Geistige Welt

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Die geistige Welt im weitesten und allgemeinsten Sinne umfasst alle übersinnlichen Daseinsbereiche, die über der sinnlich-physischen Welt liegen und zusammenfassend auch als höhere Welten bezeichnet werden. Dazu sind auch die Ätherwelt und die Astralwelt zu rechnen. Im engeren und eigentlichen Sinn ist mit dem Ausdruck geistige Welt aber das Devachan und insbesondere das obere Devachan gemeint, wo die schöpferischen Quellen für alles Geschaffene, d.h. für alles Seelische, Lebendige und Physische entspringen.

Über dem Devachan liegen noch höhere Weltbereiche, zunächst der Buddhiplan, die Welt der Vorsehung, als der Inbegriff des aktiven schöpferischen Lebens. Der darüber liegende Nirvanaplan ist die Quelle allen aktiven Seins. Hier entspringt die Schöpfung aus dem Nichts. Von dort stammt auch der geistige Wesenskern des Menschen, die Monade. Als Folge der luziferischen Versuchung in der lemurischen Zeit stieg die Monade zur irdischen Inkarnation herab und damit bildete der Mensch erstmals individuelles Karma. Nirvana ist in gewissem Sinn die Quelle, aus der das individuelle Karma stammt, und es ist zugleich die Senke, in die hinein es wieder verschwindet und sich auflöst. Über dem Nirvanaplan liegen noch der Parinirvanaplan und der Mahaparinirvanaplan.

Christus wird immer so zu uns sprechen, dass er uns ermahnt: Solange wir in der geistigen Welt sind, sollen wir eins sein mit dieser geistigen Welt; wenn wir wieder zurückkommen, sollen wir auf der Erde als rechte Erdenmenschen leben; denn nur mit dem Geiste sollen wir in der Geistwelt sein wollen.

Luzifer wird uns immer aufstacheln und versuchen, dass wir wollen drinnenbleiben in der geistigen Welt, aufgehen wollen in der Lust der geistigen Welt, aufgehen in dem Wohlgefallen der geistigen Welt.

Ahriman wird uns immer ermahnen, dass wir sollen seine Dienste annehmen, dass wir sollen die geistige Welt herüberreißen in die physische.

Solches muss man auf seine Seele wirken lassen, damit man sich richtig drinnenfühlt in der ganzen Situation des Menschen gegenüber der geistigen Welt.“ (Lit.:GA 270, S. 294)

„... der Geistesforscher [...] muß das, was man im gewöhnlichen Leben im Dienste des äußeren Wissens verwendet, dazu verwenden, seine Geisteskräfte gelenkiger, gefügiger zu machen. Denn wenn man diese Kräfte, anstatt sie zum Nutzen und Vorteil in der physischen Welt zu verwenden, in den Dienst der Selbsterziehung stellt, wie dies in der Meditation und in der Konzentration und in den Übungen, die man bekommt, geschieht, dann bereitet man sich vor, in die geistige Welt einzudringen. Und nehmen Sie dieses Wort, das ich sage: man bereitet sich vor - als etwas außerordentlich Wichtiges. Denn im Grunde genommen kann man überhaupt nichts anderes tun, als sich vorbereiten, um in die geistige Welt einzudringen; das übrige ist Sache der geistigen Welt, die muß uns dann entgegenkommen. Sie kommt uns aber nicht entgegen, wenn wir nur so sind, wie wir als Menschen auf dem physischen Plan gewöhnlich sind. Nur wenn wir in der geschilderten Weise unsere Seelenkräfte umgewandelt haben, können wir hoffen, daß uns die geistige Welt entgegenkommt. Es kann nicht so sein wie bei einer Forschung in der physischen Welt, wo man so ohne weiteres an die Dinge herangeht. Man kann sich nur vorbereiten, damit, wenn die Dinge der geistigen Welt an einen herantreten, sie uns dann nicht entgehen, sondern daß sie wirklich auf uns einen Eindruck machen.“ (Lit.:GA 156, S. 19f)

Allgemeine Regeln, Prinzipien und Schemata haben keinen Wert für die Erkenntnis der geistigen Welt. Hier ist alles individuell:

„Wer ein Prinzipienreiter ist, wer Regeln nimmt so, daß sie gar keine Ausnahme haben dürfen, der kann eigentlich niemals in die geistige Welt hereinkommen. Denn in der geistigen Welt ist einmal alles anders als in der physischen Welt. Selbst die einfachsten Sachen sind in der geistigen Welt anders als in der physischen Welt. Ich möchte Ihnen davon ein Beispiel geben. Was könnte klarer sein für einen Menschen, der in der physischen Welt lebt, als der allgemeine mathematische Grundsatz : Das Ganze ist größer als jeder seiner Teile, oder: Die Gerade ist der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten. Nun, es muß doch einer wirklich verrückt sein, wenn er bestreiten wollte, das Ganze wäre nicht größer als jedes seiner Teile. Man nennt solche Dinge Axiome, weil sie durch sich selbst wahr sind und eines Beweises, wie man so schön sagt, weder fähig noch bedürftig sind. So heißt die Formel. So ist es auch mit dem Satze: Die Gerade ist der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten. Aber beide Sätze gelten nicht mehr in der geistigen Welt. In der geistigen Welt gilt sogar der Satz: Das Ganze ist immer kleiner als jedes seiner Teile. Und schon im Menschenwesen finden wir das bekräftigt und bewahrheitet. Wenn Sie nämlich das Geistige von Ihrem physischen Menschen in der geistigen Welt betrachten, so ist es ungefähr so groß - etwas größer, aber ungefähr so groß, wie Sie selbst auch in der physischen Welt sind. Wenn Sie aber Ihre Lungen oder Leber in der geistigen Welt betrachten, so sind die riesengroß, und dennoch, sie sind die Teile eines Kleinen. Da müssen wir umdenken lernen. In der geistigen Welt ist die Gerade gar nicht der kürzeste Weg, sondern der allerlängste, weil es in der geistigen Welt, wenn wir von einem Punkte zum anderen kommen, ganz anders hergeht. In der physischen Welt, da geht es pedantisch zu: dieser Weg ist lang, dieser Weg ist länger, jener Weg ist der kürzeste: die Gerade. - In der geistigen Welt ist es nicht so, sondern da bietet, «gerade» herzukommen, so große Schwierigkeiten, daß jeder der krummen Wege kürzer ist als der gerade. Und es hat auch keinen Sinn zu sagen: Die Gerade ist der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten -, weil sie in der Tat der längste ist.

Man muß sich durchaus bekanntmachen damit, daß in der geistigen Welt alles anders ist als in der physischen Welt. Deshalb kommen die Menschen so schwer mit ihren Übungen, die sie treulich machen, in die geistige Welt herein, weil sie mit ihrem Urteil haften an solchen Vorurteilen, daß das Ganze größer sei als seine Teile, oder die Gerade der kürzeste Weg sei zwischen zwei Punkten. So ist es mit den Axiomen. Aber alle anderen Wahrheiten für die physische Welt müssen auch abgewöhnt werden, sobald man in die geistige Welt eindringen will. Und so ist es nämlich, daß es in der geistigen Welt keine Prinzipien geben kann, sondern alles ist individuell. Man muß jedes Ding für sich einzeln kennenlernen. Dieses schreckliche logische Zusammenfassen, dieses Ausgeben allgemeiner Regeln gibt es gar nicht in der geistigen Welt.“ (Lit.:GA 239, S. 190ff)

Literatur

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