Puppenhäuser

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Wohnstube eines Puppenhauses
Puppenstube im Selbstbau
Puppenstuben-Kirche (Baptistenkapelle)

Eine Puppenstube bzw. ein Puppenhaus ist die Nachbildung einer Wohnung oder eines Hauses im Kleinformat, für Miniaturpuppen möbliert und eingerichtet. Puppenstuben und ihr Mobiliar sind traditionell aus Holz hergestellt, heute jedoch häufig auch aus Kunststoff.

Geschichte

Die Geschichte der Puppenstube geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Das älteste bekannte Puppenhaus wurde 1558 für Herzog Albrecht V. von Bayern gebaut – allerdings nicht als Spielzeug, sondern als kleines Kunstwerk und Schaustück. Im 17. und 18. Jahrhundert griffen reiche Patrizierfamilien in Nürnberg und Augsburg diese Idee auf und ließen sich ihre Häuser im Kleinformat nachbauen, um ihren Reichtum zu zeigen. Besonders in den Niederlanden war es Mode diese „Puppenhäuser“ nicht in Modell-Häusern einzubetten, sondern als Barockschrank zu gestalten.[1]

Das erste „moderne“ Puppenhaus, das mit erzieherischer Intention gefertigt wurde, schuf 1631 Anna Köferlin in Nürnberg, die dazu auch ein Flugblatt herstellen ließ. Mädchen sollten spielerisch auf ihre spätere Aufgabe als Hausfrau vorbereitet werden.[2] Erst im Biedermeier fand das Spielzeug aber weitere Verbreitung. Vorbild waren die Wohnungen gehobener Bürgerfamilien, die möglichst naturgetreu nachgebildet wurden.

Es gab auch einzelne Räume als Puppenstube, vor allem als Salons und Puppenküchen, die mit allen nötigen Küchengeräten ausgestattet waren. Zu dieser Zeit kam auch der Kaufladen auf, mit dem Geschwister zusammen spielen konnten. Mittlerweile wurden Puppenstuben industriell hergestellt, in ärmeren Familien entstanden sie jedoch in einfacher Form in Handarbeit. Dabei war es früher in Deutschland üblich, die Puppenstube zur Bescherung an Heiligabend aufzubauen und sie nach Weihnachten zum Dreikönigstag wieder einzupacken und auf dem Dachboden zu verstauen, sodass lediglich kurze Zeit damit gespielt werden konnte.

Alte Exemplare sind heute in Spielzeugmuseen zu sehen; sie sind auch begehrte Sammelobjekte.

Herausragende „Puppenstuben“

Nach Entstehungszeit geordnet:

Puppenstadt Mon Plaisir in Arnstadt

Weltweit vermutlich einzigartig ist eine komplette Puppenstadt namens Mon plaisir. Hergestellt wurde sie für Fürstin Augusta Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt in Arnstadt (Thüringen), Gemahlin von Anton Günther II. von Schwarzburg, nachdem sie 1716 Witwe geworden war. Diese Stadt, bestehend aus zahlreichen Puppenstuben, war nie als Spielzeug gedacht, sondern als Kunstwerk. Angestrebt wurde dabei die Nachbildung der damaligen Realität mit Adel, Bürgertum und Bauern. Die fürstliche Residenz wird in zahlreichen Räumen dargestellt, wobei in jedem Raum mit Puppen kleine Szenen nachgestellt wurden, als Abbild des höfischen Lebens: die Fürstin mit Zofen bei der Morgentoilette, die Fürstin in der Kinderstube, der Barbier beim Fürsten, eine Abendgesellschaft bei Hofe, die Kammermusik, die Hofküche etc. Die Stadt enthält auch ein Kloster in Miniatur. Sie stellt außerdem Handwerker und einen Markt dar. Bevölkert wird die Puppenstadt von über 400 Puppen, die vom Hofstaat der Fürstin in Handarbeit angefertigt wurden. Seit 1932 befindet sich die gesamte Anlage im Besitz der Arnstädter Museumsstiftung.

Puppenhaus der Familie Gienanth

Das entstand 1883 bis 1885 in mehreren Abschnitten, die jährlich als Weihnachtsgeschenk hinzugefügt wurden, für die Töchter der Familie von Elise Gienanth (1853–1920) und dem Industriellen Eugen von Gienanth.[3] Es stellt in seiner handwerklichen Ausstattung einen Höhepunkt der Entwicklung dar und repräsentiert einen großbürgerlichen Haushalt der Gründerzeit.[4]

Queen Mary’s Dolls’ House

Das größte Puppenhaus der Welt, Queen Mary’s Dolls’ House, ist im Schloss Windsor zu besichtigen. Es wurde zwischen 1921 und 1924 von 1500 Handwerkern für die damalige Königin Mary angefertigt.

Puppenhaus Kunze

Am größten Puppenhaus in Deutschland baut seit 1993 der Dresdner Restaurator Andreas Kunze. Es hat 60 Zimmer die im Maßstab 1:12 sehr detailreich im Stil der Gründerzeit eingerichtet sind.[5]

Siehe auch

Literatur

  • Dieter Büchner: Puppenhäuser und Puppenstuben. In: Alte Spielsachen. Begleitbuch. Schlossmuseum Aulendorf, Zweigmuseum des Württembergischen Landesmuseums Stuttgart. Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart 1997, ISBN 3-929055-45-7, S. 37–68.
  • Marianne Cieslik/Swantje Köhler: Lexikon der Puppenstuben und Puppenhäuser. Cieslik, Jülich 2003, ISBN 3-921844-70-3
  • Valerie C. Jackson: Puppenhäuser. Laterna Magica, München 1989, ISBN 3-87467-390-1
  • Angela Markhoff: Faszinierende Puppenstuben. Grosse Welt im Kleinen. Die Sammlung der Prinzessin Monika von Hannover. Kunstverlag Weingarten, Weingarten 1995, ISBN 3-8170-1020-6
  • Renate Müller-Krumbach: Kleine heile Welt. Eine Kulturgeschichte der Puppenstube. Edition Leipzig, Leipzig 1992, ISBN 3-361-00331-8
  • Renate Müller-Krumbach: Das Puppenhaus der Familie von Gienanth. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2016. ISBN 978-3-88462-368-8
  • Mary Stewart-Wilson: Das schönste Puppenhaus der Welt. Laterna Magica, München 1989, ISBN 3-87467-397-9
  • Alice Wagner/Botho G. Wagner: Puppenstuben, Puppenhäuser. Küchen, Kaufläden und Zubehör aus drei Jahrhunderten. Heyne, München 1996, ISBN 3-453-09375-5
  • Swantje Köhler: Christian Hacker – Holzspielwarenfabrik in Nürnberg 1835-1927, München 2009, ISBN 978-3-9811524-2-5
  • Susan Stewart: On Longing: Narratives of the Miniature, the Gigantic, the Souvenir, the Collection, Duke University Press Books, 1993.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Puppenhäuser - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema
 Wiktionary: Puppenhäuser – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Puppenhaus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Müller-Krumbach: Das Puppenhaus, S. 9.
  2. Müller-Krumbach: Das Puppenhaus, S. 9.
  3. Müller-Krumbach: Das Puppenhaus, S. 7, 11.
  4. Müller-Krumbach: Das Puppenhaus, S. 8.
  5. Doreen Hübler: Herrn Kunzes Welt ist eine Puppenstube. in Sächsische Zeitung, 22. Sep. 2010.


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