Bildsamkeit: Unterschied zwischen den Versionen

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Seit den späten 1960er-Jahren und insbesondere seit der letzten [[Jahrtausendwende]] ging diese Form der Gemütsbildung weitgehend verloren. Die rein pragmatisch auf die [[sinnlich]]e [[Außenwelt]] gerichtete [[Bewusstseinsseele]], die die Entwicklung der [[Naturwissenschaft]]en und der [[Technik]] schon seit Beginn der [[Neuzeit]] vorantriebt, ist mittlerweile namentlich in der [[Westliche Welt|westlichen Welt]] zur Hauptgrundlage des [[Soziales Leben|sozialen Lebens]] geworden. Sie bringt ein hohes [[Konflikt]]potential mit sich, das die traditionellen Formen der [[Soziale Beziehung|sozialen Beziehungen]] immer mehr unterhöhlt und etwa auch in der aktuellen Auseinandersetzung mit dem [[Islam]] eine wesentliche Rolle spielt. Dennoch handelt es sich dabei nicht um eine Fehlentwicklung, sondern um eine [[notwendig]]e Voraussetzung dafür, die [[Bewusstseinsseele]] künftig auch immer mehr in voller [[Freiheit]] auf das [[Geist]]ige richten zu können. Diese Entwicklung zu fördern, ist die zentrale Aufgabe der [[Anthroposophie]].
 
Seit den späten 1960er-Jahren und insbesondere seit der letzten [[Jahrtausendwende]] ging diese Form der Gemütsbildung weitgehend verloren. Die rein pragmatisch auf die [[sinnlich]]e [[Außenwelt]] gerichtete [[Bewusstseinsseele]], die die Entwicklung der [[Naturwissenschaft]]en und der [[Technik]] schon seit Beginn der [[Neuzeit]] vorantriebt, ist mittlerweile namentlich in der [[Westliche Welt|westlichen Welt]] zur Hauptgrundlage des [[Soziales Leben|sozialen Lebens]] geworden. Sie bringt ein hohes [[Konflikt]]potential mit sich, das die traditionellen Formen der [[Soziale Beziehung|sozialen Beziehungen]] immer mehr unterhöhlt und etwa auch in der aktuellen Auseinandersetzung mit dem [[Islam]] eine wesentliche Rolle spielt. Dennoch handelt es sich dabei nicht um eine Fehlentwicklung, sondern um eine [[notwendig]]e Voraussetzung dafür, die [[Bewusstseinsseele]] künftig auch immer mehr in voller [[Freiheit]] auf das [[Geist]]ige richten zu können. Diese Entwicklung zu fördern, ist die zentrale Aufgabe der [[Anthroposophie]].
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Version vom 18. August 2019, 09:34 Uhr

Bildsamkeit bezeichnet im weitesten Sinn einerseits die Eigenschaft, sich von außen her formen und gestalten zu lassen, anderseits die Fähigkeit sich selbst von innen her bewusst oder unbewusst physisch, seelisch und/oder geistig zu formen und zu gestalten.

In der bildenden Kunst und im Kunsthandwerk wird der Begriff primär auf die plastische Verformbarkeit eines Materials bezogen, durch die er eine ihm aufgeprägte Form mehr oder weniger dauerhaft bewahren kann. Die physikalische Grundlage dafür ist die Plastizität des Materials.

Bildsamkeit bedeutet des Weiteren die Fähigkeit eines Lebewesens, sich selbst gemäß seiner artspezifischen und individuellen Eigenart auch unter wechselnden äußeren Einflüssen zu gestalten. Aus anthroposophischer Sicht geschieht das durch die Wechselwirkung der ätherischen Bildekräfte mit der auch maßgeblich durch genetische und epigenetische Faktoren vererbten Physis des Organismus.

Die Bildsamkeit des Menschen stand im Mittelpunkt des idealistisch-humanistischen Bildungsideals der Goethezeit, das bildungspolitisch namentlich von Wilhelm von Humboldt propagiert wurde. Hier stand die [[Herzensbildung], die Ausbildung einer reichen seelischen Innenwelt und die Pflege künstlerischer Fähigkeiten im Vordergrund, die aber noch weitgehend von der Tradition, d.h. durch den Blick auf die Vergangenheit bestimmt war. Johann Friedrich Herbart erklärte die diesbezügliche Bildsamkeit des Menschen zum Grundprinzip der Pädagogik überhaupt. Er betonte, „dass die Kunst des Erziehers einen Künstler fordert, nicht einen Staatsmann, nicht einen Gelehrten, nicht einmal das Gefühl eines Vaters...“ und dass es „nicht hinreicht, zu erinnern an die genaue Kenntniss der menschlichen Natur, nicht in ihrer gewöhnlichen Beschränktheit und Verdorbenheit, sondern in ihrer ursprünglichen, unendlichen Bildsamkeit; an die Durchforschung aller Verhältnisse des mannigfaltigen Wissens zu den verschiedenen Interessen des Menschen; an die Beurtheilung der höchst verschiedenartigen und vielfältigen Bedingungen, unter denen die Charakterbildung, insbesondre die sittliche Charakterbildung steht.“[1]

Seit den späten 1960er-Jahren und insbesondere seit der letzten Jahrtausendwende ging diese Form der Gemütsbildung weitgehend verloren. Die rein pragmatisch auf die sinnliche Außenwelt gerichtete Bewusstseinsseele, die die Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik schon seit Beginn der Neuzeit vorantriebt, ist mittlerweile namentlich in der westlichen Welt zur Hauptgrundlage des sozialen Lebens geworden. Sie bringt ein hohes Konfliktpotential mit sich, das die traditionellen Formen der sozialen Beziehungen immer mehr unterhöhlt und etwa auch in der aktuellen Auseinandersetzung mit dem Islam eine wesentliche Rolle spielt. Dennoch handelt es sich dabei nicht um eine Fehlentwicklung, sondern um eine notwendige Voraussetzung dafür, die Bewusstseinsseele künftig auch immer mehr in voller Freiheit auf das Geistige richten zu können. Diese Entwicklung zu fördern, ist die zentrale Aufgabe der Anthroposophie.

Einzelnachweise

  1. Johann Friedrich Herbart: Sämmtliche Werke, Herausgegeben von G. Hartenstein, 11. Band (Schriften zur Pädagogik), 2. Theil, Verlag von Leopold Voss, Leipzig 1851, S. 372 archive.org