Autoritätsglaube

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Gegen falschen Autoritätsglauben und Personenkultus in spirituellen Belangen hat sich Rudolf Steiner wiederholt sehr energisch ausgesprochen. Sie sind mit wahrer Geisteswissenschaft nicht vereinbar.

Wahrheitssinn und unbefangene Logik

Der Geistesschüler darf dem Geisteslehrer nicht in blindem Glauben, sondern nur mit wacher Urteilskraft folgen. Dazu gehört Wahrheitssinn und unbefangene Logik:

„Gerade unsere geisteswissenschaftliche Bewegung sollte die Menschen zu freiem Urteilen aufrufen, sollte hinwegfegen alles, was bloß auf äußeren Autoritätsglauben hin herrscht. Solange in der Gesellschaft noch das Gefühl herrscht, es käme auf den Mund an, durch den gesprochen wird, solange ist noch nicht unser Ideal erreicht. Wir sollen nur hören auf das, was dieser Mund spricht, weil die Dinge uns einleuchten, wenn wir mit Wahrheitssinn und unbefangener Logik ihm zuhören. Es ist unsere Bewegung im höchsten Maße geeignet, das freie Urteil des Menschen keimen zu lassen und zu entwickeln; aber es geht durch unsere Zeit ein starker Zug, den man nennen kann: Bequemlichkeit in bezug auf den Glauben. Durch die Bequemlichkeit des Glaubens werden der geisteswissenschaftlichen Bewegung große Hindernisse geschaffen. Dadurch, daß man etwas glaubt, weil es dieser oder jener gesagt hat, wird das freie Urteilen verzögert, das freie menschliche Seelenleben, die Verselbständigung auch in bezug auf die Verstandesseele. Es ist so bequem, nicht denken zu brauchen, und irgendeine Wahrheit nur anzunehmen, weil sie dieser oder jener gesagt hat; es ist viel bequemer, der Person glauben zu können, als zu prüfen, was die Person sagt.

Ich habe öfter ausgesprochen: Es ist zunächst nur möglich, innerhalb der spirituellen Bewegung Anregungen zu geben. Aber, nehmt alles, was wir in der Geschichte zum Beispiel über Zarathustra finden können: es wird nichts von dem widerlegt werden, was hier über Zarathustra gesagt wird, wenn man nur wirklich alles nimmt. Geprüft kann werden, und je strenger man prüft, desto angenehmer ist es dem, der in objektiver Weise die spirituelle Bewegung vertreten will. Der Wille zur Prüfung ist das, was er will. Aber es ist unendlich bequemer, zu glauben, einfach sich darauf zu berufen: das hat dieser oder jener Hellseher gesagt. - Das ist eine Gefahr für den wirklichen oder sogenannten Hellseher, wenn er noch nicht wirklich fest steht. Da ist schon eine Versuchung, das zu sagen, was die Leute glauben. Er gleitet leicht hinein in dasjenige, in das man überhaupt leicht gleiten kann, wenn es sich um den Aufstieg in die übersinnliche Welt handelt. Man steigt hinauf in eine Welt, in der wirklich nicht so leicht wie in der physischen Welt kontrolliert werden kann. Wenn man kontrollieren will mit dem Verstand, daß an den Grenzgebieten Engel und Erzengel eingreifen, so gehört ziemlich viel dazu, um das zu prüfen. Beim Glauben hängt es oft nur von dem Eindruck ab, den man von dem Menschen bekommen hat. Wie leicht die Menschen zu beeinflussen sind in bezug auf den Glauben, ist zu sehen an der Massensuggestion.

