Spirituelles Bewusstsein und Feuerluft: Unterschied zwischen den Seiten

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Das '''spirituelle Bewusstsein''', auch '''Intuition''' (von [[lat.]] ''intuitio'' „unmittelbare Anschauung“, zu lat. ''intueri'' „ansehen, betrachten“<ref>vgl. ([http://www.duden.de/rechtschreibung/Intuition Duden])</ref><ref>{{UTB-Philosophie|Thomas Blume|455|Intuition}} (philosophischer Fachbegriff)</ref>) genannt, die unmittelbarste [[nichtdiskursiv]]e Form des [[Erkenntnis|Erkennens]], ist ein allumfassendes [[ganzheit]]liches [[Bewusstsein]], durch das in letzter Konsequenz die geistigen Geschehnisse im ganzen Kosmos miterlebt werden können. Es ist das umgewandelte und mit dem klaren [[Selbstbewusstsein]] verbundene [[Trance-Bewusstsein]], das der [[Mensch]] auf dem [[Alter Saturn|alten Saturn]] hatte und heute die [[Mineral]]ien haben. Voll ausgebildet wird der Mensch es erst auf dem [[Vulkan]] haben. Durch [[Schulungsweg|geistige Schulung]] kann das intuitive Bewusstsein schon jetzt in gewissem Grade ausgebildet werden, wenn die [[Empfindungsseele]] zur [[Intuitionsseele]] umgestaltet wird. Eine Vorstufe dazu bildet das klare vollbewusste '''intuitive Denken'''.
Die '''Feuerluft''', gelegentlich auch als [[Akashastoff]] bezeichnet, bildete sich auf der [[Alte Sonne|alten Sonne]], indem sich die aus der [[Alter Saturn|alten Saturnentwicklung]] stammende [[Wärme]] teilweise zu [[Licht]] und [[Luft]] ([[Hebräische Sprache|hebr.]] [[Ruach]] = ''Rauch'') differenzierte. Sie ist nach [[okkult]]er Ansicht die [[Urmaterie]], die allem materiellen Dasein zugrunde liegt. Als [[Sulfur]]- oder [[Schwefelprozess]] ist die Feuer-Luft einer der drei grundlegenden Prozesse der [[Alchemie|alchemistischen]] [[Tria Principia]].  


== Intuition ==
== Die Feuernebel-Atmosphäre des alten Mondes ==
Keineswegs zu verwechseln ist das, was [[Rudolf Steiner]] als '''Intuition''' bezeichnet, mit dem halb [[Unterbewusstsein|unbewussten]], [[traum]]artigen [[Bauchgefühl]], das umgangssprachlich häufig auch als Intuition bezeichnet wird und nur ein letzter Rest einer sehr alten, heute nicht mehr zeitgemäßen [[Erkenntnis]]form ist, die sich letztlich auf das in der Frühzeit weit verbreitete [[Bauchhellsehen]] gründet. Das von Steiner beschriebene spirituelle Bewusstsein steht demgegenüber bezüglich Klarheit und Bewusstseinsgrad drei Stufen über dem gegenwärtigen wachen [[Tagesbewusstsein]] und ist damit die höchste und bewussteste Form der Erkenntnis, die dem Menschen heute - zumindest in seinen ersten Anfängen - zugänglich ist.


{{GZ|Durch Inspiration gelangt man dazu, die Beziehungen
Die von wässerigen Substanzen durchzogene Feuerluft, der '''Feuernebel''', bildete später die Atmosphäre des [[Alter Mond|alten Mondes]]:
zwischen den Wesenheiten der höheren Welt zu erkennen.
Durch eine weitere Erkenntnisstufe wird es möglich, diese
Wesenheiten in ihrem Innern selbst zu erkennen. Diese Erkenntnisstufe
kann die intuitive Erkenntnis genannt werden.
(Intuition ist ein Wort, das im gewöhnlichen Leben
mißbraucht wird für eine unklare, unbestimmte Einsicht
in eine Sache, für eine Art Einfall, der zuweilen mit der
Wahrheit stimmt, dessen Berechtigung aber zunächst nicht
nachweisbar ist. Mit dieser Art «Intuition» hat das hier
Gemeinte natürlich nichts zu tun. Intuition bezeichnet hier
eine Erkenntnis von höchster, lichtvollster Klarheit, deren
Berechtigung man sich, wenn man sie hat, in vollstem Sinne
bewußt ist.) — Ein Sinneswesen erkennen, heißt ''außerhalb''
desselben stehen und es nach dem äußeren Eindruck beurteilen.
Ein Geisteswesen durch Intuition erkennen, heißt
völlig eins mit ihm geworden sein, sich mit seinem Innern
vereinigt haben. Stufenweise steigt der Geistesschüler zu
solcher Erkenntnis hinauf. Die Imagination führt ihn dazu,
die Wahrnehmungen nicht mehr als äußere Eigenschaften
von Wesen zu empfinden, sondern in ihnen Ausflüsse von
Seelisch-Geistigem zu erkennen; die Inspiration fuhrt ihn
weiter in das Innere der Wesen: Er lernt durch sie verstehen,
was diese Wesenheiten für einander sind; in der Intuition
dringt er in die Wesen selbst ein.|13|357}}


