4. Jahrhundert: Unterschied zwischen den Versionen

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Bis etwa zum [[4. Jahrhundert n. Chr.]] waren die [[Exusiai]], die [[Geister der Form]], die in der [[Genesis]] als [[Elohim]] bezeichnet werden, die Träger der [[KOsmische INtelligenz|kosmischen Intelligenz]]. Dann ging diese Aufgabe auf die [[Archai]], die [[Geister der Persönlichkeit]] über. Dieser Übergabeprozess begann schon in vorchristlicher Zeit und vollendete sich erst im 14. Jahrhundert. Dadurch wurde auch der Zugang des [[Mensch]]en zur Gedankenwelt ein anderer. Empfing man früher die Gedanken von außen wie die [[Sinneswahrnehmung]]en, so traten sie nun immer mehr im Inneren auf und kamen dadurch zunehmend in den Besitz der [[Persönlichkeit]]. {{GZ||222|46ff}} Hemmend steht dem der Einfluss zurückgebliebener Geister der Form entgegen. {{GZ||222|60ff}}
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Bis etwa zum [[4. Jahrhundert n. Chr.]] waren die [[Exusiai]], die [[Geister der Form]], die in der [[Genesis]] als [[Elohim]] bezeichnet werden, die Träger der [[Kosmische Intelligenz|kosmischen Intelligenz]]. Dann ging diese Aufgabe auf die [[Archai]], die [[Geister der Persönlichkeit]] über. Dieser Übergabeprozess begann schon in vorchristlicher Zeit und vollendete sich erst im 14. Jahrhundert. Dadurch wurde auch der Zugang des [[Mensch]]en zur Gedankenwelt ein anderer. Empfing man früher die Gedanken von außen wie die [[Sinneswahrnehmung]]en, so traten sie nun immer mehr im Inneren auf und kamen dadurch zunehmend in den Besitz der [[Persönlichkeit]]. {{GZ||222|46ff}} Hemmend steht dem der Einfluss zurückgebliebener Geister der Form entgegen. {{GZ||222|60ff}}
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* Das griechische Byzantion wird [[326]] von [[w:Konstantin der Große|Konstantin]] unter dem Namen [[w:Konstantinopel|Konstantinopel]] zur Hauptstadt des römischen Reiches und zur [[w:Residenzstadt|Residenz]] erhoben. Die Verlegung der Hauptstadt bewirkt eine Hellenisierung des römischen Kaisertums, das sich entwickelnde [[w:Byzantinismus|byzantinische Hofzeremoniell]] umgibt den Kaiser mit einem göttlichen [[Heiligenschein|Nimbus]].
 
* Das griechische Byzantion wird [[326]] von [[w:Konstantin der Große|Konstantin]] unter dem Namen [[w:Konstantinopel|Konstantinopel]] zur Hauptstadt des römischen Reiches und zur [[w:Residenzstadt|Residenz]] erhoben. Die Verlegung der Hauptstadt bewirkt eine Hellenisierung des römischen Kaisertums, das sich entwickelnde [[w:Byzantinismus|byzantinische Hofzeremoniell]] umgibt den Kaiser mit einem göttlichen [[Heiligenschein|Nimbus]].
 
* Die [[w:Petersdom#Geschichte|Alte Peterskirche]] in [[Rom]], die bekannteste frühchristliche [[w:Basilika (Bautyp)|Basilika]], wird von Papst [[w:Silvester I.|Silvester I.]] geweiht.
 