Massensuggestion ist etwas, worüber die wunderbarsten Entdeckungen erst in der Zukunft gemacht werden können. In früheren Zeiten war das etwas ganz anderes, weil die Bewußtseinsseele noch nicht so frei war. Heute steht der Mensch in der Befreiung der Bewußtseinsseele, steckt aber in der Unfreiheit der Verstandesseele noch ganz drinnen. Wodurch wird suggeriert? Nicht nur durch das, was sympathisch oder unsympathisch ist an einer Persönlichkeit; auch dadurch, daß zum Beispiel jemand in ein Amt getreten ist, daß er für fünf Kinder zu sorgen hat und nun sich gezwungen glaubt, im Amt bleiben zu müssen. Es ist dem Menschen heute oft lieber zu hören auf alles das, was auf scharlatanhafte Weise aus der übersinnlichen Welt herausgeholt wird, als auf das, was auf gediegener Forschung beruht. Denn das erstere hat zweierlei Eigenschaften. Zunächst ist es ungeheuer trivial. Das zum Beispiel, was Schreibmedien niederschreiben, ist meistens so, daß man sich das Betreffende ebensogut selber denken könnte, nur wird es dem Menschen glaubhaft gemacht durch die Art, wie es ihm beigebracht wird. Der Mensch glaubt dann, es spiele etwas hinein aus der geistigen Welt. Gerade durch ihre Trivialität werden diese Dinge dem Menschen angenehm. Oder sie haben die andere Eigenschaft, daß sie so unverständlich sind, daß überhaupt niemand etwas davon verstehen kann. Die Dinge, die besonders unverständlich sind, gelten dann oft als besonders mystisch. An den Grenzgebieten von Übersinnlichem und Sinnlichem kann das Scharlatanhafte verquickt werden mit dem, was auf ernster Forschung beruht. Das muß betont werden, daß nur derjenige seine Pflicht erfüllt, der wachsam ist in bezug auf die eigene Seele, der namentlich achtgibt auf alles das, was die Instinkte trüben kann, so daß wir die Angelegenheiten der Menschheit zu fördern glauben, während wir nur die eigenen fördern, oder, daß sich unvermerkt in das, was wir sprechen, das Unwahre hineinmischt, die Lüge, die Versuchung Ahrimans.

Nur wer fortwährend wachsam ist in bezug auf all dieses, nur wer sich immer sagt: Trittst du in eine spirituelle Bewegung ein, so ist große Gefahr vorhanden, daß du eitel und hochmütig wirst - nur der kann weiterkommen. Das ist selbstverständlich. Einen Vorwurf darf man dem Menschen deshalb noch nicht machen, nur dann, wenn der Betreffende gar nichts tut, um diese Eigenschaften herunterzudrängen. Eine ungeheure Versuchung liegt vor, nicht so ganz bei der Wahrheit zu bleiben, wenn man es zu tun hat mit Menschen, die einem glauben. Man kann den Menschen alles mögliche aufbinden, wenn sie auf Autorität hin glauben. Dann hat man es leicht. - Man darf auch niemandem Vorwürfe machen darüber, daß bei Annäherung an die spirituelle Welt in ihm das Lügenhafte auftritt, aber das soll ihn nicht vor sich selbst entschuldigen, sondern er soll alle Anstalten treffen, das herauszuwerfen aus seiner Seele. Das ist der Sinn des: Erkenne dich selbst. Man muß die einsamen Stunden suchen, wo man dazu kommt, sich zu sagen: Da droht wieder eine Gefahr, also sei auf deiner Hut. - Wenn man sie nicht hat, diese einsamen Stunden, wenn es einem unangenehm ist, sich etwas nicht Gutes gestehen zu können, wenn sie nicht der Ausgangspunkt sind, um die Fehler zu bekämpfen mit aller Gewalt, dann ist man auf der schiefen Ebene, dann rollt man hinunter, anstatt hinaufzusteigen.

Das sind solche Dinge, die wir ins Auge fassen müssen, wenn wir unsere Stellung zur okkulten Forschung erkennen wollen, zu der Forschung, die das höchste Gnadengeschenk ist, welches in die physische Welt hineinfließt aus den spirituellen Welten, denen gegenüber wir das größte Verantwortungsgefühl haben sollen.