Was Intuition bereits auf der Ebene des [[Denken]]s bedeutet, hat Rudolf Steiner schon in seiner [[Philosophie der Freiheit]] so formuliert:
<div style="margin-left:20px">
"''Intuition'' ist das im rein Geistigen verlaufende bewußte Erleben eines rein geistigen Inhaltes." {{Lit|{{G|4|146}}}}
</div>
Im intuitiven Denken habe der Mensch daher bereits ein rein geistiges Erlebnis:
<div style="margin-left:20px">
"Die geistige Wahrnehmungswelt kann
dem Menschen, sobald er sie erlebt, nichts Fremdes sein, weil er im intuitiven Denken
schon ein Erlebnis hat, das rein geistigen Charakter trägt." {{Lit|{{G|4|181}}}}
</div>
{{GZ|Im intuitiv erlebten Denken ist der Mensch in eine geistige Welt auch als Wahrnehmender versetzt.|4|256}}
<div style="margin-left:20px">
"Man kann sehr leicht den Ausdruck Intuition mißverstehen,
weil zum Beispiel derjenige, der Phantasie hat, der dichterisches
Vermögen hat, die gefühlsmäßigen Empfindungen von der Welt,
die er hat, auch schon Intuition nennt. Aber das ist eine dunkle,
bloß gefühlte Intuition. Sie ist aber doch verwandt mit demjenigen,
was ich Intuition hier nenne. Denn wie der Mensch vollständig hier
als Erdenmensch seine sinnliche Wahrnehmung hat, so hat er einen
Abglanz der höchsten Art der Erkenntnis der Intuition durch das
irdische Gefühl und den irdischen Willen. Er würde sonst kein
sittliches Wesen sein können. So daß dasjenige, was sich dunkel,
ahnungsvoll für den Menschen im Gewissen kundgibt, ein Abglanz
ist, gewissermaßen ein Schattenbild des Höchsten, das nun erst in
der wahren Intuition, in der höchsten dem Menschen zunächst als
Erdenmenschen möglichen Erkenntnisart erscheint.
Der Mensch hat wirklich als Erdenmensch etwas von dem Untersten,
und wiederum ein Schattenbild des Obersten, das erst in
der Intuition erreichbar ist. Gerade die mittleren Gebiete fehlen
ihm zunächst vollständig als Erdenmenschen. Die muß er sich erwerben:
Imagination und Inspiration. Die Intuition in der reinen,
lichtvollen Innerlichkeit muß er sich auch erwerben; aber er hat
gerade in der sittlichen Empfindung, im Inhalt des sittlichen
Gewissens ein irdisches Abbild desjenigen, was dann als Intuition
auftritt. So daß man auch sagen kann: Wenn der Mensch als ein
Initiierter, Erkennender zu einem wirklichen intuitiven Erkennen
der Welt aufsteigt, so wird ihm die Welt, die er sonst nur in Naturgesetzen
kennt, so innerlich, so mit ihm verbunden, wie für ihn
als Erdenmenschen sonst nur die sittliche Welt ist. Und das ist
gerade das Bedeutsame in der Menschenwesenheit auf Erden, daß
wir wie mit einem innersten dunklen Erahnen hängen an dem
Allerhöchsten, was wiederum nur der entwickelten Erkenntnis in
seiner wahren Gestalt zugänglich ist." {{Lit|{{G|227|59}}}}
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Von der Inspiration kann der geistige Beobachter zur
Intuition aufsteigen. In der Ausdrucksart der Geheimwissenschaft
bedeutet dieses Wort in vieler Beziehung das
genaue Gegenteil von dem, wofür man es im gewöhnlichen
Leben oft anwendet. In letzterem spricht man von
Intuition, wenn man einen dunkel als wahr gefühlten
Einfall im Auge hat, dem an sich die klare, begriffliche
Feststellung noch fehlt. Man sieht darinnen mehr eine
Vorstufe der Erkenntnis denn eine solche selbst. Solch ein
entsprechender «Einfall» mag - nach dieser
Begriffsbestimmung - eine große Wahrheit wie in
einem Blitzlicht erleuchten; als Erkenntnis kann er erst
gelten, wenn er durch begriffliche Urteile begründet wird.
Bisweilen bezeichnet man auch als Intuition etwas, was
man als Wahrheit «fühlt», wovon man ganz überzeugt ist,
was man aber durch Verstandesurteile nicht belasten will.
Menschen, an welche die geheimwissenschaftlichen
Erkenntnisse herankommen, sagen gar oft: Das war mir
«intuitiv» schon immer klar. Von all dem muß ganz
abgesehen werden, wenn man den Ausdruck «Intuition» in
seiner hier gemeinten wahren Bedeutung ins Auge fassen
will. Intuition ist, in dieser Anwendung, nicht eine
Erkenntnis, die an Klarheit hinter der Verstandeserkenntnis
zurückbleibt, sondern welche diese weit überragt." {{Lit|{{G|12|76f}}}}
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Das
''Leben'' der Dinge in der ''Seele'' ist nun die ''Intuition''. Es ist
eben ganz wörtlich zu nehmen, wenn man von der Intuition
sagt: man kriecht durch sie in alle Dinge hinein. - Im gewöhnlichen
Leben hat der Mensch nur ''eine'' Intuition, das
ist diejenige des «Ich» selber. Denn das «Ich» kann auf
keine Weise von außen wahrgenommen werden, es kann
nur im Innern erlebt werden. Eine einfache Erwägung kann
das klarmachen. Es ist dies eine Erwägung, die allerdings
von den Psychologen nicht mit der wünschenswerten
Schärfe gemacht wird. So unscheinbar sie aber ist: für den,
der ''sie'' ganz versteht, ist sie von der allerweittragendsten
Bedeutung. Sie ist die folgende: Ein jedes Ding
der Außenwelt kann von allen Menschen mit demselben
Namen genannt werden. Der Tisch kann von allen mit
«Tisch», die Tulpe von allen mit «Tulpe», der Herr Müller
von allen mit «Herr Müller» angesprochen werden. Aber es
gibt ein Wort, das jeder nur zu sich selbst sprechen kann.
Dies ist das Wort «Ich». Kein anderer kann zu mir «Ich»
sagen, für jeden anderen bin ich ein «Du». Ebenso ist jeder
andere für mich ein «Du». Nur er selbst kann zu sich «Ich»
sagen. Das rührt davon her, daß man nicht ''außer'', sondern
''in'' dem «Ich» lebt. Und so lebt man durch die ''intuitive''
Erkenntnis in allen Dingen. Die Wahrnehmung des eigenen
«Ich» ist das Vorbild für alle intuitive Erkenntnis. Um so in
die Dinge hineinzukommen, muß man allerdings erst aus
sich selbst heraustreten. Man muß «selbstlos» werden, um
mit dem «Selbst», dem «Ich», einer anderen Wesenheit zu
verschmelzen." {{Lit|{{G|12|20f}}}}
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Man hat erst dann etwas
intuitiv erfaßt, wenn man diesem «Etwas» gegenüber zu
der Empfindung gekommen ist: es äußert sich in ihm ein
Wesen, das von derselben Art und inneren Geschlossenheit
wie das eigene Ich ist." {{Lit|{{G|12|78}}}}
</div>
Konkreter aus der [[übersinnlich]]en [[Erfahrung]] gesprochen, ist Intuition das vollkommene Einswerden mit anderen [[Geistige Wesen|geistigen Wesen]], indem man in sie untertaucht bzw. diese in uns untertauchen, ohne dass man dabei aber die eigene Identität verliert. Dann gibt es keinen Unterschied mehr zwischen mir und den anderen geistigen Wesen, man ist gleichsam ''im Gotte stehend'' - und doch ist man gerade dann am allermeisten bei sich selbst. Ein Paradoxon, auf das schon [[Paulus]] hingedeutet hat mit dem Wort, das [[Rudolf Steiner]] meist so zitiert: ''Nicht ich, sondern der Christus in mir.'' [[Wikipedia:Meister Eckhart|Meister Eckhart]] hat es so ausgesprochen:
:"Das Auge, durch das ich Gott sehe, das ist das gleiche Auge, mit dem Gott mich sieht. Mein Auge und Gottes Auge das ist ein Auge und ein Sehen und ein Erkennen und ein Empfinden." {{lit|1,2}}
In der intuitiven Erkenntnis bedient sich der Mensch jener Kräfte, die bis zum [[Zahnwechsel]] im [[Siebentes Lebensjahr|siebenten Lebensjahr]] an der Gestaltung des [[Physischer Leib|physischen Leibes]] arbeiten.
<div style="margin-left:20px">
"... die Kräfte, die in der Intuition, in der intuitiven Erkenntnis
angewendet werden, sind dieselben Kräfte, mit denen man bis zum
siebenten Jahre so wächst, daß dieses Wachsen seinen Ausdruck
findet im Zahnwechsel. Diese schlafenden Kräfte, die bis zum siebenten
Jahr tätig sind in der Menschennatur, die benützt man in der übersinnlichen
Erkenntnis, um zur Intuition zu kommen." {{Lit|{{G|191|32}}}}
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Wenn die Übungen für die Intuition gemacht werden, so
wirken sie nicht allein auf den Ätherleib, sondern bis in die
übersinnlichen Kräfte des physischen Leibes hinein. Man
sollte sich allerdings nicht vorstellen, daß auf diese Art
Wirkungen im physischen Leibe vor sich gehen, welche der
gewöhnlichen Sinnenbeobachtung zugänglich sind. Es sind
Wirkungen, welche nur das übersinnliche Erkennen beurteilen
kann. Sie haben mit aller ''äußeren'' Erkenntnis nichts zu
tun. Sie stellen sich ein als Erfolg der Reife des Bewußtseins,
wenn dieses in der Intuition Erlebnisse haben kann, trotzdem
es alle vorher gekannten äußeren und inneren Erlebnisse
aus sich herausgesondert hat. — Nun sind aber die
Erfahrungen der Intuition zart, intim und fein; und der
physische Menschenleib ist auf der gegenwärtigen Stufe seiner
Entwickelung im Verhältnisse zu ihnen grob. Er bietet
deshalb ein stark wirkendes Hindernis für den Erfolg der
Intuitionsübungen. Werden diese mit Energie und Ausdauer
und in der notwendigen inneren Ruhe fortgesetzt, so überwinden
sie zuletzt die gewaltigen Hindernisse des physischen
Leibes. Der Geistesschüler bemerkt das daran, daß er
allmählich gewisse Äußerungen des physischen Leibes, die
vorher ganz ohne sein Bewußtsein erfolgten, in seine Gewalt
bekommt. Er bemerkt es auch daran, daß er für kurze
Zeit das Bedürfnis empfindet, z.B. das Atmen (oder dergleichen)
so einzurichten, daß es in eine Art Einklang oder
Harmonie mit dem kommt, was in den Übungen oder sonst
in der inneren Versenkung die Seele verrichtet. Das Ideal der
Entwickelung ist, daß durch den physischen Leib selbst gar
keine Übungen, auch nicht solche Atemübungen gemacht
würden, sondern daß alles, was mit ihm zu geschehen hat, sich
''nur'' als eine Folge der reinen Intuitionsübungen einstellte." {{Lit|{{G|13|371f}}}}
</div>
== Intuition, Wärmeorganismus und Ich ==
Nur im [[Physischer Leib|physischen Leib]] leben wir unmittelbar in der [[physisch]]-[[sinnlich]]en [[Gegenwart]] der [[Erde (Planet)|Erde]]. Im [[Ätherleib]], der eng mit dem [[Flüssigkeit|Flüssigen]] in uns zusammenhängt, wirkt bereits etwas von dem geistige Dasein nach, das wir kurz vor der [[Geburt]] durchlebt haben. Der [[Astralleib]] verbindet sich ganz besonders mit dem [[Luft]]element, mit der [[Atmung]], und darin wirkt nach, was wir [[Leben zwischen Tod und neuer Geburt]] erfahren haben. Erst in der [[Wärme]] wirkt unmittelbar das [[Ich]] mit all den Kräften, die es sich aus früheren [[Inkarnation]]en mitgebracht hat und bereitet zugleich die künftigen Inkarnation vor. In der Wärme ist das Ich durch [[Intuition]] tätig und impulsiert den [[Wille]]n.
{{GZ|Der Mensch hat seinen physischen Leib. Durch den lebt er in jedem
Augenblick in der physischen Gegenwart der Erde. Der Mensch hat
seinen Ätherleib. Durch den lebt er eigentlich fortdauernd bis ein
Stückchen vor seine Geburt hin, wo er sich den Ätherleib gesammelt
hat aus dem allgemeinen Weltenäther. Nun hat er seinen Astralleib.
Durch den lebt er durch das ganze Dasein zwischen seinem vorigen
Tode und diesem Heruntersteigen auf die Erde. Und dann hat er sein
Ich. Da lebt er ins vorige Erdenleben hinein. So daß wir beim Menschen
überall, wo wir von seiner Gliederung sprechen, sprechen müssen
von seiner Ausdehnung in der Zeit. Wir tragen unser voriges Ich-Bewußtsein unterbewußt in der Gegenwart in uns. Und wie tragen
wir es in uns? Ja, wenn Sie das studieren wollen, wie wir es in uns
tragen, dann müßten Sie aufmerksam werden darauf - und das ist
auch der Weg dazu, an das Ich heranzukommen -, wie der Mensch
nun hier in der physischen Welt nicht nur fester Leib ist, nicht nur
ein flüssiger Mensch, ein luftformiger Mensch, sondern wie der Mensch
ja ein Wärmeorganismus ist. Primitiv, wenigstens sehr partiell weiß
das schon jeder; wenn er Fieber mißt, so bekommt er verschiedene
Fieberangaben, je nach den verschiedenen Stellen des Organismus, wo
er mißt. Aber so ist es durch den ganzen menschlichen Organismus
hindurch. Eine andere Temperatur haben Sie oben im Kopfe, eine andere
in der großen Zehe, eine andere innerlich in der Leber, eine andere
innerlich in der Lunge. Sie sind ja nicht nur das, was Sie in einem
anatomischen Atlas in festen Konturen gezeichnet finden; Sie sind ein
Flüssigkeitsorganismus, der in fortwährender Bewegung ist; Sie sind
ein Luftorganismus, der Sie immerfort durchdringt, wie wenn Sie da
immer ein mächtiges Symphonisches, Musikorganisches durchdränge.
Und Sie sind bei alledem ein wogendes, warm-kalt Organisiertes, ein
Wärmeorganismus, und in diesem Wärmeorganismus leben Sie selber
drinnen. Das spüren Sie auch. Schließlich haben Sie nicht ein sehr starkes
Bewußtsein davon, daß Sie, sagen wir, in einem Schienbein- oder in
einem anderen Knochen leben, auch nicht ein starkes Bewußtsein davon,
daß Sie in Ihrer Leber leben oder in den Säften Ihrer Gefäße.
Aber daß Sie in Ihrer Wärme leben, davon haben Sie ein starkes Bewußtsein,
wenn Sie das auch nicht differenzieren, wenn Sie auch nicht
sagen: Da ist meine Wärmehand, da ist mein Wärmebein, da ist meine
Wärmeleber und so weiter; aber es ist da, und ist es einmal gestört,
ist nicht die menschlich angemessene Differenzierung im Wärmeorganismus
vorhanden, dann spüren Sie es als Erkrankung, als Schmerz.
Wenn man das Ätherische schaut, wenn man mit dem entwickelten
Bewußtsein zur Bildhaftigkeit, zur Imagination gedrungen ist, dann
hat man webende Bilder. Nimmt man das Astralische wahr, hat man
die Weltensphärenmusik. Die dringt an einen heran, oder auch sie
dringt aus uns heraus. Denn unser eigener Astralleib führt uns zurück
in unser vorirdisches Dasein. Und gehen wir weiter zu jener Erkenntnis,
die sich aufschwingt bis zur intensivsten Liebe, wo die Liebeskraft
Erkenntniskraft wird, wo wir zunächst unser eigenes Dasein aus einem
vorigen Erdenleben hereinfluten sehen in unser gegenwärtiges Erdenleben,
so spüren wir dieses vorangehende Erdenleben in der normalen
Differenzierung unseres Wärmeorganismus, in dem wir drinnen
leben. Das ist die wirkliche Intuition. Da leben wir drinnen. Und
wenn irgendein Impuls in uns aufsteigt, das oder jenes zu tun, so wirkt
dies ja nicht nur, wie es im astralischen Leib ist, aus der geistigen Welt
heraus, sondern von noch weiter zurück aus dem früheren Erdenleben.
Das frühere Erdenleben wirkt in die Wärme Ihres Organismus herüber
und erzeugt diesen oder jenen Impuls. Schauen wir in dem irdischfesten
Menschen den physischen Leib, in dem flüssigen den ätherischen
Leib, in dem luftförmigen den astralischen Leib, so schauen wir in
dem Wärmemäßigen des Menschen das eigentliche Ich. Das Ich der
gegenwärtigen Inkarnation ist nie fertig; das bildet sich. Das eigentliche,
in den unterbewußten Tiefen wirkende Ich ist das des vorigen
Erdenlebens. Und vor dem schauenden Bewußtsein nimmt sich ein
Mensch, dem Sie gegenübertreten so aus, daß Sie sagen: Hier steht
er; ich erblicke ihn zunächst so wie er dasteht, mit meinen äußeren
Sinnen. Ich schaue dann das Ätherische, ich schaue das Astralische,
dann aber hinter ihm den anderen Menschen, der er war in der vorigen
Inkarnation.
In der Tat, je weiter dieses Bewußtsein ausgebildet wird, desto mehr
erscheint - perspektivisch macht sich das so (es wird gezeichnet) - das
menschliche Haupt der gegenwärtigen Inkarnation, etwas darüber
das menschliche Haupt der vorigen Inkarnation, etwas darüber das
menschliche Haupt der noch weiter zurückliegenden Inkarnation. In
Zivilisationen, die von diesen Dingen durch ein instinktives Bewußtsein
noch etwas geahnt haben, finden Sie Bilder, wo hinter dem deutlich
gezeichneten Antlitz, das auf das gegenwärtige Erdenleben bezogen
wird, ein anderes, etwas weniger deutlich gemaltes ist, und
ein noch weniger deutlich gemaltes als drittes. Es gibt solche ägyptische
Bilder. Derjenige, der erblickt, wie eigentlich hinter dem Menschen
der Gegenwart der Mensch der vorigen Inkarnation und der weiter
zurückliegenden Inkarnation aufsteigt, versteht solche Bilder. Und es
ist erst eine Realität, von dem Ich zu sprechen als dem vierten Gliede
der menschlichen Natur, wenn man zugleich das zeitliche Dasein zu
den vorigen Inkarnationen zurückerweitert.
[[Datei:GA234 096.gif|center|200px|Zeichnung aus GA 234, S. 96 (Tafel 6)]]
Das alles wirkt im Wärmemenschen. Die Inspiration kommt noch
an einen heran von außen oder von innen. In der Wärme steht man
selber drinnen. Da ist die Intuition, die wahre Intuition. Ganz anders
erlebt man die Wärme als irgend etwas anderes an sich.|234|93ff}}
== Der Intuitionsbegriff der 'Philosophie der Freiheit' (denkende Intuition) ==
<div style="margin-left:20px">
"Im
Gegensatz zum Wahrnehmungsinhalte, der uns von außen
gegeben ist, erscheint der Gedankeninhalt im Innern. Die
Form, in der er zunächst auftritt, wollen wir als Intuition
bezeichnen. Sie ist für das Denken, was die Beobachtung für
die Wahrnehmung ist. Intuition und Beobachtung sind die
Quellen unserer Erkenntnis." (S. 95)
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Intuition und Beobachtung sind die
Quellen unserer Erkenntnis. Wir stehen einem beobachteten
Dinge der Welt so lange fremd gegenüber, so lange wir in
unserem Innern nicht die entsprechende Intuition haben,
die uns das in der Wahrnehmung fehlende Stück der Wirklichkeit
ergänzt." (S. 95)
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Was uns in der
Beobachtung an Einzelheiten gegenübertritt, das verbindet
sich durch die zusammenhängende, einheitliche Welt unserer
Intuitionen Glied für Glied;" (S. 96)
</div>
<div style="margin-left:20px">
<div style="margin-left:20px">
"Die Frage nach dem «Was» einer Wahrnehmung
"Aus dem ganzen Grunde heraus wuchsen die Pflanzentiere, und darüber bewegten sich dann diejenigen Wesenheiten,
kann also nur auf die begriffliche Intuition gehen, die
die Menschentiere waren, in dem Umkreis des Mondes, den man mit «Feuerluft» bezeichnet. Denken Sie sich die ganze Luft ausgefüllt mit Salpeter-, Kohlen- und
ihr entspricht." (S. 99)
Schwefelsäuredämpfen; in dieser feurigen Luft, die Sie so bekommen würden,
lebten die Mondenmenschen. Der Okkultist kannte immer diese Feuerluft; und unter
den alten Erdverhältnissen gab es sogar die Möglichkeit, chemisch solche Feuerluft
herzustellen, was heute nur in ganz kleinem Kreise geschehen kann. Das Wissen
davon hat sich die echte Alchimie bewahrt. Wenn Sie daher im «Faust» lesen: ich will
ein wenig Feuerluft machen..., so ist das ein Anklang an die Tiefen des Okkultismus.
Feuerluft umhüllte den Mond, das war seine Atmosphäre." {{Lit|{{G|100|118}}}}
</div>
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Ein Glied in meinem Gedankensysteme,
eine bestimmte Intuition, ein Begriff verbindet sich mit der
Wahrnehmung. Wenn dann die Wahrnehmung aus meinem
Gesichtskreise verschwindet: was bleibt zurück? Meine Intuition
mit der Beziehung auf die bestimmte Wahrnehmung,
die sich im Momente des Wahrnehmens gebildet hat." (S. 106)
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Die ''Vorstellung'' ist nichts anderes als eine auf eine
bestimmte Wahrnehmung bezogene Intuition, ein Begriff,
der einmal mit einer Wahrnehmung verknüpft war, und
dem der Bezug auf diese Wahrnehmung geblieben ist." (S. 107)
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Die Vorstellung steht also zwischen Wahrnehmung und
Begriff. Sie ist der bestimmte, auf die Wahrnehmung deutende
Begriff."
</div>
Bei diesen Ausführungen Steiners fällt auf, daß nebeneinander die Wörter '[[Begriff]]' und 'Intuition' verwendet werden, als wären es Synonyme. Aber wenn es für Steiner Synonyme sind, warum sagt er das dann nicht? Und warum wählt er einmal das Wort 'Begriff', dann wieder 'Intuition', aber auch Kombinationen wie 'begriffliche Intuition'? Zudem kommen die Wörter 'Inhalt' und 'Form' vor. Ein Gedanken''inhalt'' tritt ''zunächst'' in der ''[[Form]]'' der Intuition auf.


