durch das Prisma gegangen ist. Das Getrübte strahlt in das Helle hinein. Und Sie brauchen sich die Sache nur richtig zu über legen, so können Sie sich sagen: Da scheint das Trübe hinauf, und wenn das Helle abgelenkt wird, wird auch das Trübe nach oben ab gelenkt. Das heißt, die Trübung, die wird hier nach oben abgelenkt in derselben Richtung, in der die Helligkeit abgelenkt wird. Es wird gewissermaßen der Helligkeit, die nach oben abgelenkt wird, noch eine Trübung nachgeschickt. Die Helligkeit kann also da nach oben nicht ohne weiteres sich ausbreiten. In sie hinein wird die Trübung nach geschickt. Und wir haben es zu tun mit zwei Zusammenwirkenden, mit der abgelenkten Helligkeit und mit dem Hineinschicken der Trübung in diese Helligkeit, nur daß die Ablenkung der Trübung in derselben Richtung geschieht wie die der Helligkeit. Den Erfolg sehen Sie: Dadurch, daß nach oben hin in die Helligkeit der Schein der Trübung hineinstrahlt, entstehen die dunklen Farben, die bläulichen Farben. Und nach unten, wie ist es denn da? Nach unten scheint natürlich
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auch die Trübung. Aber Sie sehen ja, während hier (oben) eine Partie ist des ausstrahlenden Lichts, wo die Trübung nach derselben Richtung geht wie das mit Wucht durchgehende Licht, haben wir hier eine Ausbreitung desjenigen, was als Trübung entsteht, so daß es hinscheint und es einen Raum gibt, für den im allgemeinen der Lichtzylinder nach oben abgelenkt wird. Aber in diesen nach oben ab gelenkten Lichtkörper strahlt ein die Trübung. Und hier haben wir eine Partie, wo durch die oberen Partien des Prismas die Trübung nach unten geht. Dadurch haben wir hier (unten) eine Partie, wo die Trübung im entgegengesetzten Sinn abgelenkt wird, als die Ablenkung der Helligkeit ist. Wir können sagen: Wir haben hier die Trübung, die hineinwill in die Helligkeit; aber im unteren Teil ist die Helligkeit so, daß sie entgegengesetzt wirkt in ihrer Ablenkung der Ablenkung der Trübung. Die Folge davon ist, daß, während oben die Ablenkung der Trübung im selben Sinn erfolgt wie die der Helligkeit und sie also gewissermaßen zusammenwirken, die Trübung sich also sozusagen wie ein Parasit hineinmischt, hier unten die Trübung zurückstrahlt in die Helligkeit hinein, aber von der Helligkeit überwältigt, gewisser maßen unterdrückt wird, so daß hier die Helligkeit vorherrscht, auch vorherrscht in dem Kampf zwischen der Helligkeit und der Trübung, und die Folgen dieses Kampfes zwischen Helligkeit und Trübung, die Folgen dieses Gegeneinander-sich-Stellens und des Durchschienenwerdens der Trübung von der Helligkeit, das sind nach unten die roten oder gelben Farben. So daß man sagen kann: Nach oben läuft Trübung in Helligkeit ein, und es entstehen blaue Nuancen; nach unten über tönt eine Helligkeit die hineinlaufende Trübe oder Dunkelheit, und es entstehen die gelben Nuancen.