Die Pflicht, mit einem Teile der Menschheit in die spirituelle Welt hineinzugehen, weil nur dadurch der Fortschritt möglich ist, und zugleich das Gefühl der Verantwortlichkeit sollen in uns wach werden, das Gefühl: es ist eine Pflicht, wenn ich einmal die Sache kennengelernt habe, daran teilzunehmen. Es wird oft den Vertretern der Geisteswissenschaft vorgeworfen, daß sie nicht genug Rücksicht auf moralische Betrachtungen nehmen. Sie werden oft gemacht, so wie auch heute, damit im Fortgang unserer spirituellen Bewegung, durch welche zu den geistigen Quellen geführt werden soll, auch von den Impulsen, die aus jenen geistigen Quellen kommen, gehört werde.“ (Lit.:GA 127, S. 51ff)

Christian Morgenstern zeichnete sich folgende Worte Rudolf Steiners auf:

„Man soll dem Okkultisten nicht alles gleich glauben; eine gesunde Skepsis muß er sich von seinen Zuhörern sogar wünschen. Wer alles blind hinnimmt, der kommt nicht weiter. Der Geistesforscher will auch nicht <verehrt> werden, sondern nur richtig verstanden.“ (Lit.: Beiträge 33, S. 8)

Innere Opposition

Rudolf Steiner hat auch darauf hingewiesen, dass vieles, was auf den ersten Blick als Autoritätsglaube erscheint, in Wahrheit aus innerer Opposition, aus einem subjektiven Missverstehen der Anthroposophie folgt:

„Das ist heute noch das besonders charakteristische Kennzeichen unserer gegenwärtigen Menschheitsentwickelung: Auf der einen Seite die traditionellen Träger des alten Geisteslebens, die einen verketzern, verleumden, wenn man aus der modernen Wissenschaftlichkeit heraus eine Durchgeistigung anstrebt. Sie tun es heute schon ganz bewußt, weil sie kein Interesse haben für den Fortgang der Menschheitsentwickelung, und weil sie zunächst nur daran denken, diese Menschheitsentwickelung zurückzuhalten. Sie tun es manchmal in so grotesker Weise wie jener sonderbare Gelehrte, der neulich auch über Anthroposophie in Zürich gesprochen hat, und der so kraß geredet hat, daß es selbst seinen Amtsgenossen zu toll geworden ist, so daß, wie es scheint, eine Art kleiner Reklame gerade aus dieser Bekämpfung der Anthroposophie geworden ist. Aber sie tun es; sie werden es noch viel mehr tun, denn sie werden mit ganz großen Verleumdungen aufrücken. Da sieht man eben das, um was es sich handelt, in Form von Verleumdungen und so weiter auftreten, in Form des Unwahren.