Als Formmerkmale von Begriffen oder Intuitionen können Erscheinung, Auftreten, [[Ursprung|Quellcharakter]], [[Bewußtsein|Bewußtheit]], Aktivität, Beweglichkeit, Innerlichkeit, Subjektivtät, Zusammenhang, Einheitlichkeit, Gliedcharakter, Bestimmtheit, Begrenztheit,  [[Intentionalität]], Funktionalität, Bezüglichkeit, usw. in Frage kommen, insofern sie nicht dem Gedankeninhalt zuzurechnen sind. Einige dieser Attribute sind in den Zitaten angeführt, andere implizit mitgemeint, oder es ist dies im übrigen Text der 'Philosophie der Freiheit' der Fall. Vgl. auch S. 154, wo von dem "ideellen und folglich allgemeinen Inhalt" einer Intuition gesprochen wird, und S. 153 davon, daß der "Inhalt eines Begriffes durch reine Intuition aus der ideellen Sphäre heraus" bestimmt werdern kann, ohne Bezug auf eine Wahrnehmung. Seite 166 heißt es jedoch:
== Feuerluft und Elementarwesen ==
<div style="margin-left:20px">
"Der Unterschied
zwischen mir und meinem Mitmenschen liegt durchaus nicht
darin, daß wir in zwei ganz verschiedenen Geisteswelten
leben, sondern daß er aus der uns gemeinsamen Ideenwelt
andere Intuitionen empfängt als ich." (S. 166)
</div>


Was kann da mit "Intuitionen" anderes gemeint sein als Gedanken''inhalte''? Wenn man statt 'empfangen' das Wort 'intuieren' verwendete, würde es dann heißen: Aus der [[Ideen]]welt Intuitionen intuieren. Die anfängliche Bestimmung von Intuition als Form, bzw. daß ausschließlich formhaftes Intuition genannt wird, wird von Steiner offenbar nicht durchgängig beibehalten, sondern Intuition kann auch den Inhalt von [[Gedanke]]n bezeichnen. Dies wird auch durch eine Formulierung auf Seite 191 bestätigt:
Die alten [[Alchemist]]en vermochten geeignete Bedingungen für die Feuerluft herzustellen und konnten dadurch gewisse [[Elementarwesen]] zu ihren Dienern machen.  
<div style="margin-left:20px">
"Der freie Geist handelt nach seinen Impulsen, das sind Intuitionen,
die aus dem Ganzen seiner Ideenwelt durch das
Denken ausgewählt sind. (S. 191)
</div>
Hier könnte man wohl wieder umformulieren zu: Intuitionen, die aus dem Ganzen der Ideenwelt durch Intuition ausgewählt sind. Seite 240 ist dann wieder die Form gemeint:
<div style="margin-left:20px">
"Das Individuum muß seine Begriffe durch eigene Intuition gewinnen."
</div>
Auch da könnte man wohl ohne [[Bedeutung|Sinnänderung]] formulieren: Das Individuum muß seine Intuitionen durch eigene Intuition gewinnen.
In einem Zusatz zur Neuauflage 1918 wird ein weiteres [[Merkmal]] der Intuition genannt. Es wird von '[[Kraft|Kräften]]' der Intuition gesprochen, die eine Vertiefung der Erkenntnis ermöglichen würden:


<div style="margin-left:20px">
<div style="margin-left:20px">
"Eine Vermehrung
"Diese Feuerluft, in der hebräischen Tradition «Ruach» genannt, kann tatsächlich
oder Andersgestaltung der menschlichen Sinne würde ein
in einer gewissen Weise dargestellt werden. Diese Ruach ist den heutigen Menschen
anderes Wahrnehmungsbild ergeben, eine Bereicherung oder
verlorengegangen, die alten Alchimisten aber konnten die Bedingung dafür herstellen;
Andersgestaltung der menschlichen Erfahrung; aber eine
sie konnten dadurch Elementarwesen zu ihren Dienern machen. Dieser Feuernebel
wirkliche Erkenntnis müßte auch dieser Erfahrung gegenüber
war also in den alchimistischen Zeiten etwas durchaus Bekanntes, und je weiter
durch die Wechselwirkung von Begriff und Wahrnehmung
wir zurückgehen, desto mehr hatten die Menschen die Möglichkeit, ihn herzustellen.
gewonnen werden. Die Vertiefung der Erkenntnis
Diesen Feuernebel atmeten unsere Vorfahren auf dem Monde. Er hat sich
hängt von den im Denken sich auslebenden Kräften der Intuition (vergleiche Seite 95) ab.
weiterentwickelt und hat sich differenziert in die heutige Luft und in das, was sonst
Diese Intuition kann in
auf der Erde unter der Einwirkung des Feuers entstanden ist." {{Lit|{{G|099|109}}}}
demjenigen Erleben, das im Denken sich ausgestaltet, in
tiefere oder weniger tiefe Untergründe der Wirklichkeit
tauchen. Durch die Erweiterung des Wahrnehmungsbildes
kann dieses Untertauchen Anregungen empfangen und auf
diese Art mittelbar gefördert werden." (S. 130f. aus Zusatz für Neuauflage 1918)
</div>
</div>


Dabei ist fraglich, ob diese 'Kräfte' der Intuition ein anderes Wort für [[Fähigkeit]] zu Intuitionen bzw. Intuitionsvermögen sind, von dem andernorts gesprochen wird, oder ob nicht doch noch etwas anderes [[Bezeichnung|bezeichnet]] werden soll.
== Die Wahrnehmung der Feuerluft bis zur urindischen Zeit ==


Was Intuition auf der Ebene des [[Denken]]s bedeutet, hat Rudolf Steiner dann weiter so formuliert:
Noch in der [[Urindische Kultur|urindischen Zeit]] wurde die Feuerluft in gewissser Weise wahrgenommen. Die Urinder konnten noch die Seele des Lichts, d.h. die Spuren der in der Luft damals wirkenden [[Feuergeister]], sehen. Was wir heute als [[Luft]] erleben, das wurde damals noch als [[Feuer]] wahrgenommen. Umgekehrt wurde damals das, was wir als Feuer wahrnehmen, als Luft erlebt:  
<div style="margin-left:20px">
"Wer aber
durchschaut, was bezüglich des Denkens vorliegt, der wird
erkennen, daß in der Wahrnehmung nur ein Teil der Wirklichkeit
vorliegt und daß der andere zu ihr gehörige Teil,
der sie erst als volle Wirklichkeit erscheinen läßt, in der denkenden
Durchsetzung der Wahrnehmung ''erlebt'' wird. Er
wird in demjenigen, das als Denken im Bewußtsein auftritt,
nicht ein schattenhaftes Nachbild einer Wirklichkeit sehen,
sondern eine auf sich ruhende geistige Wesenhaftigkeit. Und
von dieser kann er sagen, daß sie ihm durch ''Intuition'' im Bewußtsein
gegenwärtig wird. ''Intuition'' ist das im rein Geistigen
verlaufende bewußte Erleben eines rein geistigen Inhaltes.
Nur durch eine Intuition kann die Wesenheit des
Denkens erfaßt werden. {{Lit|{{G|004|146}}}} (aus Zusatz für Neuausgabe 1918)
</div>
Im Anschluß wird dann gesagt, daß die [[Wesenheit]] des Denkens selbst eine intuitive sei. Die Erfassung des intuitiven Wesens des Denkens ist nur durch Intuition möglich.
 
Im intuitiven Denken habe der Mensch bereits ein rein geistiges Erlebnis:
 
<div style="margin-left:20px">
"Die geistige Wahrnehmungswelt kann
dem Menschen, sobald er sie erlebt, nichts Fremdes sein, weil er im intuitiven Denken
schon ein Erlebnis hat, das rein geistigen Charakter trägt." {{Lit|{{G|004|181}}}}
</div>
 
=== Der Intuitionsbegriff gemäß Seite 95ff. der 'Philosophie der Freiheit' ===
Da offensichtlich im Text der Philosophie der Freiheit der Begriff der Intuition nicht klar definiert ist, und das Wort 'Intuition' in unterschiedlichen Bedeutungen bzw. Kontexten verwendet wird, ist es verständlich, daß Rudolf Steiner in den Zusätzen der Neuauflage nochmals darauf hinweist, wo man im Text nachzusehen hat, um Aufschluß über die Intuition bzw. das intuitive Denken zu erhalten. Zweimal wird ausdrücklich auf die Seite 95, bzw. 95ff. verwiesen. Die eine Stelle befindet sich auf Seite 130f. (Zitat s.o.), die andere ist folgende:
<div style="margin-left:20px">
"Die
Wahrnehmung ist der Teil der Wirklichkeit, der objektiv,
der Begriff derjenige, der subjektiv (durch Intuition, vgl.
Seite 95 ff.) gegeben wird." (S. 247)
</div>
Natürlich müssen auch gerade diese Stellen, in denen nach Seite 95 bzw. 95ff. verwiesen wird, für den Intuitionsbegriff aufschlußreich sein, da es sich auf Seite 130, und Seite 247 wegen des Bezuges sich um den gleichen [[Gegenstand]] handeln muß.


In dem obigen Zitat wird nun deutlich zwischen Begriff und Intuition unterschieden. Die Begriffe werden [[Subjekt|subjektiv]] durch Intuition [[Gegebenes|gegeben]]. Weiter heißt es, daß die Begriffe der Intuition [[Erscheinung|erscheinen]]:
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"Unsere geistige Organisation
"Man kann durch die geisteswissenschaftliche Forschung heute konstatieren,
reißt die Wirklichkeit in diese beiden Faktoren auseinander.
daß die meisten Menschen des alten Indiens ihren Atem noch ganz anders
Der eine Faktor erscheint dem Wahrnehmen, der andere der
wahrgenommen haben. Es hatte sich noch nicht aus dem, was um die damaligen
Intuition." (S.247f.)
Menschen vorging, die Seele des Lichtes zurückgezogen;
so nahmen sie wahr die ein- und ausgeatmete Luft in verschieden hellen und dunklen
Farbennuancen. Sie sahen wie in Feuerstrahlen einströmen die Luft und wiederum
hinausgehen. So können Sie also sagen: Im Grunde genommen ist auch die
Luft sogar durch das, was sich alles geändert hat für die menschliche Anschauung etwas ganz anderes geworden. Die Luft ist heute etwas, was der
Mensch im Grunde genommen wahrnimmt nur mechanisch durch den Widerstand,
den sie ihm bietet, weil er die Seele des Lichtes, die die Luft durchdringt, nicht unmittelbar
wahrnimmt. Auch aus diesem letzten Rest des instinktiven Schauens ist
der Mensch herausgegangen. Der alte Inder würde daher nicht einfach Luft genannt
haben, was aus- und eingeatmet wird, sondern Feuerluft, weil er es in verschiedenen
Graden des feurigen Erstrahlens wahrgenommen hat. Das altindische Bewußtsein
sah feurige Massen durch die Luft dahinziehen. Sehen Sie sich um in den morgenländischen
Schriften, wie da die Elemente aufgezählt werden : Erde (prithivi), Wasser (apas), Feuer (tedschas), Luft (vayu), Äther (akasha). Erst von der griechischen Zeit
an finden wir die andere Aufzählung, die uns heute selbstverständlich ist und die wir
zugrunde legen müssen allem Begreifen, nämlich: Erde, Wasser, Luft, Feuer und die
anderen Ätherarten. Warum ist das so? Das altindische Bewußtsein sah – geradeso
wie der heutige Mensch draußen die Dinge, die sich manifestieren durch das Feste,
was man das Erdige nennt, sieht – durch das Flüssige, was man geistig gesprochen
das Wasser nennt. Was wir heute Luft nennen, das war ihm schon Feuer, denn da sah
man schon das Feuer in der Luft, und bezeichnete das, was man sah, als Feuer. Wir
sehen dies Feuer nicht mehr, wir fühlen es als Wärme. Und erst, wenn sie etwas
höher hinaufrückten in der Elementenreihe, rückten die Inder in ein Element ein,
wo sich für die Menschheit, weil sich alles gewandelt hat seit dem vierten Zeitraum
der nachatlantischen Zeit, das herausstellte, was wir heute die vom Lichte durchdrungene,
aber nicht das Licht zeigende Luft nennen. In Feuer und Luft hat sich die
ganze Anschauung der Menschen umgedreht." {{Lit|{{G|113|141ff}}}}
</div>
</div>


Da die Intuition bzw. das intuitive Denken für das Denken in sich selbst ein bewußtes [[Erlebnis|Erleben]]<ref>Erleben eines Inhalts, nicht der Tätigkeit als solcher im Unterschied zum Inhalt: "''Intuition'' ist das im rein Geistigen verlaufende bewußte Erleben eines rein geistigen Inhaltes" (S. 146).</ref> ermöglichen soll, als 'rein geistiger [[Vorgang]]', gilt es für die [[Bestimmung]] des Begriffes der 'Intuition' genau [[Feststellung|festzustellen]], wie dieser im [[Vollzug]] ein bewußtes Erleben zukommen kann. "Erleben" ist selbst ein erklärungsbedürftiges Wort bzw. unklarer Begriff, das in diesem [[Zusammenhang]] so nicht weiterhilft. Die Art der Bewußtheit hat man aber wohl sicher innerhalb eines Begriffsfeldes von Beobachtung, [[Wahrnehmung]], [[Erfahrung]] und Erlebnis, es gibt auch andere zugehörige Wörter wie 'gewahren' usw., zu suchen.
== Der Sulphurprozess und eine Anschauungsübung für den vierdimensionalen Raum ==


Die Art der Intuitionsbewußtheit im Denken muß von präzis bestimmbarer Art sein, und sich von anderen Bewußtseinsarten, etwa einem vagen Erlebnisgefühl, unterscheiden lassen, sonst machte es keinen Sinn, über Intuition so zu sprechen, wie Rudolf Steiner in seiner 'Philosophie der Freiheit'. Das Mittel, den Begriff der Intuition präzis zu fassen, kann aber nur die Intuition selbst sein. "Begriffe werden durch Intuition gegeben".
[[Wasser]], [[Luft]], [[Licht]] und [[Feuer]] stellen sich dar als die [[Vierte Dimension|vier Dimensionen]] des [[Astralwelt|astralen Raumes]]. Damit ist allerdings ''nicht'' gesagt, dass der Astralraum als solcher vierdimensional ist. Für sich gesehen ist die Astralwelt [[bild]]haft zweidimensional. Vierdimensional ist vielmehr das [[Bewusstsein]], das zugleich die [[physische Welt]] und die [[Astralwelt]] umspannt. Luft und Feuer bilden gemeinsam die Feuerluft, den [[Schwefelprozess]].


