Nikotin und GA 304: Unterschied zwischen den Seiten

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'''Nikotin''' ist ein [[Wikipedia:Alkaloid|Alkaloid]], das hauptsächlich in [[Wikipedia:Tabak|Tabak]]pflanzen, in geringeren Mengen auch in anderen [[Wikipedia:Nachtschattengewächse|Nachtschattengewächse]]n vorkommt und vom [[Mensch]]en hauptsächlich durch das '''Rauchen''' in geringen Mengen in den [[Organismus]] aufgenommen wird. Eine Zigarette enthält etwa 12mg Nikotin, die aber nur teilweise in den Tabakrauch übergehen. In reiner Form ist Nikotin eine farblose, ölige Flüssigkeit, die sich an der Luft rasch braun verfärbt. Nikotin ist ein starkes [[Nerven]]gift. Die [[Wikipedia:Letale Dosis|tödliche Dosis]] für den erwachsenen [[Mensch]]en liegt bei etwa einem Milligramm pro Kilogramm Körpermasse; Nikotin ist damit giftiger als [[Arsen]] oder [[Kaliumcyanid]]. Gelangt Nikotin in den Blutkreislauf, regt es die Ausschüttung von [[Wikipedia:Adrenalin|Adrenalin]] und der [[Wikipedia:Neurotransmitter|Neurotransmitter]] [[Wikipedia:Dopamin|Dopamin]] und [[Wikipedia:Serotonin|Serotonin]] an. Nikotin steigert den Blutdruck und erhöht die Pulsfrequenz, wodurch nach [[Rudolf Steiner]] zugleich der [[Sauerstoff]]bedarf gesteigert wird. Da die Atemfrequenz aber nicht in gleichem Mass gesteigert wird, entsteht durch Nikotingenuß eine latente kleine Atemnot, die [[Unterbewusstsein|unterschwellige]] [[Angst]]zustände auslöst. Durch die Erhöhung der Herzfrequenz wird das Lebenstempo des [[Mensch]]en überhaupt gesteigert, wodurch der [[Organismus]] stärker belastet wird. Eine gewisse positiv anregende Wirkung hat Nikotin bei Menschen mit zu trägem Pulssschlag, was sich [[seelisch]] so auswirkt, "daß er herumgeht und irgend etwas will, aber er weiß nicht, was er will. Die sind dann, wie man sagt, unbefriedigt im Leben." {{Lit|{{G|348|352}}}} In diesen Fällen empfiehlt Rudolf Steiner sogar mäßigen Tabakkonsum.
== Erziehungs- und Unterrichtsmethoden auf anthroposophischer Grundlage ==


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Neun öffentliche Vorträge 1921 und 1922 in verschiedenen Städten
"Bringe ich also Tabak in den menschlichen Organismus,
so regt er zunächst die Blutzirkulation an. Das Blut wird lebhafter, zirkuliert lebhafter.
Jetzt regt es aber nicht in demselben Maße die Atmung an. Die Atmungsstöße,
die bleiben dieselben. Aber nun paßt der Blutkreislauf nicht mehr mit der Atmung
zusammen. Die Folge davon ist, daß, während sich mit jedem Pulsschlag eine bestimmte
Menge Sauerstoff mit dem Blut verbinden sollte, das Blut nicht genügend
Sauerstoff erhält. Die Folge der Nikotinvergiftung ist also, daß das Blut zu große
Mengen Sauerstoff aufnehmen will, das heißt, daß das Blut zu viel Sauerstoff beansprucht.
Die Atmung gibt nicht so viel Sauerstoff her. Daher kommt es, daß eine ganz
geringe Atemnot eintritt. Diese ganz kleine Atemnot verursacht nämlich bei jedem
Atemzug ein Angstgefühl...


Die Folge davon ist, daß der Mensch ein viel zu
=== Inhalt (Auswahl) ===
schnelles Lebenstempo einschlägt und sich deshalb furchtbar rasch abnutzt. Und so
wird derjenige, der eben für seine Leibesverhältnisse zu viel Nikotin in seinen Leib
hineinbekommt, daran langsam zugrundegehen. Er geht eigentlich langsam zugrunde
an allerlei inneren, das Herz beeinflussenden Angstzuständen. Bei solchen
Menschen wird gewöhnlich die Nikotinvergiftung auch dadurch erkannt werden,
daß man findet, ihre Gedanken kommen nicht mehr ganz in Ordnung. Sie urteilen
gewöhnlich viel zu rasch. Sie steigern dann dieses viel zu rasche Urteilen manchmal
bis zu Verfolgungswahngedanken. So also kann man sagen, daß tatsächlich der Nikotingenuß,
wenn er als Genuß figuriert, die menschliche Gesundheit untergräbt.
Wenn der Blutkreislauf zu schnell ist im Verhältnis zum Atmen, hat man es mit
furchtbaren Angstzuständen zu tun, die aber nicht bewußt werden. Wenn aber einer
einen zu schwachen Blutkreislauf von irgend etwas anderem hat, dann drückt sich
das dadurch aus, daß er herumgeht und irgend etwas will, aber er weiß nicht, was er
will. Die sind dann, wie man sagt, unbefriedigt im Leben. Und wenn man also solch
einen Menschen hat, dann kann man sagen: Es ist sogar gut, ihm etwas Nikotin beizubringen,
ihn durch Nikotin zu heilen. Und da ihm das Rauchen angenehm ist, so
braucht man ihm nicht Nikotin als Medizin zu geben, sondern man kann ihm sogar
anraten, er solle rauchen, wenn er früher kein Raucher war." {{Lit|{{G|348|250ff}}}}
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Nach Auskunft des anthroposophischen Arztes [[Werner Christian Simonis]] lindert regelmässiges Rauchen auch die unterschwellige Aggressivität eines Menschen. Dies berichtet jedenfalls [[Hermann Keimeyer]].
Die anthroposophische Geisteswissenschaft und die großen Zivilisationsfragen
 