* Die [[w:Petersdom#Geschichte|Alte Peterskirche]] in [[Rom]], die bekannteste frühchristliche [[w:Basilika (Bautyp)|Basilika]], wird von Papst [[w:Silvester I.|Silvester I.]] geweiht.
* Bischof [[Wulfila]] schreibt um [[360]] im östlichen Mitteleuropa für die Goten die [[w:Wulfilabibel|Wulfilabibel]]. Diese [[Bibelübersetzung]] ist die älteste schriftliche Überlieferung einer [[Germanische Sprachen|germanischen]] Sprache, für die Wulfila statt der [[Runen]] eine neue Schrift entwickelt. Sie basiert auf griechischen und römischen Buchstaben – mit Runen für jene [[Gotische Sprache|gotischen]] Laute, die in keiner der beiden Sprachen vorkamen (beispielsweise englisches th). Von der Wulfilabibel sind aus Italien stammende Handschriften des [[6. Jahrhundert]]s erhalten ([[Neues Testament]] und Teile des Alten Testaments). Die bekannteste dieser Abschriften ist der [[Codex Argenteus]], der heute in der Universitätsbibliothek [[w:Uppsala|Uppsala]] aufbewahrt wird.
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* Bischof [[Wulfila]] schreibt um [[360]] im östlichen Mitteleuropa für die Goten die [[w:Wulfilabibel|Wulfilabibel]]. Diese [[Bibelübersetzung]] ist die älteste schriftliche Überlieferung einer [[Germanische Sprachen|germanischen]] Sprache, für die Wulfila statt der [[Runen]] eine neue Schrift entwickelt. Sie basiert auf griechischen und römischen Buchstaben – mit Runen für jene [[Gotische Sprache|gotischen]] Laute, die in keiner der beiden Sprachen vorkamen (beispielsweise englisches th). Von der Wulfilabibel sind aus Italien stammende Handschriften des [[6. Jahrhundert]]s erhalten ([[Neues Testament]] und Teile des Alten Testaments). Die bekannteste dieser Abschriften ist der [[w:Codex Argenteus|Codex Argenteus]], der heute in der Universitätsbibliothek [[w:Uppsala|Uppsala]] aufbewahrt wird.
 
* Aus Mittelasien wandern die [[Hunnen]] nach [[Osteuropa]] ein und gründen ein Reich. Sie verdrängen die bisher dort ansässigen Völker und setzen eine [[Völkerwanderung]] in Bewegung, die als erstes großes Volk die [[Goten]] nach [[Südeuropa]] führt.
 
* Aus Mittelasien wandern die [[Hunnen]] nach [[Osteuropa]] ein und gründen ein Reich. Sie verdrängen die bisher dort ansässigen Völker und setzen eine [[Völkerwanderung]] in Bewegung, die als erstes großes Volk die [[Goten]] nach [[Südeuropa]] führt.
 
* In der [[w:Schlacht von Adrianopel (378)|Schlacht von Adrianopel]] vernichten die Goten das römische Heer. Kaiser [[w:Valens|Valens]] fällt im Kampf, doch kann sein Nachfolger [[w:Theodosius I.|Theodosius]] das politische Gleichgewicht wiederherstellen. Die Goten besiedeln als autonome Föderaten das heutige Bulgarien.
 
* In der [[w:Schlacht von Adrianopel (378)|Schlacht von Adrianopel]] vernichten die Goten das römische Heer. Kaiser [[w:Valens|Valens]] fällt im Kampf, doch kann sein Nachfolger [[w:Theodosius I.|Theodosius]] das politische Gleichgewicht wiederherstellen. Die Goten besiedeln als autonome Föderaten das heutige Bulgarien.
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== Literatur ==
 
== Literatur ==
 
* [[w:Ammianus Marcellinus|Ammianus Marcellinus]]: ''Das römische Weltreich vor dem Untergang'', (Originaltitel: ''Res gestae'', übersetzt von [[w:Otto Veh|Otto Veh]]), Artemis, München / Zürich 1974, ISBN 3-7608-3514-7 (= ''Bibliothek der alten Welt, Römische Reihe'').
 
