Einbildungskraft: Unterschied zwischen den Versionen

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Weiterleitung nach Phantasie erstellt)
 
 
(4 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
#WEITERLEITUNG [[Phantasie]]
+
Die '''Einbildungskraft''', die die '''Einbildung''' als inneres [[seelisch]]es Bild hervorbringt, ist das im weitesten Sinn [[bild]]haft anschauliche '''[[Vorstellung]]svermögen''' des [[Mensch]]en und wird oft auch als ''Imagination'' (von [[lat.]] ''imago'', „Bild“) bezeichnet, die aber ''nicht'' mit dem von [[Rudolf Steiner]] ebenfalls  «[[Imagination]]» genannten ''geistigen Wahrnehmungsvermögen'' identisch ist. Die Einbildungskraft wirkt mehr ''reproduktiv'', wenn sie [[Wahrnehmung]]en zu [[Vorstellung]]en bzw. [[Erinnerung|Erinnerungsvorstellungen]] formt, und mehr ''produktiv'', wenn sie derartige Vorstellungen  mehr oder weniger frei durch die [[Phantasie]] um- und weiterbildet. Die Übergänge zwischen diesen Formen sind allerdings gleitend.
 +
 
 +
Für [[Immanuel Kant|Kant]] ist die Einbildungskraft eine der drei notwendigen menschlichen Fähigkeiten, durch die Wahrnehmungen überhaupt bewusst erfasst und begriffen werden können.
 +
 
 +
{{Zitat|Daß die Einbildungskraft ein nothwendiges Ingredienz der Wahrnehmung selbst sei, daran hat wohl noch kein Psychologe gedacht. Das kommt daher, weil man dieses Vermögen theils nur auf Reproductionen einschränkte, theils weil man glaubte, die Sinne lieferten uns nicht allein Eindrücke, sondern setzten solche auch sogar zusammen und brächten Bilder der Gegenstände zuwege, wozu ohne Zweifel außer der Empfänglichkeit der Eindrücke noch etwas mehr, nämlich eine Function der Synthesis derselben, erfordert wird.|[[Wikipedia:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] ([http://korpora.zim.uni-duisburg-essen.de/kant/aa04/089.html AA IV, 89])}}
 +
 
 +
Die drei Stufen, von denen Kant spricht, sind: [[Apprehension]], Einbildungskraft und [[Apperzeption]].
 +
 
 +
{{Zitat|Es sind aber drei ursprüngliche Quellen (Fähigkeiten oder Vermögen
 +
der Seele), die die Bedingungen der Möglichkeit aller Erfahrung enthalten
 +
und selbst aus keinem andern Vermögen des Gemüths abgeleitet
 +
werden können, nämlich Sinn, Einbildungskraft und Apperception.
 +
Darauf gründet sich 1) die Synopsis des Mannigfaltigen a priori
 +
durch den Sinn; 2) die Synthesis dieses Mannigfaltigen durch die Einbildungskraft;
 +
endlich 3) die Einheit dieser Synthesis durch ursprüngliche
 +
Apperception.|Immanuel Kant|[[Wikipedia:Kritik der reinen Vernunft|Kritik der reinen Vernunft]] ([http://korpora.zim.uni-duisburg-essen.de/kant/aa04/074.html AA IV, 74])}}
 +
 
 +
== Siehe auch ==
 +
 
 +
* {{Eisler|Einbildungskraft}}
 +
* {{Kirchner|Einbildungskraft}}
 +
 
 +
[[Kategorie:Philosophie]] [[Kategorie:Erkenntnistheorie]]

Aktuelle Version vom 24. August 2014, 18:41 Uhr

Die Einbildungskraft, die die Einbildung als inneres seelisches Bild hervorbringt, ist das im weitesten Sinn bildhaft anschauliche Vorstellungsvermögen des Menschen und wird oft auch als Imagination (von lat. imago, „Bild“) bezeichnet, die aber nicht mit dem von Rudolf Steiner ebenfalls «Imagination» genannten geistigen Wahrnehmungsvermögen identisch ist. Die Einbildungskraft wirkt mehr reproduktiv, wenn sie Wahrnehmungen zu Vorstellungen bzw. Erinnerungsvorstellungen formt, und mehr produktiv, wenn sie derartige Vorstellungen mehr oder weniger frei durch die Phantasie um- und weiterbildet. Die Übergänge zwischen diesen Formen sind allerdings gleitend.

Für Kant ist die Einbildungskraft eine der drei notwendigen menschlichen Fähigkeiten, durch die Wahrnehmungen überhaupt bewusst erfasst und begriffen werden können.

„Daß die Einbildungskraft ein nothwendiges Ingredienz der Wahrnehmung selbst sei, daran hat wohl noch kein Psychologe gedacht. Das kommt daher, weil man dieses Vermögen theils nur auf Reproductionen einschränkte, theils weil man glaubte, die Sinne lieferten uns nicht allein Eindrücke, sondern setzten solche auch sogar zusammen und brächten Bilder der Gegenstände zuwege, wozu ohne Zweifel außer der Empfänglichkeit der Eindrücke noch etwas mehr, nämlich eine Function der Synthesis derselben, erfordert wird.“

Kritik der reinen Vernunft (AA IV, 89)

Die drei Stufen, von denen Kant spricht, sind: Apprehension, Einbildungskraft und Apperzeption.

„Es sind aber drei ursprüngliche Quellen (Fähigkeiten oder Vermögen der Seele), die die Bedingungen der Möglichkeit aller Erfahrung enthalten und selbst aus keinem andern Vermögen des Gemüths abgeleitet werden können, nämlich Sinn, Einbildungskraft und Apperception. Darauf gründet sich 1) die Synopsis des Mannigfaltigen a priori durch den Sinn; 2) die Synthesis dieses Mannigfaltigen durch die Einbildungskraft; endlich 3) die Einheit dieser Synthesis durch ursprüngliche Apperception.“

Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft (AA IV, 74)

Siehe auch