Die Passage auf Seite 95 ist diese:
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"[D]as Denken [zieht] seine Fäden von Wesen zu Wesen. Diese Tätigkeit
des Denkens ist eine inhaltvolle. (...) Diesen Inhalt bringt das Denken der Wahrnehmung aus
der Begriffs- und Ideenwelt des Menschen entgegen. Im
Gegensatz zum Wahrnehmungsinhalte, der uns von außen
gegeben ist, erscheint der Gedankeninhalt im Innern. Die
Form, in der er zunächst auftritt, wollen wir als Intuition
bezeichnen. Sie ist für das Denken, was die Beobachtung für
die Wahrnehmung ist. Intuition und Beobachtung sind die
Quellen unserer Erkenntnis. Wir stehen einem beobachteten
Dinge der Welt so lange fremd gegenüber, so lange wir in
unserem Innern nicht die entsprechende Intuition haben,
die uns das in der Wahrnehmung fehlende Stück der Wirklichkeit
ergänzt. Wer nicht die Fähigkeit hat, die den Dingen
entsprechenden Intuitionen zu finden, dem bleibt die
volle Wirklichkeit verschlossen." (S. 95)
</div>
Auf Seite 96, sowie 98f. folgt:
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<div style="margin-left:20px">
"Was uns in der Beobachtung an Einzelheiten gegenübertritt, das verbindet
"Derjenige, welcher eine wirkliche
sich durch die zusammenhängende, einheitliche Welt unserer
Anschauung des vierdimensionalen Raumes sich erwerben
Intuitionen Glied für Glied; (...) Außer durch Denken und Wahrnehmen ist uns direkt
will, muß ganz bestimmte Anschauungsübungen machen. Er bildet
nichts gegeben. (S. 96)
sich zunächst eine ganz klare, vertiefte Anschauung vom
</div>
Wasser. Eine solche Anschauung ist nicht so ohne weiteres zu
<div style="margin-left:20px">
bekommen, man muß sich sehr genau in die Natur des Wassers
"Man kann in bezug auf dieses Gegebene nur
vertiefen; man muß sozusagen hineinkriechen in das Wasser. Das
fragen, was es außerhalb der Wahrnehmung, das ist: für das Denken ist. Die Frage nach dem «Was» einer Wahrnehmung
zweite ist, daß man sich eine Anschauung von der Natur des Lichtes
kann also nur auf die begriffliche Intuition gehen, die
verschafft; das Licht ist etwas, was der Mensch zwar kennt,
ihr entspricht." (S. 98f.)
aber nur so, daß er es von außen empfängt; durch das Meditieren
</div>
kann er das innere Gegenbild des Lichtes bekommen, wissen,
woher Licht entsteht, und daher selbst Licht hervorbringen. Das
kann derjenige, der reine Begriffe wirklich meditativ auf seine
Seele wirken läßt, der ein sinnlichkeitsfreies Denken hat. Dann
geht ihm die ganze Umwelt als flutendes Licht auf, und nun muß
er gleichsam chemisch die Vorstellung, die er sich vom Wasser
gebildet hat, mit der des Lichtes verbinden. Dieses von Licht ganz
durchdrungene Wasser ist ein Körper, der von den Alchemisten
«Merkurius» genannt wurde. Das alchemistische Merkur ist aber
nicht das gewöhnliche Quecksilber. Erst muß man in sich die
Fähigkeit erwecken, aus dem Begriff des Lichtes Merkurius zu
erzeugen. Merkurius, lichtdurchdrungene Wasserkraft, ist dasjenige,
in dessen Besitz man sich dann versetzt. Das ist das eine Element
der astralen Welt.


Auch wenn sich ein präziser Intuitionsbegriff anhand solcher Angaben nicht so leicht gewinnen läßt, entsteht doch der Eindruck, daß es mit dem 'intuitiven' Denken nichts weiter auf sich hat. Es ist keine besondere Art des Denkens, sondern Denken eben. Nichts weiter. Jedes Denken, das alltägliche Denken des Menschen ist intuitives Denken.
Das zweite entsteht dadurch, daß Sie sich ebenso eine anschauliche
Vorstellung von der Luft machen, dann die Kraft der Luft
durch einen geistigen Vorgang heraussaugen, sie mit dem Gefühl
in sich verbinden, und Sie entzünden so den Begriff «Wärme»,
«Feuer», dann bekommen Sie «Feuerluft». Also das eine Element
wird herausgesogen, das andere wird von Ihnen selbst erzeugt.
Dieses - Luft und Feuer - nannten die Alchemisten «Schwefel»,
Sulfur, leuchtende Feuerluft. Im wäßrigen Elemente, da haben Sie
in Wahrheit jene Materie, von der es heißt: «und der Geist Gottes
schwebte über den Wassern».


Da verwundert es doch etwas, warum so ein Spektakel um die 'Intuition' gemacht wird. Allerdings hat man mit der Feststellung der Gewöhnlichkeit der 'Intuition' und des 'intuitiven Denkens' noch keinen Begriff von ihr. Es ist aber sicher ganz falsch, Intuition irgendwie mit dem Ausnahmezustand in Verbindung zu bringen, von dem im 3. Kapitel die Rede ist. Intuition ist ''kein'' Ausnahmezustand.
Das dritte Element ist «Geist-Gott», das ist «Erde» verbunden
 
mit «Schall». Das ist eben was entsteht, wenn man der Erde die
Das Wort 'Intuition' wird von Steiner allgemein für 'Denken' verwendet. Es soll mit ihm aber wohl der [[Tätigkeit]]saspekt hervorgehoben werden. Zwar verwendet Steiner auch für das Resultat, den Begriffsinhalt, gelegentlich das Wort Intuition, aber das ist nicht unüblich, das Resultat einer Tätigkeit mit dem gleichen Namen zu benennen. Mit der Formulierung, daß die Intuition für das Denken sei, was die Beobachtung für die Wahrnehmung ist, wird eine Unterscheidung gemacht, die ausschließt, daß auch der Gedankeninhalt Intuition sein kann, denn Beobachtung ist kein Inhalt. Entsprechend wäre Intuition kein Inhalt. Sie ''hat'' auch keinen Gedankeninhalt, bzw. ''noch'' keinen, in dem Stadium, wo sie erst anhebt, einen Begriff zu fassen. Wenn sie den Begriff gefaßt hat, dann hat sie diesen Inhalt. Es gibt in dem [[Prozeß]] eine Phase, die einen ähnlichen Charakter wie die auf Wahrnehmungen bezogene Beobachtung hat: Das Suchen nach einem Begriff. Es muß dies nicht ein Begriff für eine Wahrnehmung sein, es kann auch das Suchen nach einem Begriff sein, veranlaßt durch den Inhalt eines anderen Begriffs, also bei einer [[Logik|logischen]] Folge z.B. Dies [[Geschehen|geschieht]] dann innerhalb des Denkens ohne Bezug auf Wahrnehmung. Also auch innerhalb des Denkens selbst kann die Intuition in Beobachtungs-, Such- oder [[Aufmerksamkeit]]sstellung sein, oder wie man es nennen will. Es ist aber fraglich, ob man den Beobachtungsbegriff, wie er für die Wahrnehmung gilt, einfach auf die Intuition übertragen kann. Denn wenn man einen Begriffsinhalt "beobachtet", dann ist die [[Erkenntnis]] damit abgeschlossen. Die wahrnehmliche Beobachtung hat nicht diese [[Qualität]], für die Erkenntnis von [[sinnliche Wahrnehmung|sinnlichen Wahrnehmungen]] muß erst noch die Intuition hinzu kommen, bzw. sich vollziehen.
Kräfte entzieht und mit dem Schall verbindet. Jene «Wasser» sind
 