Auf der anderen Seite ist heute noch ein starker Widerstand zu bemerken, der aber im Grunde im Unbewußten spielt. Und das ist ein schmerzliches Erlebnis; da, auf diesem Gebiete, ist durchaus zu sprechen von einer inneren Opposition, die zuweilen gar nicht so gemeint ist, gegen das, was eigentlich in der Richtung des geisteswissenschaftlichen Strebens liegen muß. Es wird sich darum handeln, daß gerade auf diesem Gebiete gelernt werden muß ein volles Mitgehen mit dem, was Geisteswissenschaft da wollen kann. Denn die Beurteilung dessen, was aus dem Geisteswissenschaftlichen heraus gewollt werden muß, nach dem bisher üblichen Subjektiven, das würde ja auf diesem Gebiete genau dasselbe sein, was die Pfarrer und die anderen tun auf anderen Gebieten, indem sie Geisteswissenschaft verketzern. Das ist, was unsere anthroposophische Bewegung schwierig macht, daß im Grunde genommen gerade auf diesem Gebiete deutlich bemerkbar ist eine Art innerer Opposition. Man kann schon sagen, gerade auf diesem Gebiete zeigt sich am klarsten, was in so merkwürdiger Weise gewisse Anschuldigungen beleuchtet, die von mancher Seite kommen. Da wird gesagt: In dieser Anthroposophischen Gesellschaft, da sprechen ja alle doch nur dem einen nach, - und in Wirklichkeit sprechen sie gar nicht nach, sondern das, was jeder selber meint, das sagt er, daß der eine es möchte. Das haben wir ja so vielfach erfahren, nicht wahr? Was einer gerade mochte, davon sagt er sehr häufig, daß ich es ihm gesagt habe, wenn er auch genau das Gegenteil von mir gehört hat. Das ist der nun wirklich herrschende Autoritätsglaube. Sonderbarer Autoritätsglaube! Es hat sich ja das in vielen Fällen gezeigt. Aber von einer besonderen Schädlichkeit wäre, wenn dieses, was ja eine merkwürdige Art von Opposition ist - Opposition hat es ja eigentlich in Wirklichkeit immer mehr gegeben als Autoritätsglaube, und daher ist die Beschuldigung des Autoritätsglaubens wirklich eine recht ungerechte -, noch verhängnisvoller wäre es, wenn das, was ich hier andeute als innere Opposition, gerade auf dem Gebiete des praktischen Lebens weitere Dimensionen annehmen würde. Denn dann würden, solange es noch geht, selbstverständlich die Gegner des anthroposophischen Strebens sagen: Na ja, eine sektiererisch phantastische Bewegung, die doch nicht praktisch sein kann. - Sie kann natürlich nicht praktisch sein, wenn die Praktiker sich nicht auf sie einlassen, geradesowenig wie man schließlich nähen kann, wenn man keine Nadel hat, wenn man es noch so gut versteht, das Nähen.

Ich möchte dadurch nur auf etwas hindeuten, was notwendig zu beachten ist. Ich spreche damit nicht eine Kritik aus, deute überhaupt auf nichts Vergangenes hin, sondern ich deute auf etwas hin, was für die Zukunft notwendig ist. Allerdings, ich würde selbstverständlich nicht hindeuten, wenn ich nicht allerlei Rauchwolken heraufsteigen sehen würde. Aber ich deute wirklich nur auf etwas hin, was gewissermaßen als eine Aufforderung zu gelten hat, nun wirklich von allen Seiten mitzuarbeiten und ja nicht hinter die reaktionäre Praxis sich zu verschanzen und hinter den Schanzen der reaktionären Praxis Anthroposophie, trotzdem man ihr vielleicht aufhelfen will, im Grunde genommen zu vernichten. Also nicht auf irgend etwas, was schon geschehen ist, deute ich hin, sondern auf dasjenige deute ich hin, was für die Zukunft notwendig ist. Es ist schon notwendig, daß man über diese Dinge nachdenkt.“ (Lit.:GA 200, S. 100ff)

Personenkultus

Personenkult und falscher Autoritätsglaube haben im wahren Okkultismus keinen Platz. Sie sind nur ein deutliches Zeichen mangelnder geistiger Reife - sowohl bei denen, die in einfordern oder auch nur tolerieren, als auch bei denen, die ihnen anhängen!

Frage: «Von vielen Seiten wird der theosophischen Bewegung und den damit verwandten Zeitströmungen Personenkultus vorgeworfen. Und es muß in der Tat auf Menschen, die ihre Freiheit und Selbständigkeit Heben, beunruhigend wirken, wenn von einzelnen Personen Lehren verkündet werden, welche die Zuhörer und Leser vorläufig nicht prüfen können, und welche viele auf blinden Autoritätsglauben hin annehmen. Liegt in solchen Tatsachen nicht eine Gefahr bei den Bewegungen, die sich auf Okkultismus und Theosophie gründen?»