der Gegenwart / Erziehungs-, Unterrichts- und praktische Lebensfragen / Die pädagogische
Sofern Tabakgenuß nicht zum Suchtverhalten führt, hat er keinen störenden Einfluss auf den [[geist]]igen [[Schulungsweg]].
Bedeutung der Erkenntnis vom gesunden und kranken Menschen / Die pädagogische
 
Grundlage der Waldorfschule / Das Drama mit Bezug auf die Erziehung / Shakespeare und die
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neuen Ideale
"Wenn man sich hinsetzen muß und irgendwie ein schweres
Buch liest, da wird das Blut angeregt. Sobald man sich anstrengen muß,
um etwas zu verstehen, wird das Blut angeregt. Aber das wollen ja die
Leute heute nicht mehr. Die wollen nicht sich anstrengen, um etwas zu
verstehen. Das ist etwas, was den Leuten ganz zuwider ist. Sie wollen
nichts verstehen! Und dadurch, wenn sie nichts verstehen wollen, wird
ihr Blut dick gemacht. Das dicke Blut geht dann langsamer, und die
Folge davon ist, daß sie fortwährend ein Mittel brauchen, um dieses
tatsächlich immer dicker werdende Blut in Gang zu bringen. In Gang
wird es gebracht, wenn sie den Glimmstengel, den Nikotinstengel in den
Mund stecken; aber dünner wird es nicht, nur die Blutzirkulation wird
immer schwerer. Und die Folge kann dann sein, daß sie in einem Alter,
wo das noch nicht der Fall zu sein brauchte, allerlei Alterserscheinungen
kriegen.
 
Man sieht daraus, wie der menschliche Körper außerordentlich fein
in seiner Tätigkeit ist. Nicht nur, wenn man das Blut untersucht, bekommt
man etwas heraus, sondern man bekommt auch etwas heraus,
wenn man die Art und Weise, wie sich ein Mensch verhält, ob er langsam
oder schnell denkt, untersucht.
 
Also Sie sehen, meine Herren: Derjenige, der etwas wissen will über
die Wirkung des Nikotins, der muß eben den ganzen Blutkreislauf und
die Atmung genau kennen." {{Lit|{{G|348|254}}}}
</div>
 
Der Name des Nikotins leitet sich von dem französischen Diplomaten und Gesandten am portugiesischen Hof [[Wikipedia:Jean Nicot|Jean Nicot]], sieur de Villemain ([[Wikipedia:1530|1530]] in [[Wikipedia:Nîmes|Nîmes]]; † [[Wikipedia:1604|1604]] in [[Wikipedia:Paris|Paris]]) ab, der den [[Wikipedia:Tabak|Tabak]] als Heilpflanze nach [[Wikipedia:Frankreich|Frankreich]] brachte, wo sich dadurch der Tabakkonsum schon sehr früh weit verbreitete.


== Literatur ==
== Literatur ==
 
#Rudolf Steiner: ''Erziehungs- und Unterrichtsmethoden auf anthroposophischer Grundlage'', [[GA 304]] (1979), ISBN 3-7274-3040-0 {{Vorträge|304}}
#Rudolf Steiner: ''Über Gesundheit und Krankheit. Grundlagen einer geisteswissenschaftlichen Sinneslehre'', [[GA 348]] (1997)
#Werner Christian Simonis: ''Genuss aus dem Gift?'', Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 1979


{{GA}}
{{GA}}


[[Kategorie:Medizin]] [[Kategorie:Heilkunst]]
[[Kategorie:GA]] [[Kategorie:GA (Erziehung)]] [[Kategorie:Gesamtausgabe]]

Version vom 13. November 2009, 09:55 Uhr

Erziehungs- und Unterrichtsmethoden auf anthroposophischer Grundlage

Neun öffentliche Vorträge 1921 und 1922 in verschiedenen Städten

Inhalt (Auswahl)

Die anthroposophische Geisteswissenschaft und die großen Zivilisationsfragen der Gegenwart / Erziehungs-, Unterrichts- und praktische Lebensfragen / Die pädagogische Bedeutung der Erkenntnis vom gesunden und kranken Menschen / Die pädagogische Grundlage der Waldorfschule / Das Drama mit Bezug auf die Erziehung / Shakespeare und die neuen Ideale

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Erziehungs- und Unterrichtsmethoden auf anthroposophischer Grundlage, GA 304 (1979), ISBN 3-7274-3040-0 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org English: rsarchive.org
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
Freie Werkausgaben gibt es auf steiner.wiki, bdn-steiner.ru, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.