* [[w:Ammianus Marcellinus|Ammianus Marcellinus]]: ''Das römische Weltreich vor dem Untergang'', (Originaltitel: ''Res gestae'', übersetzt von [[w:Otto Veh|Otto Veh]]), Artemis, München / Zürich 1974, ISBN 3-7608-3514-7 (= ''Bibliothek der alten Welt, Römische Reihe'').
*Rudolf Steiner: ''Die Impulsierung des weltgeschichtlichen Geschehens durch geistige Mächte'', [[GA 222]] (1989), ISBN 3-7274-2220-3 {{Vorträge|222}}
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* Rudolf Steiner: ''Die Impulsierung des weltgeschichtlichen Geschehens durch geistige Mächte'', [[GA 222]] (1989), ISBN 3-7274-2220-3 {{Vorträge|222}}
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* Rudolf Steiner: ''Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken, V'', [[GA 346]] (2001), ISBN 3-7274-3460-0 {{Vorträge|346}}
  
 
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* {{Webarchiv | url=http://www.uni-bonn.de/~uph202/EinfuehrungMA/viertesjahrhundert.shtml | wayback=20130706035748 | text=Ingrid Heidrich: ''Einführung in die Geschichte des Mittelalters – 4. Jahrhundert''}} (überarbeitete elektronische Fassung von ''Einführung in die Geschichte des europäischen Mittelalters'', H-C-I, Bad Münstereifel 2003, ISBN 3-00-010998-6)
 
* {{Webarchiv | url=http://www.uni-bonn.de/~uph202/EinfuehrungMA/viertesjahrhundert.shtml | wayback=20130706035748 | text=Ingrid Heidrich: ''Einführung in die Geschichte des Mittelalters – 4. Jahrhundert''}} (überarbeitete elektronische Fassung von ''Einführung in die Geschichte des europäischen Mittelalters'', H-C-I, Bad Münstereifel 2003, ISBN 3-00-010998-6)
  
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Aktuelle Version vom 23. Februar 2021, 18:03 Uhr

Das 4. Jahrhundert, das zur Epoche der Spätantike zählt, begann am 1. Januar 301 und endete am 31. Dezember 400.

Geistiger Hintergrund

Bis etwa zum 4. Jahrhundert n. Chr. waren die Exusiai, die Geister der Form, die in der Genesis als Elohim bezeichnet werden, die Träger der kosmischen Intelligenz. Dann ging diese Aufgabe auf die Archai, die Geister der Persönlichkeit über. Dieser Übergabeprozess begann schon in vorchristlicher Zeit und vollendete sich erst im 14. Jahrhundert. Dadurch wurde auch der Zugang des Menschen zur Gedankenwelt ein anderer. Empfing man früher die Gedanken von außen wie die Sinneswahrnehmungen, so traten sie nun immer mehr im Inneren auf und kamen dadurch zunehmend in den Besitz der Persönlichkeit. (Lit.:GA 222, S. 46ff) Hemmend steht dem der Einfluss zurückgebliebener Geister der Form entgegen. (Lit.:GA 222, S. 60ff)

Das Jahr 333 stellt einen wichtigen Wendepunkt in der Geistesgeschichte der Menschheit dar, denn um diese Zeit schlug das Ich in die Verstandes- und Gemütsseele herein.

„Nun müssen wir uns darüber klar sein, daß dieses Hineinschlagen des Ich in die Verstandes- oder Gemütsseele etwas außerordentlich Bedeutsames darstellt. Dieses Hineinschlagen des Ich, das um das Jahr 333 stattfindet, das erschüttert doch in der Tiefe der Seele und in der allerernstesten Weise gerade die Menschheit, die in Betracht kommt für das Empfangen der spirituellen Einflüsse...

Wir haben in diesem Zeitpunkt den bedeutsamen Streit zwischen Arius und Athanasius. Mit dem Hereinschlagen des Ich in die Verstandes- oder Gemütsseele tauchen im Innersten des Menschen, wenn auch noch etwas unbewußt, die Unklarheiten auf und damit die Frage: Wie lebt denn eigentlich das göttliche Ich in der Menschennatur? - In dieser Zeit wurde der Mensch wankend darüber, wie er sich das Verhältnis des Göttlichen zur Welt und zum Menschen selber zu denken hatte. Und da standen sich die beiden Anschauungen des Arius und des Athanasius in schroffer Weise gegenüber. Wir sehen dann, wie in Westeuropa die Ansicht des Athanasius die Oberhand gewinnt, und wie die Anschauung des Arius einem allmählichen Untergang entgegengeht.“ (Lit.:GA 346, S. 101)

Historische Ereignisse und Entwicklungen

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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Weblinks

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