Dornenkrönung

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Tizian, Dornenkrönung, 1542

Die Dornenkrönung ist, im mystischen Nacherleben der Schilderungen des Johannes-Evangeliums, die dritte Stufe des christlichen Schulungswegs und kann bis zu einer entsprechenden Stigmatisation im Kopfbereich führen.

„1 Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 2 Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzten sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an 3 und traten zu ihm und sprachen: Sei gegrüßt, König der Juden!, und schlugen ihm ins Gesicht. 4 Da ging Pilatus wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr erkennt, dass ich keine Schuld an ihm finde. 5 Und Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!“

Joh 19,1-5 LUT

Auf dieser Stufe der Einweihung lernt der Geistesschüler Leid und Schmerz und allen Spott und Hohn aufrecht zu ertragen.

„Für die dritte Stufe erhält er die Anweisung: Nun hast du dich hineinzuversetzen in die Empfindung, wie es mit dir stände, wenn du nicht nur Schmerz und Leid zu erdulden hättest, sondern wie wenn dir auch noch das, was dir das Heiligste ist, mit Hohn und Spott übergössen würde. Du mußt durch die Kräfte des Inneren stehen können, du mußt einen solchen Mittelpunkt in dir haben, daß du aufrechtstehen kannst. Dann tritt eine neue Vision auf: Der Schüler sieht sich als dornengekrönt. Er hat als das äußere Symptom eine Art Kopfschmerz, der bis in die Glieder hinein zeigt, daß sich dieses große Erlebnis eingestellt hat.“ (Lit.:GA 97, S. 232)

Im Nacherleben der Dornenkrönung kommt es auch zur Begegnung mit dem kleinen Hüter der Schwelle:

„Im Verlauf der Etappe, die man in der christlichen Einweihung die Dornenkrönung nennt, tritt ein furchteinflößendes Phänomen auf, das die Bezeichnung «Hüter der Schwelle» trägt und das man auch die Erscheinung des Doppelgängers nennen könnte. Das geistige Wesen des Menschen, gebildet aus seinen Willensströmungen, seinen Wünschen und seinen Verstandesfähigkeiten, erscheint alsdann dem Eingeweihten als Bild im Traumbewußtsein. Und dieses Bild ist manchmal abstoßend und Schrecken einflößend, denn es ist ein Ergebnis seiner guten und schlechten Eigenschaften und seines Karma; von diesem allem ist es die bildhafte Personifikation auf dem Astralplan. Das ist der schlimme Fährmann im Totenbuch der Ägypter. Der Mensch muß ihn besiegen, um sein höheres Ich zu finden. Der Hüter der Schwelle, ein Phänomen des hellsichtigen Schauens bis in die ältesten Zeiten hinein, ist der eigentliche Ursprung all der Mythen über den Kampf des Helden mit dem Ungeheuer, des Perseus und des Herakles mit der Hydra, des heiligen Georg und des Siegfried mit dem Drachen.

Der vorzeitige Eintritt der Hellsichtigkeit und die plötzliche Erscheinung des Doppelgängers oder des Hüters der Schwelle kann denjenigen, der nicht alle Vorbereitungen befolgt und alle dem Schüler auferlegten Vorsichtsmaßnahmen wahrgenommen hat, zum Wahnsinn führen.“ (Lit.:GA 94, S. 56f)

Literatur

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