Eine solche Gefahr könnte nur aus Mißverständnissen entspringen. Diejenigen, welche aus eigenen Erfahrungen heraus höhere Wahrheiten verkündigen, oder welche auf die Glaubwürdigkeit anderer Zeugen hin solche Wahrheiten weitergeben, werden nie das beanspruchen, was man Personenkultus oder blinden Autoritätsglauben gewöhnlich nennt. Sie werden das um so weniger tun, je bessere Okkultisten sie sind. Und wenn man sagt, die Zuhörer oder Leser könnten die Dinge nicht unmittelbar prüfen, so sollte man doch bedenken, daß es auch für denjenigen, welcher noch nicht bis zum eigenen Schauen gelangt ist, Mittel und Wege gibt, um sich immer mehr und mehr von der Wahrheit dessen zu überzeugen, was ihm mitgeteilt wird. Derjenige, welcher die Mitteilungen macht, will - immer vorausgesetzt, daß er wirklich im Herzen Okkultist oder Theosoph ist - nicht anders wirken als ein Erzähler. Er sagt: ich habe dies oder jenes erfahren, oder mir ist von solchen, die es wissen können, dies oder jenes mitgeteilt worden. Ein gesunder, gerader Verstand, eine wahre Empfindung im Zuhörer wird zunächst zuhören, das heißt weder blind glauben noch blind kritisieren. Das Wahre wirkt einleuchtend und aufklärend, das Falsche stößt zurück und klärt nichts auf. Vom Wahren sagt sich der Zuhörer oder Leser: Ja, durch das, was mir da mitgeteilt wird, kann ich die Tatsachen der Natur und des Lebens begreifen; wenn das aber nicht wahr wäre, was da gesagt wird, bleiben mir diese Tatsachen unverständlich. Dieses Verhalten zu einer Lehre kennt auch die anerkannteste Wissenschaft; man nennt da solche Lehren brauchbare Arbeitshypothesen. Nur daß der Okkultist nicht Hypothesen mitteilt, sondern Tatsachen, die er selbst gesehen hat. Aber das hindert ja niemand, solange er nicht selbst prüfen kann, die Dinge als brauchbare Lebenshypothesen anzunehmen. Und ganz sicher ist, daß derjenige, welcher sich aufrichtig und ehrlich so verhält, über kurz oder lang zum eigenen Schauen kommt. Denn es gibt für die gegenwärtige Menschheit keinen ersprießlicheren Weg zum höheren Schauen als denjenigen, zunächst einmal die Lehren derer zu hören, die schon gesehen haben, und davon anzunehmen, was man selbst für vernünftig und annehmbar halten kann. Gar viele würden sich bald für diese Vernünftigkeit und Annehmbarkeit der okkulten Lehren erklären, wenn sie die Fesseln des Vorurteils und des materialistischen Aberglaubens abstreifen könnten. Aber viele sind ganz erfüllt gerade vom Autoritätsglauben und Personenkultus gegenüber ihren materialistischen Größen und können deshalb sich nicht unbefangen den Mitteilungen der Okkultisten hingeben. Wer sich frei von diesem Autoritätskultus macht, der wird bald sehen, wie einleuchtend für Verstand und Herz die Lehren der sogenannten Geheimwissenschaft sind. Denn der Mensch ist durch Vernunft, Gefühl und Empfindung für die Wahrheit, nicht für den Irrtum veranlagt, und nur die Befangenheit und das Vorurteil können ihm dabei hindernd in den Weg treten.

Derjenige, welcher nicht an den Verstand seiner Zuhörer oder Leser sich wendet, sondern Personenkultus oder blinden Autoritätsglauben verlangt, hat nichts vom Wesen des Okkultismus begriffen. Durch nichts kann man sicherer erkennen, daß jemand kein Okkultist ist, als dadurch, daß er solchen blinden Glauben oder persönliche Anerkennung verlangt. Er ist dann nicht Okkultist, sondern ein eitler Tropf. Geht man der Wahrheit übrigens auf den Grund, so wird man stets finden, daß - abgesehen von einigen, die sich eben erst hier zum Richtigen durcharbeiten müssen- diejenigen am meisten über Personenkultus klagen, die finden, daß ihrer eigenen Person zu wenig Kultus entgegengebracht wird. Diese sollten aber ein wenig in sich gehen, und niemandem eines der schönsten Gefühle rauben wollen, das in der Verehrung derjenigen besteht, die einem die Wahrheit zugänglich machen. Dieses Gefühl ist eines jeden persönliche Angelegenheit, und in diese sollten sich nicht die hämischen Stimmen eitler Kritiker mischen. Wer selbst ein dankbares Gemüt hat und seinen geistigen Helfern Achtung und Liebe entgegenbringt, der wird es nie über sein Herz bringen, diese Gefühle bei anderen zu tadeln. Fange nur vor allem jeder bei sich selbst zu kritisieren an, arbeite er an der Verbreitung der Wahrheit, so wird er am besten anderen dienen.“ (Lit.:GA 34, S. 386ff)

