Animismus (Religion)

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Der Animismus (von griech. ἄνεμος bzw. lat. animus „Wind“, „Hauch“; davon abgeleitet lat. anima „Seele“), in dem alle Naturerscheinung noch als beseelt erlebt wurden, hat seine Wurzeln in der alten Hellsichtigkeit der atlantischen Zeit, der noch die ganze reichhaltige Welt der Naturgeister zugänglich war. Reste davon haben sich bis weit in die nachatlantische Zeit bewahrt.

"Da müssen wir uns in die Seelen der letzten atlantischen Bevölkerung versetzen. Wir müssen uns erinnern, daß in der atlantischen Zeit der Mensch in der Nacht nicht bewußtlos war, sondern daß er dann ebenso wahrnahm, wie er bei Tage wahrnahm, wenn man überhaupt in dieser Zeit von Tag und Nacht sprechen darf. Bei Tage nahm er die erste Spur dessen wahr, was wir heute so klar sehen als die Welt der Sinneswahrnehmungen. Bei Nacht war er ein Genosse der göttlich-geistigen Wesenheiten. Er brauchte keinen Beweis dafür, daß es Götter gab, ebensowenig wie wir heute einen Beweis dafür brauchen, daß es Mineralien gibt. Die Götter waren seine Genossen, er selbst war in der Nacht eine geistige Wesenheit. In seinem Astralleibe und Ich wandelte er in der geistigen Welt umher. Er war selbst ein Geist und traf Wesen, die mit ihm gleichartiger Natur waren. Natürlich waren die höheren geistigen Wesen nicht die einzigen, die er dann antraf. Er traf auch niedrigere Geister, als die waren, die später als Zeus, Wotan und so weiter beschrieben wurden. Diese waren natürlich nicht die einzigen, es waren nur die auserwähltesten Gestalten. Es war damit so, wie wenn man heute Könige und Kaiser sieht. Viele sehen sie nicht und glauben doch, daß es Könige oder Kaiser gibt. In diesem Zustande, der allgemein menschlich war, nahm man, auch wenn man während des Tages bewußt war, die umliegenden Gegenstände anders wahr als heute, auch das Tagesbewußtsein war anders, und wir müssen versuchen zu verstehen, wie dieses letztere Bewußtsein der Atlantier war.

Es ist beschrieben worden, wie dem Menschen sich die göttlichen Wesenheiten entzogen, wenn er morgens hinuntertauchte in seinen physischen Leib. Er sah die Gegenstände wie mit einem Nebel umhüllt. So waren die Bilder des damaligen Tagwachens. Diese Bilder hatten aber noch eine andere eigentümliche Eigenschaft, die wir ganz genau erfassen müssen. Denken wir uns, eine solche Seele näherte sich einem Teiche. Das Wasser in diesem Teiche sah diese Seele nicht so scharf begrenzt wie heute; aber wenn diese Seele ihre Aufmerksamkeit darauf richtete, dann erlebte sie noch etwas ganz anderes, als wenn heute sich jemand einem Teiche nähert. Beim Annähern an den Teich, schon durch die bloße Anschauung, stieg in ihr ein Gefühl auf, wie wenn sie einen Geschmack bekäme von dem, was da physisch vor ihr lag, ohne daß sie das Wasser des Teiches zu trinken brauchte. Durch das bloße Anschauen würde sie gefühlt haben: das Wasser ist süß oder salzig. Überhaupt war es nicht so, wie wenn wir heute Wasser sehen. Wir sehen heute nur die Oberfläche, aber ins Innere kommen wir nicht hinein. Derjenige, der früher, als es noch dämmerhaftes Hellsehen gab, sich dem Teiche näherte, der hatte nicht das Gefühl der Fremdheit diesem gegenüber, er fühlte sich darinnen in den Eigenschaften des Wassers; er stand dem Gegenstande gar nicht so gegenüber wie heute, es war so, als wenn er in das Wasser hätte eindringen können. Nehmen wir an, wir wären einem Salzklotz entgegengetreten, wir hätten, indem wir uns annäherten, den Geschmack gemerkt. Heute müssen wir das Salz erst kosten, damals wäre das durch die Anschauung gegeben worden. Der Mensch war wie darinnen in dem ganzen, und er nahm die Dinge wie beseelt wahr. Er nahm sozusagen die Wesenheiten wahr, die zum Beispiel dem Dinge den salzigen Geschmack verliehen. So beseelte sich ihm alles. Luft, Erde, Wasser, Feuer, alles, alles verriet ihm etwas. Der Mensch konnte sich in das Innere der Gegenstände hineinfühlen, er lebte im Inneren ihrer Wesenheit. Das was heute dem Bewußtsein als seelenlose Gegenstände erscheint, gab es damals nicht. Daher empfand der Mensch auch alles mit Sympathie und Antipathie, weil er das Innere sah. Er fühlte, er erlebte das innere Wesen der Gegenstände." (Lit.: GA 106, S. 41ff)

Siehe auch

Literatur

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