Sie sehen also hier, daß wir es einfach dadurch, daß das Prisma ab lenkt, auf der einen Seite ablenkt den vollen hellen Lichtkegel, auf der anderen Seite ablenkt die Trübung, zu tun haben nach zwei Seiten hin mit einem verschiedenen Hineinspielen der Dunkelheit, der Trübung in das Helle. Wir haben ein Zusammenspiel von Dunkelheit und Helligkeit, die nicht zu einem Grau sich miteinander vermischen, sondern selbständig wirksam bleiben. Nur bleiben sie nach dem einen Pol hin so wirksam, daß die Dunkelheit gewissermaßen nach der Helligkeit,
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also so wirken kann, daß sie innerhalb der Helligkeit zur Geltung kommt, aber eben als Dunkelheit. Auf der anderen Seite stemmt sich die Trübung entgegen der Helligkeit, bleibt als selbständig vorhanden, aber wird übertönt von der Helligkeit. Da entstehen die hellen Farben, das Gelbliche. So haben Sie, indem Sie rein innerhalb der Fakten bleiben, dadurch, daß Sie das nehmen, was da ist, rein aus der Anschauung heraus die Möglichkeit zu verstehen, warum auf der einen Seite die gelblichen Farben, auf der anderen die bläulichen erscheinen, und Sie sehen zu gleicher Zeit daraus, daß das materielle Prisma einen ganz wesentlichen Anteil hat an dieser Entstehung der Farben. Es geschieht ja durch das Prisma, daß nach der einen Seite hin in demselben Sinn die Trübung abgelenkt wird wie der Lichtkegel, aber auch, nach der anderen Seite hin, daß das Fortstrahlende und das Ab gelenkte sich kreuzen, weil eben das Prisma auch nach der anderen Seite hin ausstrahlen läßt seine Dunkelheit, auch dahin, wo schon ab gelenkt ist. Dadurch entsteht die Ablenkung nach unten, und es wirken nach unten anders zusammen die Dunkelheit und die Helligkeit als nach oben. Farben entstehen also da, wo zusammenwirken Dunkelheit und Helligkeit.
Das ist dasjenige, was ich Ihnen heute besonders klarmachen wollte. Sie müssen, wenn Sie sich nun überlegen wollen, ich möchte sagen, aus welcher Ecke heraus das am besten zu begreifen ist, da müssen Sie nur zum Beispiel daran denken, daß Ihr Ätherleib anders eingeschaltet ist im Muskel als im Auge: Im Muskel so, daß er sich mit den Funktionen des Muskels verbindet, im Auge so, daß gewissermaßen, weil das Auge sehr isoliert ist, der Ätherleib nicht eingeschaltet ist in den physischen Apparat, sondern verhältnismäßig selbständig ist. Dadurch kann mit dem Ätherleibteil im Auge der Astralleib eine innige Verbindung eingehen. Unser astralischer Leib ist innerhalb des Auges ganz anders selbständig als innerhalb unserer anderen physischen Organisation. Nehmen Sie an, das da wäre ein Teil der physischen Organisation, in einem Muskel, das hier wäre physische Organisation des Auges (es wird gezeichnet). Wenn wir beschreiben, so müssen wir sagen: Unser Astralleib ist eingeschaltet sowohl hier wie da; aber es ist ein beträchtlicher Unterschied. Da ist er so eingeschaltet, daß er
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durch denselben Raum geht wie der physische Körper, aber nicht selbständig. Hier ist er auch eingeschaltet, im Auge; aber da wirkt er selbständig. Den Raum füllen beide in gleicher Weise aus; aber das eine Mal wirken die Ingredienzien selbständig, das andere Mal wirken sie nicht selbständig. Daher ist das nur halb gesagt, wenn man sagt: Unser Astralleib ist im physischen Leibe drinnen. Wir müssen fragen, wie er drinnen ist. Denn er ist anders drinnen im Auge und anders im Muskel. Im Auge ist er relativ selbständig, trotzdem er drinnen ist wie im Muskel. Daraus sehen Sie, daß Ingredienzien einander durch dringen können und dennoch selbständig sein können. So können Sie Helligkeit und Dunkelheit zum Grau vereinigen, dann sind sie einander so durchdringend wie Astralleib und Muskel. Oder aber sie können sich so durchdringen, daß sie selbständig bleiben, dann durchdringen sie sich so wie unser Astralleib und die physische Organisation im Auge. Das eine Mal entsteht Grau, das andere Mal entsteht Farbe. Wenn sie sich so durchdringen wie Astralleib und Muskeln, so entsteht Grau, und wenn sie sich so durchdringen wie unser Astralleib und unser Auge, so entsteht Farbe, weil sie relativ selbständig bleiben, trotzdem sie im selben Raume sind.