„Wir versuchen, Geisteswissenschaft zu pflegen, um den Materialismus zu überwinden, um vorzubereiten dasjenige, was in der sechsten Kulturperiode an Wissenschaft da sein muß. Wir begründen Menschengemeinschaften, in denen gar nichts herrschen darf von irgendeinem Autoritätsglauben, von Anerkennung einer Lehre, nur weil sie von der einen oder andern Persönlichkeit geliefert wird. Wir begründen Menschengemeinschaften, in denen alles, alles gebaut sein muß auf die freie Zustimmung der Seele zu den Lehren. Damit bereiten wir dasjenige vor, was die Geisteswissenschaft Gedankenfreiheit nennt. Und dadurch, daß wir uns zusammenschließen, uns in brüderlichen Vereinigungen verbinden, um unsere Geisteswissenschaft zu treiben, bereiten wir dasjenige vor, was als Kultur, als Zivilisation die sechste nachatlantische Kulturperiode durchdringen soll.“ (Lit.:GA 159, S. 304f)

„Es treten Menschen auf, die das Anthroposophische mit Recht, mit vollem Recht, mit Enthusiasmus verkünden. Sie betonen dabei aber, daß sie bei dieser Verkündung eine Lehre geben, die ihrer Erfahrung zunächst nicht zugänglich sei, die sie vertreten als eine Lehre, die nur dem Geistesforscher als solchem zugänglich sei. Dadurch wird ein Konflikt herbeigeführt mit der Geisteshaltung der heutigen Zivilisation. Die heutige Zivilisation macht dem Menschen einen Vorwurf, wenn er gewissermaßen doch auf eine Art Autorität hin irgendeine Weltanschauung vertritt. Dieser Vorwurf würde ja wegfallen, wenn man gründlich einmal hüben und drüben einsehen würde, daß die Ergebnisse der Geistesforschung, wie sie in der Anthroposophie gemeint sind, zwar gefunden werden müssen mit Methoden, die der einzelne sich auf verschiedenen Wegen aneignen muß, daß diese Ergebnisse aber von dem wirklich unbefangenen Menschenverstände, wenn sie einmal da sind, tatsächlich auch eingesehen werden können.“ (Lit.:GA 257, S. 50f)

Autoritätsglaube und achte Sphäre

Wer sich seinen freien Willen durch eine Autorität binden lässt, statt sich auf sein eigenes Urteil zu stützen, zeigt eine Neigung zur achten Sphäre, zu jener Sphäre, die all das aufnimmt, was aus der regulären Erdentwicklung ausgeschieden wird. Rudolf Steiner bezog das nachdrücklich auch auf seine eigene „Autorität“!

„Und wenn der oder jener gesagt hat: Der Doktor hat gesagt, daß es gemacht werden soll —, dann bedeutet das, daß ein solcher den freien Willen fremden Einflüssen überliefern wollte, daß er ihn nicht durch sich, sondern durch etwas anderes bestimmen lassen wollte; er wollte, der andere solle in die physische Welt eine Geneigtheit tragen, den freien Willen binden zu lassen. Auch jedesmal, wenn die Menschen sich auf Fatalismus verlassen, statt durch ihre Urteilskraft zu entscheiden, zeigen sie ihre Neigung zu der achten Sphäre; und alles, was wir für die achte Sphäre erleben, verschwindet von der Erdenentwickelung, geht nicht mit der Erdenentwickelung in der rechten Weise vorwärts.“ (Lit.:GA 254, S. 98)

Literatur

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