nicht gewöhnliche Wasser, sondern was man eigentlich astrale
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Materie nennt. Diese besteht aus vier Arten von Kräften: Wasser,
"[W]enn auch einerseits das
Luft, Licht und Feuer. Und das stellt sich dar als die vier Dimensionen
intuitiv erlebte Denken ein im Menschengeiste sich vollziehender
des astralen Raumes." {{Lit|{{G|324a|60f}} Nachschrift von ''Walter Vegelahn''; für die Nachschrift von ''Franz Seiler'' siehe: {{G|324a|58ff}}}}
tätiger Vorgang ist, so ist es andererseits zugleich
eine geistige, ohne sinnliches Organ erfaßte Wahrnehmung.
Es ist eine Wahrnehmung, in der der Wahrnehmende selbst
tätig ist, und es ist eine Selbstbetätigung, die zugleich wahrgenommen
wird. Im intuitiv erlebten Denken ist der Mensch
in eine geistige Welt auch als Wahrnehmender versetzt". (S. 256)
</div>
</div>
Diese Formulierung kann man wohl nur dahingehend verstehen, daß das 'Erleben' bzw. die 'Wahrnehmung' des [[Geist]]igen dadurch zustande kommt, daß die Intuition in Anwendung auf sich selbst ihre eigene Tätigkeit erfaßt. Intuitiv erlebtes Denken ist nicht gleichzusetzen mit intuitivem Denken (sonst machte die Hinzufügung des Wortes 'Erlebnis' keinen Sinn), aber bedient sich ebenso der Intuition. Aber inwiefern unterscheidet sich der Gegenstand des intuitiv erlebten Denkens von demjenigen des "bloß" intuitiven Denkens? Erscheint dem intuitiv erlebten Denken sein Gegenstand 'Intuition' genauso wie dem intuitiven Denken als ''Begriffs''inhalt? Oder ist Intuition als Gegenstand der Intuition, ein Inhalt, der sich von den sonstigen Inhalten von Intuitionen qualitativ unterscheidet?
Möglicherweise will Rudolf Steiner das 'intuitiv erlebte Denken' als ein Denken verstanden wissen, das die gewöhnliche Intuition fortlaufend nebenbei in der Anwendung auf sich selbst begleitet. Erst wenn man so unterscheidet und dann meinetwegen das 'intuitiv erlebte Denken' als das eigentliche intuitive Denken verstehen will, auf das es ankäme, stellt sich die Frage, wie die Intuition sich selbst beobachten könne, was genau unter einem sog. Ausnahmezustand zu verstehen wäre, und wie die Unbeobachtbarkeit des ''[[Aktualität|aktuellen]]'' Denkens (gemäß 3. Kapitel der 'Philosophie der Freiheit') mit solchem intuitiven Denken als einem intuitiv erlebten Denken zusammenpassen könnte.
=== Die Beobachtung des Denkens (3. Kap. der 'Philosophie der Freiheit') ===
Ein Begriff der Intuition, der Denken und Beobachtung zugleich umfasst, als von ''einem'' Wesen, ist im 3. Kap. noch nicht entwickelt. Denken und Beobachten erscheinen als zwei verschiedene Tätigkeiten: [[Hervorbringen]] und [[Betrachten]]. Das Ziel in diesem 3. Kap. ist, das Denken so zu erfassen, daß es als ein sich durchsichtiges, vollkommen durchschautes Fundament für das weitere Erkennen der Welt dienen kann. Das Mittel soll dazu die Beobachtung sein.
<div style="margin-left:20px">
"''Beobachtung und Denken'' sind die beiden Ausgangspunkte
für alles geistige Streben des Menschen, insoferne er sich
eines solchen bewußt ist. Die Verrichtungen des gemeinen
Menschenverstandes und die verwickeltesten wissenschaftlichen
Forschungen ruhen auf diesen beiden Grundsäulen
unseres Geistes. Die Philosophen sind von verschiedenen
Urgegensätzen ausgegangen: Idee und Wirklichkeit, Subjekt
und Objekt, Erscheinung und Ding an sich, Ich und Nicht-
Ich, Idee und Wille, Begriff und Materie, Kraft und Stoff,
Bewußtes und Unbewußtes. Es läßt sich aber leicht zeigen,
daß allen diesen Gegensätzen der von ''Beobachtung'' und
''Denken'', als der für den Menschen wichtigste, vorangehen
muß." (S. 38)
</div>
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"Zeitlich geht die Beobachtung sogar dem Denken voraus.
Denn auch das Denken müssen wir erst durch Beobachtung
kennenlernen." (S. 39)
</div>
Daß [[Zeitlichkeit]], Beobachtung und Denken Begriffe sind, die durch das Denken ja erst gefaßt werden müssen, wird hier noch nicht thematisiert. (Im 4. Kap. gibt es dann die Feststellung: "Das Denken ist ''jenseits'' von Subjekt und Objekt". So weit ist der Untersuchungsprozeß im 3. Kap. noch nicht gediehen.<ref>Man kann wohl annehmen, daß die Beobachtung als solche dadurch entsteht, daß sich das Denken von sich selbst unterscheidet. Es ist der ''erste'' Unterschied, der ''Ur''unterschied für das Denken, nicht nur der wichtigste für den Menschen (wie Steiner sagt). Alle anderen Unterscheidungen, auch die zwischen Tätigkeit und Inhalt, kommen später, sofern sie nicht nur andere Bezeichnungen für diesen ersten Unterschied sind. Fraglich ist, ob das Denken diesen Unterschied bewußt vornehmen kann, oder ob nicht eher das Bewußtsein erst durch diese Unterscheidung entsteht. Die Formulierung Rudolf Steiners S. 38: "Beobachtung und Denken sind die beiden Ausgangspunkte für alles geistige Streben des Menschen, insoferne er sich eines solchen bewußt ist", könnte genau das aussagen wollen, daß diese erste Unterscheidung unbewußt verläuft. Insofern die seelische Beobachtung nur bewußte Tatsachen aufsuchen kann, müßte von der Gegebenheit dieses Unterschiedes ausgegangen werden. (Um ihn dann später im nachherein als selbstgesetzt erkennen zu können, falls das möglich sein sollte.)</ref>)
Aber als gegeben angenommen, daß die Beobachtung zeitlich dem Denken vorausgeht, was keineswegs ohne weiteres einleuchtet: Sollte man dann nicht, um ein sicheres Fundament für das Erkennen zu gewinnen, zunächst erst die Beobachtung untersuchen?
<div style="margin-left:20px">
"Zwei Dinge vertragen sich nicht: tätiges Hervorbringen
und beschauliches Gegenüberstellen." (S. 43)
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Es wird heute sehr vielen Menschen
schwer, den Begriff des Denkens in seiner Reinheit zu
fassen." (S. 45)
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Er sucht das Denken durch einen bloßen Beobachtungsprozeß
zu finden in derselben Art, wie wir bei anderen
Gegenständen des Weltinhaltes verfahren. Er kann es aber
auf diesem Wege nicht finden, weil es sich, wie ich nachgewiesen
habe, gerade da der normalen Beobachtung entzieht." (S. 45)
</div>
Der ''normalen'' Beobachtung als ein ''bloßer'' Beobachtungs''prozeß'' (Beobachtungs''verfahren'') entzieht sich das Denken als unbeobachtbar, da es zu dem Zeitpunkt, wo es mittels Beobachtung ins Auge gefaßt werden könnte, als eine hervorbringende Tätigkeit bereits vorbei ist, mithin für die Beobachtung nicht mehr [[Vorhandenheit|vorhanden]] ist, bzw. weil die Beobachtung als eine separate Tätigkeit ''warten'' muß. Die Beobachtung kann nicht [[Gleichzeitigkeit|gleichzeitig]] zusammen mit dem Denken beginnen, quasi im Zeitverlauf parallel das Denken ins Auge fassen. (Es kann immer nur eine Tätigkeit zugleich ausgeführt werden, die Tätigkeit des Hervorbringens, und die Tätigkeit des Beobachtens können im Zeitablauf nur im Wechsel auftreten. Das Erkenntnissubjekt kann sich nicht in zwei Subjekte aufspalten: Eines das denkt, und ein anderes, das beobachtet.)
Darüber hinaus vertritt Rudolf Steiner für dieses Beobachten die Ansicht, das gelte auch, wenn man das Denken eines anderen Subjektes beobachtet. Auch da muß das zu beobachtende Objekt zunächst hervorgebracht worden sein. Erst dann kann es ins Auge gefaßt werden:
<div style="margin-left:20px">
"Das
Denken, das beobachtet werden soll, ist nie das dabei in
Tätigkeit befindliche, sondern ein anderes. Ob ich zu diesem
Zwecke meine Beobachtungen an meinem eigenen früheren
Denken mache, oder ob ich den Gedankenprozeß einer anderen
Person verfolge, oder endlich, ob ich, wie im obigen
Falle mit der Bewegung der Billardkugeln, einen fingierten
Gedankenprozeß voraussetze, darauf kommt es nicht an." (S. 43)
</div>
Das ist schwer nachvollziehbar, da es in dem Fall der Beobachtung des Denkens eines anderen Subjektes zwei Subjekte gibt, und auch eine Gleichzeitigkeit der hervorbringenden Tätigkeit und der beobachtenden Tätigkeit möglich zu sein scheint. Wird das Beobachtungsobjekt 'Denken' als mit einer zeitlosen Plötzlichkeit gegeben angenommen?  Eine alternative Interpretation könnte sein, daß während des Beobachtens nie das ''eigene'' dabei in Tätigkeit befindliche Denken beobachtet werden kann, was [[Implikation|implizieren]] würde, daß zum Beobachten Denken erforderlich ist. Weiter heißt es dann:
<div style="margin-left:20px">
"So ist es auch mit unserem Denken. Es muß erst da
sein, wenn wir es beobachten wollen.
Der Grund, der es uns unmöglich macht, das Denken in
seinem jeweilig gegenwärtigen Verlauf zu beobachten, ist
der gleiche wie der, der es uns unmittelbarer und intimer
erkennen läßt als jeden andern Prozeß der Welt. Eben weil
wir es selbst hervorbringen, kennen wir das Charakteristische
seines Verlaufs, die Art, wie sich das dabei in Betracht
kommende Geschehen vollzieht. Was in den übrigen Beobachtungssphären
nur auf mittelbare Weise gefunden werden
kann: der sachlich-entsprechende Zusammenhang und das
Verhältnis der einzelnen Gegenstände, das wissen wir beim
Denken auf ganz unmittelbare Weise." (S. 44)
</div>
Das bestätigt beide Lesarten des vorigen Zitats: Das Denken muß [[Dasein|da]] sein, um beobachtet werden zu können. Um die Beobachtung des [[Werden]]s von Denkergebnissen durch Tätigkeit geht es hier nicht, obwohl vom Denkprozeß gesprochen wird. Und da nun von [[Erkenntnis]] gesprochen wird, muß die Beteiligung des Denkens beim Beobachten schon mitgedacht sein, es sei denn, Steiner wollte mit den Ausführungen eine Erkenntnis lediglich durch Beobachtung [[Behauptung|postulieren]]<ref>Das könnte bei dem besonderen Beobachtungsobjekt 'Denken' tatsächlich der Fall sein, da ja die beiden für die Erkenntnis zu verbindenden "Hälften" der [[Wirklichkeit]], Begriff und Wahrnehmung, vorliegen. Nur umgekehrt wie sonst. Eine zusätzliche Intuition bräuchte es bei der Beobachtung des Denkens möglicherweise nicht, da diese ja schon als Beobachtungsobjekt vorliegt, allerdings "nur" als Inhalt.</ref>
Verständlich ist aber, daß ein Denken, das zusammen mit Beobachtung zur Erkenntnis des Denkens bemüht werden müßte, schon ein anderes wäre, wenn das zu beobachtende Denken immer schon da sein muß. Denn es wäre mit einem Beobachten verbunden, das erst auftreten könnte, wenn das zu beobachtende Denken schon da ist. Sollte nun die Erkenntnis des Denkens, obwohl sich das aktuelle Denken nicht beobachten läßt, deshalb [[Möglichkeit|möglich]] sein, weil das zu beobachtende vorherige Denken schon da ist, ''noch'' da ist, nämlich in seinen Resultaten?
<div style="margin-left:20px">
"Zwei Dinge vertragen sich nicht: tätiges Hervorbringen
und beschauliches Gegenüberstellen. Das weiß schon das
erste Buch Moses. An den ersten sechs Welttagen läßt es
Gott die Welt hervorbringen, und erst als sie da ist, ist die
Möglichkeit vorhanden, sie zu beschauen: «Und Gott sahe
an alles, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr
gut.»" (S. 43f.)
</div>
Daraus folgt, daß Rudolf Steiner der Ansicht ist, daß durch das Erkennen der Ergebnisse des Denkens auch die Tätigkeit miterkannt ist, die diese Ergebnisse hervorgebracht hat, trotzdem diese Tätigkeit zum Zeitpunkt des Beobachtens und Erkennens des Denkens bereits Vergangenheit ist<ref>Wie dies möglich sein könnte, und was genau vorgeht, bedarf freilich einer eingehenderen Untersuchung. Es scheint, daß zumindest der letzte Gedankenschritt auf irgendeine Art im Bewußtsein noch präsent sein muß. (Was noch da sein könnte, das ist das Ende der hervorbringenden Tätigkeit. Dieses Ende fällt zeitlich in einem Punkt zusammen mit dem Beginn der Beobachtung. Das Gewahren des Gedankens scheint aber keine Zeit zu benötigen. Es könnte sein, daß das Denken in diesem Endpunkt der hervorbringenden Tätigkeit auf diese zurückblickt, und sie gewissermaßen räumlich wahrnimmt. Der Übergang vom Fassen des Gedankens zu seiner Wahrnehmung wäre demnach ein Dimensionswechsel: Das Denken sieht sich nach, blickt auf sich zurück, indem es seine Tat räumlich als Inhalt sieht. Dadurch weiß es, was es gedacht hat, kann fortsetzen und den nächsten Gedanken anschließen.)</ref>. Dies vielleicht deshalb, weil zum Erkennen der Ergebnisse eines Denkens die Tätigkeit, die diese Ergebnisse hervorgebracht hatte, erneut vollzogen werden muß, ''nach''vollzogen werden muß, um die Denkergebnisse verstehen zu können. Durch diesen Nachvollzug der vorherigen Tätigkeit hat man dann nicht nur die Ergebnisse des vorherigen Denkens [[Präsenz|präsent]], sondern konnte die Ergebnisse nochmal denken. Und man weiß, wie es gemacht wird, sonst könnte man den Prozeß nicht nachvollziehen.
Wenn Rudolf Steiner die Möglichkeit, das Denken zu erkennen, so verstanden wissen will, liegt der Einwand nahe, daß es nichts ungewöhnliches ist, die eigenen Denkergebnisse später nicht mehr zu verstehen: Man hat vergessen, wie sie zustande gekommen sind. Der Nachvollzug gelingt nicht, das Denken kommt ins Stocken. Das ist aber nicht wirklich ein Einwand, denn es zeigt nur, daß man in diesem besonderen Fall nicht zur Erkenntnis des Denkens fähig war. Grundsätzlich ist dies aber möglich, und ist auch notwendig, um überhaupt denken zu können.
<div style="margin-left:20px">
"Das ist gerade der Grund, warum mir
die Dinge so rätselhaft gegenüberstehen: daß ich an ihrem
Zustandekommen so unbeteiligt bin. Ich finde sie einfach
vor; beim Denken aber weiß<ref>Das mag als konstatierender Befund so richtig sein. Für die in sich durchsichtige Klarheit des Denkens wünscht man sich aber doch auch Aufschluß darüber, woher dieses Wissen kommt? Es scheint da zu sein wie eine Art Instinkt. Kann der Befund als solcher die Zweifel, ob es nicht doch das Gehirn sei, das denkt, aufheben? 'Tätigkeit' und 'Inhalt' sind freilich Begriffe des Denkens, sie müssen daher im [[Ursprung]] des Denkens, der jenseits von Tätigkeit und Inhalt "ist", aufgehoben sein</ref> ich, wie es gemacht wird. Daher
gibt es keinen ursprünglicheren Ausgangspunkt für das
Betrachten alles Weltgeschehens als das Denken." (49f.)
</div>
Der Ausnahmezustand ist von Rudolf Steiner lediglich dadurch charakterisiert, daß man das Denken selbst ins Auge faßt, anstatt wie gewöhnlich nur die sinnlichen Gegenstände. Etwas dem Ausnahmezustand entsprechendes muß aber, nach der Interpretation der Ansichten Rudolf Steiners wie oben vorgenommen, wenn auch meist unbewußt, das Denken permanent begleiten, denn es würde sonst den Faden verlieren. Beobachtung des Denkens und intuitiv erlebtes Denken sind ein und dasselbe und beinhalten [[Selbsterkenntnis]]. ''Diese''<ref>Interpretationen von Steiners Ausführungen, daß es zusätzlich zur Beobachtung noch eine weitere Erlebnisquelle des Denkens gäbe bzw. geben müsse, die separat von der Beobachtung eine Erfahrung des Denkens möglich mache, insbesondere des aktuellen Denkens, muß eine Absage erteilt werden, insofern dies auf eine Doppelung, Spaltung in zwei Bewußtseine hinauslaufen würde, die von Steiner ausdrücklich als unmöglich behauptet wird, und natürlich auch sonst nicht plausibel ist. Es gibt nur ''ein'' Bewußtsein: Die Selbstbeobachtung des Denkens. (Auch wenn die Intuition für die Seite der sinnlichen Wahrnehmung einen Begriff faßt und einen sinnlichen Gegenstand erkennt, ist dies Selbstbeobachtung (=Selbsterkenntnis) oder, in anderen Worten, intuitiv erlebtes Denken.) Wenn man sich Intuition als eine Art geistiges Atmen vorstellt, kommt Bewußtsein lediglich der Phase des Einatmens zu. Das Ausatmen ist der schöpferische Prozeß. Wollte man dem Ausatmen auch ein Bewußtsein zukommen lassen, wäre das wie ein Ausatmen, das zugleich in irgendeiner Weise einatmet. Die Anführung des Zitates aus Buch Mose im 3. Kap. der 'Philosophie der Freiheit' könnte auch so zu verstehen sein, daß Rudolf Steiner ein solches Verständnis der Intuition als ein gleichzeitiges Einatmen beim Ausatmen ausgeschlossen wissen will. (Dabei sind die beiden "Wendephasen" von besonderem Interesse: Der Übergang vom Hervorbringen zum Gewahren scheint im Zusammenfließen von Denken und Beobachtung mehr mit dem Selbst im ''Selbst''bewußtsein zu tun zu haben, der Übergang von der Beobachtung zum Denken aus dem Gegenüberstehen heraus mehr mit der Bewußtheit im Selbst''bewußtsein''. Obwohl das Hervorbringen von Gedanken Zeit benötigt, entsteht doch der Eindruck, zwischen den beiden Wendepunkten liege keine Zeitspanne, als würden sie in einen Zeitpunkt zusammenfallen. Möglich wäre das wohl nur, wenn das Gewahren als solches (=Beobachtung, ohne durch Hervorbringungsprozesse unterbrochen zu sein) keine Zeit benötigte, bzw. jenseits der Zeit läge.)</ref> Intuitionsbewußtheit läßt sich durch den übenden Nachvollzug der Gedanken der 'Philosophie der Freiheit', und auch durch den Nachvollzug der Ergebnisse des [[seelische Beobachtung|seelischen Beobachtens]] anderer Autoren bzw. Redner, verstärken.
=== Geistige Wahrnehmung ===
Eine geistige Wahrnehmung durch denkende Intuition hätte man sich demnach so vorzustellen, daß der Gedankeninhalt der Intuition insofern über den normalen Begriffsinhalt hinausginge, als die Tätigkeit, die diesen Begriffsinhalt hervorgebracht hat, in dem Begriffsinhalt mitenthalten ist und durch Nachvollzug wahrgenommen wird. Dies gälte dann nicht nur für das eigene Denken, sondern auch für andere geistige Wesen in der denkenden Intuition: Die Wahrnehmung (Erkenntnis) des geistigen Wesens entsteht durch den Nachvollzug der Tätigkeit dieses geistigen Wesens, die sich in seiner Erscheinung als Gedankeninhalt ausdrückt.
An solcher Auffassung geistiger Wahrnehmung zeigt sich die Unbeobachtbarkeit des aktuellen Denkens in einem anderen Licht, insofern es dabei dann um die Unbeobachtbarkeit aktueller ''fremder'' Tätigkeit<ref>Die von Rudolf Steiner im 3. Kap. der 'Philosophie der Freiheit' behauptete Unbeobachtbarkeit des aktuellen Denkens könnte man eventuell auch mittels der Analogie zur Unbeobachtbarkeit des aktuellen Wollens besser verstehen. Bewußt sind Entschlüsse und Resultate des Wollens, dieses selbst als ein jeweils aktueller Prozeß der Durchführung bleibt unbewußt, läßt sich nicht beobachten (Andernorts wird von Steiner dem Fühlen ein [[Traumbewusstsein]], dem [[Wollen]] ein [[Schlafbewusstsein]] zugeordnet). Die Gehirnforschung hat zu der Frage auch herausgefunden, daß die physiologischen Prozesse im Gehirn, die mit Willensbetätigung [[Korrelation|korreliert]] sind, zeitlich früher auftreten als irgendein Bewußtsein vom Wollen. (Was auch als Argument gegen die Freiheit des Willens herhalten muß. Vgl. http://www.fr-online.de/freiheit/neurowissenschaft-die-vorbereitete-entscheidung,31839204,32113136.html)</ref> gehen würde.
<div style="margin-left:20px">
"Das Denken, das beobachtet werden soll, ist nie das dabei in Tätigkeit befindliche, sondern ein anderes. Ob ich zu diesem Zwecke meine Beobachtungen an meinem eigenen früheren Denken mache, oder ob ich den Gedankenprozeß einer anderen Person verfolge, oder endlich, ob ich, wie im obigen Falle mit der Bewegung der Billardkugeln, einen fingierten Gedankenprozeß voraussetze, darauf kommt es nicht an." (S. 43)
</div>
Die Verfolgung des Gedankenprozesses einer anderen Person durch Denken und Beobachtung ist eine solche geistige Wahrnehmung. Gewöhnlich ist sie vermittelt durch Sprache oder Schrift. Die Gedanken müssen zunächst durch einen anderen Menschen hervorgebracht worden sein, erst dann können sie beobachtet und nachvollzogen werden. Durch die Beobachtung des von einem anderen Menschen hervorgebrachten Gedankeninhaltes, des Gewahrens seiner Erscheinung, habe ich diesen Inhalt meines Bewußtseins aber noch nicht verstanden. Dazu muß ich ihn erst nachvollziehen. Erst durch den Nachvollzug, wie der andere Mensch zu seinem Gedanken gekommen ist, kann ich diesen Gedanken auch selbst denken, und damit die Gedankentätigkeit des anderen Menschen, wie sie sich in dem wahrgenommenen Gedankeninhalt ausgedrückt hat, erkennen. Wie ein solcher Nachvollzug möglich sein soll, ist aber doch nicht so ohne weiteres klar. Es scheint eher so zu sein, daß der Nachvollzug mehr oder weniger ein Probieren ist, ein Versuch gemäß der Vorlage, wie man selbst denken würde, um den gleichen Gedankeninhalt wie den beobachteten (oder was man dafür hält) einer anderen Person hervorzubringen. Das aber wäre keine exakte, und zudem eine in sich klare und durchsichtige, Erkenntnis, sondern allenfalls hermeneutische Annäherung, "Interpretation".
<div style="margin-left:20px">
"Was habe ich
denn zunächst vor mir, wenn ich einer andern Persönlichkeit
gegenüberstehe? Ich sehe auf das nächste. Es ist die mir als
Wahrnehmung gegebene sinnliche Leibeserscheinung der andern
Person; dann noch etwa die Gehörwahrnehmung dessen,
was sie sagt, und so weiter. Alles dies starre ich nicht
bloß an, sondern es setzt meine denkende Tätigkeit in Bewegung.
Indem ich denkend vor der andern Persönlichkeit
stehe, kennzeichnet sich mir die Wahrnehmung gewissermaßen
als seelisch durchsichtig. Ich bin genötigt, im denkenden
Ergreifen der Wahrnehmung mir zu sagen, daß sie dasjenige
gar nicht ist, als was sie den äußeren Sinnen erscheint.
Die Sinneserscheinung offenbart in dem, was sie unmittelbar
ist, ein anderes, was sie mittelbar ist. Ihr Sich-vor-mich-
Hinstellen ist zugleich ihr Auslöschen als bloße Sinneserscheinung.
Aber was sie in diesem Auslöschen zur Erscheinung
bringt, das zwingt mich als denkendes Wesen, mein
Denken für die Zeit ihres Wirkens auszulöschen und an dessen
Stelle ihr Denken zu setzen. Dieses ihr Denken aber ergreife
ich in meinem Denken als Erlebnis wie mein eigenes. Ich
habe das Denken des andern wirklich wahrgenommen. Denn
die als Sinneserscheinung sich auslöschende unmittelbare
Wahrnehmung wird von meinem Denken ergriffen, und es
ist ein vollkommen in meinem Bewußtsein liegender Vorgang,
der darin besteht, daß sich an die Stelle meines Denkens das andere Denken setzt. Durch das Sich-Auslöschen
der Sinneserscheinung wird die Trennung zwischen den beiden
Bewußtseinssphären tatsächlich aufgehoben. Das repräsentiert
sich in meinem Bewußtsein dadurch, daß ich im
Erleben des andern Bewußtseinsinhaltes mein eigenes Bewußtsein
ebensowenig erlebe, wie ich es im traumlosen
Schlafe erlebe<ref>Vgl. FN 8</ref>. Wie in diesem mein Tagesbewußtsein ausgeschaltet
ist, so im Wahrnehmen des fremden Bewußtseinsinhaltes
der eigene. Die Täuschung, als ob dies nicht so sei,
rührt nur davon her, daß im Wahrnehmen der andern Person
erstens an die Stelle der Auslöschung des eigenen Bewußtseinsinhaltes
nicht Bewußtlosigkeit tritt wie im Schlafe,
sondern der andere Bewußtseinsinhalt, und zweitens, daß
die Wechselzustände zwischen Auslöschen und Wieder-Aufleuchten
des Bewußtseins von mir selbst zu schnell aufeinander
folgen, um für gewöhnlich bemerkt zu werden. - Das
ganze hier vorliegende Problem löst man nicht durch künstliche
Begriffskonstruktionen, die von Bewußtem auf solches
schließen, das nie bewußt werden kann, sondern durch wahres
Erleben dessen, was sich in der Verbindung von Denken
und Wahrnehmung ergibt. Es ist dies bei sehr vielen Fragen
der Fall, die in der philosophischen Literatur auftreten. Die
Denker sollten den Weg suchen zu unbefangener geistgemäßer
Beobachtung; statt dessen schieben sie vor die Wirklichkeit
eine künstliche Begriffskonstruktion hin." (S. 260ff.)
</div>
Diese Passage, eine Ergänzung in der 2. Auflage der 'Philosophie der Freiheit', gibt ein Beispiel der geistigen Wahrnehmung und Erkenntnis durch denkende Intuition. Die leibliche Erscheinung kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie nur die Wahrnehmungsseite der Wirklichkeit der beobachteten Persönlichkeit darstellt. Die beobachtende Persönlichkeit bemüht daher eine Intuition der geistigen Individualität des beobachteten Menschen. Diese Intuition kann aber nur, insofern sie die für die wahrgenommene Leiblichkeit der beobachteten Person genau passende sein soll, diejenige sein, die sich der wahrgenommene Mensch ''selbst'' gibt. Die Wahrnehmung der tätigen Intuition des beobachteten Menschen durch Nachvollzug hat zu ihrem [[Wahrheitskriterium]] die Übereinstimmung in einer vollständigen Exaktheit mit der denkenden Intuition, die sich der beobachtete Mensch selbst gibt.
Aber inwiefern kann überhaupt von einem ''Nach''vollzug gesprochen werden? Noch nicht einmal ein Mitvollzug scheint gegeben zu sein, sondern schweigendes Empfangen des Denkens der anderen Person, die mit ihrer Tätigkeit im Bewußtsein des wahrnehmenden auftritt. Es gibt jedoch auch ein "Ergreifen" dieser denkenden Tätigkeit der anderen Person im eigenen Bewußtsein als ein Erlebnis wie das eigene Denken. Dieses Ergreifen ist das Wahrnehmen des Denkens der anderen Person: "Ich habe das Denken des andern wirklich wahrgenommen." Und es ist Ergreifen eines ''Inhalts'': "Wahrnehmen des fremden Bewußtseinsinhaltes". Das Erleben des Denkens der anderen Person, ihre Wahrnehmung als denkendes Wesen ist in seiner Art in vollständiger Weise das gleiche wie das Erleben des eigenen Denkens.
Darüber hinaus bleibt dieser Zustand der Wahrnehmung des anderen Denkens nicht längere Zeit bestehen, sondern wechselt mit dem Wahrnehmen des eigenen Denkens in schneller Folge. Dieses eigene Denken ist aber ja auf die andere Person gerichtet, und sucht die Intuitionen zu erfassen, die diese Person sich ''selbst'' gibt. Für den Fall einer inhaltlichen Identität der selbst hervorgebrachten Intuitionen des wahrgenommenen Wesens und der "ergriffenen" Intuitionen des im eigenen Bewußtsein auftretenden, erlebten und zu erkennenden anderen Wesens liegt eine exakte geistige Erkenntnis eines geistigen Wesens durch ein anderes vor.
Angenommen, das Erkennen der denkenden Intuition wäre tatsächlich so zu verstehen wie skizziert, stellt sich die Frage, wie es möglich sein kann, das Wahrheitskriterium der inhaltlichen Identität der eigenen Intuitionen des zu erkennenden Wesens, und der wahrgenommenen Intuitionen dieses zu erkennenden anderen Wesens, zur Anwendung zu bringen, um über bloße Hermeneutik und "Interpretation" hinauszukommen und exakte Erkenntnis auszuweisen.
=== Wahrheitskriterium und Verifikation der Intuition ===
Für die so verstandene Intuition ergibt sich nicht nur eine schnelle Folge des Auftretens des eigenen und des anderen Denkens, sondern auch eine schnelle Folge von Erlebnissen es eigenen und des fremden Denkens im Wechsel. Die von Rudolf Steiner verwendete Formulierung "Ergreifen" kann in dem Zusammenhang eigentlich nur die Bedeutung von Beobachtung haben, und nicht etwa die von Hervorbringen einer Intuition<ref>Ob für diese Beobachtung der [[Denksinn]], einer der zwölf Sinne des Menschen, zum Einsatz kommt, oder ob die Intuition direkt geistig wahrnimmt, ohne Nutzung dieses Denksinnes, spielt für die Betrachtung hier keine Rolle, da es immer und ausschließlich die Intuition ist, die beobachtet, ob nun mittels physischer Sinne, oder auf andere Art.</ref>. Denn das zu erkennende andere Denken ist im eigenen Bewußtsein schon da (vgl. FN 4). Durch das Ergreifen, d.h. Beobachtung wird es zum Erlebnis wie das eigene hervorgebrachte Denken. Damit gibt es in schneller Folge im Wechsel die Selbstbeobachtung des eigenen Denkens im Sinne von intuitiv erlebtem Denken, d.h. Beobachtung der eigenen Denkresultate, und die Beobachtung des anderen Denkens, das zu erkennen ist. Diese Beobachtung ist ebenso intuitiv erlebtes Denken, aber unter dem Aspekt, daß nicht das selbst hervorgebrachte Denken beobachtet wird, sondern das in der geistigen Wahrnehmung gegebene andere "fremde" Denken bzw. dessen Resultate.
Das Wahrheitskriterium wäre somit die inhaltliche Identität der selbst hervorgebrachten Intuition und der wahrgenommenen Intuition. Das Mittel zur Feststellung der Identität ist die Beobachtung. Wenn Selbstbeobachtung des eigenen Denkens und Beobachtung des zu erkennenden Denkens übereinstimmen, d.h. den gleichen Inhalt haben, dann folgt daraus, daß es sich inhaltlich um die gleiche Intuition handeln muß. Und es bedeutet zugleich, daß der Nachvollzug der Tätigkeit des beobachteten geistigen Wesens, um als wahr gelten zu können, zum gleichen Ergebnis kommen muß, wie dasjenige Ergebnis, das durch die Beobachtung des im eigenen Bewußtsein auftretenden anderen Denkens bereits vorliegt. Wenn die Beobachtung des geistigen Wesens durch Selbstbeobachtung (Resultat des Nachvollzugs) identisch reproduziert werden kann, kann die Erkenntnis des geistigen Wesens (das Erkennen der Geisttätigkeit, die sich in seiner Erscheinung als Gedankeninhalt ausdrückt) als wahr gelten.
Aber angenommen, um das von Rudolf Steiner gegebene Beispiel, wie es interpretiert wurde, etwas zu modifizieren: der beobachtende Mensch würde sich in einer Menschenmenge aufhalten. Er steht am Rednerpult und redet irgendwas. Was ist da dann los? Muß nicht sein Bewußtsein durchflutet sein von unzähligen Intuitionen, die ihm aus der Menschenmenge, die ihm zuhört, geschickt werden? Genau so hat man sich wohl die geistige Wahrnehmungswelt vorzustellen, wie sie sich dem Denken als Beobachtungsorgan darbietet: Es ist die Welt der [[Universalien]], die es durchflutet. Eine Welt, die gleichzeitig von unzähligen Wesen "durchdacht" wird (''Bildung'' von Intuitionen), wobei diese Wesen dadurch ihr denkendes Bewußtsein haben. Diese geistigen Wesen ''leben'' in den Universalien, indem sie Intuitionen denken und wahrnehmen.
Was kann denn der geistig beobachtende Mensch als denkender anderes tun, als jeweils nur eine von diesen Universalien bzw. Intuitionen ins Auge zu fassen, indem er sie, jeweils diese eine bestimmte, nachvollzieht? Ohne diesen Nachvollzug würde es keine differenzierte, bestimmte geistige Wahrnehmung geben können, wenn sie auf die Erkenntnis zielt, was bzw. wer diese Universalien oder Intuitionen ''bewegt''. So aufgefaßt, ist die je durchgeführte Intuition immer schon eine durch Nachvollzug bestimmte und in ihrem Gelingen (als ''Einzel''beobachtung) notwendig wahre (Selbst-)Erkenntnis, die sich aus dem Meer der Universalien heraushebt, indem eine bestimmte Gedanken''tätigkeit'', die als Gedankeninhalt erscheint, erkannt wird.
Das geistig Wahrnehmliche im engeren Sinne wäre demnach als die wahrnehmliche Seite der geistigen Wirklichkeit der Gedanken anzusehen, wäre ein noch unverstandener Gedankeninhalt, der, ohne ihn erst hervorbringen zu müssen, ''geschaut'' wird. Das Geistigwahrnehmliche wäre gewissermaßen die Außenseite der Gedanken. Um zur vollen geistigen Wirklichkeit zu kommen, muß dann die Innenseite hinzu gefunden werden, das ist die Tätigkeitsseite. So gesehen, ist der Nachvollzug eines durch Schauung gegebenen Gedankens, den ein anderes geistiges Wesen hervorgebracht hat, das Hinzugewinnen der das geistig Wahrnehmliche ergänzende Teil der Wirklichkeit: Die Tätigkeit des geistigen Wesens, das durch diese Tätigkeit den Gedanken hervorgebracht hatte, den man schaut. Die der geistigen Wahrnehmung dahinterstehende Tätigkeit wird durch Nachvollzug erkannt, d.h. erst durch solchen Nachvollzug ist volle geistige Wirklichkeit gegeben und verstanden.
Das geistig Wahrnehmliche als die wahrgenommene Außenseite der Gedanken muß aber dabei doch soviel "Kontur" haben, daß aus dieser das Auffinden der dahinter stehenden Tätigkeit angeleitet sein kann: Der Nachvollzug dieser Tätigkeit, die die Gedankenerscheinung hervorgebracht hat, muß ''passen''. Durch dieses Zusammenpassen, von Außen- und Innenseite der Gedanken können sich diese Seiten gegenseitig repräsentieren, und somit ist durch das Wahrnehmen von Gedankeninhalten die Tätigkeit miterkannt, indem sie durch korrekten Nachvollzug zum Vorschein kommt.
Diese gegenseitige Repräsentanz der Außenseite der Gedanken, die geschaut wird, und der Innenseite, die hervorgebracht wird, macht es auch nur erst möglich, daß Gedanken einander als Wahrheitskriterium dienen können. Was die Intuition als Gedankeninhalt reproduktiv hervorbringt, muß die gleiche inhaltliche Form haben, wie der geschaute Gedanke, den die Intuition erfassen will: Die inhaltliche Form der Tätigkeit. Tätigkeit ist Inhalt von Gedankenform. Im intuitiven Denken changieren im Wechsel des Hervorbringens und Beobachtens Inhalt und Form: Form wird zu Inhalt, und Inhalt zu Form. (Tätigkeit ist Form von Gedankeninhalt, und Gedankenform hat Tätigkeit zum Inhalt). Inhalt und Form zugleich zu sein, ist aber ein Merkmal von Bildern. Im Zusammenfall von Wesen und Erscheinung erscheint das Wesen.
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"Wille ist also die Idee selbst als Kraft aufgefaßt. (...) Wille ohne Idee wäre nichts. Das gleiche kann
man nicht von der Idee sagen, denn die Tätigkeit ist ein
Element von ihr, während sie die sich selbst tragende Wesenheit
ist." {{Lit|{{G|001|197f}}}}
</div>
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"Will man nämlich die eigentliche Bedeutung des Denkens kennenlernen,
will man kennenlernen das wirklich Wahre, daß das Denken diese
kosmische Bedeutung hat, dann muß man sich erheben zu der imaginativen
Anschauung, wie es in «Wie erlangt man Erkenntnisse der
höheren Welten?» beschrieben ist. Sowie man dem Denken jene
Abstraktheit abstreift, die es für unser Bewußtsein hat, und untertaucht
in jenes Meer der webenden Gedankenwelt, kommt man in
die Notwendigkeit, dadrinnen nicht nur solche abstrakte Gedanken
zu haben wie der Erdenmensch, sondern dadrinnen Bilder zu haben.
Denn aus Bildern ist alles geschaffen, Bilder sind die wahren
Ursachen der Dinge, Bilder liegen hinter allem, was uns umgibt,
und in diese Bilder tauchen wir ein, wenn wir in das Meer des
Denkens eintauchen." ({{G|157|298}})
</div>
Ein hermeneutisches oder Interpretationsproblem könnte es kaum geben, wenn man die Gedanken der 'Philosophie der Freiheit' wirklich geistig wahrnehmen und nachvollziehen könnte. Es käme lediglich auf das Vermögen an, die entsprechenden Intuitionen hervorzubringen, und auf exakte genaue Beobachtung, was man hervorbringt, festzustellen, und zu beurteilen, wie es mit dem schon intuitiv gegebenen<ref>Dieses "schon intuitiv gegebene" müßte für exaktes wissenschaftliches Forschen vom ersten gültigen, voraussetzungslosen Anfang an bewußt und kontrolliert aufgebaut sein. Für gewöhnlich ist das meist nicht der Fall, sondern es ist mit unbewußten, nicht bemerkten Vorurteilen, fraglos für gültig anerkanntes usw. durchsetzt, was für die Qualität allen weiteren Erkennens, das auf solch zweifelhafter Grundlage ruht, problematischer ist, als ein solides, methodologisch geleitetes hermeneutisches Vorgehen, das mit solcher Komplikation rechnet und methodisch einzuholen sucht.</ref><ref>Wollte man zu diesem bereits intuitiv Gegebenen auch das mit hinzurechnen wollen, was als die Außenseite der Gedanken, die ''andere'' Geistwesen hervorgebracht haben, geschaut wird, so müßte für eine exakte, wissenschaftliche Erkenntnis auch dieses Geschaute zunächst durch Nachvollzug verifiziert werden.</ref> zusammenpaßt. Beides, Gedanken hervorbringen, und sie genau beobachten, läßt sich üben. Interpretationsprobleme gibt es lediglich beim Studium des schriftlichen Wortlautes des Buches der 'Philosophie der Freiheit'. Eine ''gelebte'' Philosophie der Freiheit würde solche Probleme der Texthermeneutik nicht haben.
=== Der Übergang vom intuitiven Denken zum imaginativen Denken ===
Inhalt und Tätigkeit ergäben demnach zusammen die Wirklichkeit des Gedankens, der als Bild aber "nur" erst die Erscheinung der Idee wäre, zu der für ein noch tieferes Wirklichkeitsverständnis wieder das Wesen hinter der Erscheinung gesucht und erkannt werden müßte. Obwohl die Erscheinungsseite bereits für das Wesen steht, ginge es über die Wesensseite weiter tiefer hinein in die Wirklichkeit des Geistes. Das intuitive Denken als ''solches'' wäre noch nicht die Idee selbst, sondern "nur" Ausdruck, Bild der Idee, in welchem der für das intuitive Denken notwendige Unterschied von Inhalt und Tätigkeit zurückgenommen bzw. objektiviert ist<ref>Selbstbeobachtung des intuitiven Denkens ginge demnach von einer anfänglichen Abstraktheit direkt im Sinne einer allmählichen, oder möglicherweise auch abrupten Aufhellung in Imagination über, indem das Denken (als ''Einheit'' von Denken und Beobachtung bzw. Tätigkeit und Inhalt) (immer mehr) sich von sich selber (als der Idee, dem Urbild selbst) unterscheidet. "Man muß sich der Idee erlebend gegenüber stellen können" (S. 271). Dieses Erleben kommt im imaginativen Denken zum klaren Bewußtsein. Mittels der Imagination kann das Denken die Idee selbst beobachten, es ''sieht'' die Idee, kann sich in ihr ''bewegen'', und weiß sich zugleich mit ihr als von ''einem'' Wesen. Man könnte dies wohl auch als die Einholung, Bewußtmachung des in FN 3 genannten Ur-Unterschiedes, der dem intuitiven Denken noch unbewußt bleiben mußte, verstehen, bzw. als die Rückversetzung ''des'' (weiter unbewußten) Ur-Unterschiedes eine Stufe tiefer in die Idee hinein.</ref>. Bild der Idee und die Idee selbst sind zwar das gleiche (weil die Erscheinung für das Wesen steht), und doch andererseits auch wieder (noch) nicht, weil das Wesen mehr ist, als seine Erscheinung, d.h. noch tiefer scheinen kann. "Man suche etwas ''in'' den Phänomenen, sie selbst sind die Lehre" (modifiziertes Goethezitat).
<div style="margin-left:20px">
"Das Denken ist etwas ungeheuer
Kompliziertes, und nur einen Teil von dem, was da im Denken
vor sich geht, nimmt der Mensch in sein Bewußtsein auf. Denn
im Gedanken geht vor sich, was einen Zeitenprozeß bedeutet. Indem
wir wachen Sinnes wahrnehmen, sind wir zugleich kosmische
Menschen. Unser Vorgang des Sehens bewirkt das Leuchten, da
sind wir kosmische Raumesmenschen. Durch das, was im Denken
sich vollzieht, sind wir kosmische Zeitenmenschen, da wirkt alles mit,
was schon vor unserer Geburt geschehen ist, was nach unserem
Tode geschieht und so weiter. So nehmen wir durch unser Denken
am ganzen kosmischen Prozeß der Zeit teil, durch unser Sinneswahrnehmen am ganzen kosmischen Prozeß des Raumes. Und
nur der irdische Prozeß des Sinneswahrnehmens ist für uns selber.
Nun schreiten wir zum Fühlen vor. Vom Fühlen haben wir noch
viel weniger als vom Sinneswahrnehmen und vom Denken in unserem
Bewußtsein. Dieses Fühlen ist ein tiefer, tiefer Prozeß. Will
man nämlich die eigentliche Bedeutung des Denkens kennenlernen,
will man kennenlernen das wirklich Wahre, daß das Denken diese
kosmische Bedeutung hat, dann muß man sich erheben zu der imaginativen
Anschauung, wie es in «Wie erlangt man Erkenntnisse der
höheren Welten?» beschrieben ist. Sowie man dem Denken jene
Abstraktheit abstreift, die es für unser Bewußtsein hat, und untertaucht
in jenes Meer der webenden Gedankenwelt, kommt man in
die Notwendigkeit, dadrinnen nicht nur solche abstrakte Gedanken
zu haben wie der Erdenmensch, sondern dadrinnen Bilder zu haben.
Denn aus Bildern ist alles geschaffen, Bilder sind die wahren
Ursachen der Dinge, Bilder liegen hinter allem, was uns umgibt,
und in diese Bilder tauchen wir ein, wenn wir in das Meer des
Denkens eintauchen. Diese Bilder hat Plato gemeint, diese Bilder
haben alle gemeint, die von geistigen Urgründen gesprochen haben,
diese Bilder hat Goethe gemeint, wenn er von seiner Urpflanze
sprach. Diese Bilder findet man im imaginativen Denken. Aber dieses
imaginative Denken ist eine Wirklichkeit, und darin tauchen wir
ein, wenn wir in das wogende, im Strom der Zeit dahingehende
Denken eintauchen.
In das Fühlen versenken wir uns erst, wenn wir zur sogenannten
Inspiration kommen, die die höhere Art von Erkenntnis ist gegenüber
der Imagination. Alles das, was unserem Fühlen zugrunde
liegt, ist eigentlich ein Gewoge von Inspirationen." ({{G|157|297f.}})
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Aber dieses rein in sich selber sich erlebende Denken, das außerhalb
des Gehirns verläuft, stellt sich anders dar, als das gewöhnliche Denken.
Die gewöhnlichen Gedanken sind schattenhaft gegen die Gedanken,
die nunmehr wie eine neue Welt dastehen vor dem Geistesforscher,
wenn er außerhalb seines Leibes ist. Es durchdringen sich
die Gedanken mit innerer Bildhaftigkeit. Deshalb nennen wir das, was
sich da hinstellt vor das geistige Auge: Imaginationen - aber nicht
deshalb, weil wir glauben, daß diese nur etwas Phantastisches, Erdachtes
enthalten, sondern weil das, was da wahrgenommen wird, tatsächlich
bildhaft erlebt wird, imaginiert wird; aber diese Imagination
ist ein Untertauchen in die Dinge selbst, man erlebt die Dinge und
Vorgänge der geistigen Welt, und die Dinge und Vorgänge der geistigen
Welt stellen sich in Imaginationen vor die Seele hin. - So kann
das Denken abgesondert werden von dem physisch-leiblichen Leben,
und der Geistesforscher kann sich wissen in einer Welt geistiger Vorgänge
und Wesenheiten." ({{G|153|18}})
</div>
Wenn jemand meinen wollte, wenn es dann soweit ist, dann brauche man sich nicht mehr mit solchen Schwierigkeiten wie der korrekten Anwendung eines [[Wahrheitskriterium]]s<ref>"Ein weiteres wichtiges Ergebnis dieser Untersuchung ist die Abgrenzung der meditativ gewonnenen Bewußtseinsinhalte gegen visionäre Beeindruckungen und mediumistische Hervorbringungen. Das meditative Bewußtmachen des Übersinnlichen als eines von uns unterbewußt im Wirklichkeitsaufbau Vollzogenen führt stets zu solchen Erfahrungen, welche den Charakter des rückbestimmten Bestimmens haben, der uns aus unseren Evidenzerlebnissen bekannt ist. Alles diese Charakteristik nicht Aufweisende kann nicht den Anspruch des Übersinnlichen erheben. Damit sind die übersinnlichen Erfahrungen erkenntniswissenschaftlich eingeordnet. Es ist damit aber auch ein Unterscheidungsmerkmal gewonnen, welches es ermöglicht, Verwirrung stiftende Verwechslungen, Selbsttäuschungen und unberechtigte oder gar bewußt irreführende Ansprüche auf eine in Wahrheit nicht vorhandene Zuständigkeit für "Übersinnliches" als solche zu erkennen und gegen die echten Befunde der seelischen Beobachtung abzugrenzen." (Lit.: Herbert Witzenmann, ''Erkenntniswissenschaftliche Bemerkungen zur Bildhaftigkeit des übersinnlichen Schauens'', S. 114)</ref>  und dergleichen beschäftigen, so muß das wohl ein Irrtum sein, denn alle geistigen Erfahrungen müssen durch das Tor des intuitiven Denkens zurück, um als wissenschaftliche Erkenntnis gelten zu können.
<div style="margin-left:20px">
"Nicht anders ist es für die geistige Anschauung. Wenn diese durch die Seelenvorgänge auftritt, die ich in meiner späteren Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben habe, dann bildet sie wieder die eine Seite des - geistigen - Seins; und die entsprechenden Gedanken vom Geistigen bilden die andere Seite. Ein Unterschied tritt nur insofern auf, als die Sinneswahrnehmung durch den Gedanken gewissermaßen nach oben zum Anfang des Geistigen hin in Wirklichkeit vollendet, die geistige Anschauung von diesem Anfang an nach unten hin in ihrer wahren Wesenheit erlebt wird. Dass das Erleben der Sinneswahrnehmung durch die von der Natur gebildeten Sinne, das der Anschauung des Geistigen durch die erst auf seelische Art ausgebildeten geistigen Wahrnehmungsorgane geschieht, macht nicht einen prinzipiellen Unterschied." ({{G|002|98f}})
</div>
=== Moralische Intuition ===
''--> Hauptartikel: [[Moralische Intuition]]''
<div style="margin-left:20px">
"Die höchste Stufe des individuellen Lebens ist das begriffliche
Denken ohne Rücksicht auf einen bestimmten Wahrnehmungsgehalt.
Wir bestimmen den Inhalt eines Begriffes
durch reine Intuition aus der ideellen Sphäre heraus." (S. 165)
</div>
<div style="margin-left:20px">
"Wenn wir unter dem Einflüsse von
Intuitionen handeln, so ist die Triebfeder unseres Handelns
das [[reines Denken|''reine'' Denken]]. Da man gewohnt ist, das reine Denkvermögen
in der Philosophie als Vernunft zu bezeichnen, so ist
es wohl auch berechtigt, die auf dieser Stufe gekennzeichnete
moralische Triebfeder die praktische Vernunft zu nennen." (S. 165)
</div>
== Siehe auch ==
[[Denk-Erlebnis]]
== Anmerkungen ==
<references/>


==Literatur==
==Literatur==
*Franz Pfeiffer, ''Deutsche Mystiker des vierzehnten Jahrhunderts'', Zweiter Band: Meister Eckhart, Leipzig 1857, S 312 (Eckhart, Predigt 96)
#Rudolf Steiner: ''Die Theosophie des Rosenkreuzers'', [[GA 99]], Zehnter Vortrag, München, 3. Juni 1907
*[[Herbert Witzenmann]]: ''Intuition und Beobachtung'', Aufsatz in: Intuition und Beobachtung TL 1. Das Erfassen des Geistes im Erleben des Denkens, S. 73-102 (erstmals erschienen in Die Drei, 1948, überarbeitet), Verlag Freies Geistesleben, 1977, ISBN 3772506755
#Rudolf Steiner: ''Menschheitsentwickelung und Christus-Erkenntnis'', [[GA 100]] (1981)
*Herbert Witzenmann: ''Erkenntniswissenschaftliche Bemerkungen zur Bildhaftigkeit des übersinnlichen Schauens'', in: Verstandesblindheit und Ideenschau. Die Überwindung des Intellektualismus als Zeitforderung, Gideon Spicker, 1985, S. 96 - 122. (Zuerst als Aufsatz in den 'Beiträgen zur Weltlage' (Nr. 71, 1984), überarbeitet), ISBN 3857041730
#Rudolf Steiner: ''Der Orient im Lichte des Okzidents'', [[GA 113]] (1982)
*[[Anton Kimpfler]]: ''Die Himmelsleiter des Erkennens: Über Imagination, Inspiration und Intuition'', Verlag für Anthroposophie 2011, ISBN 978-3037690352
#Rudolf Steiner: ''Die vierte Dimension'', [[GA 324a]] (1995), ISBN 3-7274-3245-4 {{Vorträge|324a}}
*Rudolf Steiner: ''Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung'', [[GA 2]], Dornach 2002, ISBN 3-7274-0020-X; '''Tb 629''', ISBN 978-3-7274-6290-0 {{Schriften|002}}
* Rudolf Steiner: ''Die Philosophie der Freiheit'', [[GA 4]] (1995), ISBN 3-7274-0040-4; '''Tb 627''', ISBN 978-3-7274-6271-9 {{Schriften|004}}
*Rudolf Steiner: ''Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung'', [[GA 7]] (1987), Kapitel ''Gottesfreundschaft''
*Rudolf Steiner: ''Die Stufen der höheren Erkenntnis'', [[GA 12]] (1993), ISBN 3-7274-0120-6 {{Schriften|012}}
*Rudolf Steiner: ''Die Geheimwissenschaft im Umriß'', [[GA 13]] (1989), ISBN 3-7274-0130-3 {{Schriften|013}}
*Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis'', [[GA 191]] (1989), ISBN 3-7274-1910-5 {{Vorträge|191}}
*Rudolf Steiner: ''Initiations-Erkenntnis'', [[GA 227]] (2000), ISBN 3-7274-2271-8 {{Vorträge|227}}
*Rudolf Steiner: ''Menschenschicksale und Völkerschicksale'', [[GA 157]] (1981), ISBN 3-7274-1571-1 {{Vorträge|157}}
*Rudolf Steiner: ''Anthroposophie – Eine Zusammenfassung nach einundzwanzig Jahren'', [[GA 234]] (1994), ISBN 3-7274-2342-0 {{Vorträge|234}}


{{GA}}
{{GA}}


[[Kategorie:Grundbegriffe]]  
[[Kategorie:Grundbegriffe]] [[Kategorie:Alchemie]]
[[Kategorie:Bewusstsein]]
[[Kategorie:Schulungsweg]]
[[Kategorie:Intuition]]
[[Kategorie:Philosophie]]
[[Kategorie:Erkenntnistheorie]]
[[Kategorie:Spirituelles Bewusstsein|!]]
[[Kategorie:Geist]]
[[Kategorie:Atman]]

Version vom 11. April 2015, 13:12 Uhr

Die Feuerluft, gelegentlich auch als Akashastoff bezeichnet, bildete sich auf der alten Sonne, indem sich die aus der alten Saturnentwicklung stammende Wärme teilweise zu Licht und Luft (hebr. Ruach = Rauch) differenzierte. Sie ist nach okkulter Ansicht die Urmaterie, die allem materiellen Dasein zugrunde liegt. Als Sulfur- oder Schwefelprozess ist die Feuer-Luft einer der drei grundlegenden Prozesse der alchemistischen Tria Principia.

Die Feuernebel-Atmosphäre des alten Mondes

Die von wässerigen Substanzen durchzogene Feuerluft, der Feuernebel, bildete später die Atmosphäre des alten Mondes:

"Aus dem ganzen Grunde heraus wuchsen die Pflanzentiere, und darüber bewegten sich dann diejenigen Wesenheiten, die Menschentiere waren, in dem Umkreis des Mondes, den man mit «Feuerluft» bezeichnet. Denken Sie sich die ganze Luft ausgefüllt mit Salpeter-, Kohlen- und Schwefelsäuredämpfen; in dieser feurigen Luft, die Sie so bekommen würden, lebten die Mondenmenschen. Der Okkultist kannte immer diese Feuerluft; und unter den alten Erdverhältnissen gab es sogar die Möglichkeit, chemisch solche Feuerluft herzustellen, was heute nur in ganz kleinem Kreise geschehen kann. Das Wissen davon hat sich die echte Alchimie bewahrt. Wenn Sie daher im «Faust» lesen: ich will ein wenig Feuerluft machen..., so ist das ein Anklang an die Tiefen des Okkultismus. Feuerluft umhüllte den Mond, das war seine Atmosphäre." (Lit.: GA 100, S. 118)

Feuerluft und Elementarwesen

Die alten Alchemisten vermochten geeignete Bedingungen für die Feuerluft herzustellen und konnten dadurch gewisse Elementarwesen zu ihren Dienern machen.

"Diese Feuerluft, in der hebräischen Tradition «Ruach» genannt, kann tatsächlich in einer gewissen Weise dargestellt werden. Diese Ruach ist den heutigen Menschen verlorengegangen, die alten Alchimisten aber konnten die Bedingung dafür herstellen; sie konnten dadurch Elementarwesen zu ihren Dienern machen. Dieser Feuernebel war also in den alchimistischen Zeiten etwas durchaus Bekanntes, und je weiter wir zurückgehen, desto mehr hatten die Menschen die Möglichkeit, ihn herzustellen. Diesen Feuernebel atmeten unsere Vorfahren auf dem Monde. Er hat sich weiterentwickelt und hat sich differenziert in die heutige Luft und in das, was sonst auf der Erde unter der Einwirkung des Feuers entstanden ist." (Lit.: GA 099, S. 109)

Die Wahrnehmung der Feuerluft bis zur urindischen Zeit

Noch in der urindischen Zeit wurde die Feuerluft in gewissser Weise wahrgenommen. Die Urinder konnten noch die Seele des Lichts, d.h. die Spuren der in der Luft damals wirkenden Feuergeister, sehen. Was wir heute als Luft erleben, das wurde damals noch als Feuer wahrgenommen. Umgekehrt wurde damals das, was wir als Feuer wahrnehmen, als Luft erlebt:

"Man kann durch die geisteswissenschaftliche Forschung heute konstatieren, daß die meisten Menschen des alten Indiens ihren Atem noch ganz anders wahrgenommen haben. Es hatte sich noch nicht aus dem, was um die damaligen Menschen vorging, die Seele des Lichtes zurückgezogen; so nahmen sie wahr die ein- und ausgeatmete Luft in verschieden hellen und dunklen Farbennuancen. Sie sahen wie in Feuerstrahlen einströmen die Luft und wiederum hinausgehen. So können Sie also sagen: Im Grunde genommen ist auch die Luft sogar durch das, was sich alles geändert hat für die menschliche Anschauung etwas ganz anderes geworden. Die Luft ist heute etwas, was der Mensch im Grunde genommen wahrnimmt nur mechanisch durch den Widerstand, den sie ihm bietet, weil er die Seele des Lichtes, die die Luft durchdringt, nicht unmittelbar wahrnimmt. Auch aus diesem letzten Rest des instinktiven Schauens ist der Mensch herausgegangen. Der alte Inder würde daher nicht einfach Luft genannt haben, was aus- und eingeatmet wird, sondern Feuerluft, weil er es in verschiedenen Graden des feurigen Erstrahlens wahrgenommen hat. Das altindische Bewußtsein sah feurige Massen durch die Luft dahinziehen. Sehen Sie sich um in den morgenländischen Schriften, wie da die Elemente aufgezählt werden : Erde (prithivi), Wasser (apas), Feuer (tedschas), Luft (vayu), Äther (akasha). Erst von der griechischen Zeit an finden wir die andere Aufzählung, die uns heute selbstverständlich ist und die wir zugrunde legen müssen allem Begreifen, nämlich: Erde, Wasser, Luft, Feuer und die anderen Ätherarten. Warum ist das so? Das altindische Bewußtsein sah – geradeso wie der heutige Mensch draußen die Dinge, die sich manifestieren durch das Feste, was man das Erdige nennt, sieht – durch das Flüssige, was man geistig gesprochen das Wasser nennt. Was wir heute Luft nennen, das war ihm schon Feuer, denn da sah man schon das Feuer in der Luft, und bezeichnete das, was man sah, als Feuer. Wir sehen dies Feuer nicht mehr, wir fühlen es als Wärme. Und erst, wenn sie etwas höher hinaufrückten in der Elementenreihe, rückten die Inder in ein Element ein, wo sich für die Menschheit, weil sich alles gewandelt hat seit dem vierten Zeitraum der nachatlantischen Zeit, das herausstellte, was wir heute die vom Lichte durchdrungene, aber nicht das Licht zeigende Luft nennen. In Feuer und Luft hat sich die ganze Anschauung der Menschen umgedreht." (Lit.: GA 113, S. 141ff)

Der Sulphurprozess und eine Anschauungsübung für den vierdimensionalen Raum

Wasser, Luft, Licht und Feuer stellen sich dar als die vier Dimensionen des astralen Raumes. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass der Astralraum als solcher vierdimensional ist. Für sich gesehen ist die Astralwelt bildhaft zweidimensional. Vierdimensional ist vielmehr das Bewusstsein, das zugleich die physische Welt und die Astralwelt umspannt. Luft und Feuer bilden gemeinsam die Feuerluft, den Schwefelprozess.

"Derjenige, welcher eine wirkliche Anschauung des vierdimensionalen Raumes sich erwerben will, muß ganz bestimmte Anschauungsübungen machen. Er bildet sich zunächst eine ganz klare, vertiefte Anschauung vom Wasser. Eine solche Anschauung ist nicht so ohne weiteres zu bekommen, man muß sich sehr genau in die Natur des Wassers vertiefen; man muß sozusagen hineinkriechen in das Wasser. Das zweite ist, daß man sich eine Anschauung von der Natur des Lichtes verschafft; das Licht ist etwas, was der Mensch zwar kennt, aber nur so, daß er es von außen empfängt; durch das Meditieren kann er das innere Gegenbild des Lichtes bekommen, wissen, woher Licht entsteht, und daher selbst Licht hervorbringen. Das kann derjenige, der reine Begriffe wirklich meditativ auf seine Seele wirken läßt, der ein sinnlichkeitsfreies Denken hat. Dann geht ihm die ganze Umwelt als flutendes Licht auf, und nun muß er gleichsam chemisch die Vorstellung, die er sich vom Wasser gebildet hat, mit der des Lichtes verbinden. Dieses von Licht ganz durchdrungene Wasser ist ein Körper, der von den Alchemisten «Merkurius» genannt wurde. Das alchemistische Merkur ist aber nicht das gewöhnliche Quecksilber. Erst muß man in sich die Fähigkeit erwecken, aus dem Begriff des Lichtes Merkurius zu erzeugen. Merkurius, lichtdurchdrungene Wasserkraft, ist dasjenige, in dessen Besitz man sich dann versetzt. Das ist das eine Element der astralen Welt.

Das zweite entsteht dadurch, daß Sie sich ebenso eine anschauliche Vorstellung von der Luft machen, dann die Kraft der Luft durch einen geistigen Vorgang heraussaugen, sie mit dem Gefühl in sich verbinden, und Sie entzünden so den Begriff «Wärme», «Feuer», dann bekommen Sie «Feuerluft». Also das eine Element wird herausgesogen, das andere wird von Ihnen selbst erzeugt. Dieses - Luft und Feuer - nannten die Alchemisten «Schwefel», Sulfur, leuchtende Feuerluft. Im wäßrigen Elemente, da haben Sie in Wahrheit jene Materie, von der es heißt: «und der Geist Gottes schwebte über den Wassern».

Das dritte Element ist «Geist-Gott», das ist «Erde» verbunden mit «Schall». Das ist eben was entsteht, wenn man der Erde die Kräfte entzieht und mit dem Schall verbindet. Jene «Wasser» sind nicht gewöhnliche Wasser, sondern was man eigentlich astrale Materie nennt. Diese besteht aus vier Arten von Kräften: Wasser, Luft, Licht und Feuer. Und das stellt sich dar als die vier Dimensionen des astralen Raumes." (Lit.: GA 324a, S. 60f Nachschrift von Walter Vegelahn; für die Nachschrift von Franz Seiler siehe: GA 324a, S. 58ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Theosophie des Rosenkreuzers, GA 99, Zehnter Vortrag, München, 3. Juni 1907
  2. Rudolf Steiner: Menschheitsentwickelung und Christus-Erkenntnis, GA 100 (1981)
  3. Rudolf Steiner: Der Orient im Lichte des Okzidents, GA 113 (1982)
  4. Rudolf Steiner: Die vierte Dimension, GA 324a (1995), ISBN 3-7274-3245-4 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
Freie Werkausgaben gibt es auf steiner.wiki, bdn-steiner.ru, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.